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Medikamente bei Allergien - Hilfe aus der Apotheke

Medikamente können bei allergischen Reaktionen zum Lebensretter werden. Doch nicht alle Mittel aus der Apotheke sind gleichermaßen gut geeignet.

Eine Auswahl der Medikamente bei Allergien die wir bewertet haben:

  • Aerius 5 mg Filmtabletten
  • Allergodil Augentropfen
  • Allergodil Nasenspray
  • Astepro 0,15 % Nasenspray
  • Azelavision sine 0,5 mg Augentropfen
  • Cetirhexal 10 mg Filmtabletten
  • Cetirizin Actavis 10 mg Filmtabletten
  • Desloratadin +pharma 5 mg Filmtabletten
  • Desloratadin Aristo 0,5 mg Lösung
  • Desloratadin Genericon 5 mg Filmtabletten
  • Desloratadin Sandoz 5 mg Filmtabletten
  • Dymista 137 μg Nasenspray
  • Levocetirizin +pharma 5 mg Filmtabletten
  • Levocetirizin Genericon 5 mg Filmtabletten
  • Levocetirizin Hexal 5 mg Filmtabletten
  • Lomusol Augentropfen
  • Lomusol Nasenspray
  • Lorano 10 mg Schmelztabletten
  • Loratadin Acarna 10 mg Filmtabletten
  • Mometason Cipla 50 μg Nasenspray
  • Mometason Hexal 50 μg Nasenspray
  • Multodrin Salbe
  • Nasonex aquosum Nasenspray
  • Rhinon Nasentropfen
  • Xyzall 5 mg Filmtabletten
  • Zaditen 0,025 % Augentropfen
  • Zyrtec 10 mg Filmtabletten
  • uvm.

Die Testtabellen informieren über: Beurteilung, Inhaltstoffe, Preis, Verpackungsgröße

Lesen Sie nachfolgend den Testbericht.


Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Substanzen. Die Betroffenen zeigen zum Teil heftige Symptome, wenn sie mit an sich unproblematischen Stoffen, etwa Pollen, Tierhaare oder Nahrungsmittel, in Berührung kommen.

Das Immunsystem stuft diese als gefährlich ein und setzt eine Kaskade von Abwehrmechanismen in Gang. Vor allem dort, wo der Körper mit den Allergenen in direkten Kontakt kommt – an der Haut, in den oberen Atemwegen, in der Lunge und im Darm –, bilden sich Entzündungen. Im schlimmsten Fall können allergische Reaktionen tödlich sein (Anaphylaxie).

Ursachen für Allergien

Allergien können sich langsam entwickeln. Stoffe, auf die wir nie Unverträglichkeitsreaktionen zeigten, werden dabei zum Problem. So können Menschen, die jahrelang eine Katze hatten, im Lauf der Zeit eine Tierhaarallergie entwickeln. Die Neigung für eine Allergie ist vermutlich angeboren. Sind beide Elternteile betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit für das Kind bei 40 bis 60 Prozent.

Ist nur ein Elternteil Allergiker, tritt in rund 20 bis 40 Prozent der Fälle auch beim Kind eine Allergie auf. Neben Vererbung dürfte auch unsere Lebensweise zur steigenden Allergierate beitragen. Durch die zunehmend "steriler" werdenden Lebensumstände wird das Immunsystem von Kindern immer weniger Reizen ausgesetzt und somit weniger trainiert. Treten schon im frühen Kindesalter erste Symptome auf (z.B. Neurodermitis), steigt das Risiko, später an einer Allergie zu erkranken.

Maßnahmen und Therapien

Das Wichtigste für Betroffene ist es, abzuklären, gegen welche Stoffe eine Allergie vorliegt und diese dann möglichst zu meiden. Besonders wichtig ist dies bei Nahrungsmittelallergien. Die Symptome sowie die Allergie selbst können mittels einer Hyposensibilisierung behandelt werden.

Dazu werden Betroffene bestimmten Allergenen, etwa Pollen, Schimmelpilzen oder Hausstaubmilben ausgesetzt. Dadurch soll das Immunsystem allmählich an ein bestimmtes Allergen gewöhnt werden. Eine spezifische Immuntherapie zur Hyposensibilisierung von Allergikern kann sich über mehrere Jahre erstrecken und ist nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll.

Medikamentöse Therapie

Medikamentöse Therapie

Tritt eine allergische Reaktion auf, ist eine medikamentöse Behandlung meist unumgänglich. Anders als bei der Hyposensibilisierung zielt diese auf die Beseitigung beziehungsweise Linderung der Symptome ab. Die allergische Erkrankung selber kann damit nicht geheilt werden. Durch eine Langzeittherapie kann allerdings verhindert werden, dass Gewebeschäden auftreten, zudem kann so einer weiteren Verschlechterung der Erkrankung vorgebeugt werden.

Zum Einsatz kommen hauptsächlich Wirkstoffe wie Antihistaminika, entzündungshemmende Glukokortikoide oder Mastzellenstabilisatoren. Bei akuten Beschwerden, zum Beispiel bei Heuschnupfen, können auch abschwellungsfördernde Nasensprays (Alpha-Sympathomimetika) und bei Asthma bronchienerweiternde Medikamente zur Inhalation, angewendet werden. Eine medikamentöse Behandlung muss immer auf Basis einer ärztlichen Diagnose und in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Antihistaminika zählen zu den bekanntesten antiallergischen Medikamenten. Sie können bei allen Allergieformen, außer allergischem Asthma, eingenommen werden. Antihistaminika wirken über den Blutkreislauf und erreichen somit alle Körperregionen und Gewebe. Sie besetzen die Andockstellen (Rezeptoren) der Zellen für den Botenstoff Histamin, der bei allergischen Reaktionen vermehrt ausgeschüttet wird und für viele Symptome verantwortlich ist. Vor allem ältere Antihistaminika der ersten Generation haben allerdings die Eigenschaft, dass sie stark müde machen.

Mastzellenstabilisatoren hemmen die Ausschüttung von Histamin und anderen Entzündungsbotenstoffen aus den körpereigenen Abwehrzellen (Mastzellen). Eingesetzt werden diese Medikamente als Prophylaxe, etwa bei Heuschnupfen. Die Anwendung erfolgt immer lokal, also in Form von Inhalationen, Nasensprays oder Augentropfen.

Kortison (Glukokortikoide) ist ein Überbegriff für eine Gruppe von Substanzen, die in ihrer chemischen Struktur und Wirkung auf dem körpereigenen Hormon Kortisol basieren. Die Präparate zeichnen sich durch eine stark entzündungshemmende Wirkung aus. Medikamente mit Kortisol sind bereits seit langem auf dem Markt. Anfangs wusste man wenig über ihre sachgerechte Anwendung, deshalb wurden kortisonhaltige Medikamente in der Vergangenheit oft falsch eingesetzt – nämlich in zu starker Dosierung und über zu lange Zeiträume. Vielfach kam es daher zu teils heftigen unerwünschten Wirkungen. Kortison sollte deshalb nur kurzzeitig (wenige Tage bis maximal zwei oder drei Wochen) und in möglichst niedriger Dosis eingenommen werden.

Alpha-Sympathomimetika werden an Binde- und Nasenschleimhaut lokal angewandt. Sie wirken gefäßverengend und wegen der Durchblutungsverminderung abschwellend sowie sekretionshemmend. Diese Präparate sollten immer nur kurzfristig zum Einsatz kommen, da bei längerer Anwendung Schleimhautschädigungen drohen.

Medikamente im Test

Medikamente im Test

Wir haben 48 rezeptpflichtige und 18 nicht rezeptpflichtige Medikamente getestet. Von den rezeptpflichtigen Arzneimitteln wurden 36 als "geeignet" eingestuft, 3 als "auch geeignet", 8 als "mit Einschränkung geeignet" und 2 als "wenig geeignet". Bei den rezeptfreien Medikamenten wurden 9 als "geeignet", 2 als "auch geeignet", 3 als "mit Einschränkung geeignet" und 4 als "wenig geeignet" bewertet.

Keine Bewertungen liegen uns zu Medikamenten mit relativ neuen Wirkstoffen, z.B. Bilastin (Nasitop), vor. Der Grund dafür ist, dass das Verträglichkeitsprofil noch nicht abschließend eingeschätzt werden kann. 

Systemische Antihistaminika

Präparate mit folgenden Wirkstoffen sind zur systemischen Behandlung von Allergien geeignet:

  • Loratadin
  • Levocetirizinhydrochlorid
  • Azelastin
  • Cetirizinhydrochlorid
  • Desloratadin

Antihistaminika mit dem Wirkstoff Dimetindenmaleat werden aufgrund ihrer stark müde machenden Wirkung als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Die Einnahme macht Sinn, wenn eine Beruhigung erwünscht ist, etwa bei Schlafstörungen.

Kombinationspräparate, die auch ein Sympathomimetikum enthalten, werden mit "wenig geeignet" beurteilt. Das gefäßverengende Sympathomimetikum kann bei Dauereinnahme zu schweren Schäden der Schleimhaut führen. Zudem liegen keine ausreichenden Daten vor, dass Allergiesymptome damit besser bekämpft werden können als mit einem Antihistaminikum alleine.

Konservierungsmittelfreie Augentropfen, Nasentropfen und Nasensprays mit einem Antihistaminikum werden mit "geeignet" bewertet. Präparate, die einen Konservierungsstoff (Benzalkoniumchlorid) enthalten, werden mit "auch geeignet" bewertet, da Konservierungsmittel die Bindehaut bzw. Nasenschleimhaut schädigen können.

Kombinationspräparate mit Kortison werden als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Diese sollten nur bei ausgeprägten Beschwerden eingesetzt werden, wenn ein Kortisonmonopräparat oder Antihistaminikum oder Mastzellenstabilisator alleine nicht ausreichend ist.

Salben und Gele mit einem Antihistaminikum sind wenig geeignet. Die Wirkstoffe dringen nicht tief genug in die Haut ein. Auch in Kombination mit einem Kortison sind antihistaminhaltige Salben wenig geeignet, da die Mittel therapeutisch nicht wirksamer sind als kortisonhaltige Präparate ohne Antihistaminikum.

Mastzellenstabilisatoren

Augentropfen und Nasensprays mit einem Mastzellenstabilisator (Dinatriumcromoglicinat, Natriumcromoglicat) sind zur Vorbeugung eines allergischen Schnupfens oder einer allergischen Bindehautentzündung "geeignet". Mittel mit Konservierungsstoffen (Benzalkoniumchlorid) sind "auch geeignet".

Kortisonpräparate

Die therapeutische Wirksamkeit von kortisonhaltigen Nasensprays ist belegt. Da Allergien meist längerfristig zu behandeln sind, Kortison jedoch nur kurzzeitig angewendet werden soll, bewerten wir die Mittel als nur "mit Einschränkung geeignet". Sie sollten nur eingesetzt werden, wenn Antihistaminika oder Mastzellenstabilisatoren nicht ausreichend wirken.

Sympathomimetika

Lokal wirkende Mittel mit Alpha-Sympathomimetika sind "mit Einschränkung geeignet". Die Präparate sollen nur kurzfristig angewandt werden, (maximal 7 Tage), da Allergien jedoch meist länger dauern, besteht die Gefahr, dass die maximale Anwendungsdauer überschritten wird.

Kombinationen mit Antihistaminika werden als "wenig geeignet" bewertet, da ein therapeutischer Mehrwert der Kombination gegenüber einer Therapie mit einem reinen Antihistaminikum nicht erkennbar ist.

Testtabelle: Rezeptpflichtige Medikamente bei Allergien

Testtabelle: Rezeptfreie Medikamente bei Allergien

VKI-Tipps

  • Abklären: Allergien können von Kindheit an bestehen oder sich erst im Laufe des Lebens entwickeln. Tritt nach einem Kontakt mit einem Stoff oder einem Lebensmittel eine Unverträglichkeitsreaktion auf, sollte man möglichst umgehend beim Arzt oder in einem Allergieambulatorium abklären lassen, ob es sich um eine Allergie handelt.
  • Meiden: Der beste und sicherste Weg, einer allergischen Reaktion aus dem Weg zu gehen, ist es, den Kontakt mit dem Allergen zu meiden.
  • Behandeln: In manchen Fällen kann eine Allergie durch eine Hyposensibilisierung bekämpft oder zumindest abgeschwächt werden. Dabei wird der Allergiker ganz bewusst dem Allergen ausgesetzt. Das Immunsystem soll "lernen", dass die allergieauslösende Substanz für den Organismus keine Gefahr darstellt.
  • Medikamente: Tritt eine allergische Reaktion auf, ist eine medikamentöse Behandlung meist unumgänglich. Durch Medikamente kann die Erkrankung allerdings nicht geheilt werden, die allergischen Symptome werden lediglich unterdrückt.

Testkriterien bei Medikamenten

So bewerten wir Medikamente.

Grundlagen der Bewertung

Basis unserer Arzneimittelbewertungen ist die veröffentlichte internationale und nationale Literatur. Anhand von allgemein anerkannten und aktuellen Werken der klinisch-pharmakologischen und medizinisch-therapeutischen Standardliteratur wurde die Eignung der jeweiligen Arzneimittel für die Indikationen beurteilt, die der Hersteller für sein Mittel beansprucht. Die Bewertung wurde auch mit Blick auf die übrigen in dem jeweiligen Anwendungsbereich angebotenen Arzneimittel vorgenommen und daraufhin, ob die Behandlung mit einem Arzneimittel überhaupt sinnvoll ist.

Zusätzlich zur Standardliteratur wurden veröffentlichte und geeignete klinische Studien ausgewertet, um die Aktualität der Bewertung sicherzustellen. Diese „Primärliteratur“ konnte aber nur dann genutzt werden, wenn die Studien in anerkannten medizinischen Zeitschriften veröffentlicht wurden, in denen vor der Veröffentlichung ein Expertengremium (Review Board) die Qualität der Publikation geprüft hat.

Wirksamkeitsnachweis

Der Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit eines Präparats gilt in klinischen Studien dann als erbracht, wenn mehrere Institutionen unabhängig voneinander unter wissenschaftlich anerkannten und reproduzierbaren Bedingungen in kontrollierten Studien zu gleichartigen Ergebnissen gelangt sind. Klinische Studien, die zur Bewertung herangezogen werden, müssen

  • prospektiv,
  • randomisiert,
  • kontrolliert,
  • mit vorab definierten und
  • der Fragestellung angemessenen Endpunkten sowie
  • mit einer adäquaten statistischen Auswertung versehen sein.

Dabei bedeutet prospektiv, dass die Studien als Verlaufsstudien „in die Zukunft“ hinein durchgeführt werden, und randomisiert, dass die Patienten den Behandlungsgruppen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt werden müssen.

Kontrollierte Studien sind Untersuchungen, in denen eine Patientengruppe das neu zu prüfende Arzneimittel (Verum) erhält und weitere Patientengruppen ein bereits lange in seinem Nutzen bestätigtes, gleichartig wirkendes Mittel (Standard) oder ein wirkstofffreies Scheinmedikament (Plazebo). Aus den Unterschieden der therapeutischen Effekte – sowohl bezüglich der erwünschten als auch der unerwünschten Wirkungen – können dann die therapeutische Wirksamkeit, aber auch der Stellenwert des geprüften Mittels in der Therapie der Krankheit insgesamt bestimmt werden.

Doppelblindstudien

Prüfungen ohne Kontrollgruppe können bis auf wenige Ausnahmen – zum Beispiel wenn sich eine Plazebobehandlung aus ethischen Gründen verbietet – nicht als Nachweis einer therapeutischen Wirksamkeit anerkannt werden. Eine besonders sichere Basis zur Bewertung bieten Doppelblindstudien, in denen zunächst weder die behandelnden Ärzte noch die Patienten wissen, ob ein wirkstoffhaltiges oder wirkstofffreies Mittel angewendet wird.

Die Fragestellung, die untersucht wird, muss therapeutisch relevant sein und vorab definiert werden. Möglicherweise werden im Studienverlauf positive Effekte erkennbar, die zu prüfen gar nicht beabsichtigt war. Diese können nachträglich nicht als durch die Studie nachgewiesen geltend gemacht werden.

Schließlich müssen auch noch die untersuchten Endpunkte der Studie der Fragestellung angemessen sein (zum Beispiel die Reduzierung der Sterblichkeit an definierten Folgeerkrankungen durch die Senkung des zu hohen Blutdrucks).

Statistik allein genügt nicht

Ein Wirksamkeitsnachweis kann auf der Basis der statistischen Auswertung als Aussage mit einer geringen, nach internationaler Übereinkunft festgelegten Irrtumswahrscheinlichkeit (weniger als 5 Prozent) formuliert werden. Statistisch gesicherte Ergebnisse von Effekten, deren medizinisch-therapeutischer Nutzen umstritten ist, können zum Nachweis einer therapeutischen Wirksamkeit nicht als ausreichend anerkannt werden. Die klinische Relevanz ist höher zu bewerten als die alleinige statistische Signifikanz.

Plazeboeffekt

Um die therapeutische Wirksamkeit eines Arzneimittels zu prüfen, werden so genannte randomisierte kontrollierte klinische Studien durchgeführt. In diesen werden die Testpersonen nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt: Die einen werden mit dem zu prüfenden Arzneistoff behandelt, die anderen bekommen ein Mittel, das sich von dem Medikament äußerlich nicht unterscheidet, aber keinen Wirkstoff enthält – ein Scheinmedikament (Plazebo).

Weder die Patienten noch die Ärzte wissen, wer das richtige und wer das Scheinmedikament erhält. Alles andere jedoch, was zur Behandlung dazugehört, ist bei beiden Gruppen gleich: die Art der Betreuung durch die Ärzte, die Zeit, die die Behandelnden aufwenden und so weiter. Erst wenn die Effekte der Therapie ermittelt und dokumentiert sind, wird aufgedeckt, wer den Arzneistoff und wer das Scheinmedikament bekommen hat.

Mit dieser Vorgehensweise soll geklärt werden, welcher Anteil der beschriebenen Effekte tatsächlich dem Arzneimittel zuzuschreiben ist und was auf dem Prozess des Behandelns an sich beruht. Schließlich kann bereits das Gefühl, behandelt zu werden, Beschwerden lindern, und die Hoffnung, dass nun alles besser wird, kann die Heilung vorantreiben. All dies gehört zu dem so genannten Plazeboeffekt; dieser ist also mehr als die Wirkung des Scheinmedikaments.

Das Ausmaß des Plazeboeffekts schwankt je nach Art der Krankheit und Anordnung der Studie erheblich. Er kann zwischen 20 und 70 Prozent liegen. Das bedeutet, dass manchmal 20 Prozent der Kranken nach einer Scheinbehandlung eine Besserung vermelden, manchmal sogar 70 Prozent. In ähnlicher Häufigkeit treten auch unerwünschte Wirkungen nach Plazebos auf

Kombinationspräparate

Arzneimittel mit mehreren Wirkstoffen (Kombinationspräparate) bieten im Vergleich zu solchen mit nur einem Wirkstoff (Monopräparate) nur selten Vorteile. Die Arzneimitteltherapie erfordert aber in der Regel die individuelle Dosierung einzelner Wirkstoffe. Für die Bewertung solcher fixen Kombinationen muss daher zunächst beurteilt werden, ob die Mischung der einzelnen Komponenten zweckmäßig ist. Wenn dieses Urteil nicht positiv ausfällt, erübrigt sich ein Wirksamkeitsnachweis, da die jeweilige Kombination grundsätzlich nicht als sinnvolles Arzneimittel anerkannt werden kann, gleich, in welchem Anwendungsbereich.

Für die Bewertung fixer Kombinationen haben sich international als Standard die so genannten Crout’schen Kriterien bewährt. (J. R. Crout war in den 70er Jahren Direktor der amerikanischen Zulassungsbehörde Food and Drug Administration.) Diese Kriterien tragen den Erfordernissen der praktischen Anwendung von Arzneimitteln Rechnung: Sie werden der Forderung nach Unbedenklichkeit und Sicherheit von Arzneimitteln ebenso gerecht wie dem Problem des Missbrauchs und der möglichen Vorteile im Hinblick auf die richtige Anwendung (Compliance).

Wenn zum Beispiel ältere Menschen im Verlauf eines Tages mehrere Wirkstoffe einnehmen müssen, kann es hilfreich sein, sie als Kombination zu verabreichen, um damit die Einnahme der notwendigen Arzneimittel zu vereinfachen. Die Crout’schen Kriterien beabsichtigen also keineswegs, jegliche Anwendung von fixen Kombinationspräparaten zu verhindern. Nach diesen Kriterien gilt die Kombination von Inhaltsstoffen in Arzneimitteln als sinnvoll, wenn nachgewiesen ist, dass

  • jeder einzelne Inhaltsstoff in Bezug auf das beanspruchte Anwendungsgebiet therapeutisch wirksam ist und
  • die Dosierung jedes einzelnen Inhaltsstoffs im Hinblick auf die Höchstdosierung, die Anwendungshäufigkeit und -dauer so bemessen ist, dass eine nennenswerte Patientenanzahl einer solchen fixen Kombination bedarf und sie wirksam und unbedenklich (im Sinne des Verhältnisses von Nutzen zu Risiko) ist, und
  • die zugefügten Inhaltsstoffe die Wirksamkeit und/oder Unbedenklichkeit des Hauptinhaltsstoffs erhöhen oder die Möglichkeit des Missbrauchs des Hauptinhaltsstoffs verringern oder
  • die fixe Kombination von Inhaltsstoffen einen größeren therapeutischen Effekt hervorruft oder größere Unbedenklichkeit bietet als jeder einzelne Inhaltsstoff für sich.

Crout´sche Kriterien

Diese Aspekte sind im deutschen Arzneimittelgesetz berücksichtigt. Die Crout’schen Kriterien wurden auch bei unseren Bewertungen angewendet, um Kombinationspräparate auf ihre zweckmäßige Zusammensetzung zu prüfen. Erst wenn das Ergebnis dieser Prüfung positiv war, kam die möglicherweise nachgewiesene Wirksamkeit des Mittels für die therapeutische Behandlung zum Tragen. Dass zum Beispiel eine Kombination aus zwei Schmerzwirkstoffen schmerzdämpfend wirkt, kann nicht erstaunen. Die Frage aber, ob es sinnvoll ist, diese Schmerzwirkstoffe zu kombinieren, muss über die Anwendung der Crout’schen Kriterien geprüft werden. Die Antwort spiegelt sich in den Bewertungen der einzelnen fixen Arzneimittelkombinationen wider.

Aus unserer Sicht gelten diese Kriterien für Präparate mit chemisch-synthetischen Wirkstoffen und Präparate mit pflanzlichen Extrakten gleichermaßen. Vor allem, wenn für einzelne Komponenten Negativurteile vorliegen, muss durch vergleichende klinische Studien nachgewiesen werden, dass die Kombination mit der negativ bewerteten Komponente ein therapeutisch besseres Ergebnis erzielt als eine Kombination ohne diese Komponente. Nur dann kann der therapeutische Wert der Kombination möglicherweise anerkannt werden.

Darüber hinaus gibt es bei Kombinationspräparaten noch eine Sichtweise, die auf pharmakologischen Sachverstand gründet. Der Aufbau einer Studie, die die therapeutische Wirksamkeit eines Mittels mit mehr als drei Wirkstoffen belegen soll, ist derart kompliziert, dass sie kaum je durchgeführt werden wird. Darum haben sich die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland darauf geeinigt, Kombinationspräparate mit mehr als drei Wirkstoffen als nicht verordnungsfähig anzusehen.

Unterschiede zu anderen Beurteilungen

Es ist denkbar, dass mit anderen Methoden und durch die Beschränkung auf die Zulassungsanforderungen des Arzneimittelgesetzes oder mit anderen Prüfkriterien sich auch andere Beurteilung ergeben als die hier nachlesbaren. Dies kann sich auch auf die Arbeit des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte beziehen, das unter Betrachtung der Daten zu Einzelarzneimitteln Zulassungsentscheidungen trifft. Das Institut berücksichtigt vor allem den Nachweis der Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutischen Qualität sowie die Zweckmäßigkeit der Kombination bei einem einzelnen Arzneimittel (absoluter Nutzen). Es darf weder geprüft werden, ob dieses neue Mittel in Relation zum verfügbaren Markt aus therapeutischen Gründen überhaupt erforderlich ist, noch welchen Rang es unter den Alternativen einnimmt.

STIFTUNG WARENTEST und Verein für Konsumenteninformation berücksichtigen mit ihren Bewertungen aber auch die therapeutische Stellung der Arzneimittel bestimmter Indikationsbereiche zueinander (relativer Nutzen) und gehen damit über die Zulassungskriterien des Bundesinstituts hinaus, sind also strenger.

Für bestimmte Arzneimittelgruppen, so zum Beispiel für viele pflanzliche Mittel, liegen nur vereinzeltes Erfahrungswissen und andere kaum prüfbare Therapieberichte vor, die zudem in Zeitschriften unterschiedlicher Qualität veröffentlicht sind. Die von uns verwendete Methodik lässt dann kaum eine positive Bewertung dieser Mittel zu.

Bewertung gemäß Anwendungsgebiet

Es besteht der Grundsatz, dass jedes Produkt für das Anwendungsgebiet bewertet wird, für das es laut Herstellerangaben eingesetzt werden soll. Im Idealfall sollte es also so sein, dass die Bezeichnung der Krankheit oder Störung, die der Hersteller in der Packungsbeilage angibt, und die, unter der der Wirkstoff in dieser Datenbank abgehandelt wird, identisch sind. Leider sind – vor allem im Bereich der Mittel für die Selbstbehandlung – die Bezeichnungen der Hersteller keineswegs so präzise und eindeutig, wie es für eine klare Zuordnung notwendig wäre. So fassen die Hersteller ihre Indikationsansprüche zum Beispiel sehr weit. Wir haben versucht, diese Vielfalt in einer Ihnen – unserer Meinung nach – bekannten und einheitlichen Überschrift zusammenzufassen.

Darüber hinaus kommt es nicht selten vor, dass sich ein Hersteller – vielleicht aufgrund neuer Forschungsergebnisse – entscheidet, die Anwendungsgebiete seines Produkts neu zu formulieren. Dann können Präparate mit demselben Namen im Handel sein, die sich oft nur durch einen kleinen Zusatz unterscheiden, aber andere Anwendungsgebiete für sich beanspruchen und dementsprechend anders bewertet werden müssen.

Wenn in der Fachinformation einer Salbe mit Heparin steht: „Zur unterstützenden Behandlung bei akuten Schwellungszuständen nach stumpfen Traumen (zum Beispiel Zerrung, Prellung, Quetschung, Bluterguss, Verstauchung), oberflächlicher Venenentzündung, sofern diese nicht durch Kompression behandelt werden kann“, wird dieses Mittel sowohl im Abschnitt Bewegungsapparat bei „Verstauchung, Schwellung, Entzündungen“ als auch im Abschnitt Herz und Kreislauf bei „Venenerkrankungen“ besprochen und dafür bewertet. Nennt ein heparinhaltiges Produkt aber außerdem noch Frostschäden (zum Beispiel „Frostbeulen“) als Anwendungsgebiet, bleibt das unberücksichtigt, weil wir hierfür kein eigenes Anwendungsgebiet definiert haben.

Hilfsstoffe üblicherweise nicht bewertet

Hinweis: Bei der Bewertung wurden nur jene Inhaltsstoffe des Arzneimittels berücksichtigt, von denen eine therapeutische Wirksamkeit erwartet wird. Hilfsstoffe, wie sie zum Beispiel notwendig sind, um Tabletten herzustellen, gingen in die Bewertung nicht mit ein. Von dieser Regel gibt es eine Ausnahme: Augen- und Nasentropfen sind häufig mit Konservierungsmitteln versetzt. Produkte mit einem solchen Hilfsmittel wurden um eine Stufe abgewertet, wenn Konservierungsmittel an der Schleimhaut der Augen und Nase solche unerwünschten Wirkungen auslösen können, es aber Produkte gibt, die ohne einen solchen Zusatz auskommen.

Bewertungsstufen

Der Bewertung der hier aufgeführten Medikamente liegen vier Stufen zu Grunde.

  1. Geeignet für die Behandlung des jeweiligen Krankheitsbilds sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit bei der betreffenden Indikation ausreichend nachgewiesen ist, die ein positives Nutzen-Risiko- Verhältnis und einen hohen Erprobungsgrad aufweisen. Der therapeutische Nutzen dieser Mittel ist hoch, sie gehören bei dieser Indikation zu den Standard-Therapeutika, soweit solche definiert werden können. Geeignet sind auch Mittel mit mehr als einem Wirkstoff, wenn sich die Wirkstoffe sinnvoll ergänzen.
  2. Auch geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit ebenfalls nachgewiesen ist, die aber noch nicht so lange erprobt sind wie die als „geeignet“ bewerteten. In diese Kategorie fallen vor allem neue und weniger gut untersuchte Wirkstoffe. Mit der gleichen Bewertung wurden Arzneimittel versehen, die zum Beispiel Konservierungsstoffe enthalten, wenn allgemein die Überzeugung vorherrscht, dass Arzneimittel ohne Konservierungsstoffe die geeignete Alternative darstellen. Dies kann in ähnlicher Weise auch für andere Zusatzstoffe gelten. In diese Bewertungskategorie fallen auch Arzneimittel, die zwar noch immer als Standardpräparate gelten, in der Zwischenzeit aber von neuen, besser verträglichen Mitteln in ihrem Rang als Mittel der Wahl „abgelöst“ wurden.
  3. Mit Einschränkung geeignet sind Mittel, die zwar therapeutisch wirksam sind, aber im Vergleich zu Standard-Therapeutika ein höheres oder nicht gut einschätzbares Risiko bergen. Sie zählen daher nicht zu den Standardarzneimitteln bei den besprochenen Krankheitsbildern und werden nur unter bestimmten Bedingungen verwendet (zum Beispiel bei ganz bestimmten oder schwerwiegenden Krankheitskonstellationen). Mit dieser Bewertung werden auch jene Mittel belegt, für die nach den vorliegenden Studien die therapeutische Wirksamkeit noch nicht ausreichend nachgewiesen ist und bei denen weitere Studien erforderlich sind.
  4. Wenig geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist, die nicht ausreichend dosiert sind und/oder deren therapeutische Wirksamkeit im Verhältnis zu den Risiken zu gering ist, sodass die wahrscheinlichen Risiken mehr Gewicht haben als der mögliche Nutzen. Wenig geeignet sind darüber hinaus Mittel mit mehr als einem Wirkstoff, wenn sich die Wirkstoffe nicht sinnvoll ergänzen oder keinen oder keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen aufweisen.

Quelle: Handbuch Medikamente

Bewertungsschema

Hinweise zur Bewertung

Grundlage dieses Tests ist unser Handbuch "Medikamente: Vom Arzt verordnet" sowie das "Handbuch Rezeptfreie Medikamente" der Stiftung Warentest, für die ein Expertengremium die Eignung der Präparate auf Basis von Literaturrecherchen beurteilte.

Geeignet sind Mittel (Standardtherapeutika), deren therapeutische Wirksamkeit ausreichend nachgewiesen ist. Ihre Nutzen-Risiko-Abwägung fällt positiv aus. "Geeignet" sind auch Kombinationsmittel, deren Wirkstoffe sich sinnvoll ergänzen.

Auch geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit ebenfalls nachgewiesen ist, die aber Konservierungsmittel enthalten oder noch nicht lange erprobt sind.

Mit Einschränkungen geeignet sind Mittel, die therapeutisch wirksam sind, aber im Vergleich zu Standardtherapeutika ein höheres oder nicht gut einschätzbares Risiko bergen.

Wenig geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksmakeit nicht ausreichend belegt ist, die nicht ausreichend dosiert sind, deren therapeutische Wirksamkeit im Verhältnis zu den Risiken zu gering ist sowie Mittel mit mehr als einem Wirkstoff, deren Wirkstoffe sich nicht sinnvoll ergänzen oder keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen aufweisen.

 

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