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Lippenpflege: Restmengen - Verschwenderisch

, aktualisiert am

Kosmetika sind nicht billig. Umso ärgerlicher ist es, wenn große Teile des Produktes nicht aus der Verpackung zu bekommen sind.

Wir vergleichen, was ungenutzt in den Müll geht. Diese Lippenpflegeprodukte finden Sie in unserem Test:

Lippenpflegeprodukte ohne Mineralöl

  • Alverde - Calendula
  • Alviana - Classic Feuchtigkeitspflege
  • Balea - Lippenpflege sensitiv Duo
  • Bi good - Natürliche Lippenpflege Minze
  • Dr. Hauschka - Lippengold
  • Eos - Lippenbalsam Süße Minze
  • Eos - Pure softness Pod
  • Gewusst wie - Aloe Vera
  • Kneipp - Lippenpflege Hollunder, Karite
  • Korres - Mandarin Lip Butter Stick
  • Labello - Hydro Care
  • Lavera - Lippenbalsam Basis Sensitiv
  • Marionnaud - Nourishing
  • Martin Reformstark - Lippenpflegestift Lipnature
  • Rituals - Smooth Operator
  • Terra Naturi - intensiver Lippenbalsam Orange & Citrus
  • Weleda - Everon

Lippenpflegeprodukte mit Mineralöl

  • Aveo - Classic Lippenpflege
  • Elizabeth Arden - Eight hour cream, Lip protection stick LSF 15
  • Labello Labellino - Coconut Water & Aloe Vera
  • Neutrogena - Lippenpflege mit Nordic Berry
  • Today - Lippenpflege Classic
  • Yves Rocher - Karité

Unsere Testtabellen informieren über: RESTMENGE (Verwendbare Menge in g, Verlust in %, Verlust in €). - Lesen Sie hier unseren Testbericht:


KONSUMENT-Test: Restmengen bei Lippenpflege - viel Geld im Müll, Verschwendung (Foto: A. Konstantinoudi/VKI)

Im Labor: VKI-Kosmetikexpertin Dr. Birgit Schiller nahm 23 Produkte unter die Lupe. "Große Restmengen sind unökologisch und komplett unnötig."

Unökologisch und unnötig

Was VKI-Kosmetikexpertin Birgit Schiller überhaupt nicht mag, sind Produkte, bei denen die Verpackung so gestaltet ist, dass ein guter Teil des Inhalts zwangsläufig im Müll landet, weil er nicht aus der Verpackung entnommen werden kann. „Das ist ärgerlich für die Konsumentinnen und Konsumenten, es ist unökologisch und komplett unnötig. Verpackungen lassen sich ohne Weiteres so konzipieren, dass man das Produkt zur Gänze bzw. bis auf einen vernachlässigbaren Rest aufbrauchen kann“, sagt Birgit Schiller.

Ende 2017 hatte die Chemikerin Produkte unter die Lupe genommen, die in Pumpspendern angeboten werden (siehe Pumpspender: Restmengen - Pure Verschwendung). „Teilweise gingen fast 20 Prozent des Inhalts verloren. Bei der teuersten Creme landeten umgerechnet knapp 10 Euro auf dem Müll. Immerhin führte unser Test dazu, dass einige Hersteller ihre Produkte mittlerweile in einer kundenfreundlicheren Verpackung anbieten“, sagt Birgit Schiller.

23 Lippenpflegeprodukte im Test

Im aktuellen Test hat sich unsere Expertin die Restmengen in Lippenpflegeprodukten vorgenommen. „Aus Reklamationen von Konsumentinnen und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Verpackung vor allem bei Lippenpflegestiften so konstruiert ist, dass ein gewisser Anteil nicht verwendet werden kann, wenn man den Stift nicht zerbrechen möchte.“

Unsere Expertin wollte genau wissen, wie viel die nicht nutzbare Menge ausmacht. Sie kaufte in Drogerien und Kosmetikgeschäften 21 verschiedene Lippenpflegestifte. Um herauszufinden, ob die Verpackung eine Rolle spielt, wählte sie zusätzlich zwei Produkte aus, die in einem Behälter angeboten werden (Pods). Um einen Richtwert zu bekommen, wurden pro Produkt jeweils drei Exemplare überprüft.

Bestimmung der verwendbaren Menge

Verwendbare Menge abgewogen

Im Labor hat Birgit Schiller zur Bestimmung der verwendbaren Menge jeden Stick bis zum Anschlag herausgedreht, an der Kante der Stiftfassung abgeschnitten und gewogen. Je Produkt wurde mit allen drei eingekauften Stiften gleichermaßen verfahren und der Mittelwert der drei Messungen berechnet.

Auch bei den Pods wurde die Menge, die über den Rand des Döschens herausragte, abgeschnitten und gewogen. Anschließend kratzte Birgit Schiller den bis zum Gitterboden der Behälter reichenden Inhalt heraus. Die Hälfte dieser Menge wurde zur verwendbaren Menge dazugezählt.

Mehr als 10 Euro im Müll

Am meisten ärgerte sich unsere Expertin über den Eight hour cream Lip protection stick mit Lichtschutzfaktor 15 von Elizabeth Arden. Knapp 24 Euro mussten wir im Laden für den „Allwetter-Pflegestift“ hinblättern. Bereits beim Auspacken schwante Birgit Schiller nichts Gutes: „Ich war ziemlich verdutzt, dass der Stift so klein ist. Beim Abwiegen zeigte sich, dass im Vergleich aller Testprodukte auch am wenigsten drinsteckte.“

Doch der Hersteller des Eight hour cream Lip protection sticks kassiert nicht nur ordentlich ab, das Produkt hat auch die rote Laterne im Test: Mehr als 45 Prozent des Gesamtgewichtes von 3,7 Gramm können nicht verwendet werden. „Umgerechnet auf den Verkaufswert wirft man mehr als 10 Euro in den Müll, wenn man dieses Produkt ganz normal aufbraucht“, bilanziert Birgit Schiller.

Kaum besser, was den nicht nutzbaren Anteil angeht, schnitten die Produkte von Marionnaud (38,47 Prozent) und Kneipp (34 Prozent) ab. Alle drei Hersteller, die wir mit „nicht zufriedenstellend“ bewerteten, haben wir mit dem Testergebnis konfrontiert und ihnen die Möglichkeit zu einer Stellungnahme gegeben.

Zwischen 2 und 45 Prozent

Insgesamt reichen die in unserem Test ermittelten Verluste von knapp 2 Prozent bis zu den erwähnten 45 Prozent. Bei 20 der 23 Produkte liegt die Verlustmenge bei über 10 Prozent. Wir haben auch zwei Pods getestet. Beim Produkt von Eos gehen mehr als 11 Prozent durch die Verpackung verloren, beim Labello Pod sind es nur 3,55 Prozent.

Mineralöl

Das einzige Kriterium in diesem Test war, wie viel vom jeweiligen Produkt aufgrund der Verpackung nicht nutzbar ist. Wenn wir die Qualität von Lippenpflegeprodukten testen, haben wir allerdings auch im Visier, ob sich Mineralölbestandteile darin befinden. Den Einsatz erachten wir aus gesundheitlichen Gründen als riskant. Im aktuellen Test haben wir die Tabelle deshalb zweigeteilt. In der Testtabelle "Restmengen Lippenpflegeprodukte - mit Mineralöl" sind jene Produkte gelistet, die Mineralöl enthalten und deshalb von uns nicht empfohlen werden können.

Testtabelle: Restmengen Lippenpflegeprodukte - ohne Mineralöl

Testtabelle: Restmengen Lippenpflegeprodukte - mit Mineralöl

VKI-Tipps

  • Restmengen: Beim Kauf lässt sich leider nicht erkennen, wie viel vom Produkt nicht aus der Verpackung zu bekommen ist. Konsumentenfreundlich gibt sich der Hersteller Labello beim Produkt Labellino. Hier ist mehr im Stift enthalten als angegeben. Deshalb kann fast die gesamte ausgelobte Menge genützt werden. Möglich ist dies allerdings auch, wenn der Stift entsprechend konstruiert ist, wie das Beispiel Eos zeigt.
  • Inhaltstoffe: Leider setzen einige Hersteller immer noch Mineralöl ein. Das ist absolut unnötig. Derartige Produkte können wir grundsätzlich nicht empfehlen.

Testkriterien

Bei der Bestimmung der Restmengen sind wir so vorgegangen:

Stifte: Die verwendbare Menge wurde vom Stift abgeschnitten und gewogen. Je Produkt wurden 3 Stifte getestet und der Mittelwert der 3 Messungen wurde berechnet. Bei Stiften, deren Inhaltsangabe in ml und nicht in g erfolgte, wurde die Restmenge aus dem Stift ebenfalls entfernt, um ein Gesamtgewicht zu ermitteln.

Pods: Die Menge, die über den äußeren Rand stand, wurde abgeschnitten und gewogen. Anschließend wurde die Menge bis zum Gitter im Produkt abgetragen und gewogen. Die Hälfte dieser 2. Menge wurde zur verwendbaren Menge dazugezählt.

Mineralöl: Herangezogen wurden die Angaben des Herstellers auf der Verpackung.

Bewertung:

  • 0 – 5 % Verlust: sehr gut
  • 5,1 - 10 % Verlust: gut
  • 10,1 – 20 % Verlust: durchschnittlich
  • 21,1 – 30 % Verlust: weniger zufriedenstellend
  • Verlust größer als 30 %: nicht zufriedenstellend

Reaktionen

Den Herstellern, deren Produkte mit „nicht zufriedenstellend“ bewertet wurden, haben wir die Möglichkeit zu einer Stellungnahme gegeben. Bis zum Redaktionsschluss haben Kneipp und Marionnaud davon Gebrauch gemacht.

KNEIPP

Es ist Fakt, dass eine Restmenge, der Bulk, im Näpfchen verbleibt. Dies ist Stand heute aus technischen Gründen unvermeidbar. Wir verwenden ein am Markt übliches Standardnäpfchen, welches in großen Mengen bei verschiedensten Lippenstiften eingesetzt wird. Wir nehmen Ihre Bewertung sehr ernst und sind stets daran interessiert unsere Produkte zu verbessern und zu optimieren. Wir werden uns diesem Thema zeitnah widmen und Alternativen prüfen.

MARIONNAUD

Die gesamte Wachsmenge, die zum Einfüllen des Lippenstiftes verwendet wird, ist in zwei Stücke geteilt: Ein Stück ist sofort für den Verbraucher verfügbar (Bullet) und ein Stück, das am Boden des Mechanismus steht, ist für den Lippenstifthalt notwendig. Trotzdem bleibt ein Teil des Wachses im Boden und ist mit einer Lippenbürste erreichbar, sodass es für den Verbraucher nicht als völlig verloren betrachtet werden kann.

Leserreaktionen

Tipp

Ich mache es schon seit Jahren so, dass ich das Tubenende ausreichend hoch abschneide, sodass ich es als Kappe verwenden kann. So trocknet die Creme nicht aus und bleibt genauso frisch wie vorher. Den unteren Teil der Tube kürze ich dann so, dass ich die Restmenge mit den Fingern entnehmen kann, oder ich verwende einen kleinen Spatel oder Löffel. Ein Umfüllen ist somit nicht nötig und die Restmenge wird trotzdem gut aufgebraucht.

Regina Bürger
Linz
(aus KONSUMENT 7/2019)

Auch bei Handcreme

KONSUMENT-Leser berichten: Handcremetube aufschneiden und Rest umfüllen (Bild: G. Santowski/VKI) Dieses Problem gibt es aber auch bei Handcremen. Sicher sind die Plastiktuben mit breitem, aufklappbarem Verschluss, auf dem die Tube steht, praktisch in der Anwendung. Man kann sie ohne Aufschrauben öffnen und kommt rasch an den Inhalt, es ist hygienischer als eine Dose. Der Nachteil ist die große Restmenge an Creme, die auch mit bestem Ausquetschen nicht aus der Tube zu bekommen ist, bei 75 ml Inhalt bleiben ca. 10 bis 20 ml übrig, siehe Foto. Ich habe nicht nachgemessen, wieviel Inhaltsmenge man tatsächlich aus so einer Tube bekommt, aber vielleicht ist das eine Anregung für einen weiteren Restmengen-Test!

Früher konnte man bei einigen Cremes den großen Verschluss noch abschrauben und kam so an die Restmenge, neuerdings hilft nur Aufschneiden, auslöffeln und in eine kleine Kosmetikdose umfüllen. Einfach zuklammern geht nicht, weil die Creme in der aufgeschnittenen Tube innerhalb von ein paar Tagen eintrocknet und man sich bei Entnahme mit einem Finger an den scharfen Tuben-Schnittkanten leicht verletzen kann. Ich mache es jetzt immer so mit dem Umfüllen, das Entsorgen von so viel Creme, die ich ja bezahlt habe, ist auch nicht nachhaltig!

Dr. Gisela Santowski
Frohnleiten
(aus KONSUMENT 5/2019)

Wir haben zu diesem Thema bereits ein weiteres Projekt in Vorbereitung.

Die Redaktion

Resteverwertung

Ich habe mir schon vor einiger Zeit angewöhnt, auch „dekorative“ Lippenstifte mehr oder weniger bis zum letzten Rest aufzubrauchen – nicht nur der Nachhaltigkeit wegen, sondern auch, weil leider Farben, die mir besonders zugesagt haben, schon in der nächsten Saison nicht mehr erhältlich waren oder nur mehr in einer Konsistenz, die mir nicht zusagte.

Das bedeutet, dass ich den Stift bis zum Rand der Drehhülse aufbrauche und danach entweder mit einem Lippenpinsel aus der Hülse heraushole oder überhaupt den in der Hülse verbleibenden Rest in kleinste, verschließbare Glasdöschen umfülle und dann ebenfalls mit einem Lippenpinsel verwende. Die Glasdöschen übrigens stammen von Kosmetikaproben oder auch von den in der Gastronomie verwendeten Marmeladeportiönchen fürs Frühstück: gut auswaschen, trocknen lassen und weiterverwenden.

Ähnlich verfahre ich auch mit anderen – z.B. pflegenden – Kosmetika: auf den Kopf stellen und dann in kleine Behältnisse umfüllen, die auf Kurzreisen sehr praktisch sind. Das Hygienerisiko scheint mir bei einiger Sorgfalt vernachlässigbar.

User "klarkopf"
(aus KONSUMENT 5/2019)

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