Gesichtscremen - Auf seriöse (Bio-)Siegel achten

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Gesichtscremen. Die Nachfrage nach Naturkosmetik steigt und die Hersteller wittern gute Umsätze. Doch bei Weitem nicht alles, was im Regal „grün“ erscheint, ist es auch.

Gesichtscremen im Test: auf seriöse (Bio-) Siegel achten; (Bild: fizkes/Shutterstock.com)

Folgende Gesichtscremen finden Sie im Test:

  • Alviana Feuchtigkeitsfluid Bio-Aloe Vera
  • dm Alverde Aqua 24h Hyaluron Hydro Cremegel Meeresalge
  • Douglas Kora Organics Soothing Moisturizer
  • Hildegard Braukmann Professional Plus Balance Creme Fluid
  • Lavera Basis Sensitiv Feuchtigkeitscreme
  • Nivea Pure & Natural Tagescreme Bio Aloe Vera
  • Living Nature New Zealand Nährende Tagescreme
  • Provida Organics Sensitive Care Jeunesse Day Cream
  • Sante Erfrischende Feuchtigkeitspflege mit Hydro Effekt
  • The Body Shop Carrot Cream
  • Weleda Iris Erfrischende Feuchtigkeitspflege

Die Testtabelle informiert über: Testurteil, Preis, Deklaration un Werbeaussagen, Inhaltsstoffe, Konservierungsstoffe, Feuchtigkeitsanreicherung, Anwendung und Hautgefühl, Mikrobiologische Qualität, Herkunft, Nutzerfreundlichkeit der Verpackung.

Lesen Sie nachfolgend unseren Testbericht.


Naturkosmetik im Test 

In den Kosmetikregalen der Supermärkte und Drogerien grünt und blüht es – zumindest, was Sujets und Aufdrucke wie "Natural" oder "Nature" auf den Verpackungen angeht. Doch was so grün daherkommt, ist es häufig nicht; das belegen unsere Naturkosmetik-­Tests, die wir bereits seit einigen Jahren veröffentlichen.

Inhaltstoffe von Gesichtscremen

Die Dreistigkeit, mit der manche Anbieter vorgehen, ist bisweilen spektakulär. Teilweise muss der Naturbezug im wahrsten Sinne des Wortes mit der Lupe in der Liste der Inhaltstoffe gesucht werden. Unsere deutschen Kolleginnen und Kollegen von der ­Stiftung Warentest haben sich ebenfalls auf Natur-­Spurensuche begeben und die Inhaltstoffe von Gesichtscremen im Labor untersucht.

Das Ergebnis kommt nicht völlig überraschend: Bei einigen Produkten stießen unsere Kooperationspartner auf ­eine markante Diskrepanz zwischen Auslobung und Realität.

Naturkosmetiksiegel beachten

Zertifizierte Kosmetik mit natürlichen Inhaltsstoffen

Der Begriff Naturkosmetik ist nicht geschützt. Wer Wert auf natürliche Inhalt­stoffe legt, sollte ausschließlich zu zerti­fi­zierter Kosmetik greifen. Produkte mit ­Siegeln wie ­Natrue oder BDIH müssen überwiegend aus Stoffen natürlichen Ursprungs bestehen. Das halten die Cremen im Test auch ein. ­Einige Siegel wie Ecocert erlauben in geringen Mengen naturiden­tische Stoffe. Douglas Kora Organics etwa enthält derar­tige Substanzen zur Konser­vierung. Natür­liche Inhaltstoffe nützen allerdings wenig, wenn die Pflegeeigenschaften ungenügend sind. Zertifizierte Naturkos­me­tik muss auf Stoffe verzichten, die für angenehmes Hautgefühl sorgen, etwa erdölbasierte Emulgatoren. Die meisten Naturprodukte im Test spenden dennoch genügend Feuchtigkeit, ziehen gut in die Haut ein und machen sie geschmeidig. 

Konservierung 

In den vergangenen Jahren fielen immer wieder Naturkosmetika durch. Die Produkte wurden nicht mit Keimen fertig, die im ­Labor, wie bei Konservierungstests üblich, künstlich in die Creme eingebracht ­wurden. Im aktuellen Test trifft dies auf die Creme von Provida zu. Der Hersteller verwendet Tuben aus Aluminium. Dadurch soll die ­Belastung mit Bakterien und Schimmel­pilzen reduziert werden. Das kann aber nur dann funktionieren, wenn man bei der Entnahme besondere Vorsicht walten lässt. Empfehlenswert ist etwa, die Creme nicht mit dem Finger, sondern mit ­einem sauberen Spatel abzustreifen. 

Auf Naturkosmetiksiegel achten

Erfreulich war insgesamt, dass keine ein­zige Creme den kritischen synthetischen Duftstoff Lilial enthielt, den wir in den vergangenen Jahren immer wieder in Kos­metika gefunden hatten. Natursubstanzen sind allerdings keineswegs per se risiko­ärmer als im Labor hergestellte Verbindungen. So können etwa ätherische Öle Allergien auslösen. Wer jedoch grundsätzlich synthetische Stoffe vermeiden möchte, der ist mit Cremen, die ein Naturkosmetik-­Siegel tragen, jedenfalls besser bedient. 

Natürlich oder nicht 

In allen getesteten Produkten sind einzelne Inhaltstoffe als „bio“ deklariert. Die Anbieter wurden deshalb um Dokumente ­ersucht, mit denen sich je ein Inhaltstoff aus Bio-­Anbau nachverfolgen lässt. Zwei Anbieter von konventionellen Cremen und zwei von Produkten mit Siegel schickten gar keine Belege, andere lückenhafte. Unterm Strich gilt: Etablierte Siegel bieten Orientierung. Für Kosmetik ohne Zertifizierung bestehen keine Anforderungen hinsichtlich Bio-Qualität und Anteil an Natursubstanzen. Deshalb heißt es: lieber skeptisch bleiben, wenn ­Anbieter konventioneller Cremen das Grüne vom Himmel versprechen.

Testtabelle: Gesichtscremen

Tabelle öffnen

Kosmetiksiegel

Die Siegel mit den weitreichendsten Kriterien sind Natrue, vergeben von einem euro­päischen Herstellerverband, das Label des ­Bundesverbands Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) sowie Ecocert vom gleichnamigen französischen Kontroll- und Zertifizierungsverband. BDIH und Ecocert haben mit anderen Verbänden den Cosmos-­Standard entwickelt. Dessen Anforderungen unterscheiden sich nur im Detail von den Natrue-Kriterien. Verwendet werden sollen möglichst Naturstoffe, chemisch unverändert oder nur leicht modifiziert.

Natrue hat drei Zertifizierungsstufen – „Naturkosmetik“, „Naturkosmetik mit Bioanteil“, „Biokosmetik“ – und je nach Produktgruppe unterschiedliche Anforderungen. Cremen enthalten viel Wasser. Bei Natrue wird der Naturstoffanteil exklusive Wasser berechnet. So können Anbieter ihre Produkte nicht „natürlicher“ erscheinen lassen, als sie es sind. Das Natrue-­Label wird nur vergeben, wenn 75 Prozent der Produkte einer Kosmetiklinie die vorgegebenen Kriterien erfüllen.

BDIH und Ecocert mit den Stufen „Cosmos Natural“ und „Cosmos Organic“ haben diesen Anspruch nicht. Die Siegel lassen aber direkt am Logo erkennen, ob die Inhaltstoffe vorwiegend bio sind („Organic“) oder nur teilweise („Natural“).

Zusammenfassung

  • Hautpflege. Viele zertifizierte Naturkosmetika pflegen die Haut so gut wie konventionelle Produkte, obwohl sie keine Stoffe wie erdölbasierte Emulgatoren enthalten dürfen, die unter anderem für Cremigkeit und ein angenehmes Hautgefühl sorgen. 
  • Preis. Gute Naturkosmetik muss nicht teuer sein. Eine der besten Naturkosmetik-­Gesichtscremen im Test kostet nur 6,70 Euro pro 100 ml. Sie liegt nur knapp hinter dem doppelt so teuren Testsieger. 
  • Natur. Cremen enthalten viel Wasser. Mancher Anbieter ordnet es den natürlichen Inhaltstoffen zu und treibt so deren Prozentsatz nach oben. 

Testkriterien

Die Stiftung Warentest hat 11 Gesichtscremen mit mindestens einem deklarierten Bio-Inhaltstoff getestet, darunter 8 zertifizierte Naturkosmetikprodukte und 3 konventionelle Cremen mit natürlicher Anmutung.

Feuchtigkeitsanreicherung

An den Unterarmen von je 20 Testpersonen wurde die Feuchtigkeitsanreicherung mithilfe eines Corneometers geprüft, das den Wassergehalt in der Hornschicht bestimmt. Die Probandinnen benutzten die Cremen zwei Wochen hindurch. Gemessen wurde vor der ersten und zirka 16 Stunden nach der letzten Anwendung. Die Werte wurden mit denen eines nicht eingecremten Hautfelds und einer Creme mit guter Feuchtigkeitsanreicherung verglichen.

Anwendung und Hautgefühl

Je 20 Testpersonen wendeten die anonymisierten Produkte fünf Tage morgens und abends im Gesicht an. Sie beurteilten zum Beispiel, wie verteilbar und klebrig die Cremen sind, wie sie einziehen, ihre Konsistenz sowie Pflegeeigenschaften wie Trockenheit, Glätte, Geschmeidigkeit der Haut.

Kritische Duftstoffe

Geprüft wurde, ob die Cremen kritische Duftstoffe wie Butylphenyl Methylpropional (Lilial) oder Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyde (Lyral) enthalten und falls ja, in welcher Konzentration.

Dabei wurde folgende Methode eingesetzt: Analyse mittels Gaschromatographie mit Massenspektrometrie (GC-MS) in Anlehnung an DIN EN 16274.

Mikrobiologische Qualität: 10 %

Die Keimzahl in den Produkten wurde bestimmt, die Produkte wurden zudem auf bestimmte Mikroorganismen geprüft. Es wurde untersucht, ob sie ausreichend konserviert sind, das heißt, wie sie mit eingebrachten Keimen fertigwerden.

Die Bestimmung der Gesamtkeimzahl erfolgte dabei in Anlehnung an die Vorgaben der Normen DIN EN ISO 21149 und 16212. Der Nachweis bestimmter Mikroorganismen erfolgte in Anlehnung an die Vorgaben der Normen DIN EN ISO 21150, 22717, 22718 und 18416.

Die Prüfung auf ausreichende Konservierung erfolgte in Anlehnung an die Vorgaben des Europäischen Arzneibuches, Kapitel 5.1.3, der Norm DIN EN ISO 11930 und unter Berücksichtigung der SCCS-Leitlinien.

Deklaration und Werbeaussagen

Drei Fachleute beurteilten Leserlichkeit und Übersichtlichkeit der Angaben. Ein Experte prüfte, ob die Kennzeichnung der EU-Kosmetik- und der Fertigpackungsverordnung entspricht, und beurteilte die Werbeaussagen.

Die Prüfung zur Herkunft eines wichtigen Bio-Inhaltstoffes erfolgte anhand von Dokumenten wie Lieferscheinen und danach, ob die Anbieter den Weg eines Bio-Inhaltstoffes zurück bis zu den Bauern belegen können. Auf Basis der durchgeführten Untersuchungen prüfte ein Sachverständiger, ob die Ergebnisse im Einklang mit den Anforderungen der jeweiligen Naturkosmetik-Siegel stehen.

Nutzerfreundlichkeit der Verpackung

Je 20 Probandinnen und 5 Fachleute bewerteten, wie gut sich die anonymisierten Produktbehälter öffnen und schließen lassen. Erfasst wurde, ob es eine Originalitätssicherung sowie Trennungs- und Entsorgungshinweise gibt. Die Inhaltsmengen und der Anteil des Gesamtinhalts, der sich maximal entnehmen lässt, ohne den Behälter zu zerstören, wurden ermittelt. Zudem erfolgte eine Prüfung auf Mogelpackungen.

Weitere Untersuchungen

Die Konzentrationen deklarationspflichtiger Duftstoffe wurden ermittelt. Per Isotopenanalyse wurde der Prozentsatz der natürlichen Stoffe, bezogen auf den wasserfreien Anteil der Cremen, ermittelt.

Folgende Methoden setzten wir ein:

Die Analyse der deklarationspflichtigen Duftstoffe erfolgte mittels GC-MS in Anlehnung an DIN EN 16274.

Die Bestimmung des Anteils der rezenten (natürlichen) organischen Inhaltstoffe erfolgte mittels Radiocarbonmethode (Flüssigszintillationsspektrometrie). Nach Verbrennung der Probe in einem Makro-Elementaranalysator wurde das CO2-Gas separat aufgefangen, unter Verwendung eines Temperaturgradienten freigesetzt und in einer vorgelegten, gekühlten Mischung eines Szintillations-Cocktails (Carbosorb/Permafluor) absorbiert.

Der CO2-Anteil wurde unter Berücksichtigung der Massendifferenz berechnet. Zur Korrektur der 14C-Werte wurden die 13C/12C-Isotopenverhältnisse mittels Elementaranalysator in Kombination mit einem IRMS (Isotopenverhältnis-Massenspektrometer) bestimmt.

Bezüglich der Frage, ob die Produkte Mineralölbestandteile oder Mikroplastik – also feste, nicht wasserlösliche Kunststoffpartikel – enthalten, wurden die Anbieter um Auskunft gebeten und die Inhaltstofflisten daraufhin geprüft,. Daraus ergab sich, dass die Produkte weder Mineralölbestandteile noch Mikroplastik enthielten. Zwei Experten prüften die Inhaltstofflisten auf Stoffe, die der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Union (SCCS), als kritisch bewertet hat; gegebenenfalls wurde ihre Konzentration bestimmt. Kein Produkt war auffällig.

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