Medikamenten-Dispenser - Ordnung muss sein ...

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Wer viele Tabletten einnehmen muss, weiß die Dienste eines Medikamenten-Dispensers zu schätzen. Im Test überzeugten aber nicht alle Modelle.

Medikamentendispenser: Nicht alle Modelle überzeugten. (Bild: Kat-Ka/Shutterstock.com)

Folgende Medikamentendispenser finden Sie in unseren Testtabellen:

Wochendispenser geteilt

  • 2-fach Wochenspender
  • ANAbox kompakt weiß
  • ANABox Pikto Regenbogen
  • DUCHESSE Med Medikamentendosierer
  • Medi-7
  • Pillbase basic Medikamentenbox
  • Sanicare Medimemo
  • Tabletten Orga rund

Wochendispenser einfach

  • Medi-7 UNO
  • Pillendose schwarz

In der Testtabelle finden Sie Infos und Bewertungen zu:

  • Unterteilung in Kammern/Tag
  • Kunststoff lebensmittelecht
  • Feuchtigkeitsschutz
  • Mechanische Prüfung
  • Handhabung

Zunächst wurde jeder Dispenser mit einem 50 Kilogramm schweren Gewicht belastet. Die Belastung wurde dann schrittweise um jeweils 10 Kilogramm erhöht, bis zu einem Maximalgewicht von 100 Kilogramm.
Wie lassen sich die Dispenser befüllen und wie die Medikamente entnehmen? Halten Dispenser Belastungen und dem Herabfallen stand? Außerdem klärten die Tester, ob die Dispenser Feuchtigkeit aufnehmen.

VIDEO: Sehen Sie folgendes Video: So testen wir Medikamentendispenser - Und hier unser Testbericht:


Auf die "Pillenbox" angewiesen

Ohne ihre "Pillenbox" wäre Lisbeth M. aufgeschmissen: „Ich muss jeden Tag sechs verschiedene Medikamente einnehmen, morgens, mittags und abends. Wenn ich die Box nicht hätte, würde ich ständig alles durcheinanderbringen und wohl auch oft auf meine Tabletten vergessen“, sagt die 85-Jährige.

So wie die rüstige Pensionistin sind viele Menschen mit einer Multimedikation auf einen Medikamentendispenser angewiesen. Die Box bringt Ordnung in den wöchentlichen Medikamentenplan und dient gleichzeitig als Erinnerungshilfe. Doch gerade für Menschen mit eingeschränkter Motorik ist es besonders wichtig, dass der Dispenser einfach zu befüllen ist und die Medikamente leicht entnommen werden können.

Test: 10 Medikamentendispenser

Wir haben zehn verschiedene und zufällig ausgewählte Medikamentendispenser in Apotheken, Drogerien, beim Bandagisten und im Internet eingekauft und unter die Lupe genommen. Grundsätzlich haben wir zwischen geteilten und ungeteilten Dispensern unterschieden. Bei geteilten Tablettenboxen ist jeder der sieben Wochentage nochmals unterteilt, etwa in morgens, mittags, abends und nachts. Die ungeteilten Pillenboxen verfügen lediglich über sieben Fächer, also je eines pro Wochentag.

Vor allem interessierte uns, wie gut die Tablettendosierer zu handhaben sind, wie es um ihre Stabilität bestellt ist und ob die Medikamente gut vor Feuchtigkeit geschützt sind. Zudem untersuchten wir, inwieweit der Kunststoff, aus dem die Behälter gefertigt sind, lebensmittelecht ist. Eine Beratung fand nicht statt.

Testsieger und "gute" Produkte

Testsieger aus der Apotheke

Die Handhabung der Modelle wurde von fünf Testpersonen überprüft. Dabei hatte der Medi-7 aus der Apotheke eindeutig die Nase vorn und bekam eine sehr gute Benotung. Das teuerste Modell im Test (20,54 Euro) ist auch das einzige, das fast alle unsere Testpersonen für den Eigengebrauch kaufen würden. Auch den Falltest bestand der Medi-7. Zwar verschob sich der Deckel ein wenig, doch es fiel keine einzige der einsortierten „Pillen“ aus der Kammer.

Neben der Bedienerfreundlichkeit weist der Medi-7 abgesehen von seiner Stabilität noch weitere Vorteile auf. So sind etwa die Wochentage auf der Vorder- und der Rückseite zu sehen. Die Medikamente können also auch gestürzt mit dem transparenten Deckel nach unten und somit sicher vor UV-Strahlung, die die Medikamente schädigen könnte, aufbewahrt werden.

Ebenfalls noch knapp mit „sehr gut“ schnitt die ANABox Pikto Regenbogen ab. Manche unserer Tester hatten hier allerdings Probleme, die verschiedenen Wochentage auseinanderzuhalten, und auch das Öffnen der Schieber machte leichte Probleme.

Gute Produkte

Gäbe es einen Preis-Leistungs-Sieger, dann wäre das wohl der Duchesse Med Medikamentendosierer aus der Drogerie. Dieses Modell, das deutlich günstigste im Test, schaffte nur ganz knapp keine sehr gute Gesamtnote. Das Produkt erwies sich als äußerst stabil, und auch wenn es einmal vom Tisch fällt, rutschen die Tabletten bzw. Kapseln nicht aus den jeweiligen Kammern heraus. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann ist es die Sortierung der Tagesboxen; außerdem gerät man etwas in Platznot, wenn mehrere größere Pillen in einer Box aufbewahrt werden müssen.

Noch ganz passabel, aber relativ teuer ist die Pillbase basic Medikamentenbox aus dem Internet. Dieses Produkt könnte stabiler sein. Beim Falltest brach eine Schiene ab, mit der die Medikamentenbox fixiert wird. Außerdem ist dies der einzige der getesteten Dosierer, der sich nicht zur Mitnahme eignet. Knapp mit „gut“ schnitt die ANABox kompakt weiß ab, die wir ebenfalls übers Internet bestellt hatten. Beim Falltest brachen hier einige der Deckel ab. Abzüge gab es zudem, was die Verständlichkeit der Bedienungsanleitung angeht, und auch das Einsortieren der einzelnen Tagesboxen in den Wochenbehälter machte Probleme.

Handhabungsprobleme

Handhabungsprobleme

Die beiden Dispenser, die wir über die Website moderne-hausfrau.at eingekauft haben (2-fach Wochenspender und Tabletten Orga rund) weisen bezüglich der Handhabung Schwächen auf. So mussten die Testpersonen etwa erst andere Tabletten aus der Kammer entnehmen, um an die jeweils gewünschte Arznei gelangen zu können. Das ist nicht nur umständlich, sondern es kann auch Verwechslungen begünstigen. Beim Tabletten-Orga-rund-Produkt rutschten beim Falltest Medikamente aus den Boxen heraus. Zudem bemängelten die Testpersonen, dass die Boxen beim Befüllen teilweise umkippten.

Der beim Bandagisten erworbene Sanicare Medimemo schnitt vor allem aufgrund ¬grober Mängel bei der Handhabung mit „weniger zufriedenstellend“ ab. Die Testpersonen kritisierten, dass Medikamente schwer aus den Boxen zu entnehmen sind; zudem müssen andere Tabletten entfernt werden, um an die jeweils gewünschten Medikamente gelangen zu können. Beim Falltest fielen bei diesem Modell ebenfalls Medikamente aus den Boxen heraus.

Wenig überzeugend

Ungeteilte Dispenser verfügen über lediglich sieben Kammern. Keines der beiden Produkte aus diesem Segment, die wir getestet haben, konnte vollständig überzeugen. Die über Amazon erworbene Pillendose schwarz zeigte beim Falltest Schwächen. Hier fielen die Medikamente teilweise heraus. Immerhin ist bei diesem Modell die Handhabung gut.

Das ist beim Medi-7 Uno, den wir in der Apotheke eingekauft haben, leider nicht der Fall. Die kleinen Tagesboxen bieten nur wenig Platz für größere Medikamente und lassen sich relativ schwer öffnen. Auch bei diesem Modell bemängelten die Tester, dass, wenn sich mehrere Medikamente in der Box befinden, einzelne herausgenommen werden müssen, um andere erreichen zu können. Die Entnahme kleiner Tabletten aus den Kammern gestaltete sich zudem schwierig.

Testtabelle: Medikamentendispenser - Wochendispenser geteilt

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Testtabelle: Medikamentendispenser - Wochendispenser einfach

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Testkriterien

Im Test: 10 Medikamentendispenser

Kunststoff lebensmittelecht

Wir haben geprüft, ob die Dispenser das EU-weit gültige Glas-Gabel-Symbol tragen. Damit werden Produkte gekennzeichnet, die für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind.

Handhabung

Je 5 Testpersonen mit motorischen bzw. sensorischen Einschränkungen testeten, wie sich die Dispenser befüllen lassen und wie sich die Medikamente entnehmen lassen.

Mechanische Prüfung

Belastungstest: Die Prüfung erfolgte jeweils an einem nicht mit Medikamenten befüllten Produkt. Zunächst wurde jeder Dispenser mit einem 50 Kilogramm schweren Gewicht belastet. Die Belastung wurde dann schrittweise um jeweils 10 Kilogramm erhöht, bis zu einem Maximalgewicht von 100 Kilogramm.

Falltest: Die Dispenser wurden vor dem Falltest teilweise mit Medikamenten befüllt. Der Falltest erfolgte aus unterschiedlichen Positionen (vollflächig, Seitenfläche, Kante) aus einer Fallhöhe von 85 Zentimetern. Diese Prüfung wurde auf unterschiedlichem Untergrund durchgeführt: Waschbeton, Fliesen und Linoleum. Für jeden Untergrund wurde dabei jeweils ein neuer Dispenser verwendet.

Die Prüfungen erfolgten bei einer Raumtemperatur von +21 °C sowie von –1 °C. Trat eine Beschädigung auf, wurde die Prüfung mit einem neuen Testprodukt wiederholt. Trat beim zweiten Test keine Beschädigung auf, erfolgt eine dritte Prüfung. In die Bewertung gingen nur die beiden übereinstimmenden Ergebnisse ein.

Feuchtigkeitsschutz

Die Dispenser wurden im Leerzustand gewogen. Anschließend wurden sie vollständig mit Silicagel gefüllt, erneut gewogen (= Zeitpunkt T0) und 7 Tage gelagert. Danach wurden die Dispenser erneut gewogen (= Zeitpunkt T7).  Das Gewicht des eingefüllten Silicagels zu den Zeitpunkten T0 und T7 wurde rechnerisch ermittelt. Die Differenz ergab die Feuchtigkeitsaufnahme.

VKI-Tipps

  • Kauf. Beim Kauf eines Medikamentendispensers sollte man darauf achten, dass er über große Kammern verfügt und dass der Deckel gut schließt und nicht zu locker sitzt. Das gilt vor allem, wenn man viele Medikamente benötigt oder wenn die motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sind. Abgesehen davon, dass die Entnahme leichter fällt, behält man besser den Überblick über die Präparate.
  • Schutz vor UV-Licht. Viele Medikamente dürfen nicht dem Tageslicht ausgesetzt werden, da sie sonst ihre Wirksamkeit einbüßen. Besteht ein Dispenser aus durchsichtigem Material, sollte man darauf achten, ihn in einer Lade oder im Kasten aufzubewahren.
  • Reinigung. Vor der ersten Verwendung sollte der Medikamentendispenser am besten gründlich mit Wasser und mildem Spülmittel von Hand gereinigt werden, da nicht alle Modelle für Geschirrspülmaschinen geeignet sind. Wichtig ist es, die Kammern danach sorgfältig zu trocknen, da eine Restfeuchte die Medikamente unbrauchbar machen kann. Die Reinigung sollte dann einmal pro Woche erfolgen.
  • Kinder. Medikamente sind grundsätzlich außer Reichweite von Kindern aufzubewahren. Das gilt auch für die Medikamentendispenser, zumal diese bis auf wenige Ausnahmen keine Kindersicherung aufweisen. Die Verwendung einer Tablettenbox durch Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sollte unter fachkundiger Anleitung erfolgen.

Testplakette

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Unternehmen, deren Produkte von uns mit "gut“ oder "sehr gut“ beurteilt wurden, haben die Möglichkeit, eine Testplakette zu erwerben. Deren Nutzung ist zeitlich begrenzt, und unsere strengen Richtlinien sind einzuhalten. Laut einer für die österreichische Bevölkerung repräsentativen Umfrage vom Juli 2019 verbinden Verbraucher mit der KONSUMENT-Testplakette in erster Linie, dass das entsprechende Produkt durch ein objektives Testverfahren geprüft wurde (41,3 %), eine hohe Qualität aufweist (40,1 %) und ein gutes Preis-/ Leistungs-Verhältnis bietet (33,9 %).

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Leserreaktionen

Leicht zu verwechseln

Aufgrund des Berichtes habe ich die Duchesse Med Box probiert, diese hat gegenüber der teureren Medi-7-Box aber gravierende Nachteile: Abgesehen vom wesentlich kleineren Volumen (wie im Bericht erwähnt) kann man den Deckel von beiden Seiten aufschieben – das birgt die Gefahr, die Reihenfolge der Unterteilungen zu vertauschen.

Weiters sind die Fächer nicht mit „morgens, mittags“ etc. beschriftet, sondern mit kleinen Symbolen. Sonnenaufgang (morgens) und -untergang (abends) sind sehr leicht zu verwechseln, was gemeinsam mit dem oben beschriebenen Mangel noch schneller zu Fehlern führen kann. Diese Nachteile überwiegen aus meiner Sicht leider den wirklich günstigen Preis.

User "Peter Allacher"
(aus KONSUMENT 11/2021)

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