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Konto überziehen: Sollzinsen - Überzogen

, aktualisiert am

Überziehungszinsen: Bis zu 13,25 Prozent zahlt man, wenn man sein Girokonto im vereinbarten Rahmen überzieht. Die Sollzinsen wurden nie an das stark gesunkene Niveau der Leitzinsen angepasst.

  • Austrian Anadi Bank Kärnten
  • Bawag PSK
  • BKS
  • easybank
  • Erste Bank
  • HYPO NÖ
  • HYPO OÖ
  • Oberbank
  • Raiffeisen-LB NÖ Wien
  • Raiffeisen-LB OÖ
  • Raiffeisen-LB Stmk.
  • Unicredit Bank Austria

In der Tabelle finden Sie Informationen über die Höhe der Sollzinsen, Kontokosten pro Quartal und die Art der Zinsanpassung. - Hier unser Bericht:


Die Habenzinsen sind niedrig, dafür sind die Sollzinsen hoch (Illustration: L. Wisniewski)

Ist eine Ware knapp, wird sie teuer; im Überfluss vorhanden, sinkt ihr Preis. Das haben wir alle in der Schule gelernt. Nur die Banker nicht. Denn noch nie kamen die so billig an die Ware Geld, noch nie war so viel davon vorhanden. Für die meisten Kunden jedoch erreicht der am Girokonto dafür zu bezahlende Preis nach wie vor eine schwindelerregende Höhe – bis zu 13,25 Prozent! Das zeigt die aktuelle Markterhebung der Sollzinsen durch KONSUMENT.

132.500 Euro Profit für 500 Euro Aufwand

0,05 Prozent bezahlen Österreichs Banken seit September 2014 für Geld, das sie sich von der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen. Ein EZB-Kredit in Höhe von 1 Million Euro kostet die Bank rechnerisch 500 Euro pro Jahr. Oder 41,67 Euro monatlich. Jeder Häuslbauer würde für so einen Zinssatz dem Vorstand seiner Bank einen Ehrenplatz im Herrgottswinkel seines Rohbaus einrichten. Gelingt es der Bank, diese Million als Girokredit an ihre Kunden zu verkaufen – was bei schätzungsweise 3,5 Millionen Girokontoinhabern nicht zu schwerfallen sollte –, generiert der Einsatz von 500 Euro Zinsen für die EZB bei den teuersten Banken in unserer Markterhebung (Unicredit Bank Austria und Bawag PSK) Sollzinsen von 132.500 Euro.

Sollzinsen oder Überziehungszinsen

Umgangssprachlich ist oft von Überziehungszinsen die Rede (in Deutschland: Dispozinsen), aber der Begriff ist ungenau. Dieser KONSUMENT-Report vergleicht die Sollzinsen österreichischer Banken. Sollzinsen werden jene Zinsen bezeichnet, die Inhaber von Girokonten zu zahlen haben, wenn sie den von ihrer Bank eingeräumten Kreditrahmen in Anspruch nehmen. Das Limit liegt meist bei zwei bis drei Netto-Monatseinkünften. Überschreitet man es, kommt es zur eigentlichen Überziehung, wofür ein weiterer Zuschlag, derzeit in Höhe von 3 bis 5 Prozent, berechnet wird. Nur das wird in der Fachwelt als Überziehungszinsen bezeichnet. Unser Thema sind ausschließlich die Sollzinsen.

Rohaufschlag von 26.500%

Auch Banken entstehen Kosten

Natürlich haben Banken Aufwendungen, wenn sie das (fast) geschenkte Geld unter die Leute bringen wollen. Ob ein Rohaufschlag von 26.500 Prozent dadurch gerechtfertigt ist, bleibe dahingestellt; in den meisten anderen Branchen erreicht dieser bestenfalls eine dreistellige Höhe (z.B. Gastronomie: 200 bis 300 Prozent). Dazu kommen die von den Kunden zu bezahlenden Kontoführungskosten, die allein schon – die Kalkulation eines ordentlichen Kaufmanns vorausgesetzt – die Aufwendungen der Bank decken sollten. Laut Erhebung der Arbeiterkammer Wien von Anfang 2014 liegen die Kontogebühren für Normalnutzer mit 280 Buchungen jährlich zwischen 0 und 242 Euro.

"Einkaufsrahmen" kommt teuer

Hohe Sollzinsen wären für den Konsumenten eher verkraftbar, stünden diesen vergleichsweise hohe Guthabenzinsen gegenüber. Das ist nicht der Fall. Aktuell (Stand Dezember 2014) beträgt der Zinssatz bei täglich fälligen Einlagen auf Sparbücher ohne Mindesteinlage laut AK-Bankenrechner durchschnittlich 0,15 Prozent. Bei der Guthabenverzinsung auf dem Girokonto liegt er nochmal um ein Drittel niedriger (0,10 Prozent). Die Inflationsrate beträgt derzeit das Siebzehnfache.

Durchschnitt 10,12 Prozent

Das bedeutet: Der Konsument stellt der Bank sein Girokonten-Geld um 0,10 Prozent zur Verfügung; nimmt er den Einkaufsrahmen in Anspruch, bezahlt er im Mittel mehr als das Hundertfache dieses Satzes zurück, im Schnitt 10,12 Prozent: Selbst nur einmal pro Quartal in Höhe des durchschnittlichen Guthabens für einen einzigen Tag in Anspruch genommen, fressen die Kreditzinsen den gesamten quartalsmäßigen Zins-"Ertrag" des Guthabens auf.

Versteckte Zinsangaben

Die Banken halten die Sollzinsen weitgehend versteckt. Das zeigte unserer Nachschau auf den Homepages für alle Kontoprodukte mit einem Sollzinssatz von 10 oder mehr Prozent. Nur im Fall der Bawag PSK wurden wir diesbezüglich auf der Produktseite sofort fündig (Details dazu unter "Was die Banken (nicht) sagen“).

Dieses Versteckspiel wird sich auch mit der im Herbst 2014 veröffentlichten neuen EU-Bankkonten-Richtlinie voraussichtlich nicht ändern. Die sieht zwar beispielsweise vor, dass jedem Mensch ein Girokonto zusteht – noch haben ja ganze Personengruppen diesbezüglich erhebliche Schwierigkeiten. Auch müssen in Zukunft die banklichen Begriffe in einem Glossar erläutert werden. Was ist beispielsweise eine "nicht elektronische Sollbuchung"?

Keine Daten über teure Überziehung

Zwei Jahre Zeit wurde den Banken für diese Praktikanten-Aufgabe eingeräumt – aber die klare Ausweisung von Haben- und Sollzinsen auf den Homepages gehört nicht zum Pflichtenheft der EU-Regulatoren. Da dürfen Banken weiterhin auf "den Aushang" im hintersten Winkel der Filiale verweisen.

Sollzinsen im AK-Bankenrechner

Eine repräsentative Übersicht über den aktuellen Stand der Sollzinsen finden Sie in unserer Tabelle. Im Bankenrechner der Arbeiterkammer Wien werden die Daten laufend aktualisiert (Bankenrechner der AK). Wobei gilt: Wer nur einmal kurzfristig das Konto überzieht, um ein Schnäppchen zu ergattern, der mag sich vielleicht über die hohen Zinsen ärgern, nachhaltige Probleme wird er dadurch nicht bekommen.

Von einem Minus ins nächste

Anders die Lage bei Menschen, die von einem Konto-Minus ins nächste taumeln. Und das sind nicht wenige. So kommt die Umfrage des europaweit tätigen Inkassobüros Intrum justitia bei 10.000 Menschen in 21 Ländern für Österreich zu dem Schluss:

"Bedrückende Realität – auch in Österreich: Ein erschütternd hoher Anteil der Befragten kämpft […] jeden Monat, um über die Runden zu kommen: So haben 20 Prozent der Österreicher nach der Bezahlung der monatlichen Rechnungen kein Geld mehr übrig."

Weg in die Schuldenspirale

Ausweg? Das Konto überziehen. Dem sind aber deutliche Grenzen gesetzt – die Bank kann den Kreditrahmen über Nacht und ohne Begründung streichen. Damit wird sofort der gesamte Kreditbetrag fällig. Und: Bei dauerhafter Notwendigkeit der Inanspruchnahme beginnt sich die Schuldenspirale wegen der hohen Zinsen erst recht zu drehen; Menschen, die dennoch dazu gezwungen sind, erhalten häufig auch keinen normalen, eher leistbaren Kredit mehr.

Keine Daten über teure Überziehung

Während das Inkassobüro den Status quo feststellt, weiß das offizielle Österreich nichts von den realen Gegebenheiten oder will davon nichts wissen: Selbst bei der Österreichischen Nationalbank (OeNB) gibt es keinerlei Daten darüber, in welchem Umfang Hunderttausende Österreicher diese teuerste aller Kreditformen Monat für Monat in Anspruch nehmen (müssen). Begründung gegenüber KONSUMENT: "Die von der OeNB erhobenen statistischen Daten basieren auf EU-weit harmonisierten EZB-Verordnungen […] Die derzeitige gesetzliche Grundlage erlaubt es nicht, darüber hinaus noch weitere Details von den Meldern (den Banken, Anm.) zu erheben.“

Alle Kreditarten in einen Topf

Deshalb werden verschiedenen Kreditarten in einen Topf geworfen – vom Geschäftskredit der Selbstständigen über die Verbraucherkredite bis hin zum Wohnungskredit – und daraus wird ein "harmonischer" durchschnittlicher Zinssatz errechnet: 4,75 Prozent, laut OeNB, für Oktober 2014. Die KONSUMENT-Nachschau hingegen zeigt: Die Zinswirklichkeit beim Girokredit kommt uns bis zu dreimal so teuer.

Sollzinsen im Überblick

Überziehungszinsen (Sollzinsen) im KONSUMENT-Vergleich

Was die Banken (nicht) sagen

Informieren Banken über Sollzinsen? Bei der Erhebung sind wir so vorgegangen, wie es Konsumenten auch tun würde: Auf den Homepages wählten wir die Kategorie "Konten & Karten", dort den Eintrag für das klassische Gehaltskonto.

Fanden sich auf dieser Ebene keine Angaben zu den Sollzinsen, gab es eine zweite Chance: Findet sich eine Preisliste, eine Aufstellung der Konditionen, eine nähere Beschreibung zumindest am Rande der Produktseite, etwa als PDF-Dokument zum Herunterladen?

Derartiges detektivisch in den Tiefen der Websites aufzuspüren kann nicht Aufgabe des Konsumenten sein. Von Großunternehmen im Finanzbereich muss man erwarten können, was für jeden kleinen Fleischhacker, Schuhverkäufer oder Wirt Pflicht ist: eine klar erkennbare Auszeichnung von Preisen für Waren und Dienstleistungen. Die Tabelle zeigt das wenig erfreuliche Ergebnis.

Institut    Angaben auf
1. Ebene der
Konto-Produktseite
 
Angaben auf
2. Ebene
(PDF oder
Konditionen-Liste)
Sollzinsen: Informationen auf der Homepage
Austrian Anadi Bank Kärnten   nein nein
Bawag PSK   ja ja
BTV Bank für Tirol u. Vbg.   nein nein
Erste Bank nein nein
Hypo Salzburg nein ja
Hypo Tirol nein nein
Kärntner Sparkasse nein nein
Raiffeisen-LB NÖ Wien nein nein
Raiffeisen-LB Kärnten nein nein
Raiffeisen-LB Tirol nein nein
Sparda-Bank Austria Nord nein nein
Steiermärkische Sparkasse nein nein
Unicredit Bank Austria nein    nein
WSK Bank nein ja
Quelle: KONSUMENT 2/2015  


 

Tabelle: Sollzinsen für Girokonten

Tabelle: Sollzinsen Entwicklung

Zusammenfassung

  • Vermeiden: Den Kreditrahmen in Anspruch zu nehmen kommt Sie teuer. Selbst Ratenangebote eines Verkäufers können unter Umständen günstiger sein (auf Nebenkosten achten, vor allem bei 0-Prozent-Angeboten).
  • Verschieben: Größere Anschaffungen lassen sich möglicherweise verschieben. Werden Sie zum Retro-Konsumenten: erst sparen, dann kaufen. Echte "Nullzinsen".
  • Verhandeln Sie über Ihre Sollzinsen: 80 Prozent der Bankberater haben von ihren Zentralen die Erlaubnis, diese mit Ihnen neu zu vereinbaren.
  • Besser ein Privatkredit: Versuchen Sie, Ihren Kreditrahmen in eine andere Kreditform umzuwandeln, falls Sie Ihr Konto regelmäßig überziehen. Das kommt zwar auch nicht billig, ist aber zumindest weniger teuer. Vergessen Sie aber die Angebote von "Sofortkrediten". Scheinbar günstige Zinsangebote werden meist durch erhebliche Gebühren zunichte gemacht.
  • Bank wechseln: Vergeuden Sie keine Zeit bei der Entscheidung, gegebenenfalls die Bank zu wechseln. Holen Sie vor dem Wechsel aber ein konkretes, schriftliches Angebot der Zielbank ein. Für die Auswahl eines Kontopaketes sind nicht allein die Sollzinsen ausschlaggebend, sondern die Gesamtkosten. Also auch Kontoführungsgebühren sowie zusätzliche Gebühren für Bankomat-/Kreditkarten usw.
  • Schuldnerberatung: Vertrauen Sie den Fachleuten von der Schuldnerberatung, sollten Sie schon drei Monate oder länger im Minus sein. Deren (kostenlose) Dienste in Anspruch zu nehmen ist keine Schande und verhindert oft Schlimmeres. Die Wartezeiten sind jedoch beträchtlich (ASB Schuldnerberatungen Linz).

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