E-Bikes-Praxistest: Reportage - Mit dem Pedelec durch Mallorca

2.500 Kilometer ist unser Test-Team auf Mallorca gestrampelt, um die E-Bikes in der Praxis zu prüfen. Unser radelnder Reporter Felix Kossdorff hat die Test-Tour drei Tage mitgemacht.

Alle Ergebnisse finden Sie in unserem detaillierten Testbericht:E-Bikes und Pedelecs - Radeln mit dem Strom

 

Pfffft. Jetzt ist auch bei mir die Luft draußen. Genauer gesagt beim Vorderrad meines Test-E-Bikes. Ich bleibe also stehen und mit mir der Rest der Gruppe, die jetzt, am Ende des Winters, zwei Wochen lang im Norden Mallorcas 12 Test-Räder akribisch prüft.

Detailreicher Test bei Wind und Wetter

Ich bin der Redakteur des Testberichtes und begleite die praktische Prüfung für drei Tage, um einen Einblick in die äußerst gewissenhafte Arbeit der zwei Frauen und vier Männer zu bekommen, die bei jedem Wetter täglich ab dem Frühstück bis zum Abendessen auf Hunderten Kilometern jedes Detail erfahren und schriftlich festhalten.

Franz Wallner, VKI-Radexperte und Projektleiter des E-Bike-Tests, hilft mir beim Patschen-Picken: „Hier bedient Sie der Chef noch persönlich.“ Wohl auch, damit es schneller geht und nachhaltig wirkt. Er hatte noch in Österreich jedes Rad nach dem Einkauf geprüft, dokumentiert, die Markennamen abgeklebt, die Räder reisefertig demontiert, in Holzkisten verpackt, nach Mallorca geschickt und dort wieder zusammengebaut und ordentlich eingestellt, um Fehlbewertungen auszuschließen. Mit freundlicher Unterstützung von Helfern. Und den Prüfbogen, den die Tester mehrmals am Tag ausfüllen müssen, hat er natürlich auch zusammengestellt.

Umfangreiche Testbögen

Es geht weiter. Schon wieder bleibt meine linke Ferse bei den ersten Tritten ins Pedal am raufgeklappten Radständer hängen, der – wie bei allen Bikes – an der Kettenstrebe montiert ist. Bei diesem Produkt eindeutig zu weit vorne, wenn schon meine Durchschnittsschuhgröße 43 Probleme macht. Ich platziere also meinen Fuß weiter vorne auf dem Pedal und überlege, mit welcher Unterstützungsstufe ich die folgende Steigung in Angriff nehmen werde.

In der Regel fahren wir im Pulk, manchmal auch als auseinandergezogenes Feld. Auf jeden Fall so, dass die vielen Kriterien bewertet werden können. Wie lässt sich der Antrieb steuern, wie gut sind die Anzeigen ablesbar, die Gänge zu schalten? Wie sieht es mit dem Komfort oder der Sicherheit aus, wie verhält sich das Produkt mit oder ohne E-Motor-Unterstützung, wie beim Anfahren bergauf? Das ist nur eine kleine Auswahl dessen, was wir auf den Testbögen beurteilen, als wir an einem unserer Rastplätze pausieren.

Hindernisse und Prüfungen

Patschen picken

Danach wechseln wir die Räder. Jetzt müssen wir sie wieder individuell auf jeden Fahrer einstellen – nur so ist eine sorgsame Beurteilung der Produkte möglich. Und weiter geht es auf die nächste Runde. Jeder Tester fährt mit jedem Rad mehrmals dieselben 8 Kilometer, die über Asphalt, Kopfsteinpflaster und etwas rauere unbefestigte Wege – mit manchen stacheligen Patschenverursachern – führen. Der Kurs besteht aus Geraden und engsten Kehren, ebenen Passagen und solchen, die steil bergauf und bergab gehen.

Jetzt haben wir uns die Mittagsrast in einem Café redlich verdient. Die Köpfe der Testerinnen und Tester beugen sich gerade über die Beurteilungs-Blätter, als von den abgestellten Rädern ein leider schon bekanntes Geräusch zu vernehmen ist. Wieder macht ein Reifen schlapp. Im Stand, ohne Belastung. Interessant. Egal – wieder heißt es Patschen picken.

Brems-Test mit Schafen

Danach schwingen wir uns wieder auf die Räder, für eine weitere Runde. Sofort geht es bergab, da lässt sich das E-Bike gut bei hoher Geschwindigkeit testen – und die Bremswirkung. Denn wir müssen plötzlich ordentlich die Bremsscheiben beanspruchen, weil gerade eine riesige Schafherde über die Straße auf eine andere Weide wechselt. Nur ein Muttertier bleibt zurück – mit seinem vor wenigen Minuten geborenen, noch orientierungslosen Lamm. Das muss erst in dieser Welt ankommen.

Wir warten, bis die Straße frei ist, und treten dann wieder in die Pedale. Es ist Abend und wir strampeln die knapp 20 Kilometer von unserer Testrunde Richtung Hotel zurück. In einem Café in der Nähe lassen wir den Testtag mittels Fragebogen und Schlussbesprechung Revue passieren, bevor es ins Hotel zurückgeht.

Weitere Tests und Labor-Prüfungen 

Nach dem dritten Tag bin ich wieder in Österreich. Für das Test-Team ist aber noch lange nicht Schluss. Nach weiteren Durchgängen auf der festgelegten Norm-Runde folgen noch etliche Tage mit längeren Touren, Nacht- und Regenfahrten und weiteren Tests. Später werden unsere Kollegen von der Stiftung Warentest - deutsche Testorganisation die Räder in Deutschland noch einer umfassenden Labor-Prüfung unterziehen. Das alles, weil viel auf dem Spiel steht: für die Hersteller, für uns als Test-Magazin und für Sie.


Warum testeten wir eigentlich auf Mallorca?

Für einen Testbericht, der Anfang Juni fertig sein soll, muss der Praxistest spätestens Anfang März stattfinden. Die Wahrscheinlichkeit schneefreier Bedingungen mit Plusgraden ist auf Mallorca weit höher als in Österreich. Gerade bei E-Bikes darf die Umgebungstemperatur nicht zu tief sein, weil sonst die Akkuleistung zu stark darunter leidet und nicht richtig bewertet werden kann.


Unseren Testbericht inkl. Testtabelle finden Sie hier: E-Bikes und Pedelecs - Radeln mit dem Strom

Bildergalerie: E-Bikes im Praxistest auf Mallorca

×

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail
Zum Seitenanfang

DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.