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Winterreifen - Prominente Ausrutscher

, aktualisiert am

  • Bekannte Marken sind zurückgefallen
  • Drei Produkte haben versagt
  • Ganzjahresreifen werden immer besser

Es gibt auch von diesem Reifentest mehr Neuigkeiten zu berichten, als man bei einem Produkt, das immer schwarz und rund ist, erwarten würde.

  • Punkt eins: Auch in China produzierte Reifen können mit den Reifen prominenter europäischer Marken mithalten (die südkoreanische Marke Kumho wird in Korea, China und Vietnam produziert).
  • Punkt zwei: Ein Ganzjahresreifen landete im guten Mittelfeld der Wertung und entpuppt sich als tadelloser Winter­reifen, der obendrein noch sehr gut beim Verschleiß abschnitt.
  • Punkt drei: Versuchshalber wurden dieses Mal auch Tests bei Schneematsch durchgeführt.

Wie erwartet, stellte sich dies als ziemlich schwierig he­raus, da der gewünschte Schneematsch nur in einem sehr schmalen Temperaturfenster knapp über null Grad existiert. Schon die ganz normalen Temperaturschwankungen über den Tag sind da ein Problem. Deshalb gibt es diesmal auch noch kein Detail­ergebnis dazu, aber eine ganz klare Erkenntnis: Ein Reifen, der bei Aquaplaning gut ist, ist es auch bei Schneematsch. Ein Reifen, der in der wassergefüllten Spurrinne versagt, kann auch mit Schneematsch nicht umgehen.

185er: Vergleiche möglich

Die schmalere Reifendimension im Test war diesmal 185/65 R15T – eine Größe, die von Kleinwagen über die Kompaktklasse bis hinauf in die Mittelklasse reicht, wenn es sich bei Letzterer um etwas ältere Fahrzeuge handelt – bekanntlich gingen die Reifen aufgrund zunehmender Motorleis­tung in den vergangen Jahren ganz ordentlich in die Breite.

Ein Vergleich mit dem Test im Vorjahr (185/60 R14) ist bei einigen Reifenmodellen durchaus möglich. Sie haben die gleiche Bezeichnung und unterscheiden sich in der Dimension ja nur geringfügig. Bei der breiteren Version (225/45 R17) ist ein Vergleich schon schwieriger, da hier die Dimensionen weiter auseinanderklaffen (letztes Jahr 205/55 R16) und ohnehin nur sechs Modelle den gleichen Namen tragen. Die Dimension 225/45 R17 reicht von sport­lichen Kompaktwagen wie dem Audi A3 bis zu großen Limousinen, etwa dem Skoda Superb.

Bessere Aquaplaningleistung

Beim Bremsen zeigt es sich

Bei der schmalen Dimension fällt auf, dass nur jene Pneus vordere Ränge erreichen können, die auch bei Nässe zumindest ein Gut erhalten. Auch der beste unter den „durchschnittlichen“ Reifen hielt bei Nässe vorne mit, rutschte allerdings – hauptsächlich wegen einer ungenauen Hinterachsführung – in der Trockenwertung zurück. Auffällig, dass genau dieser Reifen die Schneewertung gewann. Beim ContiWinterContact TS830 wurde also offenbar der Zielkonflikt nicht gut genug ausbalanciert.

Apropos Zielkonflikt: Beim Semperit Speed-Grip und dem Ganzjahresreifen von Goodyear wird eine hohe Verschleißfestigkeit mit mittelmäßigen Leistungen auf Schnee bezahlt. Blamabel ist die Performance des Yokohama W.drive V903. Trotz Bestnote auf trockener Fahrbahn landete er im geschlagenen Feld. Beim wichtigsten Kriterium für einen Winterreifen, dem Nassgriff, ließ er sehr zu wünschen übrig. Das Peinliche daran: Neben dem ContiWinterContact ist der Yokohama die ein­zige Neuentwicklung in dieser Dimension. Auf den ersten beiden Plätzen landeten sehr ähnliche Produkte aus gleichem Haus, denn auch der Tecar Super Grip 7 wird von Goodyear gefertigt (für ein Schweizer Handelsunternehmen).

Bessere Aquaplaningleistung

Dieser Test machte wieder einmal klar, dass Winterreifen ganz deutlich die bessere Aquaplaningleistung bringen als Sommerreifen der gleichen Dimension. Und wieder einmal zeigte sich ein dramatischer Unterschied beim Bremsen auf nasser Fahrbahn. Acht Meter liegen zwischen dem Besten und dem Schlechtesten, dem chinesischen Star Performer Winter. Die Unterschiede im Verbrauch hingegen waren so gering wie selten: Es liegen nur drei Prozent oder 0,2 l/100 km zwischen dem Besten (Fulda Kristall Montero) und dem Schlechtesten (Semperit Speed-Grip).

Umweltlabel ab 2012

225/45 R17: bis 5 % Mehrverbrauch

Anders bei der breiten Dimension 225/45 R17. Der Semperit Speed-Grip ist im Vergleich zum Spritsparmeister und Konzernbruder ContiWinterContact für einen Mehrverbrauch von fünf Prozent verantwortlich. Auch von der ehemals großen Stärke des Semperit-Reifens ist mittlerweile nicht mehr viel übrig, denn selbst im Schnee schaffte er gerade einmal ein durchschnitt­liches Ergebnis.

Auffällig ausgewogen ist der Drittplazierte, Dunlop SP Winter Sport 3D. Der Pneu bewältigt die Zielkonflikte souverän, er schnitt bei Nässe, Schnee und trockener Fahrbahn gut ab; und letztlich auch noch beim Verschleiß. Hier musste er sich nur dem Testsieger Michelin Alpin A4 geschlagen geben. Der Michelin hält rund eineinhalb Mal so lange wie der Reifen mit dem höchsten Verschleiß, der Pirelli Sottozero.

Untergrund ausschlaggebend

Der Nokian WR G2 macht seinem Herkunftsland Finnland alle Ehre, indem er auf blankem Eis am besten abschneidet. Die genaue Konsistenz des Untergrundes hat allgemein großen Einfluss auf die Test­ergebnisse auf Schneefahrbahn. Manche Reifen liegen auf hart gepresstem Schnee vorne, andere schneiden auf geringer verdichtetem Untergrund besser ab.

Neu: Umweltlabel

Noch ein Hinweis: Ab Mitte 2012 müssen neu produzierte Reifen mit einem Umweltlabel versehen sein, ähnlich den Energie­effizienzklassen bei Haushaltsgeräten. ­Deklariert werden müssen Rollwiderstand (Kraftstoffverbrauch), Bremsen bei Nässe und Lärmentwicklung.

Testtabelle: 10/2010 Winterreifen 185/65 R15 T

Testtabelle: 10/2010 Winterreifen 225/45 R17 H

Zusammenfassung

  • Zielkonflikt. Einen Reifen, der in allen Kriterien Bestnoten erhält, gibt es nicht. Der Reifenhersteller muss immer nach einem guten Kompromiss streben. Inzwischen gibt es aber schon sehr ausgewogene Produkte.
  • Kauftipp. Durch die mitunter deutlich längere Lebensdauer kommt mancher Reifen oft schon nach wenigen Tausend Kilometern günstiger, obwohl er in der Anschaffung teurer war. Man sollte aber immer auch die anderen Eigenschaften im Auge behalten, insbesondere den Nassgriff.
  • Sonderfälle. Unter 4 mm Profiltiefe gilt ein ­Winterreifen nicht mehr als solcher, er darf im Sommer weiterverwendet werden, ist aber speziell auf nasser Fahrbahn guten Sommerreifen unter­legen. Bei Winterreifen sind auch solche mit ­niedrigerem Geschwindigkeitsindex erlaubt als der Autohersteller vorschreibt. Dann muss man allerdings ein Pickerl mit der Geschwindigkeits­begrenzung am Armaturenbrett anbringen.

Wo gibt es Tecar-Reifen?

In der Dimension 185/65 R15T hat der Tecar Super Grip 7 (aus dem Haus Goodyear) den zweiten Platz erzielt, kostet aber laut unseren Informationen rund 20 Euro weniger als die Markenreifen.

Kein Wunder, dass viele Leserinnen und Leser daran interessiert sind. Da viele Reifenhändler die Marke Tecar nicht kennen (wollen), stellen wir Ihnen hier die Liste der Vertragshändler zur Verfügung, die uns von der Generalvertretung von Österreich, der Firma Techno-Handels-GmbH (1190 Wien) zur Verfügung gestellt wurde.

Das verrät die Seitenwand

(1) 205/55 R 16 91 W

205: Reifenbreite im mm
55: Verhältnis Höhe zu Breite
R: Bauart Radialreifen
16: Felgendurchmesser in Zoll
91: Mindest-Tragfähigkeit (hier 615 kg)
Der Tragfähigkeitsindex (LI) beträgt bei Kleinwagen häufig 75 (387 kg), bei Mittelklassewagen 91 (615); bei Vans oder Geländewagen kann er aber höher sein.
W: Geschwindigkeitsklasse (bis 270 km/h)

 
  Geschwindigkeitsklassen
N 140 km/h
P 150 km/h
Q 160 km/h
R 170 km/h
S 180 km/h
T 190 km/h
U 200 km/h
H 210 km/h
V 240 km/h
W 270 km/h
Y 300 km/h
ZR ZR über 240 km/h

 

 Autoreifen Seitenwand

 

(2) Tubeless

Schlauchlos (Gegenteil: Tube Type) 

(3) E4 0214338

ECE-Prüfnummer. Ohne diese darf ein Reifen in Europa weder verkauft noch gefahren werden. Die Ziffer hinter dem E steht für das Land, in dem der Reifen typisiert wurde, 4=Niederlande.

(4) 1609

Produktionsdatum: 16. Woche des Jahres 2009.

(5) TWI

Tread Wear Indicator (Profilabnutzungsanzeige). ÜberSden Umfang des Reifens gleichmäßig verteilte Querstege in den Längs-Profilrillen, die bei der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 mm auf gleicher Ebene wie die restliche Lauffläche liegen. Spätestens ann sollte der Reifen ausgetauscht werden.

(6) Made in ...

Herkunftsland

(7) Rotation:

Es gibt Reifen, bei denen es egal ist, in welcher Richtung sie laufen; wenn aber die Drehrichtung angegeben ist ("Rotation", "Laufrichtung", "Drehrichtung" oder "Direction" zusammen mit einem Pfeil), dann muss diese bei der Montage eingehalten werden. Es hängt von der Profilgestaltung ab, ob ein Reifen in beiden Richtungen gefahren werden kann oder nicht.

 

Testkriterien

Aus einem internationalen Gemeinschaftstest veröffentlichen wir die Ergebnisse von  Winterreifen bzw. Ganzjahresreifen.

Preise. Befragung von Anbietern im August. Alle Preise pro Stück, ohne Auswuchten, Ventil und Montage. Die angegebenen Preise sind eine Momentaufnahme zum Testzeitpunkt und können sich verändern.

Trockene Fahrbahn. Subjektive Beurteilung von Fahrstabilität und Handling auf einem Hochgeschwindigkeitskurs. Bremsen: auf Asphalt aus 100 km/h.

Nasse Fahrbahn. Bremsen auf dauerberegnetem Asphalt und Beton aus 80 auf 20 km/h. Aquaplaning auf Geraden: Einfahrt in ein 7 mm tiefes Wasserbecken und Beschleunigungen. Aquaplaning in Kurven: Befahren einer 200-m-Kreisbahn mit einem dauerberegneten Teilstück von 4 mm Wassertiefe. Einfahrt mit konstantem Lenkeinschlag mit 70 bis 100 km/h. Handling: Zeitwertung und subjektives Urteil auf dauerberegnetem 1900-Meter-Kurs. Seitenführung: Befahren einer dauerberegneten Asphalt-Kreisbahn auf Zeit.

Schnee. Bremsen auf festgefahrenem Schnee aus 30 km/h. Anfahren: Zugkraftermittlung in Abhängigkeit vom Schlupf. Seitenführung, Traktion: Passfahren auf Zeit, bei Steigungen zwischen 8 und 12 Prozent.

Eis. Bremsen aus 25 km/h. Seitenführung: Befahren einer Kreisbahn mit 18 Meter Durchmesser.

Umwelteigenschaften. Verschleißfestigkeit: Prüfung auf dem Verschleißprüfstand über 5.000 km und im Konvoi über eine Strecke von 8.000 Kilometern. Messung der Profiltiefe an je 24 Reifenstellen. Kraftstoffverbrauch: Verbrauchsmessungen bei 80, 100 und 130 km/h. Außengeräusch: Messung der Abrollgeräusche auf einer ISO-Asphaltstrecke mit 80 km/h bei abgestelltem Motor in dB(A). Innengeräusch: subjektive Beurteilung beim Rollen auf trockenem Asphalt und Beton von 80 bis 30 km/h. PAK–Gehalt: Aus der Lauffläche wurden Proben entnommen und untersucht. Bewertet wird die Summe der 8 PAK (aus EU Richtlinie, karzinogen) in mg pro kg Laufflächengummi.

Schnelllaufprüfung. Höchstgeschwindigkeitstest nach den über die DIN 78051 hinausgehenden Anforderungen auf einem Außentrommelprüfstand. Von allen Reifen bestanden.

Leserreaktionen

Schwer zu vergleichen

Mit großem Ärger und Erstaunen habe ich Ihren Bericht zum diesjährigen Winterreifentest gelesen. Darin ist zu lesen, dass zwei prominente europäische Hersteller hinter einen chinesischen Hersteller zurückfallen ...

Namentlich werden dann Vredestein und Kleber genannt, die ein schlechteres Ergebnis als Kumho haben! Bei dem auf Platz 14 stehenden Reifen von Vredestein handelt es sich um unseren Ganzjahresreifen, schwer solchen Reifen mit reinen Winterreifen zu vergleichen!

Hätte Ihr Redakteur richtig recherchiert, wüsste er auch, dass Kumho keine chinesische Marke ist, sondern aus Südkorea kommt. Durch diese falsche Darstellung in Ihrer Zeitschrift ist beim Konsumenten ein völlig falscher Eindruck entstanden und unserem Unternehmen ist ein schwerer wirtschaftlicher Schaden entstanden!

Thomas Körpert
Geschäftsführer Vredestein GmbH
(aus Konsument 11/2010)

Die südkoreanische Marke Kumho unterhält Produktionsstandorte in Korea, China und Vietnam.

Die Redaktion

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