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Olivenöl: Nachtest - Gut gemischt

Auch wenn bei unserem Nachtest von Olivenöl ein teures Produkt aus einem Nobelgeschäft die meisten Punkte abräumte: Beim Diskonter gibt es um viel weniger Geld ebenfalls gutes Olivenöl und das noch dazu in Bio-Qualität.

In der Testtabelle unseres Nachtests finden Sie drei Olivenöle der Güteklasse nativ extra:

  • Echt Bio Olivenöl
  • Kloster Toplou
  • Planeta

Alle Öle wurden sowohl von Experten als auch Laien verkostet. Die Expertenverkostung führte das Deutsche Olivenöl Panel (DOP) durch. Im Steckbrief zu jedem Öl (S. 4) finden Sie, welchen Gesamteindruck das Produkt bei den Profis hinterlassen hat. Die Laien beurteilten bei den Ölen Aussehen, Geruch, Konsistenz sowie Geschmack nach dem Schulnotensystem und vergaben auch ein Gesamturteil.
Im Labor erfolgte eine chemische Untersuchung der Produkte. Auch die Angaben auf den Flaschenetiketten (Kennzeichnung) wurden beurteilt.


Hier der Testbericht:

18 Olivenöle der Güteklasse nativ extra ­testeten wir in diesem Frühjahr (Olivenöl - Wilde Mischung). Und wie schon so oft waren die Ergebnisse wenig berauschend. Vier Produkte fielen komplett durch, darunter so bekannte Marken wie Bertolli bzw. Carapelli. Weitere vier Öle schnitten immerhin gut ab, während der große Rest über ein mattes Durchschnittlich nicht hinauskam.

Lieblingsöl vermisst

Nach Veröffentlichung unserer Test­ergeb­nisse gab es viel Lob, aber auch Tadel. Vor allem mit der Produktauswahl waren einige Leser unzufrieden. Die meisten vermissten den Testsieger aus unserer Untersuchung in Olivenöl - Extra angeschmiert. Damals hatte das Echt Bio Olivenöl von Penny am besten abgeschnitten. Andere wollten ein Testergebnis zum Bio Olivenöl Natur Aktiv von Hofer. Mehrfach wurde uns auch vorgeworfen, nur billige statt hochpreisige Öle zu testen. ­Tenor: Hätten wir tiefer in die Geldbörse gegriffen, wären die Ergebnisse auch besser ausgefallen ...

Hofer-Öl nicht erhältlich

Dem Wunsch, einige Öle nachzuuntersuchen, kommen wir selbstverständlich nach. Leider konnten wir dabei nicht alle Vorschläge berücksichtigen. Das Bio-Öl Natur Aktiv (Hofer) z.B. hätten wir gerne untersucht. Da es aber nicht zum Dauersortiment des Diskonters ­gehört, steht es nur fallweise in den Regalen und war genau zum Zeitpunkt unseres Test­einkaufs unauffindbar. Wir mussten uns ­daher für ein anderes Produkt entscheiden. Die Wahl fiel auf das griechische Olivenöl ­Kloster Toplou, ebenfalls ein Bio-Produkt. Als wir es zuletzt, nämlich in Olivenöl Nachtest - Kein Verlass auf den Preis ­unter die Lupe genommen hatten, lieferte es ein durchaus respektables Ergebnis.


Lesen Sie außerdem folgende Artikel zum Thema Olivenöl:

Teuerstes Öl am besten

Geschmacksfrage

Für den Einkauf des vielfach geforderten hochpreisigen Öls gingen wir zum Meinl am Graben. In diesem edlen Gourmet-Tempel im Herzen der Wiener Innenstadt gibt es alles, was gut und vor allem ziemlich teuer ist. Fast 17 Euro zahlten wir für einen halben ­Liter Öl von Planeta. Es stammt aus Italien und wurde aus konventionell erzeugten Oliven gepresst.

Alle eingekauften Öle gehören der Güte­klasse nativ extra an. Sie müssen daher in Geruch und Geschmack fehlerfrei sein. Eine eigene EU-Verordnung legt die sensorischen und chemischen Anforderungen an diese Öle fest. So wie beim letzten Test vor einigen Monaten gingen die Proben auch diesmal ins benachbarte Ausland, wo sie vom Deutschen Olivenöl Panel (DOP) verkostet wurden. ­Unter der Überschrift „So schmecken die Öle“ haben wir für Sie zusammengefasst, wie die Profis die einzelnen Öle beurteilen. Bei diesem Gesamteindruck geht es um Ausprägungen bei Geruch und Geschmack, aber auch um Ausgewogenheit. Bei der Ver­kostung wurde von den Experten auch die auf den Flaschen angegebene Herkunft der verarbeiteten Oliven geprüft.

Nicht nur preislich top

Am besten schmeckte den Profis unser teuerstes Öl: Nur Planeta, für das wir 33,98 Euro pro Liter hinlegen mussten, schaffte die Bestnote. Das ist umso bemerkenswerter, weil es bei all unseren Tests bisher kein Produkt gab, das eine solche Topwertung ­erreichte. Nicht ganz so tadellos, aber ebenfalls geschmacklich gut unterwegs ist Kloster Toplou. Das griechische Öl gibt es bei Hofer zu kaufen und kostet gerade einmal 9,99 Euro pro Liter. Und was das Echt Bio von Penny betrifft: Dieses Olivenöl verpasste diesmal in der Expertenverkostung nur ganz knapp eine „gute“ Bewertung, was echt schade ist.

Erstaunlich war auch das Ergebnis der Laienverkostung. Sie beurteilten sämtliche Öle mit „gut“ und würden sie alle auch selbst ­kaufen. Bei unserer letzten Untersuchung wollten die Tester dagegen gerade einmal die Hälfte der Proben im eigenen Küchen­kasten sehen.

Keine gefährlichen Umweltschadstoffe

Überraschend fielen auch die Urteile im Prüfpunkt Chemie aus. Wie immer legten wir den Schwerpunkt auf die Untersuchung von gefährlichen Umweltschadstoffen wie PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Wie bei der letzten Untersuchung wurde auch diesmal der für das krebserregende Benzo(a)pyren (BaP) geltende Grenzwert von 2 Mikrogramm pro Kilogramm Öl von allen Proben unterschritten.

Weniger Schadstoffe

Fanden wir im Mai 2015 in zahlreichen Ölen regelrechte Schadstoffcocktails, sind nun die Ergebnisse deutlich besser. Lediglich vier verschiedene PAK steckten in Kloster Toplou und Echt Bio. Das schaffte im Frühjahr nur Alnatura von dm. Auch in Planeta konnten wir vier PAK nachweisen. Allerdings in so geringen Mengen, dass sie nicht mehr bestimmbar waren.

Ganz ähnlich das Bild bei den Weichmachern, die ebenfalls kritisch für die mensch­liche Gesundheit sind. Im teuren Planeta konnten wir erst gar keine finden. Und auch in den zwei Ölen vom Diskonter steckten nur ganz geringe Mengen an DEHP (Diethylhexylphthalat).

Keine Tricks mit Wärmebehandlung

Das Thema Wärmebehandlung, lange der Aufreger schlechthin, scheint endgültig ­erledigt. Bei keinem Öl fanden wir irgend­einen Hinweis, dass getrickst wurde, um ein fehlerhaftes Öl aufzuhübschen. Ein schönes Ergebnis.

Testtabelle: Olivenöl Nachtest

Steckbriefe

Olivenöl Planeta: gut; Bild: K. Schreiner/VKI

Planeta
33,98 Euro/l
gut
grün mittelfruchtig,
leicht bitter, leicht scharf,
sehr gut ausgewogen
gekauft bei Meinl am Graben
 

Olivenöl Kloster Toplou: gut; Bild: K. Schreiner/VKI Kloster Toplou
9,99 Euro/l
gut
grünreif mittelfruchtig,
kaum bitter (süß), wenig scharf,
gut ausgewogen
gekauft bei: Hofer
 
 Echt Bio Olivenö: durchschnittlich; Bild: K. Scheiner/VKI

Echt Bio Olivenöl
9,19  Euro/l
durchschnittlich
reif mittelfruchtig,
leicht bitter und leicht scharf,
gut ausgewogen
gekauft bei Penny

 

 

Zusammenfassung

Top, aber teuer. Am vergleichsweise besten hat diesmal ein hochpreisiges Öl abgeschnitten. Das nach Meinung der Experten sensorisch beste Öl im Test ist noch dazu frei von Schadstoffen. Allerdings kostet es fast 34 Euro pro Liter.

Zum Diskontpreis. Wie bei unserem Nachtest Olivenöl von 2/2012 ­erreichte das Bio-Olivenöl von Kloster Toplou erneut 62 von 100 möglichen Punkten beim Testurteil. Nicht ganz top, dafür aber um rund 10 Euro pro Liter zu haben.

Abwechslung bringt’s. Verwenden Sie neben Olivenöl auch andere hochwertige Pflanzenöle wie Rapsöl. Aber auch Lein-, Soja- und Walnussöl sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die der Körper braucht, aber nicht selbst her­stellen kann.

Testkriterien

Im Nachtest: 3 Olivenöle der Güteklasse nativ extra

Alle Öle wurden sowohl von Experten als auch von Laien verkostet (Sensorik).
Im Labor erfolgte außerdem eine chemische Untersuchung der Produkte (Chemie).
Auch die Angaben auf den Flaschenetiketten wurden beurteilt (Kennzeichung).

SENSORIK    60 %

Expertenverkostung (60 %)

Alle Öle wurden vom Deutschen Olivenöl Panel (DOP), das aus mind. 8, max. 12 Teilnehmern besteht, anonym bewertet. Die angewandte Methode entspricht der VO 2568/91 in seiner aktuell modifizierten Fassung.
Die Bewertung der Ausgewogenheit/Balance der einzelnen Olivenöle erfolgte nach der validierten Methode DOP-2007-1-A47 zusammen mit der sensorischen Analyse. Sie unterteilt die Öle zusätzlich nach Kriterien der sensorischen Harmonie. Die Methode, die nicht Teil der EU VO ist, wird bei allen Proben im DOP angewendet.

Laienverkostung (40 %)

Bei den Laien erfolgte die Beurteilung nach Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack mittels Schulnotensystem. Außerdem wurde für jedes Öl ein Gesamturteil vergeben.
Zusätzlich wurden Geschmackseigenschaften wie bitter, kratzig, sauer, ranzig, stechend, mild, intensiv, harmonisch, fruchtig und Geruchseigenschaften wie intensiv, fruchtig, stechend, ranzig, harmonisch anhand einer 5-stufigen Skala bewertet.

CHEMIE    30 %

Im Labor wurde eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt.

Fettsäuremuster (2 %)

. Fettsäuremethylester: mittels GC-FID (Gaschromatographie- Flammenionisationsdetektor)
. Peroxidzahl: Die Bestimmung der Peroxidzahl wurde titrimetrisch durchgeführt.
. Säurezahl, freie Fettsäuren: Auch hier erfolgte die Bestimmung titrimetrisch.

Schadstoffe (88 %)

. Weichmacher (50 %): mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie.
. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) (50 %): mittels GPC (Gel-Permeations-Chromatographie) und HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie)

Verdacht auf Wärmebehandlung (10 %)

. Pyrophäophytine: mittels HPLC-DAD (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie-Diodenarray-Detektoren)
. UV-Spektrometrie: wurde photometrisch ermittelt
. Isomere Diacylglyceride: mittels GC-FID (Gaschromatographie-Flammenionisationsdetektor)

KENNZEICHNUNG    10 %

Die Etiketten wurden nach der VO (EG) 1019/2002 untersucht. Ebenso wurde die Transparenz der Herkunft geprüft.

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