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Supermärkte und Bioläden - Wer frisch ins Haus liefert

  • Grundsätzlich eine praktische Sache
  • Nicht alles ist wirklich frisch
  • Vorsicht bei Fleisch und Rohmilch

Supermärkte steigen ein

Was der Greißler ums Eck, der Dorfkaufmann „immer schon“ für Stammkunden tun, bieten seit längerem auch Biobauern, Naturkostläden und Naturkost-Versandorganisationen an: Hauszustellung von Lebensmitteln. Vor zwei, drei Jahren orteten auch Supermärkte ein neues Kundenbedürfnis und begannen – vorerst fast ausschließlich in Wien – Einkäufe zuzustellen. Hauszustellung bietet viele Annehmlichkeiten: keine Wegzeiten zum und vom Geschäft, keine mühselige Schlepperei.

Dienst für Kranke

Wer krank ist, kann von zu Hause aus bestellen, was er braucht. Für Gestresste mag besonders die größere zeitliche Flexibilität von Vorteil sein – immerhin gibt es bei manchen Hauszustellern eine Rund-um-die-Uhr-Bestellmöglichkeit, andere stellen bis 22.00 Uhr zu. Wer biologische Lebensmittel bevorzugt und keine geeignete Einkaufsmöglichkeit in der Nähe hat, kann sich beliefern lassen.

Der Zustelldienst muß passen

Doch all diese Vorteile haben auch einen „Vorab“-Preis: Wer seinen individuell „besten“ Hauszusteller ausfindig machen will, muss sich kundig machen. Welches Sortiment angeboten und in welcher Region die Hauszustellung durchgeführt wird, welche Preise gelten, ob Sonderaktionen berücksichtigt werden, ob es eine Mindestbestellsumme gibt, ob und in welcher Höhe eine Zustellgebühr fällig wird – jeder Anbieter hat seine eigenen Spielregeln, es gibt kaum Gemeinsames.

Die Mühe dieser Auswahl nehmen wir Ihnen ab (siehe dazu: Tabellen - "Hauszusteller Lieferbedingungen"). Doch darüber hinaus gibt es auch noch viele Details, die zu beachten sind. Wer zum Beispiel zu einem bestimmten Termin beliefert werden möchte, muss auf den jeweiligen Bestellannahmeschluss achten. Nähere Informationen finden Sie in den Katalogen der Hauszusteller oder gleich für alle Anbieter zusammengefasst in unserer Tabellenlangfassung, die Sie über unser Abonnenten-Service beziehen können.

Einkauf über Katalog oder Liste

Gleich ein Tipp für die Praxis: Da sich vergebliche Zustellversuche meistens in der Rechnung niederschlagen, sollte man zum vereinbarten Liefertermin tunlichst „vor Ort“ sein. Mit manchen Biozustelldiensten kann man allerdings vereinbaren, dass die gelieferte Ware gegebenenfalls vor der Wohnungstür abgestellt wird. Für unseren Test bestellten wir Lebensmittel bei Supermärkten und bei Zustellern biologischer Lebensmittel und ließen an Wiener Adressen liefern. Fast alle unserer Testkandidaten präsentieren ihr Sortiment in Katalogen oder Warenlisten, aus denen die Kunden auswählen und ihren Einkauf zusammenstellen können.

Bei Billa nur über Internet

Bei Billa ist die Bestellung nur über Internet möglich, das Sortiment ausschließlich über Bildschirm abrufbar. Billa ist übrigens auch die einzige Lebensmittel-Handelskette, die österreichweit, von einer Wiener Filiale aus, eine Hauszustellung anbietet. Das Hauszustellungssortiment ist jedoch für die Bundesländer nicht so breit wie in Wien. Ganz ohne Katalog ist beim Naturkostladen Spittelberg zu bestellen. Angeboten wird das gesamte Naturkostladen-Sortiment. Abgesehen davon, ob die Zustellung problemlos funktioniert, interessierte uns vor allem die Beschaffenheit der Lebensmittel, ob sie frisch, in einwandfreiem Zustand, geliefert werden. Wir bestellten deswegen „heikle“ Waren wie Rohmilch, Fruchtjoghurt, Fleisch, Obst, Gemüse und Eier.

Meist pünkrliche Lieferung

Die Supermärkte lieferten großteils pünktlich zum vereinbarten Termin. Komplikationen gab es lediglich bei Magnet: Die bestellten Waren schienen zwar samt und sonders auf der Rechnung, nicht aber in der Lieferkiste auf. „Entweder noch heute Nachmittag oder morgen Vormittag wird nachgeliefert,“ hieß es auf unsere Reklamation. Tatsächlich wurden die Waren am nächsten Tag erst zu Mittag zugestellt. Glücklich ist in dem Fall, wer tagsüber ohnehin zu Hause ist.

Supermärkte: Testsieger Billa

Die zugestellten Lebensmittel waren großteils in Ordnung. Keinerlei Grund zur Beanstandung, weder bei Billa, noch bei Magnet, Meinl, Merkur oder Spar, gab es bei Fruchtjoghurt. Abgesehen von einzelnen Ausreißern, wie etwa ramponierten oder weichen Paprikas, wurde auch das Obst und Gemüse überwiegend in gutem Zustand geliefert.

Problem beim Fleisch

Anders beim Fleisch: Wegen erhöhter Keimbelastung wurden sowohl das Faschierte von Merkur als auch das Schweinefleisch von Spar als „weniger zufriedenstellend“, das Rindfleisch von Spar als „durchschnittlich“ beurteilt. „Nicht zufriedenstellend“ war weiters der Speck von Spar, da er zu viel Natriumnitrat (Pökelsalz) enthielt und deswegen laut Lebensmittelgesetz nicht in Verkehr gebracht hätte werden dürfen.

Auf ein altes Problem stießen wir bei Eiern: Von Meinl und Merkur erhielten wir kleinere Eier als deklariert.

Bio-Zusteller bieten ganze Kisten an

Bei den Zustellern biologischer Lebensmittel orderten wir nach Möglichkeit je eine „komplette“ Lieferung mit Rohmilch, Fruchtjoghurt, Fleisch und Fleischwaren, Eiern, Obst und Gemüse. Die meisten Biohauszusteller bieten Obst- und Gemüsekisten zu Pauschalpreisen an. Davon bestellten wir im Zeitraum April bis Juni pro Anbieter zusätzlich zur ersten Lieferung weitere vier Stück. Auf diese Weise konnten wir uns auch ein Bild darüber machen, wie „saisongerecht“ das Angebot ist. In das „Konsument“-Testurteil ging aber – wie bei den Lieferungen der Supermärkte – nur ein, ob die Produkte frisch waren.

Strengere Prüfung bei Obst und Gemüse

Nichtsdestotrotz hatten die Zusteller der Obst- und Gemüsekisten erheblich schwerere Prüfbedingungen: Bei insgesamt fünf Lieferungen ist schließlich auch die Möglichkeit einer Panne größer. Bei BioMobil gibt es anstelle von Obst- und Gemüsekisten einen Biomischkorb mit Obst, Gemüse, Brot und Getreideprodukten, Milchprodukten, Fleisch und Fleischwaren. Wir bestellten den Biomischkorb ebenfalls fünfmal, nahmen aber für unseren Test nur das Obst und Gemüse näher unter die Lupe.

Biofans müssen flexibler sein

Bei der Inanspruchnahme mancher Biozustelldienste ist eine flexible persönliche Grundhaltung von Vorteil. So war zum Beispiel von Biokutsche die erste Lieferung für Freitag vormittag zugesagt, tatsächlich wurde zwei Tage vorher am frühen Nachmittag zugestellt. Nur: Was macht man mit den für das Wochenende gedachten Lebensmitteln bereits Mitte der Woche? Auch bei anderen Zustelldiensten erfolgte die Lieferung nicht immer zum vereinbarten Termin. Einige Male wurde den Testeinkäufern der geänderte Liefertermin zeitgerecht mitgeteilt, andere Male nicht.

Die meisten Lebensmittel wurden in „gutem“ Zustand zugestellt. Bei manchen Zustelldiensten gab es allerdings gravierende Probleme mit Fleisch und auch mit Rohmilch.

Die Probleme bei Rohmilch und Fleisch

Wegen der möglichen Belastung mit gesundheitsschädlichen Keimen sollte man Rohmilch nicht unerhitzt trinken. Wenn man sie abkocht, muss man höhere Vitaminverluste als bei Pasteurisation in Kauf nehmen. Da sie wegen zu hoher Keimbelastung nicht der Milchhygieneverordnung entsprach, wurde sowohl die von Waldviertler Viktualien als auch die von BioMobil zugestellte Rohmilch „nicht zufriedenstellend“ beurteilt.

Verdorbene Ware

Genussuntauglich und verdorben waren das Rindfleisch von BioMobil und das Schweinefleisch von Waldviertler Viktualien. Sowohl der Karreespeck von BioMobil als auch der Bauernspeck von Bio Wichtl enthielten zu viel Pökelsalz und hätten nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. Der Schulterspeck von Frisch&Frei, der Bauernspeck und die Knacker von Bio Wichtl waren verfälscht, ihre Zusammensetzung entsprach nicht den Anforderungen des Lebensmittelcodex. Darüber hinaus mussten mehrere Produkte wegen unkorrekter oder unvollständiger Kennzeichnung abgewertet werden.

Zu lange gelagert

Wir bestellten nach Möglichkeit Obst- und Gemüsekisten für Drei- bis Vier-Personen-Haushalte. Diese wogen an die 5 bis 16 Kilo. Es können meistens aber auch kleinere Kisten bestellt werden. Eines unserer „Durchschnitts-Obst- und Gemüsekistln“ enthielt rund 12 bis 23 verschiedene Obst- und Gemüsesorten. Manche Anbieter, etwa Bio Wichtl, setzen vor allem auf heimische Ware, andere, wie Kussmann’s Naturkost, packen zusätzlich Orangen, Avocados und Kiwis dazu. Bezüglich Produktvielfalt und -zusammenstellung war die Kiste von Waldviertler Viktualien am reichhaltigsten.

Mit Saisonware

Sämtliche Kisten enthielten auch Saisonwaren, etwa Kirschen, Erdbeeren, Spinat oder Jungzwiebel. Diese langten durchwegs in gutem Zustand ein. Mängel stellten wir meistens bei Lagerobst und -gemüse fest: Lageräpfel waren teilweise von sehr schlechter Qualität und eigneten sich nicht mehr zum Rohessen, sondern maximal zum Verkochen. In Obst- und Gemüsekisten, die hinsichtlich Frische als „durchschnittlich“ beurteilt wurden, fanden sich durchwegs mehrere „überlagerte“ Sorten: wurzelnde Zwiebeln, Karotten mit fauligen Spitzen, gelber Broccoli, eingetrocknete Orangen…

Die Zeiten, in denen die Auslobung „biologisch“ in erster Linie mit verschrumpelten Äpfeln und ausgewachsenen Kartoffeln assoziiert wurde, sollten eigentlich längst vorbei sein.

Details

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Eine Liste der Zustelldienste für biologische Lebensmittel in Österreich kann bei der BIO-CLUB-Servicenummer der ARGE-Biolandbau, Tel.: 0810/221314, zum Ortstarif angefordert werden. Kostenbeitrag: keiner (kleine Spende erwünscht).

Flexible Bestellung. Hauszustellungen können auch per Anrufbeantworter, Fax oder E-mail, unabhängig von vorgegebenen Bestellzeiten, in Auftrag gegeben werden.

Gebunden bei Lieferung. Zum vereinbarten Liefertermin heißt es zu Hause zu sein, die Ware wird üblicherweise persönlich übergeben.

Risiko bei empfindlicher Ware. Fleisch und Rohmilch verderben leicht, wenn die Kühlkette unterbrochen wird.

Im Test: Neun Anbieter biologischer Lebensmittel, die im Raum Wien zustellen und Neukunden annehmen, wobei Suche und Auswahl durch Internetrecherche, den „Falter“-Bio-Guide und die Info-Broschüre des Seniorenbüros der Stadt Wien erfolgten, weiters alle fünf Supermarktketten, die in Wien Hauszustellung anbieten.

Die erste Lieferung (gesamtes Sortiment) wurde im April oder Anfang Mai bestellt, vier weitere Obst- und Gemüsekistenbestellungen tätigten wir bis Mitte Juni (meist mit zweiwöchigem Abstand).

Die eingekauften Lebensmittel wurden nach folgenden Kriterien untersucht:

Rohmilch: nach Milchhygieneverordnung

Fruchtjoghurt: Mikrobiologie – Hefen und Schimmel

Fleisch (Rind-, Schweinefleisch und Faschiertes): Gesamtkeimzahl und Enterobacteriaceaen

Knacker: Mikrobiologie wie Fleisch, Zusammensetzung laut österreichischem Codex

Speck: Zusammensetzung laut österreichischem Codex, Natriumnitrat und Kaliumnitrit (Pökelsalz), Benzo(a)pyren

Hühnereier: Gewichtsbestimmung

Obst- und Gemüsekiste: Gewichtsbestimmung, Beurteilung der einzelnen Sorten. Das Urteil wurde gewichtet, das heißt, die Beurteilung jener Sorten, die anteilsmäßig am stärksten vertreten waren, wiegt am schwersten.

Falsche oder unvollstän-dige Kennzeichnung führt zur Abwertung um eine Stufe.

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