Paketzustellung: Trinkgeld - Kommentar von Markus Stingl

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Paketzusteller, Fahrradboten, Pizzadienst -  Berufsgruppen wie diese sind mitunter auf Trinkgeld angewiesen. Es gilt die Devise: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“.

KONSUMENT-Redakteur Markus Stingl (Foto: VKI)

Als Kind konnte ich meinen Großvater bisweilen dabei beobachten, wie er Handwerkern, Paketzustellern, dem Rauchfangkehrer etc. nach getaner Arbeit ein durchaus stattliches Trinkgeld in die Hand drückte. „Das gehört sich so“, sagte er dann erklärend zu mir. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“

Nicht selbstverständlich

In den finanziell klammen Jahren während des Studiums beherzigte ich diesen Ratschlag eher selten. Doch seither versuche ich dem wieder nachzukommen. Denn Faktum ist, dass insbesondere Zusteller, sei es nun der Essens- oder der Paketbote, eigentlich auf Trinkgeld angewiesen sind. Es sind Menschen am unteren Rand der (legalen) Erwerbstätigkeit, die uns unseren Lebensstil, der Bequemlichkeit weit in den Fokus rückt, ermöglichen. Das sollten wir nicht als selbstverständlich abtun.

Wann haben Sie das letzte Mal Trinkgeld gegeben?

Früher gehörte es zum guten Ton, Trinkgeld zu geben. Und heutzutage? Es ist nicht verwunderlich, dass Paketzusteller den letzten Meter nicht mehr, sondern stattdessen lieber den Weg des geringsten Aufwandes (= Paketshop) gehen. Dass sie die Pakete nicht drei Stockwerke nach oben tragen, wo nur – wenn überhaupt – ein nicht immer ehrlich gemeintes „Danke“ auf sie wartet. In diesem Sinne: Wann haben Sie das letzte Mal einem Paketzusteller Trinkgeld gegeben?

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Wenig Sinn

Ja, das hat schon was an sich, aber da die Zusteller und Briefträger ja nicht immer dieselben sind, hat das wenig Sinn. Streng genommen ist ja so ein Trinkgeld eine „Bestechung“, damit der Zusteller (hab noch nie eine Frau gesehen), in Zukunft seine Arbeit macht, für die er zugegebener Maßen schlecht bezahlt wird. Mir wäre auch lieber, die Post macht weniger Gewinn, stellt mehr Mitarbeiter ein und zahlt diese besser und liefert mir Pakete und Einschreiben an die Haustür!

User "Freytagb"
(aus KONSUMENT 2/2019)

Nicht ganz einverstanden

Ihrem Artikel über Trinkgeld möchte ich nur bedingt zustimmen. Es gibt Dienstleistungen, bei denen ein Trinkgeld üblich ist und ich auch gerne eines gebe (Friseur, Kellner usw.). Was ich nicht möchte: dass sich auch bei uns „amerikanische Verhältnisse“ einbürgern. Unser Ziel sollte es sein, dafür zu sorgen, dass ordentliche Gehälter bezahlt werden und der Mitarbeiter kein Bittsteller ist.

Nehmen wir Ihr Beispiel des Paketzustellers. Ich nehme an, dass Sie auch einem Postangestellten ein Trinkgeld geben. Wenn Sie sich die Gehälter der „Postvorstände“ anschauen und sehen, wie die Angestellten behandelt werden, ist das eine Katastrophe. Wollen wir das unterstützen? Ich höre von Wirten immer wieder, wenn es um die Bezahlung geht: „Sie bekommen ja noch das Trinkgeld.“

Dann gibt es noch jene Kunden, für die ein großzügiges Trinkgeld kein Problem ist; es gibt aber auch den kleinen Mann, der sich das nicht leisten kann und somit wieder Kunde 2. Wahl ist. Es wird ja schon Trinkgeld für Busfahrer (Ausflugsfahrten) gesammelt, wenn der Chef selber fährt – er wird wohl kalkulieren können!

Ich bin überzeugt, gerechter Lohn für jede Arbeit, auch für Dienstleister, muss das Ziel sein. Der Markt regelt das schon; zwar ein bisschen langsam, aber es werden den Wenigzahlern früher oder später die Mitarbeiter ausgehen.

Peter Kössler
Stanz bei Landeck
(aus KONSUMENT 12/2018)

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