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Nachhaltige Veränderung - Projekt Weltrettung

Angesichts der globalen Umwelt- und Klimakrise sind wir alle gefordert. Doch reicht es aus, nachhaltig zu leben, oder sind weitere Schritte notwendig?

Wenn alle Menschen so leben und so viel konsumieren würden wie wir Europäer, bräuchte die Menschheit fast drei Planeten statt einem (Bild: PopTika/Shutterstock)

Fairtrade-Kaffee, Fleisch vom glücklichen Rind, Bio-Shirt: Wie schön, wenn man beim Einkaufen nebenbei die Welt retten kann. Aber so einfach ist es nicht. Am nachhaltigsten ist es immer noch, so wenig wie möglich zu kaufen. Wie nachhaltig kann z.B. ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle sein, das genauso billig ist wie jenes aus konventionell angebauter Baumwolle? Die Antwort ist einfach: Nicht sonderlich, wurde es doch genauso billig produziert. Das Prädikat „bio“ sagt noch lange nichts über die Wertschöpfungskette – das Spinnen, Weben, Färben und Nähen – eines Kleidungsstücks aus.

Ökologischer Fußabdruck wird immer größer

Nachhaltigkeit ist nach wie vor das Gebot der Stunde, doch dessen Umsetzung nicht gerade einfach. Uns Menschen der westlichen Welt fällt es schwer, so zu leben, dass Bewohner ärmerer Länder sowie nachfolgende Generationen genügend Ressourcen zur Verfügung haben. Unser ökologischer Fußabdruck wird immer größer: Wenn alle Menschen so leben und so viel konsumieren würden wie wir Europäer, bräuchte die Menschheit fast drei Planeten statt einem.

Minderheit denkt um

Wie kann es also sein, dass alle von Nachhaltigkeit reden, wir aber alles andere als nachhaltig leben? Zwar wird das Bewusstsein über die Folgen unseres Lebensstils größer und immer mehr Menschen beginnen umzudenken. Doch das ist nach wie vor eine Minderheit. Und so genau nehmen es die meisten dann doch nicht: Sie kaufen zwar bio, fliegen aber zwei Mal im Jahr auf Urlaub. Viele lehnen Kaffee aus Kapseln ab, zahlen ihr Geld aber in Banken ein, die es in klimaschädliche Projekte investieren.

Klimawandel, Plastikmüllberge, Artensterben

Unser ausbeuterisches Wirtschaftssystem gepaart mit der Sorglosigkeit des vorherrschenden Konsumdenkens hat uns an den Rand einer Umwelt- und Klimakatastrophe geführt. Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, um einen ökologischen Kollaps noch abzuwenden.

Wer ist verantwortlich?

Wer ist verantwortlich?

Können wir Konsumenten tatsächlich alleine dafür verantwortlich gemacht werden, wie produziert wird und wohin unser Geld fließt? Sollten nicht vielmehr die großen Konzerne genauer Rechenschaft darüber ablegen, wie sie ihre Waren herstellen – nämlich auf Kosten der Umwelt und der Arbeiter in den Herstellerländern?

Natürlich sind wir alle gefragt, uns mit den Konsequenzen unserer Lebensweise auseinanderzusetzen und Alternativen zu finden. Doch das ist nicht immer einfach – zum Beispiel, wenn Unternehmen immer wieder einen Weg finden, sich einen grünen Anstrich zu verpassen (Stichwort Greenwashing).

Konsumenten sind überfordert

Von uns Konsumenten wird nicht weniger verlangt, als Experten in nachhaltiger Produktion zu werden, uns mit einer Flut an Gütesiegeln auseinanderzusetzen und das Kleingedruckte genau zu lesen: Palmöl ja oder nein? Eier aus welcher Haltung? Zusatzstoffe?

Eine aktuelle Studie von „Mutter Erde“ – einer Initiative von ORF und führenden Umweltschutzorganisationen – zeigt, dass es Konsumenten überfordert, alles richtig zu machen. Es gibt zu viele Informationen über Nachhaltigkeit, jedoch zu wenig Zeit, um sich damit zu befassen.

Ökosoziale Steuerreform

Ökosoziale Steuerreform

„Durch eine Änderung unseres Lebensstils bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen könnten wir den Ausstoß von Treibhausgasen um etwa 25 Prozent reduzieren“, sagt Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. „Erst wenn die Rahmenbedingungen bewirken, dass klimafreundliches Handeln einfacher und billiger ist als klimaschädliches, können wir mehr erreichen.“

Dies sei in Form einer ökosozialen Steuerreform möglich, die Ressourcen, insbesondere fossile Energieträger, höher besteuert und Arbeit entlastet, so Kromp-Kolb. „Zugleich müssen die eingenommenen Steuern auf transparente Weise dem Klimaschutz und besonders Betroffenen zugutekommen.“

Die Wirksamkeit von gezieltem oder strategischem Konsum zum Zweck der Weltrettung ist ohnehin nicht unumstritten. Das liegt auch daran, dass es mit der Absicht, den eigenen Lebenswandel grundlegend zu ändern, oft nicht weit her ist.

Beispiel für wirksamen Konsumentenboykott

Eines der bekanntesten Beispiele für einen wirksamen Konsumentenboykott war der Protest gegen die geplante Versenkung der Ölplattform Brent Spar der Firma Shell im Jahr 1995. Tausende von Autofahrern boykottierten daraufhin Shell-Tankstellen – und tankten stattdessen bei Esso oder BP. Dass Ölförderung fast immer unter riskanten und umweltschädlichen Bedingungen stattfindet, ging in der allgemeinen Empörung unter. Auf die Idee, ihr Auto einfach mal stehen zu lassen, kamen die meisten Empörten dabei nicht.

Konsument und Bürger

Diskussion über Konsumentenverantwortung

Der Soziologe Harald Welzer schreibt in seinem Buch „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“: „In der Diskussion über Konsumentenverantwortung wird übersehen, dass der Konsumbürger nur reagieren, aber nicht gestalten kann. Je geringer die Kaufkraft und damit Marktmacht eines Teilnehmers, desto geringer die Möglichkeit der Einflussnahme. Auch das unterscheidet den ungleichen Konsumbürger vom politisch gleichen Bürger.“

Ähnlich sieht es Christian Felber, Mitbegründer der Gemeinwohlökonomie: „Gesamtgesellschaftliche und demokratische Verantwortung sind keine Tugenden im Neoliberalismus. Allenfalls sollen die Menschen als Konsumenten und Anleger Verantwortung ausüben, in Form von ‚kritischem Konsum‘ und ‚ethischer Geldanlage‘.“

Druck auf die Politik machen

Welzer und Felber fordern uns also dazu auf, uns nicht mehr als reine Konsumenten zu definieren, sondern auch unsere Verantwortung als politische Bürger wahrzunehmen. Das bedeutet, dass wir Druck auf die Politik machen und die Verantwortung der großen Konzerne einfordern sollen.

Möglichkeiten dafür gibt es viele – von der Beteiligung an Petitionen über die Mitarbeit bei NGOs bis zur Teilnahme an Demonstrationen wie den Klimastreiks. Und wir sollten nicht mit dem Finger auf andere zeigen, die vermeintlich weniger nachhaltig leben als wir selbst, sondern uns lieber mit anderen zusammentun; etwa in Nachbarschaftsnetzwerken, FoodCoops oder Tauschkreisen.

Verschwenderischen Konsum infrage stellen

Trotz allem dürfen wir nicht aufhören, unseren verschwenderischen Konsum infrage zu stellen. „Die Vorbildwirkung der Industrienationen ist international gesehen wichtig“, sagt Helga Kromp-Kolb. „Wir können den Schwellen- und Entwicklungsländern nicht sagen, ihr dürft nicht so verschwenderisch leben, wenn wir selbst es tun“, so die Klimaforscherin. „Stattdessen müssen wir ihnen zeigen: Unsere Entwicklung war eine Sackgasse.“

Was kann ich tun?

Wie sehr kann ich Gütesiegeln vertrauen?

In ihrem Report „Zeichen-Tricks“ hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace die 26 wichtigsten Kennzeichnungen für Lebensmittel, die von Österreichs größten Supermarktketten verwendet werden, genauer unter die Lupe genommen. Von den überprüften Gütezeichen sind 14 zu empfehlen, darunter alle Bio-Siegel, Fairtrade, das V-Label oder das „Ohne Gentechnik hergestellt“-Zeichen. Greenpeace - Gütezeichen auf dem Prüfstand

Kann ich etwas bewirken, wenn ich weniger Fleisch esse?

Die 20 weltweit größten Fleisch- und Milchkonzerne verursachen mit 932 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr mehr Emissionen als Deutschland, der viertgrößte Industriestaat der Welt. Jährlich werden zwischen 550.000 und 600.000 Tonnen gentechnisch verändertes Soja nach Österreich importiert, für das südamerikanischer Regenwald abgeholzt werden musste. Die Österreicher liegen mit einem Fleischkonsum von 63 Kilo pro Person und Jahr im europäischen Spitzenfeld.

Wie viel kann bio wirklich bewirken?

Die herkömmliche, industrielle Landwirtschaft ist einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen und mitverantwortlich für Umweltzerstörung und Artensterben. Das Grundprinzip der biologischen Landwirtschaft ist dagegen die Kreislaufwirtschaft. Dazu gehören natürliche Düngung, das Verbot von chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern und Pestiziden sowie artgerechte Tierhaltung.

Forscher kommen im Fachmagazin „Nature Communications“ zu dem Schluss, dass es möglich wäre, die gesamte Landwirtschaft auf nachhaltige Bio-Produktion umzustellen und damit die Weltbevölkerung zu ernähren. Das würde aber nur funktionieren, wenn Agrarmethoden und Konsumverhalten sich drastisch änderten. So müssten die Menschen vor allem weniger Fleisch essen und sie sollten weniger Lebensmittel verschwenden.

Buchtipp: Zukunft wird mit Mut gemacht

Klimawandel, Umweltzerstörung, Artensterben – zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, das Ruder herum­zureißen. Als Grundübel für den Zustand unseres Planeten gilt unser ausbeuterisches Wirtschaftssystem, das weiterhin grenzenloses Wachstum predigt – auf Kosten der Umwelt und von Arbeitskräften in den Herstellerländern.
Leistungs- und Ellbogendenken

Nachhaltiger Konsum und Lebensstil werden nicht ausreichen, um die Welt zu retten. Was also ist zu tun? Dieses Buch will aufrütteln und mobilisieren. Es zeigt auf, was schiefläuft in unserer Gesellschaft, aber auch welche Möglichkeiten es gibt, Teil des dringend notwendigen Wandels zu werden.

Aus dem Inhalt

  • Nackte Tatsachen
  • Nachhaltigkeit ad absurdum geführt
  • Shoppst du noch oder lebst du schon?
  • Schmeckt nicht? Weg damit!
  • Alles im Wandel
  • Alternative Modelle
  • Achtsamkeit oder: eins mit der Natur
  • Die Zukunft beginnt jetzt
  • Helden des Alltags: Lehrer

144 Seiten, 19,90 € + Versand

 

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