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Laufschuh-Hersteller im Ethik-Test - Nur gute Vorsätze

Preisdruck und mangelnde Kontrolle der Vorlieferanten verhindern, dass gute Vorsätze verwirklicht werden.

Die Produktionsbedingungen von folgenden Sportartikelherstellern waren im Ethik-Test:

  • Adidas
  • Asics        
  • Brooks    
  • Lunge    
  • Mizuno    
  • New Balance    
  • Nike    
  • Reebok    
  • Saucony
  • Salomon  

Bewertet wurden: Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Transparenz, CSR-Strategie des Unternehmens, Service für Verbraucher, ... Welche Schuhe beim Lauf-Test am besten abgeschnitten haben, lesen Sie in unserem Laufschuhe - Neutral oder stabil. - Lesen Sie nachfolgend unseren Ethik-Report.


Die Zeiten sind vorbei, als Markenkonzerne ihren Lieferanten einen Code of Conduct ( Verhaltenskodex) verpassten und meinten, damit genug Verantwortung bewiesen zu haben. Heute gestehen sie zu, selbst mehr unternehmen zu müssen, dass die Arbeiter existenzsichernde Löhne erhalten. Doch sie tun immer noch zu wenig, um dies zu verwirklichen. Sie müssten Benchmarks setzen, um dieses Ziel zu erreichen.

Statt bessere Löhne zu zahlen ...

Nicht einmal die Größten der Branche, Adidas und Nike, waren bis dato dazu bereit. Letztlich müssten sie ihren Lieferanten einfach genug bezahlen, damit diese bessere Löhne bezahlen können. Trotz der Beteuerungen, die Situation zu verbessern, gibt es eine Entwicklung hin zu einer Verschlechterung der Lage.

... wird Produktion verlagert

Zahlreiche Konzerne, darunter Nike, haben im Jahr 2014 Produktionsstandorte in China aufgegeben, weil die Löhne dort gestiegen sind. Sie verlegten die Produktion nach Vietnam, Indonesien, Indien oder Bangladesch. Auch Adidas hat angekündigt, seine Produktion verlagern zu wollen.

Einheitliche Standards gefordert

Die Folge davon: In China steigt die Arbeitslosigkeit signifikant. Wenn ein Werk schließt, ist oft eine ganze Kette von Zulieferern und Dienstleistungsbetrieben (Caterer, Reinigungsfirmen, ...) betroffen. In Bangladesch verdient eine Näherin 15 Cent pro T-Shirt, in China 50 Cent – verkauft wird es um 85 Euro. Nötig sind einheitliche verbindliche Standards – die Umwelt- und soziale Standards umfassen.

Deutliche Defizite, keine Kooperation

Unter Existenzniveau bezahlt

Die weltweit größten Sportbekleidungshersteller, wie Nike und Adidas, sind Mitglied der Fair Labour Association. Dennoch werden die Arbeiterinnen in den Zulieferbetrieben vielfach unter Existenzniveau bezahlt, Überstunden gehören zum Alltag. Die Firmenregeln sind so formuliert, dass Schlupflöcher bleiben, so die Christliche Initiative Romero.

Hersteller lassen in den selben Fabriken produzieren

Die Verantwortlichen rechtfertigen sich damit, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt werde, würden sie höhere Löhne zahlen. - Den Anteil der Lohnkosten an den Gesamtksoten sehen Sie in folgender Grafik:

Der Preis der Laufschuhe: Arbeiter verdienen in Indonesien 2,50 Euro an einem Paar, das in Deutschland 120 Euro kostet (daher deutsche Mwst) - Quelle Südwind-Institut/Inkota 2015

Laut aktuellen Berechnungen des Südwind-Instituts verdienen Arbeiter in Indonesien 2,50 Euro an einem Paar Laufschuhe, das in Deutschland um 120 Euro verkauft wird (daher auch die deutsche Mehrwertsteuer von 19%). - Quelle: Südwind-Institut/Inkota 2015

Maik Pflaum von Romero stellt dazu fest: Die großen Hersteller seien sich sehr ähnlich, sie ließen zum Teil in denselben Fabriken produzieren. Es sei reiner Zufall, bei wem ein Skandal entdeckt und öffentlich gemacht werde. Neben einer Einigung auf höhere Löhne sieht Pflaum längere Lieferfristen, denn zu oft würden die Lieferanten gezwungen, Ware möglichst schnell zu liefern, was zu erhöhtem Arbeitsdruck führe.

Deutliche Defizite

Die Stiftung Warentest hat – parallel zum aktuellen Laufschuhtest – einen CSR-Check durchgeführt, also eine Überprüfung der gesellschaftlichen Verantwortung der Hersteller dieser Schuhe (Corporate Social Responsibility).

Ergebnis: Selbst die Besten – und das sind Adidas, Brooks, Reebok und mit einigem Abstand Salomon – verdienen sich nicht mehr als ein durchschnittliches Gesamtergebnis. Selbst die Unternehmen mit einer hervorragenden CSR-Strategie und einer engagierten Kooperationsbereitschaft zeigen in der Praxis deutliche Defizite.

Vorlieferanten ohne Kontrolle

Bei den direkten Vertragspartnern funktioniert es noch einigermaßen, also bei der Konfektion und Sohlenproduktion. Doch die Sublieferanten, die Vormaterialien für die Lieferanten herstellen (Ober- und Innenschuhe) agieren weitgehend unkontrolliert.

Mit Ausnahme von Brooks konnte kein einziges Unternehmen auch nur ein Mindestmaß von Informationen darüber liefern – man kann annehmen, dass die meisten es selbst nicht wissen (wollen).

Nike: keine Kooperation

Vier Unternehmen verweigerten überhaupt jede Kooperation und stellten keine Informationen zur Verfügung – beschämend, dass auch der Weltmarktführer Nike zu diesen Verweigerern zählt.

Testtabelle: Laufschuh-Hersteller im Ethik-Test

Testkriterien

Die Untersuchung wurde im Rahmen einer internationalen Kooperation unter Leitung der Stiftung Warentest durchgeführt. Im Fokus: soziale und ökologische Aspekte bei der Produktion von Laufschuhen.

Fragebogen, Unterlagen, Field-Studies

Die Untersuchung basiert auf einer Erhebung mittels Fragebogen und einer Analyse von Sekundärmaterial. Im Fragebogen wurden umfassende Kriterien zur gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung (CSR) abgefragt. Sekundäre Quellen waren die interne Dokumentation der Unternehmen, Jahresberichte, Untersuchungsberichte sowie Interviews mit Experten und Stakeholdern.

Bei Zustimmung durch das Unternehmen wurde eine Expertenbesichtigung der Unternehmenszentrale sowie von Produktionsstätten (jeweils Konfektion, Sohlenproduktion und Komponenten) durchgeführt und die zur Verfügung gestellten Unterlagen wurden gesichtet, um die Antworten auf dem Fragebogen zu überprüfen. Mit Zustimmung des Unternehmens wurden darüber hinaus Arbeiter anonym befragt.
Erhebungszeitraum: Jänner bis Juni 2015

So wird beurteilt

Die Erfüllung jedes einzelnen Kriteriums wird in 5 Abstufungen beurteilt – von „umfassend erfüllt“ bis "unzureichend erfüllt." Dargestellt werden die Gruppenurteile und das Gesamturteil in einer fünfstufigen Skala von A bis E. Stufe A bedeutet, dass zumindest 80 Prozent aller Kriterien erfüllt sein müssen; E am anderen Ende der Skala steht für ein Ergebnis, bei dem unter 20 Prozent der Kriterien erfüllt wurden.

Unternehmenspolitik

Überprüft wurden unter anderem: die CSR-Strategie des Unternehmens wie die Unternehmensleitlinie zum sozialen und ökologischen Handeln, Austausch und Umgang mit den Beschäftigten, Weiterbildung, Verankerung des Umweltschutzes, Umsetzung ökologischer Beschaffungsrichtlinien. Anforderung an die Herstellung und an den Schadstoffgehalt der Laufschuhe sowie Austausch mit Interessengruppen (NGOs).
Überprüft wurde auch der Service für Verbraucher: drei verdecke Kundenanfragen, Informationen über soziale und ökologische Aspekte in deutscher Sprache im Internet.

Konfektion, Sohlenproduktion und Komponenten

Soweit es ermöglicht wurde, wurden Produktionswerke besichtigt bzw. deren Unterlagen überprüft. Ausgewählt wurden jene Werke, in denen die Neutrallaufschuhmodelle des jeweiligen Herstellers gefertigt werden.
Arbeitsbedingungen: soziale Mindeststandards, u.a. Definition der Anforderungen sowie deren Kommunikation an die Lieferanten und deren Überprüfung. Dazu freiwillige Maßnahmen wie Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz, Sozialleistungen, Vermeidung überhöhter Arbeitszeiten und Sicherung eines gesetzlichen Mindestlohns.
Umweltschutz: ökologische Anforderungen an die Herstellung von Laufschuhen, u.a. Definition von Anforderungen an das Produkt und an die Produktionsprozesse, deren Kommunikation und deren Überprüfung.

Transparenz

Bewertet wurden die Teilnahme an den Befragungen und ob die Überprüfung der Fertigungsstätten sowie ArbeiterInnen-Interviews ermöglicht wurden.

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