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Elektronik: Altgeräte entsorgen - Gift für die Armen

Elektroschrott: Die steigende Nachfrage nach Handys, Fernsehern oder Computern hat eine wachsende Zahl an Altgeräten zur Folge. Trotz Recyclingsystemen gelangt ein Großteil davon nach Afrika oder Asien. Dort  gefährdet der Elektromüll dort Mensch und Umwelt. "Achtjährige", so erfahren wir im Interview mit einem Elektromüll Experten, "haben deshalb den IQ eines Dreijährigen."

Alle paar Jahre ein Smartphone, den allerneuesten Flachbildfernseher oder den noch leistungsfähigeren Laptop – im Jahr 2010 wurden in Österreich 165.811 Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte verkauft, davon 158.440 Tonnen Haushaltsgeräte. Die Jagd nach immer besseren und noch stylisheren Geräten hat Folgen: 8,7 Millionen Tonnen Elektromüll werden in Europa jährlich produziert.

Kostenlose Sammelstellen

Laut Elektroaltgeräteverordnung aus dem Jahr 2005 können Elektro- und Elektronikaltgeräte aus privaten Haushalten kostenlos bei den Altstoff-Sammelzentren bzw. den Sperrmüllsammlungen der Gemeinden deponiert werden. Kleingeräte wie Handys werden auch bei Problemstoffsammelstellen entgegengenommen.

Elektroschrott im Geschäft abgeben

"Beim Kauf eines neuen Gerätes kann man das alte Gerät auch direkt im Geschäft abgeben – bei Verkaufsstellen, die größer als 150 m² sind", erklärt Ing. Rainer Kromberger vom Referat für Abfallwirtschaft bei der MA 48 in Wien. Im Jahr 2010 wurden auf diese Weise rund 75.562 Tonnen Elektroschrott gesammelt.

Schadstoffe: Geräte nicht in den normalen Müll

Fast alle Elektro- und Elektronik-Altgeräte enthalten neben einem großen Anteil an ungefährlichen Bestandteilen wie Kunststoffen oder Glas auch schadstoffhaltige Bauteile. Um eine Freisetzung der Schadstoffe aus dem Elektroschrott zu vermeiden, werden diese Bauteile in eigenen Anlagen demontiert und einer speziellen Aufarbeitung unterzogen. Alte Geräte sollten daher auf keinen Fall im normalen Müll landen.

Problematisch: private Schrotthändler, Charity-Events

Auch private Schrotthändler sind mit Vorsicht zu genießen, wie Christina Schröder, Sprecherin der entwicklungspolitischen Organisation Südwind weiß: "Da unklar ist, wie Schrotthändler die alten Geräte weiter verwerten, sollten diese unbedingt zu den offiziellen Müllsammelstellen gebracht werden!" Claudia Sprinz, Sprecherin der Umweltschutzorganisation Greenpeace, warnt auch vor "Charity-Events", bei denen alte Handys gesammelt werden: "Diese werden oft in Entwicklungsländer verschickt und landen dort auf dem Müll."

Illegaler Handel

Illegaler Handel

Global wird weniger als die Hälfte der in Umlauf gebrachten Geräte gesetzeskonform recycelt. Der Rest wird privat bzw. auf Deponien gelagert oder illegalerweise als Secondhand-Ware deklariert. Diese gelangt dann über Schrotthändler nach Afrika oder Asien – trotz gesetzlicher Regelungen, die die Ausfuhr von Elektromüll in Nicht-OECD-Länder verbieten.

Enorme Schrottberge

Ein Südwind-Team konnte sich in Ghana/ Westafrika, wo große Mengen an Elektroschrott aus aller Welt landen, selbst ein Bild machen. "In der Hauptstadt Accra türmen sich alte Elektrogeräte zu enormen Müllbergen", erzählt Christina Schröder. "Lokale Händler kaufen alte Fernseher, Computer oder Kühlschränke containerweise auf und verscherbeln sie an die Menschen vor Ort." Alles, was sich nicht verkaufen lässt, landet auf den lokalen Müllhalden.

Müllverbrennung: gefährliche Giftcocktails

Bild: Südwind.atDort zerlegen Kinder und Jugendliche die Geräte mit bloßen Händen und verbrennen die Überreste, um an die Kupferkabel zu kommen. Diese werden dann für einen lächerlichen Betrag weiterverkauft.

"Tausende Menschen leben am Rande der Müllhalden in Slums und sind durch das Verbrennen des Mülls ständig einem gefährlichen Giftcocktail ausgeliefert, der Atem- und Hautkrankheiten oder Krebs verursacht." Auch in Ländern wie China oder Indien wird Elektromüll zunehmend zu einem gesellschafts- und umweltpolitischen Problem.

Hersteller sind verantwortlich

Hersteller sind verantwortlich

Dass auch Elektromüll aus Österreich in Ghana landet, kann der Umweltjounalist und Elektromüll-Experte Mike Anane bestätigen (siehe Interview). Wo aber sind die Lücken in der heimischen Abfallwirtschaft? "Mit der Elektroaltgeräteverordnung wurde die Verantwortung für die Entsorgung von Geräten den Herstellern übertragen. Es wäre möglich, dass die Behandlungsbetriebe, die mit der Verarbeitung der Geräte beauftragt werden, diese stattdessen exportieren. Beweise haben wir dafür aber keine", so Rainer Kromberger.

Behörden sprechen von Versuchen

Und was tun Behörden und Hersteller, um diesen illegalen Handel zu unterbinden? Laut einer Information des Umweltministeriums ist die illegale Ausfuhr von Elektro- und Elektronik-Altgeräten aus Österreich ein Kontrollschwerpunkt: "Es wird bei jeder Anhaltung von Transporten versucht, die Herkunft der zur illegalen Ausfuhr bestimmten Elektro- und Elektronikabfälle zu ermitteln. Darüber hinaus streben wir eine Intensivierung der Kontrollen an den Außengrenzen bzw. in den großen Häfen an", so das Umweltministerium.

Schwachstellen in Produkten

Schwachstellen in Produkten

Laut Greenpeace bauen viele Hersteller bewusst Schwachstellen in Produkte ein, um so dafür zu sorgen, dass sie schneller schadhaft werden. Gleichzeitig ist eine Reparatur übermäßig teuer oder gar nicht möglich. Laut Greenpeace ist die Firma Apple ein Paradebeispiel für diese sogenannte "geplante Obsoleszenz": Bei iPods, iPhones und iPads wird verhindert, dass Verbraucher die Akkus selbst wechseln können. Beim iPod shuffle ist der Service von vornherein unwirtschaftlich: 56,90 Euro kostet ein Batteriewechsel, der Geräte-Neupreis liegt hingegen bei 50 Euro.

Eigenverwantwortung übernehmen

Claudia Sprinz rät den Konsumenten, Eigenverantwortung zu übernehmen: "Greenpeace veröffentlicht regelmäßig den Ratgeber ‚Grüne Elektronik‘, der Hersteller von Unterhaltungselektronik nach Nachhaltigkeits- Kriterien reiht." Bei diesem Rating liegt aktuell der Elektronikkonzern Hewlett Packard auf Platz eins vor dem Computerhersteller Dell und dem Handyhersteller Nokia. "Jeder Konsument sollte sich auch die Frage stellen: Brauche ich wirklich wieder ein neues Gerät?", appelliert Sprinz an kritische Konsumenten. Ing. Kromberger von der MA 48 verweist zudem auf den 48er-Bazar, bei dem funktionstüchtige bzw. reparierte Altgeräte verkauft werden.

Interview: Mike Anane, Elektroschrott-Experte

        Bild: Südwind.at 
Mike Anane:
"Kinder werden vergiftet"

KONSUMENT: Warum landet ein großer Teil des Elektromülls in Ghana?

Ghana ist eines der Länder in Afrika, die sich wirtschaftlich gesehen am schnellsten entwickeln. Zahlreiche Schiffsladungen mit Elektronikschrott landen täglich in Ghana, jedoch gibt es zu wenig Personal, um die Ladungen zu kontrollieren. Auf diese Weise gelangen illegale Waren in unser Land, aber z.B. auch nach Nigeria.

Woher kommt der Müll?

Aus den USA, Holland, Großbritannien, Deutschland, auch aus Österreich – letztendlich aus allen Industrieländern. Ich habe mit der BBC zusammengearbeitet, die in einer Recherche TV-Geräte mit „Tracking devices“ versah; die Fernseher wurden von Recycling-Unternehmen nach Ghana geschickt.

Was kann die EU dagegen tun?

Die EU hat die Baseler Konvention unterzeichnet, die es verbietet, gefährlichen Elektromüll über die Landesgrenzen hinaus zu transportieren. Doch die Gesetze werden nicht immer eingehalten und zu wenig kontrolliert.

Was kann der Konsument tun?

Jeder sollte sich darüber informieren, was mit seinem alten Gerät geschieht. Besonders gilt das für die Zeit vor Weihnachten – wenn neue Geräte gekauft werden, landen besonders viele alte auf dem Müll.

Was passiert mit dem Elektromüll in Ghana?

Es gibt Kinder, die Tag für Tag Computer zerlegen, um an die wertvollen Teile zu gelangen, und sich dabei mit Blei vergiften. Achtjährige haben deshalb den IQ eines Dreijährigen. Viele dieser Kinder werden nicht älter als 20 Jahre. Dazu kommen Umweltprobleme: Wasser, Luft und Erde werden durch den Müll verschmutzt.

Reaktionen: Apple, Sony, Philips, Samsung

Reaktionen der Hersteller: Auf die Greenpeace-Vorwürfe angesprochen antwortet

  • Apple: No comment – und verweist auf Informationen auf der Homepage (dort findet sich eine Kurzinformation über das "Apple-Recyclingprogramm").

Andere Unternehmen sind bei Fragen zur Nachhaltigkeit ihrer Produkte kooperativer:

  • Sony ist Mitbegründer der European Recycling Platform (ERP), die eine Kontrollfunktion bezüglich der illegalen Ausfuhr von Elektromüll ausübt. Allerdings gibt es neben den offiziellen Rücknahmestellen weitere Akteure, die gebrauchte und defekte Elektrogeräte sammeln und unter anderem nach Afrika und Asien verkaufen. Sony verweist darauf, dass Hersteller keinerlei Eigentumsrechte an Elektroaltgeräten und auch keinerlei Befugnisse haben, Container zu kontrollieren und defekte Elektroaltgeräte zu konfiszieren.
  • Philips begnügt sich mit dem Hinweis, dass die Rücknahme von Elektrogeräten gemäß Elektroaltgeräteverordnung über den Handel geregelt werde.
  • Samsung Electronics verwendet Recycling-Plastik als Rohstoff für Waschmaschinen oder Kühlschränke. Laut eigenen Angaben führt das Unternehmen zudem Rückgabe-Programme in 60 Ländern durch: So gibt es in Indien ein Recyclingprogramm mit 235 Abgabestellen für Kleingeräte sowie einer eigenen Website mit Recycling-Informationen für Konsumenten.

Leserreaktionen

Erfahrungsbericht

Wenn wir nicht schnellstens umdenken, werden unsere Kinder oder spätestens unsere Enkel im Elektronik-Müll ersticken!

Ein Laptop von Toshiba, den wir neu gekauft hatten, war nach exakt einem Jahr und drei Monaten kaputt. Die Reparatur (Motherboard) hätte etwa 500 Euro gekostet. Bei der Anschaffung meiner Einbauküche habe ich mich für Siemens-Geräte entschieden. Kühl-Gefrier-Kombi, E-Herd und Geschirrspüler habe ich heute noch – nach 21 Jahren – in Verwendung.

Als positives Beispiel möchte ich die Firma AfB (www.afb24.at) hervorheben, die alte PCs repariert und dann zu einem günstigen Preis verkauft. Hier bekommt man zu einem guten Preis PCs, Laptops und andere Geräte.

Renate Thoma
E-Mail
(aus KONSUMENT 8/2012)

Buchtipp: "Nachhaltig leben"

Durch das eigene Konsumverhalten einen Beitrag zu einer "besseren" Welt zu leisten, ist der Wunsch vieler Verbraucher. Doch welche Möglichkeiten hat der Einzelne, dies im Alltag umzusetzen? Unser Buch gibt Tipps und Anregungen für all jene, die ganz individuell zu einem verantwortungsvollen Lebensstil finden wollen.

www.konsument.at/nachhaltig-leben

Aus dem Inhalt

  • Lebensmittel: fair und natürlich
  • Lifestyle: modisch, aber ökologisch
  • Mobilität, Tourismus, Freizeit
  • Nachhaltigkeit im Haushalt
  • Abfall vermeiden, Ressourcen schonen
  • Trend: gemeinsam nutzen statt besitzen

160 Seiten, 14,90 € + Versand

KONSUMENT-Buch: Nachhaltig leben (Bild:VKI)

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