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Supermarkt: alles umgestellt - Nichts ist dort, wo es war

Schokolade hat mit den Gewürzen Platz getauscht und wo sind die Nudeln? Ständig gibt es Umstellungen im Supermarkt. - "Da schau her", ein satirischer Kommentar von Michael Hufnagl.

KONSUMENT-Kolumnist Michael Hufnagl (Foto: Ela Angerer)In Erwartung von Blitz und Donner

Es gibt diese besonderen Tage … wenn die Luft zittert, die Sonne sticht, die Atmosphäre die Menschen verändert. Wir alle spüren das Gewitter, das sich gefühlt aus jeder Himmelsrichtung anpirscht und uns diesen speziellen Blick ins Antlitz zaubert. Dann werden wir nervös, fahrig, orientierungslos – in Erwartung von Blitz und Donner.

Wo sind die Nudeln?

Ungefähr so fühlt es sich an, wenn ich im Supermarkt vor dem Nudelregal stehe, um routinemäßig meinen Penne-Vorrat aufzustocken … und das Einzige, was ich sehe, sind Teepackungen. Hunderte, Tausende Teepackungen, obwohl ich frühestens ab einer Körpertemperatur von 40 Grad bereit bin, heißes Wasser zu mir zu nehmen. Es ist nur eine Frage, die vor meinem geistigen Auge in flammender Schrift am Einkaufsfirmament auftaucht: Wo um Himmels willen sind die Nudeln?

Umstellung und Verstörung

Auch um mich herum. Ich kann das Gewitter fühlen – die Entladung zum Aktionspreis. Menschen schieben mit flackernden Blicken ihre Wagerln durch die Gänge, von Irritation und Rastlosigkeit getrieben. Es ist ein Sehnen, ein Suchen nach der neuen Waren-Wahrheit. Das Wort, das uns zu solidarischem Zorn veranlasst, heißt: Umstellung. Nichts ist mehr, wo es war. Ohne jede Vorwarnung ist das Hundefutter ins Waschmittelregal übersiedelt, die Schokolade hat mit den Gewürzen Platz getauscht, die Bio-Ecke wurde zur Bier-Ecke.

"Ich bin, wo ich immer bin"

Aber keine Macht ist größer als jene der Gewohnheit, und kein Aufwand scheint verzichtbarer als jener, sich den Stamm-Supermarkt neu erobern zu müssen, Gang für Gang, Regal für Regal. Ich wäre bereit für eine Demo und frage meine Vertraute in der Brot-Abteilung: "Warum?“ Und sie antwortet: "Keine Ahnung. Irgendwer wird sich irgendwo schon irgendwas dabei denken.“ Ich: "Sind Sie sicher?“ Sie: "Nein.“ Dann lächelt sie, zwinkert mir zu und sagt: "Aber schauen‘s, ich bin, wo ich immer bin.“ Und ich hätte sie am liebsten umarmt.

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