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Mittel bei Hämorrhoiden - 3/2009 - Das heimliche Leiden

, aktualisiert am

Hämorrhoiden sind ein Volksleiden, schuld daran sind wir meistens selbst. Durch Medikamente lassen sich die Beschwerden – wenn überhaupt – nur kurzzeitig lindern.

Tabuthema Hämorrhoiden

Viele leiden darunter, doch man spricht nicht gerne davon. Das Thema Hämorrhoiden ist ähnlich mit Tabus belegt wie etwa Inkontinenz. Dabei sind die Beschwerden häufig hausgemacht: Unausgewo­gene Er­nährung mit zu wenig Ballaststoffen, Übergewicht, chronische Verstopfung und zu wenig Bewegung tragen dazu bei, dass sich die Blutgefäßpolster am Schließ­muskel krampfaderartig erweitern. Auch Abführmittel können der Entwicklung von Hämorrhoiden Vorschub leisten, denn sie zwingen den Darm zur Entleerung, wenn der Aftermuskel eigentlich noch geschlossen ist. Abführmittelmissbrauch birgt daher ein besonderes Risiko.

Jeder Zweite betroffen

Etwa jeder zweite über 50-Jährige hat oder hatte schon einmal Probleme mit Hämor­rhoiden. Diese nehmen zu, wenn es draußen wärmer wird und wir schwitzen. ­Kontraproduktiv ist dabei übertriebene Hygiene durch die Anwendung von Reinigungs- und Duftmitteln. Duschgels oder Seifen sollten gerade in der Analregion zurückhaltend verwendet werden, da sie den natürlichen Schutzfilm der Haut zerstören können und dadurch die Beschwerden verstärken.

Marisken und Fissuren

Doch nicht immer, wenn es am Po juckt, brennt und blutet, sind Hämorrhoiden dafür verantwortlich. Häufig handelt es sich um sogenannte Marisken – Hautfalten im Bereich des Afters –, die sich nach einem Blutgerinsel (Analthrombose) bilden können. Diese sind normalerweise harmlos und bilden sich von selbst wieder zurück. Nur größere, Beschwerden verursachende Marisken müssen chirurgisch abgetragen werden. Nicht selten gehen die Probleme auch auf Analfissuren zurück, dabei handelt es sich um Einrisse des Afterkranzes und der -schleimhaut. Diese können schmerzen und bluten und wiederholt aufreißen.

Hämorrhoiden und Bindegewebsschwäche

Hauptauslöser für Hämorrhoiden ist chronische Verstopfung. Das intensive Pressen beim Stuhlgang führt zu einer Drucker­höhung in den Blutgefäßen und deren Erweiterung. Schmerzhaft wird es, wenn die Hämorrhoiden durch den After heraus­geschoben und eingeklemmt werden.

Vier Stadien der Erkrankung

Bindegewebsschwäche 

Meist kommt eine Entzündung hinzu, und die Haut in der Analregion kann einreißen. ­Besonders betroffen sind Personen mit einer Bindegewebsschwäche, die sich auch durch eine Neigung zu Krampfadern äußert. Eine Risikogruppe sind zudem Schwangere, bei denen der Druck im Bauchraum zunimmt und deren Bindegewebe durch hormonelle Veränderungen an Elastizität verliert.

Vier Stadien

Grundsätzlich unterscheidet man vier Stadien von Hämorrhoiden. Zu Beginn (Sta­dium 1) sind die Blutgefäßpolster nur leicht vergrößert, von außen nicht sichtbar, und bilden sich oft von selbst wieder zurück. Die Erkrankung verläuft abgesehen von leichtem Juckreiz schmerzfrei. Typisch ist hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier. Beim zweiten Stadium werden die krankhaft ­veränderten Gefäßpolster beim Stuhlgang unter Schmerzen herausgepresst, ­ziehen sich jedoch von selbst wieder zurück.

Juckreiz mit Ekzemen

Es tritt zudem starker Juckreiz mit Ekzemen, Nässen und Brennen auf. Krankhafte Hämor­rhoiden dritten Grades ziehen sich nicht mehr selbstständig zurück, lassen sich jedoch von Hand zurückdrücken. Es treten starke Schmerzen, massive Blutungen mit Entzündungen der Analschleimhaut und Störungen bei der Stuhlentleerung auf. Im vierten Stadium können die aus dem After quellenden Krampfadern nicht mehr zurückgeschoben werden. Neben starken Schmerzen und heftigem Juckreiz kommt es zu schleimigen Absonderungen. Ver­letzungen des Gewebes haben massive Blutungen zur Folge.

Medikamente lindern Symptome

Leichte bis mittlere Beschwerden (Stadien 1 und 2) lassen sich durch Bewegungsprogramme, Stuhlregulation, Diät sowie kühlende Bäder und abschwellend wirkende Medikamente konservativ behandeln. In der Apotheke erhältliche Präparate können Krankheitssymptome lindern, die Ursachen der Beschwerden heilen sie jedoch nicht. Die Mittel sollten am besten nach einer Stuhlentleerung und der Säuberung der Analregion angewendet werden. Zur Reinigung am besten nur weiches Toiletten­papier verwenden und mit einer wirkstoff- und konservierungsstofffreien Salbe – etwa Vaseline – nachreinigen.

In schweren Fällen: Kortison und Operation

Auf Allergiepotenzial achten

Örtlich betäubende Salben sollten nur ­wenige Tage bei akuten Beschwerden angewendet werden. Da die Analschleimhaut sehr empfindlich ist, sollten am ehesten Präparate mit möglichst geringem Allergiepotenzial angewendet werden. Bewährt haben sich hier Medikamente, die Lidocain als einzigen Wirkstoff enthalten. In unserer Übersicht trifft dies auf das rezeptpflichtige Präparat Xylocain Salbe zu. Die ebenfalls rezeptpflichtigen Mittel Scheriproct Salbe und Scheriproct Suppositorien enthalten als hauptsächlichen Wirkstoff Chinocain­hydrochlorid. Dieser wird insgesamt weni­ger häufig verwendet und hat sich nach Ansicht von Medizinern weniger gut bewährt.

Kombinationspräparate

Bei den aufgelisteten Chinocain­hydrochlorid-Medikamenten Scheriproct Salbe und Scheriproct Suppositorien handelt es sich zudem um Kombinationspräparate, denen wir prin­zipiell kritisch gegenüberstehen. Kombinationen adstringierender (die Schleim­häute zusammenziehender), kühlender und lokal­anästhetischer Wirkstoffe sind selten sinnvoll. Vorsicht geboten ist bei Mitteln mit Konservierungsstoffen wie Sperti Preparation ‚H‘ Hämorrhoidalsalbe oder Sulgan 99 Hämorrhoidalzäpfchen. Letztere enthalten (genauso wie Sulgan 99 Hämorrhoidal­salbe) zusätzlich Benzocain. Dieses örtlich betäubende Mittel kann Allergien auslösen. Das gilt auch für Präparate, die ätherische Öle enthalten, wie Posan Salbe und Posan Zäpfchen. Nicht nachvollziehbar erscheint uns auch die Zweckmäßigkeit einer Kombination von Bierhefe und Haifischleberöl in den Sperti-Präparaten.

Kortison und Operation

In schwereren Fällen mit starken Entzündungen bringen oft nur kortisonhaltige Präparate Linderung. Bei der Anwendung derartiger Präparate ist allerdings darauf zu achten, dass sie die Haut mit der Zeit sehr dünn und empfindlich machen. Höhergradige Hämorrhoiden müssen mit Injektionen verödet oder durch Kältebehandlung abgetragen werden. Bei fortgeschrittenen Stadien (Hämorrhoidenvorfall) und hohem Leidensdruck durch hartnäckige, teilweise jahrelange Symptomatik ist ein operativer Eingriff, bei dem krankhaftes bzw. überschüssiges Gewebe entfernt wird, häufig der einzige Weg zu einer dauerhaften Heilung. Wichtig ist dabei, dass der ausfüh­rende Arzt über genügend Erfahrung bei derartigen Eingriffen verfügt.

Tabelle: Mittel bei Hämorrhoiden

Problem Hämorrhoiden

Problem Hämorrhoiden 

Eigentlich hat sie jeder. Hämorrhoiden sind Bestandteil des Verschlusssystems unseres Darms und unterstützen die Funktion des Schließmuskels. Das schwammartige Polster aus Blutgefäßen ist um den Enddarmausgang angeordnet und dichtet diesen zusätzlich ab. Zum Problem werden Hämorrhoiden erst, wenn sie sich unnatürlich vergrößern und beim Pressen durch den After gedrückt werden. Dabei treten Entzündungen, Blutungen, Juckreiz oder Nässen auf.

Gesund und krank

Gesund und krank

Gesund

 Hämorhoiden gesund (Grafik: E. Haberl)

 

krankhaft verändert

Hämorrhoidenbildung (Grafik: E. Haberl) 

 

Kompetent mit "Konsument"

Kompetet mit "Konsument"

  • Ursachen. Falsche Ernährung mit zu wenig Ballaststoffen, Übergewicht und zuwenig Bewegung können dazu führen, dass sich die Blutgefäßpols­ter am Schließmuskel krampfaderartig erweitern und beim Pressen aus dem After herausgeschoben werden. Daraus resultieren häufig Beschwerden wie Juckreiz, Nässen, Blutungen und Schmerzen.
  • Medikamente. In Apotheken erhältliche Medikamente gegen „Hämorrhoiden“ sollten nur kurzzeitig angewendet werden und können lediglich zur Linderung der Symptome beitragen. Heilung bringen sie keine.
  • Arzt. Bei Analbeschwerden sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. In der Ordination sollte man darauf achten, dass eine eingehende Untersuchung erfolgt. Zückt der Arzt ohne Untersuchung einen Rezeptblock, ist der Patient in dieser Ordination schlecht aufgehoben. In schweren Fällen hilft oftmals nur eine Operation weiter. Dabei wird krankhaftes bzw. überschüssiges Gewebe entfernt.

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