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Betriebssystem: Umstieg auf Linux - Umzugshilfe

Betriebssystem wechseln: Von Microsoft alleingelassene XP-Nutzer haben eine Alternative: Wer den Schritt wagt, findet bei Linux kostengünstig ein neues Heim.

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Man stelle sich folgende Situation vor: Seit gut zwölf Jahren lebt man nun schon in jener Wohnung, die Einrichtung ist zwar nicht der neueste Schrei, aber man hat sich daran gewöhnt und kommt gut zurecht. Dann erfolgt die Kundmachung, demnächst werde das Viertel aufgegeben, Postzustellung und Müllabfuhr würden eingestellt, und man solle sich doch nächstens nach etwas Neuem umsehen.

So in etwa ergeht es derzeit vielen Windows-XP-Nutzern. Da heißt es Koffer packen und überlegen, wohin die Reise gehen soll. Wer sich ohnehin einen neuen Computer leisten möchte, wird diesen mit Windows 8 oder – wenn er gezielt danach sucht – mit Windows 7 ausgestattet erhalten. Es geht aber auch anders, und das im Optimalfall sogar kostenlos.

Linux: Frei, aber benutzerfreundlich

Ein Umstieg auf Linux kann sich durchaus lohnen, denn das freie Betriebssystem punktet mit wachsender Unterstützung und Benutzerfreundlichkeit und bietet ein deutliches Plus an Sicherheit. Auch stehen die Chancen gut, dass man seine in die Jahre gekommene Hardware (Computer, Drucker, Scanner etc.) ohne größere Schwierigkeiten weiterverwenden kann. Das ist ja speziell beim Wechsel von XP auf ein aktuelles Windows-Betriebssystem alles andere als selbstverständlich.

Neue Ubuntu Version: 14.04 LTS "Trusty Tahr"

 
   
 

Eine Eigenheit in der Linux-Welt sind die unterschiedlichen Distributionen, da verliert man leicht einmal den Überblick. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um unterschiedliche Desktops bzw. Benutzeroberflächen und Zusammenstellungen vorinstallierter Softwarepakete. Wie bei der Innenausstattung seiner neuen Behausung kann man sich aber auch hier nachträglich mit der individuellen Gestaltung auseinandersetzen. Wir konzentrieren uns der Einfachheit halber in diesem Artikel auf das populäre Ubuntu, welches dieser Tage in einer neuen Version mit Langzeitunterstützung veröffentlicht wurde. Ubuntu 14.04 LTS "Trusty Tahr" wird garantiert über einen Zeitraum von fünf Jahren gepflegt und mit Updates sowie Fehlerbehebungen versorgt.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Bildern zur Ubuntu-Installation finden Sie auf Seite 5. Auf Seite 6 können Sie sich dieselbe Anleitung in einer Bildergalerie (mit Fotos in besserer Auflösung) ansehen.


ISO-Datei (32-bit) downloaden

Auf der offiziellen Seite www.ubuntu.com (> Download > Desktop) wird man fündig, und zwar in Form einer ISO-Datei. Dabei handelt es sich um das Abbild des Inhalts einer CD oder DVD. In der Regel ist das 32-Bit-Abbild für die Intel-x86-Architektur in der Desktop Version die richtige Wahl (zum Download: Ubuntu - 14.04 LTS "Trusty Tahr").

64-bit-Version nur bei starkem Prozessor und mehr Arbeitsspeicher

Nur wer einen (heute selbstverständlichen, aber zu XP-Zeiten recht fortschrittlichen) 64-Bit-Prozessor (z.B. Athlon64, Opteron, Xeon, Core 2) und mehr als 4 Gigabyte Arbeitsspeicher sein Eigen nennt, kann sich auch für die AMD64-Version entscheiden.

Linux statt Windows XP (Bild: kontur-vid, The_Pixel/Shutterstock.com)  

Betriebssystem vom Laufwerk oder der Festplatte starten

Auf DVD brennen oder USB-Stick spielen

Nachdem die etwa ein Gigabyte große Datei vollständig heruntergeladen wurde, muss diese auf eine DVD gebrannt oder auf einen leeren USB-Stick gespielt werden. Ein einfaches Kopieren reicht jedoch nicht aus, da spezielle Vorgänge erforderlich sind, um das System von dem erstellten Medium aus starten zu können.
Ein Brennprogramm wie das kostenlose „CDBurnerXP“ (zum Download) kann die .iso-Datei korrekt auf DVD bringen. Für die Installation von einem USB-Stick, die etwa bei Netbooks ohne optisches Laufwerk nötig ist, empfehlen sich Programme wie „Linux Live USB Creator“ oder „Unetbootin“.

Abbild des Windows-Systems mit "Disk2vhd" erstellen

An dieser Stelle sei noch ein weiteres Hilfsprogramm erwähnt, das den möglichst sorgenfreien Umzug absichert: Das Microsoft-Tool „Disk2vhd“ (Download bei Heise.de) ermöglicht es, ein komplettes Abbild des laufenden Windows-Systems zu erstellen, um – für den Fall, dass etwas schiefgehen sollte – nicht nur Dateien, sondern auch Programme wiederherstellen zu können. Dieses speichert man am besten auf einer externen Festplatte, bevor es weitergeht. Die Alternative ist, zumindest die „Eigenen Dateien“ und alle sonstigen wichtigen Dokumente, Fotos etc. auf eine externe Festplatte zu kopieren.

Vom Laufwerk (DVD, USB-Stick) starten

Wenn man nun also sein Windows-System gesichert und sein Linux-Installationsmedium erstellt hat, muss der Rechner angewiesen werden, von der DVD bzw. vom USB-Stick zu starten. Kurz nach dem Einschalten des Computers wird dazu eine bestimmte Taste (seltener auch Tastenkombination) gedrückt, um den Bootvorgang auszuwählen. Ein kurz eingeblendeter Text weist auf die richtige Taste hin, meistens „ESC“ oder eine der zwölf Funktionstasten. Eventuell ist es sogar nötig, im BIOS (das gleichermaßen über solch eine Taste erreichbar ist) die Reihenfolge zu ändern, in der vom Computer nach startfähigen Laufwerken gesucht wird (Boot-Reihenfolge). Mittels der Pfeiltasten und der Eingabetaste lässt sich das CD/DVD-Laufwerk an die erste Stelle reihen.

Festplatteninstallation geht schneller

Bei diesem Systemstart vom externen Datenträger sollte man geduldig hinnehmen, dass das System langsamer startet und reagiert, als dies später bei der Festplatteninstallation der Fall sein wird. Immerhin bekommt man so aber schon einmal Gewissheit, ob Grafik-, Ton- und Netzwerkkartentreiber richtig erkannt werden. Probleme mit handelsüblicher Hardware gibt es mittlerweile jedoch nur noch selten. Oben rechts in der Menüleiste findet sich die Einstellung für die Netzwerkverbindung. Steckt ein Netzwerkkabel im Computer, wird diese automatisch erkannt; andernfalls findet man ein fächerartiges Symbol für die WLAN-Anbindung und kann dort sein Netzwerk auswählen und das Passwort eingeben.

Mit dem neuen System zurechtkommen

Parallelinstallation empfehlenswert

Nach einem ersten Hineinschnuppern in die Oberfläche wendet man sich dem Installations-Icon auf dem Desktop zu. Bevor man alle Brücken hinter sich abbricht, empfiehlt es sich, Ubuntu parallel zu Windows zu installieren. Die Festplatte des Rechners wird dabei in zwei Partitionen unterteilt. Bei jedem Neustart besteht dann künftig die Wahlmöglichkeit, ob Windows oder Ubuntu gestartet werden soll. So kann man z.B. Internet und E-Mails über Ubuntu abwickeln, während man sein gewohntes Videobearbeitungsprogramm weiterhin unter XP verwendet, dieses Betriebssystem aber vom Internet trennt.
Hat man gar mehrere Laufwerke in Betrieb, ist es sinnvoll, eines für das neue System „freizuschaufeln“, also alle bisher darauf befindlichen Dateien anderswo zu sichern.  Während der Installation selbst sind, abgesehen von der Auswahl des Installationsortes, im Grunde nur Sprache und Lokalisation sowie Benutzername und Passwort einzurichten.

Im neuen System zurechtfinden

Sobald die neuen vier Wände stehen, heißt es Umzugskisten packen. Wie also überträgt man seine Dokumente, Fotos, E-Mails und Webseitenlesezeichen? Die meisten privaten Dateien befinden sich bei Windows unter „C:\Dokumente und Einstellungen\Benutzername". Das neue Pendant lautet schlicht „/home/Benutzername". Überhaupt ist die Unterteilung in Laufwerksbuchstaben nicht schicksalhaft, stattdessen werden Laufwerke unter Linux direkt mit ihrem Namen in der Startleiste verknüpft oder sind unter „/media" zu finden. So auch die bei Parallelinstallation noch vorhandene Windows-Partition, von der man sich die persönlichen Dateien einfach in seinen neuen Benutzerordner kopieren kann.

Von A nach B exportieren oder synchronisieren

E-Mails, Lesezeichen und diverse Konfigurationsdateien liegen nicht so offenkundig vor und sind je nach Programm mit deren spezifischen Export-Einstellungen zu erfassen oder können gegebenenfalls online synchronisiert werden. Viele konkrete Anleitungen dazu in der Manier „Von A nach B" finden sich im Netz. Wer schon unter Windows freie Software nutzt, hat es etwas einfacher, denn Webbrowser und E-Mail-Client der Mozilla Foundation (Firefox und Thunderbird) sowie das LibreOffice-Paket sind bereits unter Ubuntu vorinstalliert und die Einstellungen können leicht von der Windows-Version importiert werden. Von Haus aus an Bord ist auch die Fotoverwaltung Shotwell.

Software-Center

Software-Center

Zahlreiche weitere Programme erhält man bequem über das integrierte Software-Center. Virenscanner und im Hintergrund laufende Schutzprogramme sind unter Linux nicht zwingend notwendig, was der allgemeinen Systemleistung zugute kommt. Für Systemänderungen wie bei der Installation zusätzlicher Software wird man dafür stets um sein Passwort gefragt. Das ist nur anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und übrigens auch unter Windows 7 bzw. 8 mittlerweile so üblich.

Windows-Anwendung vermisst? - "Wine" hilft

Wer die eine oder andere Windows-Anwendung schmerzlich vermisst, hat die Chance, diese mit dem Programm „Wine“ zum Laufen zu bringen. Bei leistungsstarken Rechnern ist es sogar möglich, mit einer virtuellen Maschine wie der „Oracle VirtualBox" (zum Download) ein ganzes Windows-XP-System in einer Fensteranwendung laufen zu lassen. Die zuvor bereits angesprochene gesicherte virtuelle Festplatte (vhd) lässt sich hiermit öffnen.

Ubuntu Online-Hilfe

Zu guter Letzt noch eine Adresse für weitere Hilfestellungen: Unter http://wiki.ubuntuusers.de hat die Nutzergemeinschaft liebevoll nützliche Informationen und Erklärungen rund um Ubuntu zusammengetragen. Selbst als Neuankömmling fühlt man sich in dieser Umgebung mitunter besser aufgehoben als auf Microsofts Support-Seiten.

Anleitung zur Installation von Ubuntu

Nachfolgend finden Sie eine Schritt für Schritt Anleitung zur Installation von Ubuntu 14.04 LTS  "Trusty Tahr".

Start-Desktop von Ubuntu

Der Start-Desktop von Ubuntu 14.04: Links befindet sich der Launcher, vergleichbar mit der Startleiste von Windows XP. Das Symbol mit den zwei Pfeilen rechts oben in der Menüleiste weist auf ein verbundenes Netzwerkkabel hin. Bei Verwendung einer WLAN-Karte gleicht das Symbol einem Fächer bzw. Empfangsradius, über das das eigene WLAN-Netzwerk manuell ausgewählt werden kann.
 
Da das System von der CD bzw. vom USB-Stick aus gestartet wurde, verhält es sich gegebenenfalls noch etwas träge. Um die Installation auf die Festplatte durchzuführen, klickt man auf das Symbol auf dem Desktop.

Umstieg auf Linux - Schritt 0: Start-Desktop von Ubuntu (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 1: Sprache auswählen

Zuerst wird die Sprache ausgewählt, in der die Systeminstallation durchgeführt werden soll. Die Veröffentlichungshinweise können bei Interesse durchgelesen werden, wir überspringen diesen Punkt hier einfach.

Umstieg auf Linux - Schritt 1: Sprache auswählen (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 2: Häkchen setzen

Im nächsten Schritt empfiehlt es sich, die Häkchen zu setzten. Dadurch wird zum einen bereits während der Installation online nach Aktualisierungen gesucht, zum anderen wird gängige Software installiert, die zwar nicht den OpenSource-Richtlinen entspricht, aber dennoch ohne Bedenken genutzt werden kann. Unter anderem fällt darunter das populäre MP3-Format des Fraunhofer Institutes.

Umstieg auf Linux - Schritt 2: Häkchen setzen (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 3: Ubuntu parallel zu Windows XP

In unserem Beispiel gehen wir von einer Festplatte aus, auf der bereits Windows XP installiert ist und die wir teilen und nutzen wollen, um Ubuntu parallel darauf zu installieren.

Wer hingegen mehrere Festplatten in seinem Rechner verbaut hat, hat es etwas einfacher und kann ein eigenes physikalisches Laufwerk für Ubuntu reservieren. Vorsicht! Die gewählte Festplatte bzw. Partition wird komplett gelöscht und alle darauf befindlichen Daten müssen im Vorfeld woanders gesichert werden, wenn man sie nicht verlieren möchte.

Umstieg auf Linux - Schritt 3: Ubuntu parallel zu Windows XP (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 4: Ubuntu daneben installieren

Eine Festplatte kann aber auch in mehrere Partitionen unterteilt werden, ohne dass alle Dateien darauf gelöscht werden müssen. Man zieht sozusagen eine Zwischenwand ein und trennt damit den alten vom neuen Bereich ab. Naturgemäß ist maximal der freie verfügbare Speicher für den neuen Mitbewohner einteilbar. Allzu geizig sollte man dabei nicht sein und notfalls die Festplatte vorher noch etwas ausmisten.

Umstieg auf Linux - Schritt 4: Ubuntu daneben installieren (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 5: Lokalisation und Zeitzone anpassen

Nur eine kleine Formalität: Uhrzeit- und Datumseinstellungen werden entsprechend der Lokalisation bzw. Zeitzone eingerichtet.

Umstieg auf Linux - Schritt 5: Lokalisation und Zeitzone anpassen (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 6: Tastaturbelegung

Es folgt die präferierte Tastaturbelegung. Östereichische und deutsche Norm sind übrigens identisch.

Umstieg auf Linux - Schritt 6: Tastaturbelegung (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 7: Benutzer anlegen

Im letzten Schritt muss noch der Benutzer angelegt werden. Ein starkes Passwort ist sehr zu empfehlen, von der automatischen Anmeldung ist hingegen abzuraten. Verstehen Sie dies als Haustürschlüssel zu Ihrem neuen Wohnsitz. Wer das unterste Häkchen setzt und damit seinen Benutzerordner verschlüsselt, verhindert, dass die darin befindlichen Daten ohne Passwort ausgelesen werden können, wenn beispielsweise das Notebook gestohlen und die Festplatte ausgebaut wird.

Umstieg auf Linux - Schritt 7: Benutzer anlegen (Bild: VKI-Screenshot) 

Schritt 8: Installationsdauer ca. 30 min

Nun wird die Installation durchgeführt, was etwa eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nehmen kann. Sie können sich durch ein paar Neuvorstellungen der mitgelieferten Anwendungen klicken oder einfach abwarten.

Sobald alle Daten kopiert wurden, wird der Computer neu gestartet. DVD oder USB-Stick sind ab jetzt nicht mehr notwendig, das System startet von nun an von der Festplatte.

Umstieg auf Linux - Schritt 8: Installationsdauer ca. 30 min (Bild: VKI-Screenshot) 

Software-Center: Zusätzliche Software installieren

Im Software-Center kann man auf Shopping-Tour gehen und sich zusätzliche Software installieren. Vieles ist kostenlos, wie zum Beispiel der Multimedia-Player VLC, mit dem sich so gut wie alle Musik- und Video-Formate abspielen lassen.

Umstieg auf Linux - Software-Center: Zusätzliche Software installieren (Bild: VKI-Screenshot) 

Bildergalerie: Anleitung zur Installation von Ubuntu

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