DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.

Zum Inhalt

Laktoseintoleranz - Die wichtigsten Fragen

Immer wiederkehrende Verdauungsbeschwerden können ein Anzeichen für eine Milchzuckerunverträglichkeit sein. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Was versteht man unter einer Laktoseintoleranz?
Wer von dieser Verdauungsstörung, auch Milchzuckerunverträglickeit genannt, betroffen ist, kann Milchprodukte nicht richtig verdauen. Grund dafür ist ein Mangel an Laktase. Das heißt, der Körper produziert zu wenig von diesem für die Verdauung notwendigen Enzym. Die mit Milchprodukten aufgenommene Laktose kann deshalb nicht aufgespalten werden, sondern landet unverändert im Dickdarm. Dort wird sie von den Darmbakterien verstoffwechselt und zu kurzkettigen Fettsäuren, Kohlendioxid und weiteren Gasen wie Methan abgebaut. Unwohlsein, Bauchschmerzen, Blähungen samt unangenehmen Gerüchen sowie Durchfall sind die Folge.

Kommt es einem nur so vor, oder leiden immer mehr Menschen an dieser Art von Unverträglichkeit?
Auch wenn es für uns Europäer erstaunlich klingt: Die Laktoseintoleranz ist global gesehen die Norm und nicht die Abweichung. Mindestens zwei Drittel der Weltbevöl­kerung, vor allem Asiaten und Afrikaner, können als Erwachsene Laktose nicht verdauen. (Im Säuglingsalter sind fast alle Menschen in der Lage, ausreichend Laktase zur Aufspaltung der Laktose zu produzieren.) Aber auch im Süden unseres Kontinents verträgt der Großteil der Bevölkerung keine Laktose. Dazu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Aktivität des Verdauungsenzyms Laktase abnimmt. Inzwischen ist es aber auch schick geworden, jedes Bauchgrummeln mit einer Unverträglichkeit in Verbindung zu bringen.

Gibt es nicht auch eine Milchallergie, und was ist der Unterschied?
Ja, die gibt es. Sie ist aber eine Reaktion auf verschiedene in der Milch enthaltene Eiweiße. Wer tatsächlich daran leidet, reagiert selbst auf kleinste Mengen Milch mit einer überschießenden Immunantwort des Körpers. Allergische Hautreaktionen, Juckreiz, Fließschnupfen und Asthma können die Folge sein. 
Eine Milchzuckerunverträglichkeit dagegen ist abhängig von der aufgenommenen Menge an Laktose. Menschen mit einer Laktoseintoleranz können oft einiges an Milch oder Milchprodukten konsumieren, ohne dass sie Beschwerden bekommen.


Lesen Sie außerdem unseren Laktose in Lebensmitteln - Auslobungen auf dem Prüfstand.

Milchzucker und Nährwerttabelle

In welchen Lebensmitteln ist Milchzucker enthalten?
Laktose kommt natürlicherweise in Milch und Milchprodukten vor. In der Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen stecken 4 bis 5 Gramm Milchzucker pro 100 Milliliter. Je nachdem, wie die Milch weiterverarbeitet wird, variiert auch ihr Laktosegehalt. So steckt in Milchpulver und Kondensmilch deutlich mehr Milchzucker als in der gleichen Menge Trinkmilch. Milchpulver wird für viele Produkte verwendet, etwa für Kuchen und Gebäck, aber auch für Wurstwaren.

Je nach Sorte und Herstellungsverfahren enthalten Buttermilch, Molke, Hüttenkäse, Topfen, Frischkäse und Schmelzkäse ungefähr gleich viel Laktose wie Trinkmilch. In Weichkäse wie Camembert oder Brie hingegen steckt weniger als 1 Gramm Laktose pro 100 Gramm.

Wo kann noch überall Laktose drin sein?
Milchzucker wird in vielen Lebensmitteln verarbeitet. Dazu gehören Brot und Gebäck, Püreepulver, Aufschnitt und Würste aller Art, Fertigpanade, Pudding, Kakao, Speiseeis, Schokolade, Nougat und nougathaltige Cremen, Bonbons, probiotische Lebensmittel, Halbfettbutter und Margarine, Suppen, Soßen, Halbfertig- und Fertiggerichte, Gewürz- und Kräutermischungen.

Aufgrund ihrer vielen technologischen Eigenschaften setzt die Lebensmittelindustrie Laktose auch als Trägerstoff für Aromen ein, aber auch als Füllmittel, Fettbindemittel oder Überzugsmittel. Selbst Medikamente können Milchzucker enthalten.

Warum sollte man selbst bei Joghurt auf die Nährwerttabelle achten?
Bei der Herstellung von Joghurt kommen Milchsäurebakterien zum Einsatz. Sie ­bauen einen Teil der in der Milch enthaltenen Laktose zu Milchsäure ab, wodurch das Milcheiweiß gerinnt. Damit Joghurt eine festere Konsistenz bekommt, ist die Zugabe von Milchpulver zur Erhöhung der Trockenmasse erlaubt, was aber nicht in der Zutatenliste stehen muss. Orientieren kann man sich bei Naturjoghurt an der in der Nährwerttabelle angegebenen Kohlenhydratmenge, die hier vergleichsweise höher ist.

Laktosefreie Produkte und Auslobung

Was bedeutet die Auslobung "laktosefrei"?
Enthält ein Produkt weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter, darf es als „laktosefrei“ gekennzeichnet werden. Dazu wird die Milch mit dem Enzym Laktase versetzt. Es spaltet den enthaltenen Milchzucker in Glukose und Galaktose auf. Da diese beiden sogenannten Einfachzucker süßer sind als der Zweifachzucker Laktose, schmeckt laktosefreie Milch auch deutlich süßer als herkömmliche Milch.

Es gibt eigene Firmen, die auf die Herstellung von Enzymen spezialisiert sind. Die großen Molkereien kaufen Laktase in steriler oder hochreiner Form. Nach dem Hinzufügen bei genau definierten Temperaturen wird das Enzym am Ende des Produktionsprozesses durch Erhitzen der Milch deaktiviert.

Für wen sind laktosefreie Lebensmittel sinnvoll?
Wer kein Problem mit der Verwertung von Milchzucker hat, braucht auch keine lak­tosefreien Produkte. Im Gegenteil: Wer trotzdem danach greift, kauft keine gesünderen Produkte, sondern schränkt seine Lebensmittelauswahl nur unnötig ein. Liegt tatsächlich eine Milchzuckerunverträglickeit vor, können laktosefreie Milchprodukte den Betroffenen das Leben erleichtern. Aber selbst in diesem Fall geht es viel eher um eine laktosearme als um eine laktosefreie Ernährung. Wie ein Lebens­mittel vertragen wird, hängt davon ab, wie es hergestellt wurde, wie viel davon ge­gessen wird und wie empfindlich jemand auf Milchzucker reagiert. Panik ist also ­keineswegs angebracht!

Interview mit Mag. Martina Fischl

"Keine Krankheit, sondern eine Verdauungsstörung"

Martina Fischl (Foto: Jochen Fill, 3007)
Mag. Martina Fischl

Wie viele Menschen leiden bei uns an einer Laktoseintoleranz?
Etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung ­haben mit der Verdauung von Milchzucker ein Problem. Doch diese Unverträglichkeit ist zum Glück keine schwere darmschädigende Krankheit. Sie verursacht unangenehme Beschwerden, kann aber mit einer angepassten Ernährung gut austariert ­werden.

Hat die Anzahl der Betroffenen zugenommen?
Zugenommen hat eher die Diagnostik. ­Früher schaute man einfach nicht so genau hin. Mittlerweile beschäftigen sich auch viele Menschen intensiver mit ihrem Körper und ihrer Ernährung.

Wo lässt man eine Milchzuckerunverträglichkeit abklären?
Am besten in einem Allergieambulatorium oder im Krankenhaus. Dort wird mit einem Atemluft- oder Gentest untersucht, ob tatsächlich eine Intoleranz vorliegt.

Wie viel Milchzucker kann jemand bei einer Milchzucker­unverträglichkeit aufnehmen?
Acht bis zehn Gramm Laktose pro Tag sind unserer Erfahrung nach kein Problem. Vor allem Milchprodukte mit einem höheren Fettgehalt werden gut vertragen, weil ihre Verweildauer im Magen länger ist als bei fettärmeren Varianten wie zum Beispiel Light-Produkten. Auch gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt oder Sauermilch haben Vorteile bei der Vertäglichkeit. Sinnvoll ist, Milchprodukte nicht allein, sondern in Kombination mit anderen ­Lebensmitteln zu verzehren, zum Beispiel Joghurt mit Obst.

Was empfehlen Sie Menschen, die laktoseintolerant sind?
Hilfreich ist der Weg zu einer Diätologin oder einem Diätologen. Sie begleiten Betroffene auf dem Weg zur Beschwerdefreiheit unter Berücksichtigung einer ausgewogenen Nährstoffversorgung. Am besten bewährt hat sich ein dreistufiges Verfahren. Am Beginn steht über ein bis zwei Wochen eine streng laktosearme Ernährung. In diesem Zeitraum sind nur ein bis zwei Gramm Laktose pro Tag erlaubt. Hält man sich ­daran, verschwinden die Beschwerden in der Regel. Im Anschluss daran kommen ­Lebensmittel mit geringem bis mittlerem Laktosegehalt wieder langsam auf den Speiseplan. Diese Phase dauert ­etwa vier bis sechs Wochen, in denen ein Ernährungs- und Symptomprotokoll geführt wird. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil jeder Betroffene unterschiedlich hohe Mengen an Laktose toleriert. Aus diesen Erfahrungen lässt sich dann die ­Dauerernährung ableiten.

Was halten Sie von den immer zahlreicheren laktosefreien Produkten?
Laktosefreie Milch oder laktosefreies Joghurt sind für Betroffene sinnvolle Alternativen, wenn herkömmliche Produkte nicht toleriert werden. Verträgt man aber laktosehaltige Milchprodukte gut, sollte man dabei bleiben. Ein nicht notwendiger dauerhafter Konsum laktosefreier Lebensmittel kann langfristig möglicherweise einen negativen Einfluss auf den Milchzuckerabbau im Körper ­haben.
Vieles, was als laktosefrei ausgewiesen wird, enthält außerdem von Natur aus kaum Milchzucker, etwa Hartkäse. Wenig Sinn macht für mich auch laktosefreie Butter. Hier gibt es kaum einen Unterschied zur herkömmlichen Variante. Außerdem isst man davon so wenig, dass der ­damit aufgenommene Milchzucker kaum ins Gewicht fällt.

Kann man bei einer Unverträglichkeit die Milchprodukte nicht einfach weglassen?
Das würde ich nicht empfehlen. Milch­produkte tragen wesentlich zur Kalziumversorgung bei. Außerdem steckt in ihnen hochwertiges Eiweiß. Pflanzliche Milch­ersatzprodukte wie Reis-, Hafer-, Mandel- oder Sojadrinks sind hier nur bedingt eine Alternative. Nicht alle werden mit Kalzium angereichert, und bis auf Sojadrinks enthalten sie lediglich geringe Mengen an ­Eiweiß. Besser ist es, ausreichend Käse, ­Nüsse und Samen, Mohn oder Sesam zu essen sowie kalziumreiches Mineralwasser zu trinken. Sonst kann es im Alter zu Problemen mit der Knochengesundheit kommen, Stichwort: Osteoporose.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail
Zum Seitenanfang