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Welthandel und Globalisierung - Zweierlei Maß

, aktualisiert am

Exportorientierte Länder wie Österreich profitieren vom eng verwobenen globalen Handel. Doch Wohlstand für alle bringt er nicht.

Spätestens seit der Gründung der Welt­handelsorganisation WTO im Jahr 1994 hat der internationale Handel einen in seiner Geschichte noch nie dagewesenen Boom erlebt. Volkswirtschaften quer über den Erdball wurden dermaßen eng miteinander verknüpft, dass eine Entflechtung kaum mehr denkbar scheint.

Und Österreich ist mittendrin. Die rot-weiß-rote Außenhandelsquote (Anteil der Summe von Warenexporten und -importen am Bruttoinlandsprodukt) beträgt beachtliche rund 80 Prozent. Vor der WTO-Gründung und vor dem Beitritt Österreichs zur EU waren es ca. 50 Prozent.

Negative Handels-, positive Dienstleistungsbilanz

Zwar importieren wir etwas mehr, als wir exportieren, doch diese negative Handelsbilanz wird durch eine konstant positive Dienstleistungsbilanz (insbesondere Tourismus und Transport) wettgemacht. Unterm Strich war die österreichische Leistungs­bilanz, die alle grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Transaktionen innerhalb eines Jahres beinhaltet, in den vergangenen Jahren also durchwegs positiv – aber lediglich isoliert betrachtet.

Denn aus globaler Sicht sollten ausgeglichene Leistungsbilanzen angestrebt werden, um Staaten nicht in eine Importabhängigkeit und somit in die Verschuldung zu treiben.

Wer vom globalen Handel profitiert

Faktum ist jedoch, dass es viele Gewinner des globalen Handels gibt. Neben internationalen Konzernen zum Beispiel profitieren insbesondere sehr wettbewerbsfähige Volkswirtschaften vom freien Handel.

Des Weiteren wird dem internationalen Handel ein kulturelles Enger-Aneinanderrücken zugeschrieben: Das Verständnis füreinander, gepaart mit den wirtschaftlichen Abhängigkeiten voneinander, wirkt tendenziell deeskalierend. Betrachtet man die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit, so ist diese These allerdings schwerlich haltbar.

Österreichs Import- und Exportschlager 2017 – ausgewählte Produktgruppen (Quelle: Statistik Austria, Klicken Sie auf das Bild)

Österreichs Import- und Exportschlager 2017 (Quelle: Statistik Austria)

Schutzmaßnahmen: Zweierlei Maß

Freier Handel sucht niedrige Standards

Freier Handel kann zwar mehr Wohlstand bringen, aber bestimmt nicht für alle – die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich. Hier wäre die Politik gefragt! Aus ­arbeitsteiliger Sicht und unter den Gesichtspunkten des freien globalen Handels müssten Produkte immer dort produziert werden, wo dies am günstigsten möglich ist, also auch Sozial- und Umweltstandards entsprechend niedrig sind. Für eine Unzahl von Produkten heißt das schon jetzt: in ­China.

Subventionspolitik, Wettbewerb, Schutzmaßnahmen

Die Volksrepublik hat mit ihren noch dazu oft staatlich subventionierten Produktionskapazitäten bereits viele Branchen in Europa in die Enge getrieben. Deswegen hebt die EU auf mehr als 50 Produkte hohe Strafzölle ein, z.B. auf Stahl, Keramik, Fahrräder oder Bügelbretter. Das soll verhindern, dass Waren, die in China "günstiger" produziert werden könnten, die EU überschwemmen. Schließlich geht es um viele Tausend Arbeitsplätze in Europa. Und schon sind wir weit, weit weg vom freien globalen Handel – und mittendrin im Protektionismus.

Nun kann man nicht gerade behaupten, China sei ein Globalisierungs-Verlierer. Als "Werkbank der Welt" erlebte China einen beispiellosen ökonomischen Aufschwung. Verlierer gibt es aber vielerorts. Insbesondere schlecht ausgebildete Arbeiter kommen als Erste unter die Räder des Globalisierungs-Trosses. Darüber hinaus werden Arbeit­nehmer- und Umweltschutz ausgehöhlt.

Zweierlei Maß

Richtet man den Blick Richtung Afrika, zeigt sich das Ungleichgewicht gegenüber entwickelten Volkswirtschaften eklatant. Denn das, was die EU selbst praktiziert – nämlich die Einhebung von Strafzöllen, um die eigene Wirtschaft zu schützen –, billigt sie ihren afrikanischen Handelspartnern vielfach nicht zu.

Ein Beispiel: Die EU-Landwirtschaft wird mit jährlich rund 60 Milliarden Euro gestützt. So bedrohen etwa subventionierte EU-Zwiebeln die Existenz von Bauern in Afrika. Freihandelsverträge mit der EU sollen es afrikanischen Ländern nun endgültig verunmöglichen, ­ihrerseits adäquate Schutzzölle einzuheben. Solch ein Protektionismus wäre aber grundsätzlich nicht verwerflich, denn er würde einen faireren Wettbewerb bedeuten. Auch die Länder der EU haben ihre Produktionen auf diese Weise aufgebaut.

US-Neo-Protektionismus

Ist der Neo-Protektionismus, den US-Präsident Donald Trump propagiert ("America first"), also nachvollziehbar? Mit Blick auf die US-Handelsbilanz, ja. Sie ist gegenüber der EU, gegenüber China seit Jahren negativ.

Was Trump in seinen Tweets geflissentlich ausspart: Die US-Leistungsbilanz, also inklusive Unternehmensgewinne und Dienstleistungen, ist gegenüber der EU durchaus positiv. Ein Handelskrieg mit nach oben lizitierten gegenseitigen Handelshemmnissen würde entsprechend auch die USA treffen. Eine weitere Eskalation könnte eine Abwärtsspirale in Gang setzen, ähnlich der Weltwirtschaftskrise 1929.

Österreichische Warenimporte und -exporte in Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) - BIP 1995: 176,61 Mrd. €; 2017: 369,69 Mrd. € (Quelle: Statistik Austria)
Österreichische Warenimporte und -exporte in Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) - BIP 1995: 176,61 Mrd. €; 2017: 369,69 Mrd. € (Quelle: Statistik Austria)

Österreichische Warenimporte und -exporte in Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) - BIP 1995: 176,61 Mrd. €; 2017: 369,69 Mrd. € (Quelle: Statistik Austria)

 EU-28 Importe nach Warengruppen (Quelle: Eurostat)
EU-28 Importe nach Warengruppen (Quelle: Eurostat)

EU-28 Importe nach Warengruppen (Quelle: Eurostat)

EU-28 Exporte nach Warengruppen (Quelle: Eurostat)
EU-28 Exporte nach Warengruppen (Quelle: Eurostat)

EU-28 Exporte nach Warengruppen (Quelle: Eurostat)

Importe und Exporte der EU-28 und Österreich

Infografiken: Internationaler Handel

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