Wasserbetten - In den Schlaf geschaukelt

  • Im Pflegebereich durchaus sinnvoll
  • Das Schaukeln wird sehr unterschiedlich empfunden


Kaum ein Bettsystem ruft so kontroversielle Meinungen hervor wie das Wasserbett. Meinen die einen euphorisch, sie schliefen darin wie in Mutters Schoß, so stellt sich bei anderen schon beim Gedanken an die mehr oder weniger sachte schaukelnden Matratzen leichte Seekrankheit ein.

Streitpunkt Schaukeln

Glaubt man dem Handel und den Herstellern, so ist das Schaukeln beruhigend, das tiefe Einsinken in den weichen Matratzen entspannend und optimal für die Wirbelsäule. Interessant ist aber, dass fast alle Bettenfachhändler in dem Moment, in dem es um konventionelle Matratzen geht, aus orthopädischer Sicht eher etwas festere Modelle empfehlen. Von reinen Federkernmatratzen wird vielfach unter Hinweis auf das nach einiger Zeit auftretende, den Schlaf beeinträchtigende Schaukeln abgeraten.

Sehr unterschiedliche Produkte

Erschwert wird ein eindeutiges Urteil über die Sinnhaftigkeit der zwischen etwa 1000 und 4000 Euro teuren Wasserbetten (200 x 180 cm) auch dadurch, dass Wasserbett nicht gleich Wasserbett ist.

Viele Modelle

Kern fast aller am Markt befindlichen Modelle ist ein mit Wasser gefüllter Vinylsack. Dann beginnen aber auch schon die Unterschiede.

Das Liegegefühl wird vor allem vom Innenleben des Wassersackes beeinflusst. Wer heftigeres Schaukeln schätzt, liegt auf den so genannten „free flow“-Matratzen richtig, die nichts als Wasser enthalten. In stabilisierten Modellen befinden sich zusätzlich Füllmaterialien, die den „Seegang“ des Bettes eindämmen. Je nach gewünschtem Stabilisierungsgrad werden dabei mehr oder weniger Füllstoffe – zumeist Vliese – in den Sack eingebracht.

Wasserbett im Aufbau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unterschiedlicher Aufbau

Ein weiterer Unterschied liegt im Bettaufbau. Beim so genannten „hardside“-Bett, liegt der Wassersack in einem „harten“, wannenartigen Bettrahmen. Bei der „softside“-Technik wird die Außenkante des Wassersackes von einer Schaumgummiumrandung gestützt, die Matratze muss also nicht mehr unbedingt in einem Bettgestell liegen, sondern kann ebenso darauf platziert werden. Dies gibt nicht nur ein anderes Erscheinungsbild, sondern erleichtert auch Matratzenpflege und Leintuchspannen erheblich. Für den Fall, dass der Sack einmal undicht werden sollte, ist zwischen Rahmen und Wassersack eine Folie gebreitet, die allfällig austretendes Wasser auffängt.

600 bis 1000 Kilogramm

Alle Modelle ruhen auf einer Bodenplatte, die von Gewichtsverteilern unterstützt werden sollte, denn immerhin kommt ein Doppelwasserbett je nach Matratzenstärke inklusive der Schlafenden auf ein Gewicht von etwa 600 bis 1000 Kilogramm. Zwischen Bodenplatte und Sicherheitsfolie, also auch bei Unfällen einigermaßen geschützt vor Wasserkontakt, befindet sich jeweils eine sehr flache, in Kunststoff eingeschweißte Heizmatte, die das Wasser erwärmt. Der Temperaturregler befindet sich außerhalb des Bettes. Da die Matratzen während der Nacht nur zwischen 0,5 und 1 Grad auskühlen, ist es möglich, die Stromzufuhr während des Schlafens auch gänzlich zu unterbrechen.

Dicke Auflagen

Umhüllt werden die Matratzen von Auflagen, die ähnlich wie Spannleintücher um den Sack gezogen werden. Sie bestehen zumeist aus einer ein bis drei Zentimeter starken Polsterschicht (üblicherweise aus in der Maschine waschbaren Kunststoffvliesen) und schließen nach außen hin mit Überzügen, etwa aus Jersey oder Frotteestoff, ab.

Eingeschränkt sinnvoll

Unbestritten sinnvoll ist der Einsatz von Wasserbetten im Krankheitsfall, wenn häufige, einfache gründliche Reinigung notwendig ist. Die Matratzen selber lassen sich leicht abwischen, die Bezüge sind mit wenigen Handgriffen abnehmbar und können in die Waschmaschine gesteckt werden. Bei anhaltender Bettlägrigkeit verhindert die gute Druckverteilung ein Wundliegen.

Aus orthopädischer Sicht relativieren Kritiker das Argument der optimalen Lagerung der Wirbelsäule damit, dass die Körpermitte bei allen Menschen besonders schwer ist und bei den Wassermatratzen, die von Natur aus eher weich sind, das Becken besonders tief einsinkt. Dadurch kann es zu einer ungünstigen Haltung im Becken- und Hüftbereich kommen. Längerfristig sind somit negative Auswirkungen auf die Lendenwirbelsäule möglich. Konkrete Untersuchungen dazu sind jedoch nicht bekannt.

Nicht bei Hüftgelenksprothesen

Manche Matratzen bieten aus diesem Grund aber im Bereich der Körpermitte zusätzliche Einlagen zur Unterstützung des Beckenbereiches oder nicht näher definierte „Schwimmkörper“, deren Auftrieb denselben Zweck erfüllen soll. Personen mit Hüftgelenksprothesen sollten Wasserbetten jedoch auf alle Fälle meiden.

Tief in die Matratze sinken

Zwiespältig betrachtet wird auch das relativ tiefe Einsinken der Schlafenden in den Matratzen. Befürworter sehen darin die ultimative Entspannung. Gegner argumentieren, dass durch die große Kontaktfläche mit der Matratze die natürlichen Schlafbewegungen erschwert und eingeschränkt werden. Diese Bewegungen gelten jedoch als wichtiger Bestandteil des gesunden Schlafes und dienen unter anderem der Regeneration von Wirbelsäule und Bandscheiben.

Bandscheiben brauchen Be- und Entlastung

Die Ernährung der Bandscheiben erfolgt nämlich nicht über Blutgefäße, sondern durch Flüssigkeitsaustausch mit der umliegenden Knorpelschicht und den Wirbelkörpern, wobei wie bei einem Schwamm bei Druckausübung die verbrauchte Nährflüssigkeit abgegeben und bei Entspannung neue Flüssigkeit aufgesaugt wird. Dieser Prozess findet bei Bewegung statt, tagsüber, aber auch während des Schlafes. Im Lauf einer siebenstündigen Nachtruhe steigt durch die Flüssigkeitsaufnahme der Druck in den Bandscheiben um mehr als das Doppelte. Auch bei manchen Atemwegsbeschwerden kann das tiefe Einsinken eine ungünstige Wirkung haben.

Zwei Matratzen wählen

Manchmal kann es für den ruhigen Schlaf wichtig sein, zwei einzelne Matratzen zu wählen. Etwa, wenn sich ein Partner besonders viel bewegt, wenn der Gewichtsunterschied zwischen den Partnern mehr als 30 Kilo beträgt oder wenn besonders unterschiedliche Matratzenhärten gefragt sind.

Kalt - warm

Besondere Sorgfalt sollte der Auswahl der Wassertemperatur in der Matratze gewidmet werden: Ist die Matratze zu kalt, besteht Gefahr, insbesondere Nieren oder Blase, zu verkühlen. Wird sie zu stark erwärmt, kann sich dies auf die Qualität der Spermien ungünstig auswirken. Als angenehm wird zumeist eine Matratzentemperatur zwischen 27 und 30 Grad empfunden.

Kein Training

Dadurch, dass man mit der vorgewärmten Matratze dem Körper die Arbeit des Bettaufwärmens abnimmt, enthält man ihm aber auch die Möglichkeit vor, seine Temperaturregulierungs-Mechanismen zu trainieren. Auf entsprechenden Ausgleich, etwa durch milde Wechselduschen, sollte daher geachtet werden.

 

Qualitätsunterschiede sind nur schwer zu erkennen

Qualitätsunterschiede zwischen den Betten sind mit freiem Auge nur teilweise zu erkennen. Ein Kriterium ist etwa die Stärke des Vinylsackes, die zwischen 0,4 und 0,7 mm liegt. Die Nähte sollten überlappend und doppelt verschweißt sein, Ecken verstärkt. Bei qualitativ hochwertigen Betten ist das Stabilisierungsmaterial horizontal und vertikal armiert und an der Bodenplatte befestigt, um ein Verrutschen und Verklumpen des Materials im Lauf der Jahre zu verhindern. Die Sicherheitsfolie sollte aus elastischem Material sein, das nicht so leicht brüchig wird.

Möglichst saugfähige Bezüge

Damit die während der Nacht abgegebene Körperfeuchtigkeit aufgenommen werden kann, sollte der Bezug ein Gewicht von zumindest 1000 Gramm je Quadratmeter haben.
Da die Körperfeuchtigkeit am Vinyl nicht nach unten entweichen kann, ist die Beheizung des Bettes sowie sorgfältiges Lüften des Bettes tagsüber unbedingt erforderlich. Bezüge von Doppelbetten sollten besser teilbar sein, damit sie auch in Haushaltswaschmaschinen Platz haben. Zweimal im Jahr müssen die Matratzen mit einem speziellen Pflegemittel eingelassen werden, damit das Vinyl nicht brüchig wird. Auch das Wasser muss regelmäßig mit einem Mittel versehen werden, damit es nicht bricht und sich keine Algen bilden.

80 bis 100 Euro laufende Kosten

Gemeinsam mit dem Strom zur Erwärmung der Matratze ist so mit laufenden Kosten von etwa 80 bis 100 Euro pro Jahr zu rechnen, wobei der Stromverbrauch auch von der Raumtemperatur und einer allfälligen Isolierung der Matratze beeinflusst wird.

Luftbetten

Vom Liegegefühl her ein Mittelding zwischen herkömmlichem und Wasserbett. Über dem individuell und automatisch regelbaren, etwa 10 bis 15 cm hohen Luftkern befindet sich eine ebenfalls 10 bis 15 cm hohe Schaumstoffauflage. Vorteil: Sie sind wesentlich leichter als Wasserbetten und müssen nicht beheizt werden. Nachteil: Luftbetten (200 x 180 cm) sind erst ab etwa 2400 Euro erhältlich.

Kompetent mit Konsument

  • Einsatz im Pflegebereich. Gegen Wundliegen und aufgrund der leichten Reinigung sinnvoll.
  • Liegequalität und Langzeitwirkung. Aus orthopädischer Sicht zu wenig erforscht.
  • Eher unpraktisch. Das Bett braucht laufend Pflege und ist schwer umzustellen.
  • Qualitäten sehr unterschiedlich. Erkundigen Sie sich genau nach Aufbau und Innenleben der Matratze.

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