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Aufstellschwimmbecken - Getrübtes Vergnügen

  • Beim Aufbau vergeht schon manchmal der Badespaß
  • Das Wasser bleibt nur mit Mühe und Zusatzaufwand sauber

Sommer, Sonne, Ferien – und ein sehnsüchtiger Blick in Nachbars Garten, wo die Kinder in einem Schwimmbecken herumplantschen, das vor einigen Tagen noch nicht dort gestanden ist. Das „Freibad für den Garten“ verheißt Badespaß vor der eigenen Haustüre und scheint – auf den ersten Blick – um ein paar Tausender auch nicht völlig unerschwinglich. Nur: Der Spaß verging unseren Testern in einigen Fällen bereits beim Aufstellen der Becken – und der Badespaß schon nach ein paar Tagen Betrieb.

Reifliche Überlegungen

Ehe Sie in den nächsten Baumarkt pilgern, sollten Sie überlegen: Haben Sie überhaupt einen ausreichend großen, sonnigen, ebenen Platz, möglichst fernab von Bäumen als „Verschmutzungsquelle“? Haben Sie genügend Sonnentage, damit sich das Wasser ausreichend erwärmen kann? Bedenken Sie auch, dass nicht alle Produkte leicht ab- und wieder neu aufgebaut werden können.

Aufstellung und Montage

Die zwei Stahlwandbecken im Test („Kit Aqua Family Splash“ und „Kombipool Klassik“) sind sozusagen eine Entscheidung fürs Leben. Sie bestehen aus einer Stahlwand, die mit einer Folie ausgekleidet wird. Zum Montieren der Filteranlage muss die Folie mehrmals durchbohrt werden. Es ist praktisch unmöglich, bei einem weiteren Aufstellen die Folie wieder ganz genau so einzulegen, dass die Löcher wieder zu den dazugehörenden Anschlüssen passen.

Vor dem Aufstellen sind oft Erdarbeiten nötig. Rasen, Steine und Äste müssen entfernt, der Boden mit Latte und Wasserwaage planiert werden. Für die, wie es heißt, sich selbst aufstellenden Becken „Easy Set“ und „Magic Pool“ ist damit der Großteil der Arbeit erledigt. Mit Blasebalg wird ein Plastikring aufgeblasen, an dem die Beckenfolie befestigt ist. Beim Befüllen schwimmt der Ring hoch, das Becken stellt sich auf. „The Wet Set“ ist ein ebenfalls einfach aufzustellendes System aus Plastikrohrrahmen und Plane. Bei diesen drei Becken ist die Aufstellprozedur einigermaßen praxisnah beschrieben.

Ganz im Gegensatz zu den beiden schon erwähnten Stahlwandbecken: Laut Anleitung braucht man zwei bis drei Personen, außerdem sollen die Becken nicht bei Wind aufgestellt werden. Bei unseren Tests genügte jedoch schon ein Lufthauch, um das Einfädeln der Stahlwand in die kreisrund aufzulegende Bodenschiene zu verhindern. Mit vier Personen war das Aufstellen gerade möglich. Die stundenlange Prozedur ist aber noch nicht erledigt, wenn die Stahlwand in den Schienen steht. Dann muss die Folie eingezogen und faltenfrei auf dem Boden ausgelegt werden. Was nicht in der Anleitung steht: Ist sie nicht absolut gleichmäßig am Beckenrand befestigt, bricht der Beckenrand beim Befüllen nach innen ein. Falls das alle Teile überhaupt „überleben“, heißt das: zurück zum Anfang. Und dabei kann man sich sogar noch wehtun: Die Schienen, die die Folie am Beckenrand befestigen (und gleichzeitig als Handlauf dienen), sind da, wo sie aneinander stoßen, so scharfkantig, dass man bei der Montage höllisch aufpassen muss.

Beckenhydraulik

Auch wenn die getesteten Becken von der Bauart her sehr verschieden sind, eines haben sie gemeinsam: Bei keinem funktioniert die Beckenhydraulik wirklich; die Durchströmung ist einfach zu schwach. Normwerte, wie sie für kommerzielle Schwimmbäder sinnvollerweise gelten, werden nicht annähernd erreicht. Folge: In keinem der getesteten Becken hatte das Wasser nach sechs Betriebstagen noch Badewasserqualität. Wer keine zusätzlichen Maßnahmen ergreift, und das heißt in diesem Fall: selbst im Becken „umrührt“, läuft Gefahr, dass es zu einer ungehemmten Keimvermehrung mit all ihren Folgen (von Durchfall bis zur Übertragung von Krankheiten) kommt. Selbst „großzügige“ Zugabe von Chlor über die Filteranlage bliebe ohne den gewünschten Erfolg, da es im Becken nur unzureichend verteilt wird.

Filterpumpen

Auch die Leistungen der Filterpumpen waren durchwegs unzureichend. Verschlechtert wurde das Ergebnis noch durch zwei Faktoren: Die Leistungsfähigkeit der Pumpen vermindert sich rapide mit dem Verschmutzungsgrad der Filter. Außerdem schreiben alle Hersteller vor, die Pumpe während des Badebetriebs aus Sicherheitsgründen auszuschalten, was den Umlaufzyklus weiter drastisch verschlechtert. Als Ausnahme erzielte „The Wet Set“ mit einem Umlaufzyklus von zweieinhalb Stunden in neuem Zustand noch den besten Wert.

Schwache Kartuschen-Filter

Alle Becken sind mit Kartuschen-Filtern ausgerüstet, die aus der Sicht der Beckenhygiene unzureichend sind. Neben schlechter Filterwirkung haben sie zwei entscheidende Mängel: Der Grad der Verunreinigung ist praktisch nicht erkennbar (bestenfalls durch sichtbare Ablagerungen oder wenn die Filteroberfläche sich schlitzig anfühlt, aber dann ist bereits „Alarmstufe rot“). Zudem sind die Reinigungsmöglichkeiten der Kartuschen eher gering. Laut Herstellern soll man die Filter ausspülen und mit einer Bürste reinigen. Doch durch das Ausspülen werden die Verunreinigungen in den Falten nicht beseitigt, und beim Reinigen mit der Bürste kann der Filterkarton leicht beschädigt werden.

Sandfilter für bessere Wasserqualität

Sinnvoll wäre daher der Kauf einer Sandfilteranlage mit entsprechend dimensionierter Pumpe (siehe: Zusatzkosten für ein sauberes Becken): Sandfilter werden durch Rückspülen gereinigt, wodurch sich auch der Frischwasserbedarf des Beckens reguliert. Wollen Sie reines Wasser haben, bleibt es nicht bei dieser einen Zusatzausgabe: Wegen der schlechten Beckenhydraulik hatte sich beim Testbetrieb schon nach einzelnen Tagen Schmutz am Beckenboden abgelagert, der nur mit einem Bodensauger entfernt werden kann. Bei keinem der Testbecken wird ein Bodensauger mitgeliefert, die Filterpumpen haben auch keine Anschlüsse für Bodensauger, was abermals Extrakosten bedeutet.

Mangelhafte Bedienungsanleitungen

Überaus spärlich sind die Bedienungsanleitungen, was Hinweise zur Wasserpflege, zum Frischwasserbedarf und zur Entsorgung des Badewassers betrifft. Noch immer gilt Chlor als das effektivste Mittel zum Abtöten von Keimen (siehe auch unseren Beitrag ab Seite 10). Gerade wegen der schlechten Wasserreinigungskapazitäten sollte folgende Faustregel penibel eingehalten werden: Pro Badegast und Badetag müssen dem Becken zumindest 50 Liter Frischwasser zugeführt werden. Das verbrauchte Wasser sammelt man am besten in einer Tonne, um es dann mit einem Chlorbindemittel (zum Beispiel Natriumsulfit) zu neutralisieren und zu entsorgen. Mit Chlor versetztes Wasser darf weder an die Umwelt abgegeben, noch in Gewässer eingeleitet werden. Um trotz der unzureichenden Beckenhydraulik ein Mindestmaß an Wasserreinigung zu erreichen, muss die Filterpumpe immer dann in Betrieb sein, wenn nicht gebadet wird. Das Wasser sollte zusätzlich gut umgerührt werden, um den kompletten Beckeninhalt dem Reinigungskreislauf zuzuführen. Neben dem eigentlichen Badespaß ist für ausreichende Freizeitbeschäftigung also gesorgt…

Aufstellbecken

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Problem Wasserqualität: eine Frage der Beckenhydraulik

Der gesamte Inhalt des Beckens muss durch die von der Einströmdüse erzeugte Strömung in den Reinigungskreislauf einbezogen werden, das heißt, in einem bestimmten Zeitraum muss das gesamte Wasser durch den Filter gepumpt sein. Die Einströmdüse befindet sich idealerweise knapp über dem Beckenboden und hat einen nach unten gerichteten Strahl, um den Schmutz an die Oberfläche zu drängen. Das geförderte Wasser (und damit die Verunreinigungen) läuft in den Skimmer und von dort in die Filteranlage. Nur der „Kombipool Klassik“ hat eine Düse, deren Richtung verstellbar ist. Die anderen Becken haben lediglich einen Auslass. Bei keinem der getesteten Becken waren Einströmdüse und Skimmer ideal angeordnet, bei einem Becken waren sie gar nur 30 Zentimeter voneinander entfernt.

Die Testfarbe – und damit auch die Reinigungschemikalien – wird nur ungleichmäßig verteilt.(siehe Bild) 

Zusatzkosten für ein sauberes Becken

Hauptproblem bei den getesteten Becken: mangelhafte Filterleistung und Beckenhydraulik. Der Aufwand für sauberes Wasser ist beträchtlich und übersteigt den Anschaffungspreis bei weitem. Extras und Kosten im Überblick:

  •  Sandfilteranlage mit leistungsfähiger Pumpe ab öS 6000,–; zusätzlich Filtersand
  •  Bodensauger: wenn die Pumpe einen Anschluss für Bodensauger hat zirka öS 500,–, sonst ab öS 4000,–
  •  Abdeckfolie: normale Plane ab öS 200,–/m2, bei Solarplanen sehr unterschiedliche Qualität, Quadratmeterpreis bis öS 500,–
  •  Messsystem für Chlorgehalt und pH-Wert: Teststreifen ab öS 150,–, einfache Messgeräte ab öS 500,–
  •  Chlor oder andere Desinfektionsmittel je nach Marke und Menge etwa öS 4000,– pro Saison für ein Becken der getesteten Größe (zirka 7 m3)

Unterschätzte Gefahr

Bei Kindern unter vier Jahren ist Ertrinken die häufigste Todesursache. Gefahrenquellen und Vorsichtsmaßnahmen.

Immer unter Beobachtung. Kleinkinder nicht nur im Wasser, sondern auch außerhalb beaufsichtigen.
Absichern, Leiter weg. Zusätzliche Sicherheit erreicht man mit einem mindestens 1,40 Meter hohen Zaun rund um Biotop oder Pool, bei Aufstellbecken die Leiter entfernen. Nicht benützte Pools und Plantschbecken mit reißfester Plane abdecken.

Solarfolien als Kinderfalle. Die zur Verringerung des Wärmeverlustes auf der Wasseroberfläche schwimmenden Folien sind zwar tragfähig, Kinder können aber zwischen Folien- und Beckenrand durchfallen und unter die Folie geraten.

Gegenstromanlagen, Umwälzpumpen. Lange Haare können in den Sog der Absaugung geraten.

Spielzeug ersetzt nicht Schwimmflügel. Aufblastiere bieten keinen ausreichenden Halt. Abzuraten ist auch von so genannten Babyschwimmhilfen (schwimmende Sitze in Form von Booten, Autos, Inseln etc.) mit engen Öffnungen für die Beine. Wenn das Ding kippt, kann sich das Kind nicht befreien, sein Kopf wird unter Wasser gehalten.

Alternative zu Aufstellbecken.

Für Kleinkinder: aufblasbare, kleine Becken, die Sie täglich frisch befüllen können.

Richtiger Aufstellort.

Ausreichend groß und sonnig, eben und abseits von Bäumen.

Befüllen nur mit Trinkwasser.

Um Versorgungsengpässe an heißen Tagen zu vermeiden, Informationen der lokalen Wasserversorger einholen.

Frischwasser zuführen.

Faustregel: mindestens 50 Liter pro Tag und Person.

Möglichst abdecken.

Jedes Schwimmbecken soll mit einer Plane abgedeckt werden, Solarfolien erwärmen zusätzlich das Badewasser.

Beratungsintensiv.

Besonders für Fragen zur Schwimmbadpflege können Ansprechpartner in ortsansässigen Fachbetrieben wertvoll sein.

So haben wir getestet

Es wurden fünf aufstellbare Schwimmbecken im Sommer 2000 eingekauft. Die technische Prüfung umfasste die Untersuchung der Beckenhydraulik sowie die Filterleistung der Pumpe nach Önorm M 6216 („Aufbereitungsanlagen für das Wasser von Hallen- und künstlichen Freibeckenbädern“). Diese kommt für rein privat betriebene Bäder zwar nicht mehr zur Anwendung, weil für diese nunmehr eine eigene Önorm in Ausarbeitung ist, stellt aber den bewährten Stand der Technik dar.

Bei der praktischen Prüfung wurden die Bedienungsanleitung, das Auf- und Abbauen sowie das Wiederaufbauen beurteilt.

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