DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.

Zum Inhalt

Alarmanlagen zum Selbsteinbau - Alarmstufe Rot

, aktualisiert am

Test Alarmanlagen zum Selbsteinbau: Sie sind im Baumarkt billig zu haben, aber sie weisen viele Mängel auf und bieten letztlich wenig Schutz.

Das klingt verlockend: Man kauft sich im Baumarkt um ein paar Hundert Euro für sein Eigenheim eine Alarmanlage, die Montage wird wohl leicht zu schaffen sein. Und schon kann man wieder ruhig schlafen?

Billig-Alarmanlagen: starke Mängel

Leider nein. Billiganlagen zum Selbsteinbau haben arge Mängel, wenn sie nicht gar als funktionsunfähig bezeichnet werden müssen, wie ein Test der Stiftung Warentest ­aufdeckt. Zur Wahl standen fünf Modelle, erhältlich in Elektrofachmärkten und Baumärkten, per Online-Versand, ein Modell (Abus) auch im Fachhandel. Der Preis bewegt sich zwischen 180 und 440 Euro.

Haus-Einbrüche auf hohem Niveau

Auch wenn die Zahl der Einbrüche seit dem Jahr 2009 rückläufig ist, sollte die Gefahr nicht unterschätzt werden. Mit mehr als 15.000 gemeldeten Einbrüchen pro Jahr bewegen wir uns auf hohem Niveau, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Zahlen deutlich und auf Dauer zurück­gehen könnten.

Test Einbausets: enttäuschender Schutz für das Eigenheim

Es spricht also sehr viel dafür, sein Haus mit einer Alarmanlage vor Einbruch zu schützen. Doch wer darauf setzt, sich mit einem Einbauset schnell aller Sorgen entledigen zu können, muss enttäuscht werden. Die Testergebnisse verheißen nichts Gutes.

Kaum Schutz vor Sabotage

Einziges Plus: Sie schlagen Alarm

Alle geprüften Alarmanlagen-Sets enthalten eine Alarmzentrale mit Telefonwahlgerät und Innensirene, Öffnungsmelder für Türen und Fenster sowie Bewegungsmelder. In ­allen Fällen kann weiteres Zubehör erworben werden. Die erfreuliche Nachricht: Der Alarm funktionierte in allen Fällen gut. Entweder über die Sirene oder still – indem ein Anruf an ein Mobiltelefon erfolgt.

Kaum Schutz vor Sabotage

Doch bei allen anderen Kriterien ist die Note "Gut" echte Mangelware. Der Schutz vor Sabotage ist fast durchwegs unzureichend. Der Ein­brecher kann die Alarmzentrale einfach von der Wand nehmen. Außerdem konnten ­mehrere Bewegungsmelder ausgetrickst werden, wenn man sich gebückt bewegte. Zwei Anlagen (von AMG und Unitec) ließen sich ohne Warnung scharf stellen, obwohl ein geschütztes Fenster offen stand.

Mühsame Montage und Bedienung

Sowohl Montage als auch Bedienung sind außerordentlich mühsam. Wer Smartphones oder Tablets gewohnt ist, wird die Bedien- und Programmieroberflächen als wie aus ­einer anderen Zeit empfinden. Per Tastatur muss sich der Nutzer durch unübersichtliche Menüstrukturen quälen und umständliche Zahlencodes eintippen. Das Conrad-Modell verfügt nicht einmal über ein Mini-Display. Selbsterklärend ließ sich keine der Anlagen bedienen. Man muss sich durch komplizierte Betriebsanleitungen kämpfen, bei ­Abus sind es gar an die 150 Seiten.

Falscher Alarm leicht ausgelöst

Falscher Alarm leicht ausgelöst

Gegen falschen Alarm gibt es technische ­Lösungen – bevor Bewohner den geschützten Bereich betreten, müssen sie die Anlage entschärfen. Keines der geprüften Sets ­bietet ­diese Funktion. Wer vergisst, die Anlage zu deaktivieren, löst Alarm aus.

Es ist daher empfehlenswert, die Anlage anfangs auf stillen Alarm einzustellen – bis man mit ihr einigermaßen vertraut ist. Das Telefon, das den Alarmanruf erhält, sollte man dann aber immer bei sich tragen, auch nachts im Schlafzimmer sollte es sich in Griff- bzw. Hörweite befinden.

Nur Abus akzeptabel

Empfehlenswert ist eigentlich keines der ­getesteten Sets. Nur das Abus-Paket geht gerade noch als akzeptabel durch. Es erkannte alle Einbruchsversuche und hielt Sabotageversuchen stand. Es kann auf eine große Funktionsvielfalt verweisen. Allerdings: Trotz offenem Fenster ließ sich die Alarmanlage scharf stellen.

Schwachpunkt ist die Handhabung

Einziger Schwachpunkt ist die Handhabung. Von der Montage bis zur Funktionskontrolle gestaltet sich alles mühsam und aufwendig, selbst der Batteriewechsel. Daher gilt auch für dieses Modell: Man sollte ein Technik-Freak mit viel Freizeit und Geduld sein, wenn man sich für den Selbsteinbau entscheidet.

Alternativen: Hund, Licht, Nachbarn

Besser vom Professionisten

Wir empfehlen, eine Alarmanlage besser von Professionisten montieren zu lassen. Für einen wirksamen Komplettschutz müssen Sie allerdings mit einigen Tausend Euro ­rechnen.

Achten Sie bei der Wahl der Alarmanlage auf das Prüfsiegel des Verbandes der Sicherheitsunternehmen Österreichs, VSÖ. Oder jenes des deutschen Pendants VdS. Übrigens: Keines der getesteten Billigsets trägt ein Prüfsiegel.

Sicherheits-Türen und -Schlösser ...

Wem das zu teuer ist, der kann sich auch mit relativ einfachen Methoden vor Einbrechern schützen. Am wirkungsvollsten sind widerstandsfähige Türen und Fenster. Sicherheitstüren haben einen gut befestigten Rahmen und ein stabiles Türblatt; Schließblech (außen ohne Schrauben) und Schließzylinder (nicht aufbohrbar) sollen einbruchsicher sein.

... sind oft wirksamer als Alarmanlagen

In aller Regel geht es nur um einige Minuten. Professionelle Banden lassen von einem Einbruchsversuch ab, wenn sie Tür oder Fenster nicht innerhalb von ein, zwei Minuten auf­hebeln können. Statistiken zufolge scheitern Einbrüche überwiegend an bruchfesten Türen und Fenstern, Alarmanlagen sind weitaus ­seltener dafür verantwortlich.

Bellender Hund

Ein bellender Hund ist als Abwehrmaßnahme zuverlässiger als so manche Alarmanlage. Während einer Abwesenheit sind aufmerk­same Nachbarn und bestimmte Vorkehrungen ebenfalls wirksam:

  • Vermeiden Sie Zeichen der Abwesenheit.
  • Der Briefkasten sollte regel­mäßig geleert werden.
  • Mittels Zeitschaltuhren sollte in den Abendstunden immer Licht brennen.
  • Keine Leiter im Freien liegen lassen.
  • Im Winter für Schneeräumung sorgen.

Testtabelle: Alarmanlagen zum Selbsteinbau

Infografik: So funktioniert eine Alarmanlage

Alarmanlagen Infografik (Bild: Illustration: Kati Hammling k.t.grafix)

Einbrecher dringen oft durch Fenster oder Terrassentüren ein: Verschiedene Sensoren melden den Einbruchversuch über Funk an die Zentrale. Die schlägt dann Alarm, je nach Programmierung entweder still per Telefonanruf oder mit Sirene.

Zentrale: Verarbeitet die Infos der Sensoren und schlägt Alarm. Mit Innensirene. Die Handhabung war oft zu kompliziert. Scharf schalten per Code oder Fernbedienung.

Außensirene: Verscheucht im Idealfall den Einbrecher. Aber: Fehlalarme nerven die Nachbarn und können teure Polizeieinsätze verursachen. Besser darauf verzichten.

Alarm per Telefon: Sind die Bewohner abwesend, kann die Alarmanlage sie per Telefon erreichen. Auch Anrufe zu Nachbarn sind programmierbar.

Öffnungsmelder: Für Tür und Fenster. Besteht aus zwei Teilen (für Rahmen und Flügel). Der Magnetkontakt erkennt das Öffnen. Aber manchmal war die Funkreichweite relativ kurz.

Bewegungsmelder: Überwacht einen Raum­bereich, etwa den Flur. Ließ sich im Test zum Teil sabotieren oder unter­wandern. Haustiere können falschen Alarm auslösen.

Zusammenfassung

  • Selbsteinbau nicht zu empfehlen. Im Test konnte keine der Alarmanlagen zum Selbsteinbau überzeugen. Der Schutz gegen Sabotage ist unzureichend. Installation und Betrieb sind mühsam und fehleranfällig.
  • Prüfsiegel. Achten Sie auf das Prüfsiegel VSÖ bzw. VdS. Lassen Sie die Alarmanlage von einem Professionisten einbauen.
  • Bruchfeste Türen. Der beste Schutz sind widerstandsfähige Türen und Fens­ter. Billig und ebenfalls wirksam: Vermeidung von Anzeichen der Abwesenheit.
  • Die Polizei berät. Die Polizei bietet unabhängige und kompetente Beratung an. Wenden Sie sich an das Landes­kriminalamt, Assistenzbereich Kriminalprävention, in Wien auch an die Kriminalpolizeiliche Beratung, Tel. 0800 216 346.

Testkriterien

Getestet wurden 5 Alarmanlagen-Sets zum Selbsteinbau, ergänzt um Zubehör wie Außensirene. Durchgeführt wurde der Test von der Stiftung Warentest.

Alarmfunktion

Melden von Einbruch und Schutz vor Sabotage: Überprüfung der Schutzfunktion inklusive Sabotageversuchen an Zentrale, Bewegungs- und Öffnungsmeldern im scharfen und unscharfen Zustand unter Berücksichtigung des Risikos ungewollter Alarmauslösung. Einstellbarkeit und Ansprechverhalten der Bewegungsmelder: Prüfung mit vermummtem Menschen, Haustierattrappe und Störeinflüssen durch Heizkörper oder Wasserkocher.

Funkreichweite der Öffnungsmelder: Praxistest in einem Einfamilienhaus mit Stahlbetondecken und Fußbodenheizung.

Alarmierung mit Innensirene oder Telefon: Funktionsüberprüfung (inklusive Lautstärke der Sirene).

Handhabung

Fünf handwerklich geübte Laien beurteilten die Installations- und Gebrauchsanweisung (u.a. Übersichtlichkeit und Verständlichkeit), Montage und Inbetriebnahme (u. a. Aufwand bei Aktivierung der Sensoren, Einstellen von Zonen, Zeitverzögerung oder Rufnummern), Bedienung und Funktionskontrolle (u. a. Anzeigen und Meldungen). Den Aufwand für Batteriewechsel ermittelten wir für das Modellhaus anhand der nötigen Anzahl auf Basis von Anbieterangaben zur Batterielebensdauer.

Robustheit

Falltests von Zentrale, Bewegungs- und Öffnungsmeldern und Außensirene. Die Klebeverbindungen aller Öffnungsmelder zeigten nach 50 Tagen bei 40 °C keine Schwächen. Im Praxistest erwiesen sich alle Anlagen als unempfindlich gegenüber Mobiltelefonie.

Elektrische Sicherheit

Prüfung des Netzteils (unter anderem Kriech- und Luftstrecken); Sichtprüfung von Zentrale und batteriebetriebenem Zubehör.

Anbieter

ABUS Austria GmbH
IZ-NÖ Süd, Straße 7, Objekt 58 D
A-2355 Wiener Neudorf
02236 66 06 30
www.abus.com/at 

AMG Sicherheitstechnik GmbH 
Industriepark Straße A - Nr.9
D-39245 Gommern
www.amg-alarmtechnik.de 

Conrad Electronic GmbH & Co KG
Durisolstraße 2
A-4600 Wels
050 20 40 40
www.conrad.at

Elro: Roos Electronics BV
Broekakkerweg 15
NL-5126 DB Gilze
+31 161 455 36 33
www.elro-nl.com

Unitec: V.E. Kern GesmbH
Percostraße 14
A-1220 Wien
01 250 35-0
www.kern-gmbh.at

Leserreaktionen

Sicherheitskonzept nötig

Eine Alarmanlage schützt nicht vor einem Einbruch, sondern meldet einen Einbruch, wenn dieser schon passiert ist. Da ist schon die Türe oder ein Fenster aufgebrochen oder der Täter steht bereits im Haus. Bei Planung und Umsetzung einer Einbruchmeldeanlage ist ein Sicherheitskonzept nötig. Dieses enthält beispielsweise Gefahren im Allgemeinen, persönliche Schutzbedürfnisse, Interventionszeit der Hilfe leistenden Stellen wie Polizei oder Wachdienste, bauliche Beschaffenheit, soziale und geografische Umgebung, mögliche Tätergruppe und vieles mehr.

Ihr Hinweis, dass ein bellender Hund als Abwehrmaßnahme zuverlässig ist, mag gelten, allerdings nimmt man ihn vielleicht tage- oder wochenlang mit ins Urlaubsdomizil. Alle, die sich mit dem Kauf einer Einbruchmeldeanlage beschäftigen, sollten wissen, dass es eine OVE Richtlinie 2 gibt. Diese umfasst alle wichtigen Punkte für die Planung, Errichtung und Instandhaltung von Einbruchmeldeanlagen.

Rudolf Weber
Sachverständiger für Gefahrenmeldeanlagen
E-Mail
(aus KONSUMENT 8/2013)

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail
Zum Seitenanfang