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Stuhlinkontinenz - Keine falsche Scham

, aktualisiert am

  • Rund fünf Prozent betroffen
  • Möglichst früh zum Arzt gehen
  • Weiter am sozialen Leben teilnehmen

5 Prozent sind betroffen

Schätzungsweise fünf Prozent aller Österreicher haben Probleme damit, ihren Darminhalt zurückzuhalten. Das Leiden ist in der Gesellschaft noch stärker mit einem Tabu belegt als die Harninkontinenz (siehe „Konsument“ Ausgaben 10/2004 und 11/1999). Besonders betroffen sind ältere Spitalspatienten und Menschen, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden. In der Altersgruppe der über 50-Jährigen leiden mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer unter Stuhlinkontinenz.

Angst und Scham

Viele Patienten entziehen sich deshalb dem sozialen Umfeld. Das Leben spielt sich – aus Angst, dass jemand etwas bemerken könnte – fast nur noch in den eigenen vier Wänden ab. Die Betroffenen leiden oft jahrelang unter den als äußerst unangenehm empfundenen Symptomen, ehe sie sich einem Arzt anvertrauen.

Vielfältige Ursachen

Die Auslöser für Inkontinenz sind vielfältig und können bereits Jahre zurückliegen. Bei Frauen ist die Ursache nicht selten eine während einer Entbindung erlittene Schädigung des Schließmuskels. Anale Fisteln, Fistel-Operationen oder bösartige Tumore können die Krankheit ebenfalls auslösen. Mit zunehmendem Alter wird Inkontinenz auch durch Muskelschwund verursacht.

Weitere Faktoren für Stuhlinkontinenz sind neuronale Schädigungen im Analkanal. Diese können durch Verletzung, Schlaganfall, Bewusstlosigkeit, Medikamente oder angeborene Gehirnstörungen entstehen. Auch ein fortgeschrittenes Hämorridalleiden kann zu Sensibilitätseinbußen führen. Nervenschädigungen sind auch die Hauptursache für Störungen des Steuerungsmechanismus im Schließmuskelsystem. Diese Defekte entstehen meist durch Diabetes oder häufiges und starkes Pressen beim Stuhlgang.

Art des Stuhls

Neben dem Zustand des Schließmuskels spielt die Konsistenz des Stuhls eine wichtige Rolle. Chronische Durchfälle, ausgelöst durch Reizdarm, entzündliche Darmerkrankungen, Darmschleimhaut-Schäden oder häufiger Stuhlgang können zu einer Dauerreizung des Analkanals führen. Aber auch Verstopfung ist ein Problem: Bleiben die Ausscheidungsprodukte zu lange im Enddarm, werden sie von Bakterien zersetzt und verflüssigt.  

Frühe Abklärung

Bereits bei den ersten Anzeichen von Stuhlinkontinenz sollte man das Gespräch mit dem Hausarzt suchen und sich zu einem Fachmediziner überweisen lassen. Je früher die Ursachen abgeklärt werden, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Bevor die erste Untersuchung ansteht ist es ratsam, sich vorzubereiten; Dauer und Häufigkeit der Inkontinenz sollten protokolliert und begleitende Symptome wie etwa Durchfall, Verstopfungen, Blähungen, Blut im Stuhl oder Bauchschmerzen notiert werden.

Viele Therapiemöglichkeiten

Je nach Ursachen stehen dem Arzt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von stuhlregulierenden Maßnahmen und Ernährungsumstellung über eine Hämorridenbehandlung und Beckenbodentraining bis hin zu Biofeedback (siehe „Konsument“ 4/2006) beziehungsweise operativen Therapien.   

Leben mit Inkontinenz

Heilung ist zwar nicht immer möglich, inzwischen ist jedoch eine Vielzahl von erprobten und gut funktionierenden Inkontinenzprodukten auf dem Markt, die den Betroffenen ein weitgehend normales Leben erlauben. Bei der Wahl der passenden Hilfsmittel sollte man sich von Ärzten, Apothekern, Pflegediensten oder in Sanitätshäusern beraten lassen. Da es große Unterschiede bei Verträglichkeit und Handhabung der verschiedenen Produkte gibt, kann es allerdings ein Weilchen dauern, bis man das geeignete gefunden hat. Mit zunehmender Übung und Erfahrung kehren automatisch Routine und ein gelassenerer Umgang mit der Krankheit und ihren Begleiterscheinungen ein.

Gut vorbereitet auf Reisen

Verlässt man das Haus für längere Zeit, sollte man die Sicherheit vermittelnde Ausrüstung, wie Windeln, Einlagen, Analtampons, Plastiktüten zum Entsorgen, Feuchttücher zum Reinigen, Salbe und Medikamente immer bei sich haben. Außerdem empfiehlt es sich, noch einmal die Toilette aufzusuchen. Ausflüge oder Reisen bedürfen einer speziellen Vorbereitung. Machen Sie sich kundig, wo öffentliche Toiletten möglichst schnell erreichbar sind. Für Österreich bieten dazu spezielle Toiletten-Stadtführer die nötige Orientierung. Reservieren Sie sich auch in Bus, Bahn oder Flugzeug einen Platz in der Nähe der Toilette. Achten Sie darauf, dass Sie alle notwendigen Accessoires während der Reise im Handgepäck dabeihaben. Das gebuchte Hotelzimmer sollte auf jeden Fall mit einer eigenen Toilette ausgestattet sein.

Tipps für Zuhause

Auch in den eigenen vier Wänden kann man sich auf das Leben mit Inkontinenz einstellen. Hilfsmittel, Medikamente, Pflegemittel und Therapiegeräte sind in einem abschließbaren Schrank am besten aufgehoben. So ist die Ausrüstung jederzeit griffbereit und außerdem verhindern Sie, dass Außenstehende die Utensilien zu Gesicht bekommen. Bei der Entsorgung von Einlagen, Windeln oder Tampons haben sich so genannte Windel-Twister als Abfalleimer bewährt. Diese sind verschließbar und mit einer geruchshemmenden Beschichtung ausgestattet. Besondere Vorkehrungen sind auch an der Schlafstätte notwendig. So sollte die Matratze durch Laken geschützt werden, die keine Feuchtigkeit durchlassen.

Arbeit, Familie, Partnerschaft

Wie offen man mit dem Thema Inkontinenz umgeht, ist jedem selbst überlassen. Solange die Arbeitskraft nicht eingeschränkt ist, besteht keine Verpflichtung, den Arbeitgeber zu informieren. In einer Partnerschaft oder Familie bedeutet die Krankheit für alle Beteiligten eine Belastungsprobe. Der Patient muss nicht nur lernen, mit dem Leiden zu leben, er sieht sich auch noch mit der Unsicherheit konfrontiert, wie Partner und Angehörige darauf reagieren. Ältere Menschen, die bereits lange in einer Beziehung leben und für die Krankheiten und Beschwerden oft schon zum Alltag gehören, tun sich dabei meist leichter.

Verständnis und Zusammenhalt

Problematischer gestaltet sich die Situation in einer Partnerschaft, wenn Jüngere betroffen sind. Wenn Gedanken und Gefühle verdrängt oder voreinander verborgen werden, wird es auf Dauer schwierig, die Beziehung aufrechtzuerhalten. Gelingt es dagegen, sich über alles auszutauschen, sich gegenseitig Mut zu machen und Probleme gemeinsam zu bewältigen, kann die Beziehung sogar eine neue Qualität erhalten.

Ratgeber

Wertvolle Tipps zum Leben mit Stuhlinkontinenz bietet der Ratgeber „Stuhlinkontinenz“, Weingärtner Verlag, Berlin 2005 ISBN: 3-9804810-4-2, zum Preis von ¤ 20,90 (inklusive Portogebühr).

Stuhlinkontinenz

Von Stuhlinkontinenz spricht man, wenn der Darminhalt – Darmwinde oder Stuhl – willentlich nicht mehr zurückgehalten werden kann. Dabei werden gewöhnlich drei Grade unterschieden.

Grad 1: Darmwinde können nicht mehr zurückgehalten werden.
Grad 2: Flüssiger Stuhl, Durchfall kann nicht mehr zurückgehalten werden.
Grad 3: Fester Stuhl kann nicht mehr zurückgehalten werden.

Beratung & Information

Fachkundige Beratung sowie Informationsbroschüren zum Thema erhalten Sie bei der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich

Tel.: (0512) 58 37 03.

Stuhlinkontinenz

  • Frühe Abklärung erhöht Chancen auf Heilung. Bereits bei den ersten Anzeichen zum Arzt gehen. Je früher die Ursachen für
    Inkontinenz abgeklärt werden, desto größer sind die Chancen auf Heilung.
  • Hilfsmittel erleichtern Alltag. Um auch den Alltag mit Inkontinenz bewältigen zu können, ist eine Vielzahl von Hilfsmitteln auf den Markt. Probieren Sie aus, welche Produkte Ihnen am besten
    zusagen. Haben Sie Ihr Notfallpaket immer griffbereit, wenn Sie das Haus verlassen.
  • Am sozialen Leben teilnehmen. Die Symptome einer Stuhlinkontinenz sind unangenehm genug. Wer sich in sein Schneckenhaus zurückzieht, verschlimmert die Situation nur weiter. Arrangieren Sie sich mit der Krankheit und nehmen Sie weiter am sozialen Leben teil.

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