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Osteoporoseberatung bei Kassenärzten - Bitte warten...

, aktualisiert am

  • Unsere Testpatientin brauchte meist viel Geduld
  •  Oft lückenhafte Beratung
  •  Aber immer das richtige Rezept

Zehn Ärzte im Test

Im Frühjahr hatten wir getestet, wie gut Wahlärzte über Osteoporose beraten (siehe dazu: Weitere Artikel -„ Wahlärzte: Osteoporosebaratung 6/2005 "). Im Mai und Juni wurden Vertragsärzte der Gebietskrankenkasse getestet: Von den 655 Wiener Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag wählten wir  zehn – wieder gemäß prozentueller Verteilung auf die Bezirke und mit Zufallsgenerator – für den Test aus. Es wurde wiederum die gleiche Testperson ausgeschickt und der gleiche Fragebogen zur Beurteilung herangezogen. Die schlechte Nachricht zuerst: Kein einziger Kassenarzt konnte mit „sehr gut“ beurteilt werden.

Zu wenig Zeit

Auffallend lang war die Wartezeit in der Kassenpraxis: Nur in zwei Praxen kam die Testerin nach wenigen Minuten in das Ordinationszimmer, in einer weiteren nach 15 Minuten, bei sieben Ärzten musste sie noch länger warten, bei einem sogar Eindreiviertelstunden lang. Dagegen lag die Beratungsdauer in der Kassenpraxis deutlich unter dem Zeitaufwand der Wahlärzte: Die Hälfte der Kassenärzte fertigte die Patientin in nicht einmal zehn Minuten ab, zwei nahmen sich wenigstens diese zehn Minuten Zeit, zwei weitere eine Viertelstunde.

  Grafik: Der Auer

Wenig Aufmerksamkeit

Testsieger Dr. Koller-Neumann wandte 20 Minuten für das Beratungsgespräch auf. Was auffiel: Die Ärzte mit der kurzen Gesprächszeit haben beim Test insgesamt schlechter abgeschnitten. Wenn dann auch noch – wie bei Dr. Strohmayer-Mailänder – während der Sieben-Minuten-Beratung dreimal die Ordinationshilfe hereinplatzt, können Rat Suchende kaum den Eindruck gewinnen, die ungeteilte Aufmerksamkeit des Arztes zu haben.

Schlampige Anamnese

Noch ungenauer als die Wahlärzte gingen die Kassenärzte bei der Erhebung der Krankengeschichte vor: Von den siebzehn Parametern, die abgefragt werden müssten, haben sie im besten Fall acht erhoben. Zwei Ärzte stellten nur zu fünf Parametern Fragen, fünf noch weniger, und zwei Kollegen verzichteten sogar ganz auf Fragen nach der Krankengeschichte. Verließen sie sich um Zeit zu sparen auf die mitgebrachte Diagnose des Erstbehandlers? Eine mögliche Fehldiagnose hätte kaum einer aufdecken können.

Keine Frage nach Blutuntersuchung

Alle Ärzte fragten nach, ob eine Knochendichtemessung durchgeführt worden sei, und bis auf den Testverlierer schauten auch alle diese Befunde an – möglicherweise, weil die Krankenkasse erst ab einer Knochendichte von –2,5 eine Bisphosphonat-Behandlung erstattet. Ob und mit welchem Ergebnis eine Blutuntersuchung – sie ist bei der Osteoporose-Diagnostik nötig – durchgeführt wurde, fragte keiner.

Jede vierte Frage wurde nicht gestellt

Alle Ärzte erklärten der Testerin, dass die Therapie das Fortschreiten der Erkrankung verhindert, und neun von zehn betonten die Bedeutung von Kalzium und Vitamin D. Doch nur drei Mal konnte für die eigentliche Osteoporoseberatung ein „sehr gut“ vergeben werden, und nur der Testsieger hat die Testerin in allen Bereichen ausführlich beraten. Insgesamt haben die Ärzte nur 63 Prozent aller Testkriterien ausreichend besprochen, 11 Prozent teilweise erklärt, und ein Viertel der Fragen kam überhaupt nicht zur Sprache.

Keine Gymnastik verschrieben

So haben nur sechs von zehn Kassenärzten auf die Wichtigkeit von Bewegung hingewiesen, während alle Wahlärzte im Test diesen wichtigen Punkt besprochen hatten. Sie hatten der Testerin auch Informationsbroschüren zum Thema Bewegung und Ernährung mitgegeben, was die Kassenärzte unterließen. Bewegung ist wichtig, weil Muskelarbeit den Knochenaufbau fördert und durch Training der Koordination Stürze verhindert werden können, die zu den gefürchteten Brüchen von Arm oder Oberschenkelhals führen. Keiner der getesteten Kassenärzte machte von der Möglichkeit Gebrauch, Gymnastik auf Kassenkosten zu verschreiben – ein Wahlarzt jedoch schon. Kalziumreiche Kost ist wichtig zum Erhalt der Knochensubstanz. Doch nur drei Ärzte fanden eine ausführliche Ernährungsberatung nötig, von vier weiteren wurde sie wenigstens erwähnt.

Gute Therapie

Die gute Nachricht: Bei der Verschreibung liegen die Kassenärzte eindeutig vorne – bei der medikamentösen Therapie haben alle mit „sehr gut“ abgeschnitten, bei den Wahlärzten hatte dies nur die Hälfte geschafft. Alle Kassenärzte haben der Testerin Kalziumtabletten und Vitamin D verschrieben. Hatten nur drei der Wahlärzte genau erklärt, wie Bisphosphonate einzunehmen sind, so besprachen immerhin sechs Kassenärzte, wie die unangenehmen Nebenwirkungen dieser Mittel vermieden werden können, und drei weitere verwiesen dazu wenigstens auf den Beipacktext. Acht Kassenärzte haben auf die kostengünstigere und besser verträgliche einmal wöchentliche Therapie umgestellt.

Bisphosphonat zwei Mal abgesetzt

Zwei Ärzte haben es vorgezogen, nur das Kalzium/Vitamin-D-Präparat zu verschreiben und das Bisphosphonat abzusetzen. Bei beginnender Osteoporose ist das durchaus akzeptabel, insbesondere, weil die eine Ärztin (Dr. Rechinger) eine Kontrolle ankündigte und der andere Arzt (Dr. Reif) eine Gesundenuntersuchung vorschlug, um das weitere Vorgehen zu klären.

Ordinationshilfe führte Erstgespräch

Bei Dr. Schubart fand eine Beratung im eigentlichen Sinn nicht statt. Das Erstgespräch mit der Testerin führte die Ordinationshilfe im Warteraum durch – vor den Ohren aller anderen Patienten. Der Arzt empfing die Testerin mit den Worten „Ach, Sie vertragen Fosamax nicht! Da verschreibe ich Ihnen Actonel, das wird manchmal besser vertragen.“ Rezept statt Beratung.

Knochengesund essen

Die Basistherapie bei Osteoporose beträgt 1000 mg Kalzium und 800 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D pro Tag. 1000 mg Kalzium sind enthalten in 1/2 l fettarmer Milch/Jogurt/Buttermilch (Ausnahme Molke) plus 50 bis 60 g fettarmem Käse (ca. 2 Scheiben; Ausnahme Topfen); oder Sie ersetzen 1/4 l Milch durch 1 Portion kalziumreiches Gemüse (Fenchel, Brokkoli, Kohlgemüse, grünes Blattgemüse).800 IE Vitamin D sind in 0,5 bis 1 Fischportion enthalten.

Einige Beispiele

Wenn Sie nicht täglich ausreichend Milchprodukte und zumindest jeden zweiten Tag Fisch essen wollen/können, empfiehlt es sich, Kalzium und Vitamin D über Tabletten aufzunehmen. Eine ausreichende Bedarfsdeckung ist mit bewusster Auswahl der Lebensmittel auf jeden Fall möglich, wie diese Beispiele zeigen:

Vorschlag 1: mittags Forelle blau mit Brokkoli, Endiviensalat mit Jogurtsoße, nachmittags 1/4 l Buttermilch und abends 2 Scheiben Tilsiter (1040 mg Kalzium und 1730 IE Vitamin D)

Vorschlag 2: mittags 40 g Parmesan über ein Pastagericht, abends 75 g Matjes; und über den Tag verteilt 1/2 l Buttermilch (1080 mg Kalzium und 820 IE Vitamin D)

Vorschlag 3: mittags gegrillter Lachs mit Fenchelgemüse, abends Mozzarella mit Tomaten, zur Jause 1/4 l Jogurt (1070 mg Kalzium und 980 IE Vitamin D)

Was Sie in puncto Ernährung sonst noch tun können:

  • Trinken Sie kalziumreiche Mineralwässer (mehr als 150 mg Kalzium/Liter).
  • Reichern Sie Suppen, Soßen, Cremen, Püree mit Magermilchpulver an (10 g Milchpulver enthalten 130 mg Kalzium).
  • Oxalsäurereiche Lebensmittel (Rhabarber, Spinat, Mangold, Rote Rüben) nur in Maßen essen, da Oxalsäure das Kalzium bindet und der Körper es dann nicht mehr verwerten kann.

Diese Ärzte haben wir getestet

Dr. Domej Maximilian , Mariahilfer Straße 147/6, A-1150 Wien, (01) 892 60 90
Dr. Fink Gerhard , Penzinger Straße 63, A-1140 Wien, (01) 894 19 07
Dr. Jäger Christian , Markhofgasse 18/6/5, A-1030 Wien, (01) 798 81 50
Dr. Kohnen-Zülzer Christian , Herbortgasse 22-24, A-1110 Wien, (01) 749 13 12
Dr. Koller-Neumann Eva , Vivariumstraße 6/2/6, A-1020 Wien, (01) 728 04 95
Dr. Markot Aniela , Lamarckgasse 13, A-1210 Wien, (01) 292 85 85
Dr. Rechinger Lilian , Schönbrunner Straße 175, A-1120 Wien, (01) 815 02 81-0
Dr. Reif Erwin , Liebhartsgasse 32/1, A-1160 Wien, (01) 493 20 33
Dr. Schubart Manfred , Alxingergasse 74, A-1100 Wien, (01) 604 33 89
Dr. Strohmayer-Mailänder Regine , Oberndorfer Straße 4, A-1220 Wien, (01) 282 01 22

Osteoporoseberatung: Kompetent mit Konsument

Wahl- oder Kassenarzt? Zuerst zum Kassenarzt. Für eine ausführliche Information oder um eine zweite Meinung einzuholen eventuell zum Wahlarzt.

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