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Nikotinentwöhnung - Schall und Rauch

Wie eine „Konsument“-Mitarbeiterin (noch) nicht vom Rauchen loskam.

Ich rauche leidenschaftlich gern. Müßte ich mich entscheiden, würde ich eher auf mein Lieblingsessen verzichten als auf Zigaretten. Mein Vorrat ist groß, notfalls gehöre ich zu jenen, die für eine Zigarette „meilenweit gehen“. Wenn ich nervös bin, ist Rauchen das einzige, was mir hilft, viel habe ich schon ausprobiert, aber nichts wirkt beruhigender als ein „Tschick“. Natürlich weiß ich, daß Rauchen nicht gesund ist. Nur: Ich schaffe es einfach nicht, davon die Finger zu lassen. Mehr noch: Allein die Vorstellung, nie wieder nach einer Zigarette greifen zu dürfen, erfüllt mich mit Panik. Da kann ich mich eher mit dem Gedanken anfreunden: Lieber weniger als gar keine. Und so nehme ich stets neue Anläufe, mein Tagespensum ein bißchen herunterzuschrauben. Genau diesen Vorsatz hatte ich wieder einmal frisch gefaßt, als ich von der Idee eines Wiener Bezirksvorstehers las...

Gemeinsam statt einsam...

Er hatte beschlossen, das Rauchen aufzugeben und suchte nach Gleichgesinnten, um es gemeinsam zu versuchen. Die Aktion „Fürs Nichtrauchen, aber nicht gegen die Raucher“ richtete sich auch an Personen, die nicht aufhören, sondern lediglich reduzieren wollten. Mitzubringen war nur die ernsthafte Absicht, das angestrebte Ziel zu erreichen. Niemand würde schief angesehen werden, sollte es nicht gelingen. Niemand würde Druck ausüben oder die Zigaretten verbieten wollen. Das war geradezu Balsam für meine oft geschimpfte Raucherseele, genau das, was ich suchte. Daß für diese Aktion auch eine ernährungswissenschaftliche sowie psychologische Betreuung in Aussicht gestellt wurde, gab schließlich den Anstoß zu meiner Anmeldung. Schließlich interessiert mich ja doch, weshalb ich eine so panische Angst vor einem möglichen Nichtraucherdasein habe. Ob der Psychologe eine Erklärung weiß?
Der Aufruf des Bezirksvorstehers löste ein gewaltiges Echo aus. Mehr als 800 Raucher – junge wie alte – waren bereit, mitzumachen. Die Zeitungen berichteten überschwenglich, man fühlte sich richtig stolz, dabeisein zu dürfen: „Einzigartige Aktion“…, „unterstützt von namhaften europäischen Wissenschaftlern aus den Bereichen Medizin und Psychologie“…, „phantastisch, daß dieses Projekt umgesetzt werden konnte“..., „Innsbruck und Graz wollen das Programm nachmachen, selbst aus dem Ausland sind bereits Anfragen da“.

Ehrgeiziger Beginn: Wer hat den niedrigsten Wert? Doch mangels Betreuung ist der Elan bald verflogen, die meisten Gruppen lösten sich auf…

„Aufhören muß jeder selbst“

Entsprechend nobel fand dann Anfang April des Vorjahres die Erstinformation statt: im Festsaal des Wiener Rathauses. Nach einigen Vorträgen diverser Fachleute zum Thema Rauchen wurde der Therapieablauf festgelegt. Die Teilnehmer wurden bezirksweise zusammengefaßt und in Gruppen zu je 15 bis 20 Personen eingeteilt. Jede dieser Gruppen bekam einen Stützpunkt zugewiesen, den Ort des wöchentlichen Zusammentreffens. Die einzelnen Gruppen sollten im wesentlichen wie Selbsthilfegruppen agieren, alles jedoch unter fachkundiger Betreuung des Instituts für Sozialmedizin. Dessen Vorstand, Univ.-Prof. Dr. Kunze, dämpfte allerdings gleich allzuviel Euphorie. „Wer sich ein Patentrezept erwartet, liegt falsch. Wir können nur Anleitung, Hilfestellung geben – aufhören muß jeder selbst.“ Da haben wir noch zustimmend genickt. Nur keiner von uns wußte: Wie geht eine Selbsthilfegruppe ans Werk? Fürs erste füllten wir also Fragebögen aus, um unser Rauchverhalten zu analysieren. Wir schrieben fleißig Protokolle – wieviel, wann und warum wir täglich geraucht hatten. Und wir tauschten unsere persönlichen Erfahrungen mit dem Rauchen aus – wie es angefangen hat, wie viele Entwöhnungsversuche man bereits hinter sich hat, und mit welchen Methoden. Emsig tauschten wir Tips aus, was man noch probieren könnte. Doch dann waren wir mit unserer Weisheit am Ende. Also harrten wir der Dinge, die noch kommen sollten.

Schummeln nahezu unmöglich: Mit diesem Gerät kann kontrolliert werden, wieviel geraucht wurde.

Es wurde doch etwas geboten: Alle Teilnehmer bekamen einen Nicorette-Inhalator geschenkt.

Allein gelassen…

Ein paar Wochen vergingen. Aber von Beratung oder gar Betreuung durch die angekündigten Spezialisten keine Spur. Bloß einmal, bei der ersten Gruppenarbeit, bekamen wir sie zu Gesicht. Da wurde uns der „Nikomat“ vorgestellt. Das ist ein Gerät, das den Schadstoffgehalt in der ausgeatmeten Luft mißt. Hier mußten wir – ähnlich wie bei einem Alkotest – jede Woche hineinblasen. Kam man in den roten Bereich, über 20, hatte man zuviel geraucht. Schummeln, was die Anzahl der gerauchten Zigaretten betrifft, war somit nicht möglich. Manchen war diese Kontrolle wichtig – wie für jemanden, der eine Diät macht und seine Erfolge auf der Waage überprüft. In der Runde entwickelte sich dann auch so etwas wie sportlicher Ehrgeiz: Wer hat diesmal den niedrigsten Wert? Hut ab übrigens vor der Frau des Bezirksvorstehers! Sie hatte die mühevolle Aufgabe übernommen, mit dem „Nikomat“ im Handgepäck allwöchentlich sämtliche Gruppen abzuklappern.
Doch mit der Zeit wuchs die Ungeduld. Viele Teilnehmer sahen keinen Sinn mehr in der Sache, erschienen nur mehr unregelmäßig, allmählich blieben immer mehr weg. Das Prinzip des Ansporns durch die Gruppe schlug also bei uns fehl. Anstatt „Ausrutscher“ zugeben zu müssen, zogen es die meisten vor, gar nicht mehr zu kommen…

Wieder fast 20 Stück…

Mitte Juni lud der Bezirksvorsteher zu einem Zwischenbericht. Nicht nur in unserer Gruppe – auch in allen anderen – war die Teilnehmerzahl mittlerweile drastisch geschrumpft. Die große Schar der ursprünglich über 800 Therapiewilligen war an diesem Abend auf etwa 80 bis 90 „eiserne“ geschrumpft. Kein Wunder, daß von den Verbliebenen auch Enttäuschung über die versprochene, aber nicht erfolgte Betreuung geäußert wurde. Prof. Kunze und der Bezirksvorsteher sahen jedoch den Erfolg der Aktion durch all das nicht gefährdet. Dafür wurden wir erneut darauf hingewiesen, daß wir ja Selbsthilfegruppen seien, es also nur an uns liege, was wir aus dem Gebotenen machen. Verwirrte Gesichter. Geboten – was denn? Ach, stimmt – wir bekamen doch alle einen Nicorette-Inhalator geschenkt. Angeblich das derzeit effizienteste Mittel zur Nikotinersatztherapie. Dabei handelt es sich um einen zigarettenähnlichen Gegenstand, in den man eine Nikotinkapsel einlegt. Die sonstigen Schadstoffe, die beim Rauchen entstehen, fallen hier weg. Für die meisten von uns blieb es beim einmaligen Versuch. Das pure Nikotin brannte auf den Lippen, der Zunge, im Mund, bis in den Magen. Da ist ja der Raucherhusten angenehmer…
So lautet also die Bilanz, daß sich neun Monate nach Beginn dieser vielversprechenden Aktion nahezu alle Gruppen aufgelöst hatten. Meine Gruppe bestand nur mehr aus fünf Personen. Was uns noch sporadisch zusammenführte, war inzwischen eher Gewohnheit, als der ursprüngliche Gedanke der Raucherentwöhnung. Eine Zeitlang hatte ich es geschafft, bei neun, zehn Zigaretten pro Tag zu bleiben. Dann kam eine dazu, dann noch eine – und irgendwann hatte ich aufgehört, mitzuzählen. Nicht lange, und ich war wieder da, wo ich am Anfang war: knapp unter 20 Stück.

PS: Auch der Bezirksvorsteher, Initiator des Projektes, hat sein Ziel – Nichtraucher zu werden – noch nicht erreicht. Wirklich Grund zur Freude hat somit nur das Institut für Sozialmedizin: Mehr als 800 Teilnehmer lieferten wertvolle Daten für eine Studie über das Gesundheitsbewußtsein der Wiener.
Ganz aufgeben will der Herr Bezirksvorsteher aber noch nicht: Ab Mai sollen wieder Gruppentreffen stattfinden, für sechs Wochen ist kompetente Betreuung in Aussicht gestellt.

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