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Eine Frau hält sich wegen Kopfschmerzen die Hand an die Stirn.
Kann das Medikament Erenumab gegen Migräne helfen? Bild: Prostock-studio/Shutterstock.com

Migräne: neues Medikament Erenumab - Verkürzte Leidenszeit?

Verringert die Behandlung mit dem neuen Medikament Erenumab die Anzahl der Migränetage pro Monat?

Beweislage: hoch. Studien zeigen, dass sich die Leidenszeit von Migränepatienten, die mit Erenumab behandelt werden, verkürzt. Die Schmerzphase verringert sich um bis zu zweieinhalb Tage pro Monat. Allerdings müssen der längerfristige Nutzen sowie die Risiken von Erenumab noch erforscht werden.

KONSUMENT Fakten-Check Medizin: wissenschaftliche Beweislage (Bild: VKI)


Migränepatienten leiden unter quälenden Kopfschmerzen. Mitunter ist es ausreichend, Migräneauslöser zu vermeiden oder für mehr Entspannung zu sorgen. Haben diese Strategien keinen Erfolg, suchen Betroffene medikamentöse Unterstützung. Allerdings helfen die gängigen Arzneimittel nicht allen Migränepatienten, zudem können sie auch unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Wirkungsweise von Erenumab

Im Sommer 2018 erregte ein neues Mittel zur Vorbeugung von Migräneanfällen in den Medien viel Aufmerksamkeit: Erenumab. Der Wirkstoff wird als „Migräne-Impfung“ bezeichnet – wenngleich das fachlich nicht korrekt ist. Erenumab regt das Immunsystem nicht dazu an, Antikörper zu bilden. Das Medikament ist selbst ein Antikörper, der sich gegen einen Eiweißstoff richtet, der bei der Entstehung von Migräneanfällen eine Rolle spielen soll. Erenumab kann nicht als Tablette geschluckt werden, sondern wird einmal im Monat unter die Haut gespritzt. Zielgruppe sind Erwachsene, die an mindestens vier Tagen pro Monat Migräne haben.

Wissenschaftliche Studien

Doch wie gut hilft Erenumab wirklich? Bei unserer Literaturrecherche haben wir fünf wissenschaftliche Studien gefunden. Die Teilnehmer waren stark von Migräne betroffen. Ein Teil litt unter episodischer Migräne, sie hatten an bis zu 14 Tagen pro Monat Migräneanfälle. Beim anderen Teil traten die Schmerzen in Form von chronischer Migräne an mehr als 15 Tagen im Monat auf. Im Vergleich zur Behandlung mit einem Scheinmedikament blieben den Personen mit episodischer Migräne durch Erenumab pro Monat im Durchschnitt 1 bis 2 Migränetage erspart. Bei Menschen mit chronischer Migräne verkürzte sich die Leidenszeit um durchschnittlich 2 1/2 Tage im Monat.

Nebenwirkungen

Auch unerwünschte Wirkungen wurden dokumentiert. Erenumab-Anwender klagten im Unterschied zu den mit einem Scheinmedikament behandelten Patienten etwas häufiger über Reaktionen an der Injektionsstelle, Verstopfung, Muskelkrämpfe und Juckreiz. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten allerdings nicht auf. Für eine endgültige Bewertung des neuen Migränewirkstoffs ist es allerdings noch zu früh. Die vorliegenden Studien erfassen nämlich nur einen Zeitraum von 3–6 Monaten. Langfristig lassen sich deshalb weder hinsichtlich der Wirkung des Medikaments noch hinsichtlich des Auftretens von unerwünschten Wirkungen verlässliche Aussagen treffen.

Nicht untersucht wurde bislang auch, wie gut Erenumab im Vergleich zu anderen vorbeugenden Mitteln wirkt, die bereits länger angewendet werden. Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Schwangeren fehlen ebenfalls noch. Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass die vorliegenden Studien von den Erenumab-Herstellern finanziert wurden. Die Arbeiten sind zwar gut gemacht und erfüllen wissenschaftliche Standards, dennoch sollten die Ergebnisse in unabhängigen Untersuchungen überprüft werden.

Lesen Sie mehr: Mit Erenumab Migräne bekämpfen

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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