DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.

Zum Inhalt

Medikamente: rezeptfreie Mittel bei Rheuma und Sportverletzungen - Angeschmiert

, aktualisiert am

  • Keines der getesteten Präparate ist bei Rheuma geeignet
  • Rheuma ist keine Alterserkrankung, sondern kann bereits früh auftreten
  • Frühzeitige Diagnose und Therapie mindert Beschwerden im Alter

„Mein Rheuma macht sich bemerkbar“, klagen wir, wenn Knochen und Gelenke wieder einmal schmerzen. Den wenigsten ist dabei jedoch bewusst, dass sich hinter dem Begriff zahllose verschiedene Erkrankungen verbergen, die sich in Beschwerdebild, Verlauf und Prognose deutlich unterscheiden.

Das dürfte wohl auch der tiefere Hintergrund des alten Medizinerspruchs sein: „Was man nicht erklären kann, sieht man gern als Rheuma an.“ Und es macht nicht nur eine exakte Diagnose bei „Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises“, wie Rheuma wissenschaftlich korrekt bezeichnet wird, so kompliziert, sondern erschwert auch die Wahl der bestmöglichen Therapie.

Arthrose, Gicht und Arthritis

Grob unterscheidet man zwischen Gelenkbeschwerden, die durch Abnutzung entstehen und als Arthrose bezeichnet werden, akuten Anfällen von Gelenksschmerz aufgrund von Stoffwechselerkrankungen (Gicht) und Erkrankungen, die durch Entzündungen ausgelöst werden (Arthritis). Häufig kommt es dabei zu einer Störung des Immunsystems, das Strukturen des eigenen Organismus wie die Gelenkinnenhaut angreift, aber auch ganze Organe. Die Ursachen für diese Fehlfunktion sind noch unbekannt, es liegen jedoch Hinweise auf eine genetische Veranlagung vor.

Keine Alterserscheinung

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist Arthritis keineswegs eine Alterserscheinung. Auch junge Menschen, sogar Kleinkinder, können davon betroffen sein. Wird die Entzündung nicht behandelt, schreitet sie immer weiter voran. Dies kann zur Zerstörung der betroffenen Gelenke führen und sich sogar auf andere Organe mit gleichartigem Gewebe ausdehnen. Meist wird der gesamte Bewegungsapparat zunehmend geschädigt. In den westlichen Industrienationen gelten rheumatische Erkrankungen als eine der Hauptursachen für körperliche Behinderung und Arbeitsunfähigkeit.

Behandlung so früh wie möglich beginnen

Basis für jede Behandlung ist eine sorgfältige Erhebung der Krankheitsgeschichte. So lässt sich die Art der Erkrankung bereits eingrenzen. Eine weiterführende Diagnose kann über den Nachweis von Antikörpern und Genabschnitten im Blut des Patienten erfolgen. In welchem Stadium sich die Erkrankung befindet, lässt sich schließlich über verschiedene bildgebende Verfahren wie Röntgendiagnostik, Computertomografie, Magnetresonanztomografie und Szintigrafie ermitteln.

Zwar ist bei Rheuma eine vollständige Heilung nicht möglich, es stehen jedoch wirksame Medikamente zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf zumindest stark verlangsamen können. Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto größer sind die Chancen, Lebensqualität und Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten.

Verschiedene Therapiemöglichkeiten

Verschiedene Therapiemöglichkeiten

Die Behandlung erfolgt während der akuten Schübe mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (Analgetika, nichtsteroidale bzw. steroidale Antirheumatika). Als Langzeit- und Dauertherapie bei Autoimmunerkrankungen erfolgt heute bereits frühzeitig eine Basistherapie (Chloroquin, Antibiotika, Goldsalze), die vor allem dazu dient, Langzeitfolgen wie Gelenkschäden möglichst vorzubeugen. Eine wichtige Rolle bei der unterstützenden Behandlung spielt die physikalische Therapie.

Darüber hinaus werden häufig äußerlich anzuwendende, rezeptfreie Rheumamittel in Form von Salben, Cremen, Sprays, Lösungen, Roll-ons und Pflastern in der Apotheke eingekauft. Diese Präparate sind meist auch für Indikationen wie Zerrungen, Verstauchungen, Prellungen, Sehnenscheidenentzündungen, Muskel- und Rückenschmerzen oder Traumata infolge von Unfällen sowie Sportverletzungen ausgelobt.

Rezeptfreie Präparate im Test

In unserem Test haben wir insgesamt 35 rezeptfreie Präparate unter die Lupe genommen. Kein einziges davon erachten wir als geeignet zur alleinigen Anwendung bei rheumatischen Beschwerden. Einige Arzneien können allenfalls zur Unterstützung einer Therapie mit verschreibungspflichtigen, innerlich anzuwendenden Medikamenten dienen. Auch in Bezug auf die ausgelobten Indikationen bei Sportverletzungen halten die Präparate meist nicht, was die Hersteller in der Werbung versprechen.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Bei NSAR handelt es sich um entzündungshemmende Schmerzmittel, die auch fiebersenkend wirken. Alle sechs Präparate im Test, Fector EP, Algefit Gel, Ibutop Mikrogel und Creme, Ketospray, Luiflex Spray, Traumon Gel und Spray wirken jedoch zu schwach zur alleinigen Behandlung entzündeter Gelenke. Die enthaltenen Wirkstoffe dringen nicht so weit in die Haut ein, dass sie tiefer liegende Gewebeschichten oder Gelenke erreichen.

Die Präparate können bei entzündeten Gelenken deshalb allenfalls unterstützend angewendet werden. Dasselbe gilt auch bei Sportverletzungen mit Prellungen und Verstauchungen. Wir beurteilen diese Präparate insgesamt als wenig geeignet für die ausgewiesenen Indikationen.

Salicylat-Kombinationspräparate

Ebenfalls als wenig geeignet beurteilen wir die salicylathaltigen Präparate Acimont Rheuma- und Sportfluid, Algesal Creme, Derivon Creme, Dolorex Spray, Etrat Sportgel, Mobilsin Salbe, Moviflex Gel, Pasta Cool, Trauma Salbe „Mayrhofer“ kühlend, Rubriment Emulsion, Reparil Gel, Trauma Salbe „Mayrhofer“ wärmend und Traumasalbe „Provita“. Ihre therapeutische Wirkung ist nicht ausreichend belegt.

Teilweise sind auch die Kombinationen der verschiedenen Wirkstoffe nicht sinnvoll. Einige Mittel sind allenfalls zur unterstützenden Therapie bei rheumatischen Erkrankungen geeignet. Für Asthmatiker sind salicylathaltige Medikamente grundsätzlich problematisch, da sie Anfälle auslösen können.

Gefährliche Selbstmedikation

Capsaicinpräparate

Die beiden Mittel Hansaplast Lokale Schmerztherapie ABC Wärme-Pflaster und Hansaplast Wärmecreme enthalten Capsaicin (Scharfstoff aus Cayennepfeffer) und werden für die lokale Behandlung zur Linderung von Muskelschmerzen im Bereich der Wirbelsäule empfohlen. Bei der ersten Anwendung spürt der Patient zunächst ein Schmerz- und Wärmegefühl, anschließend erfolgt eine Phase der Unempfindlichkeit, die länger anhalten kann. Bei neuerlicher Anwendung kann diese Wirkung allerdings ganz ausbleiben.

Wir beurteilen diese Präparate zwar als geeignet zur Behandlung von Muskelverspannungen und dadurch ausgelöste Rückenschmerzen, jedoch als wenig geeignet bei rheumatischen Beschwerden. Durchblutungsfördernde Mittel sind bei Entzündungsreaktionen kontraproduktiv, weil sich diese durch Wärmeentwicklung verstärken können. Capsaicinpräparate sollten zudem nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden, da sie sonst zu irreversiblen Schäden der Nervenenden führen können.

Sonstige Präparate

Auch andere im Handel befindliche Präparate wie Berggeist Rheumafluid, Ehrenhöfer Salbe, Dolobene ratiopharm Gel, Dolobene ratiopharm Roll-on-Gel, Finalgon Salbe, Florissamol Fluid Einreibemittel und leichtes Einreibemittel, Rowalind Einreibung, Tiger Balsam rot Salbe oder Traumaplant Salbe sind bei rheumatischen Beschwerden wenig geeignet. Teilweise ist die Wirkstoffkombination nicht sinnvoll, teilweise ist die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.

Auch bei Sportverletzungen erachten wir die genannten Präparate als wenig geeignet. Einzig für Traumaplant Salbe liegt eine positive Studie für die Anwendung bei Verstauchungen am Sprunggelenk vor, die einen Therapieversuch rechtfertigt.

Gefährliche Selbstmedikation

Fazit: Rezeptfreie Arzneimittel zur äußerlichen Anwendung spielen bei der Therapie von Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates eine untergeordnete Rolle, sie können allenfalls unterstützend wirken oder etwa zur Behandlung von Muskelkater eingesetzt werden. Eine falsche Anwendung kann sogar dazu beitragen, entzündliche Erkrankungen zu verschlimmern. Die subjektiv empfundene Wirksamkeit eines Präparates kann auf kühlende bzw. wärmende Effekte oder auf Massageeffekte zurückzuführen sein. Viele Inhaltstoffe von Rheumamitteln, etwa Arnika oder ätherische Öle, verfügen zudem über ein beträchtliches allergenes Potenzial.

Testtabelle: Rezeptfreie Mittel bei Rheuma und Sportverletzungen

Rheuma und Bewegung

Rheuma und Bewegung

In Österreich leiden Schätzungen zufolge rund zwei Millionen Menschen an rheumatischen Erkrankungen. Für viele Patienten stellt kühles und feuchtes Wetter eine besondere Belastung dar. Bereits Tätigkeiten wie Treppensteigen oder das Zubinden der Schuhe können zu einer schmerzhaften Prozedur werden. Aber wenn es auch paradox klingen mag – gerade Bewegung kann neben physikalischer und medikamentöser Therapie dazu beitragen, Beschwerden zu lindern. Je besser das belastete Knorpelgewebe durchblutet ist, desto besser wird es mit Nährstoffen versorgt und desto schneller können Stoffwechselprodukte abtransportiert werden. Das Bewegungstraining sollte jedoch in Maßen erfolgen. Anleitungen dazu geben entsprechend geschulte Ärzte oder Physiotherapeuten.

Zusammenfassung

Test Rezeptfreie Mittel bei Rheuma und Sportverletzungen: Kompetent mit "Konsument"

  • Rheuma. Symptome, Krankheitsverlauf und Prognosen können stark variieren. Eine komplette Heilung ist nicht möglich. Je früher Diagnose und entsprechende Therapie erfolgen, desto größer sind die Chancen, Lebensqualität und Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten.
  • Rheumamittel. Die im Handel befindlichen, äußerlich anzuwendenden Präparate sind zur alleinigen Behandlung von rheumatischen Erkrankungen ungeeignet. Sie können allenfalls unterstützend wirken.
  • Sportverletzungen. Die meisten der getesteten Präparate werden zwar auch bei Sportverletzungen (Zerrungen, Verstauchungen, Blutergüssen) empfohlen, für geeignet halten wir sie jedoch auch dafür nicht.

Testkriterien

Test Rezeptfreie Mittel bei Rheuma und Sportverletzungen: Testkriterien

Hinweise zur Bewertung

Grundlage dieses Tests ist das Handbuch „Medikamente“, für das ein Expertengremium der Stiftung Warentest Arzneimittel auf Basis von Literaturrecherchen beurteilte. Die Methoden finden Sie  hier .

Geeignet sind Mittel (Standardtherapeutika), deren therapeutische Wirksamkeit ausreichend nachgewiesen ist. Ihre Nutzen-Risiko-Abwägung fällt positiv aus. „Geeignet“ sind auch Kombinationsmittel, deren Wirkstoffe sich sinnvoll ergänzen.

Auch geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit ebenfalls nachgewiesen ist, die aber Konservierungsmittel enthalten oder noch nicht lange genug erprobt sind.

Mit Einschränkung geeignet sind Mittel, die therapeutisch wirksam sind, aber im Vergleich zu Standardtherapeutika ein höheres oder nicht gut einschätzbares Risiko bergen.

Wenig geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist, die nicht ausreichend dosiert sind, deren therapeutische Wirksamkeit im Verhältnis zu den Risiken zu gering ist sowie Mittel mit mehr als einem Wirkstoff, deren Wirkstoffe sich nicht sinnvoll ergänzen oder keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen aufweisen.

Keine Bewertung

Anthroposophische, homöopathische und traditionell angewendete Mittel lassen sich nach den Grundsätzen unseres Tests nicht bewerten.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

Das könnte auch interessant sein:

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums

Sozialministerium
Zum Seitenanfang