Kreuzimpfung gegen Corona - AstraZeneca + Biontech: bessere Wirksamkeit?

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Seit einiger Zeit wird über eine Kreuzimpfung mit den Impfstoffen von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer diskutiert. Unsere Partner von medizin-transparent.at haben sich die Datenlage zu Wirksamkeit und Sicherheit angesehen.

Sind bei einem Impfstoff zwei Impfungen notwendig, wird üblicherweise beide Male derselbe Impfstoff verwendet. Bezogen auf die derzeit in Österreich zugelassenen Corona-Impfstoffe bedeutet das beispielsweise zwei Dosen von BioNTech/Pfizer (Comirnaty) oder AstraZeneca im Abstand von 4 bis 12 Wochen (Stand Juli 2021).

Seit Kurzem empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland jedoch bei einer Impfung mit AstraZeneca, die zweite Spritze etwa durch Comirnaty von BioNTech/Pfizer zu ersetzen. Die Kombination von zwei unterschiedlichen Impfstoffen nennt man Kreuz­impfung oder heterologes Impfschema.

Keine explizite Empfehlung in Österreich

Die STIKO begründet diese Empfehlung mit den bisherigen Studienergebnissen zur höheren Wirksamkeit der Kreuzimpfung sowie mit der erhöhten Gefahr von Thrombosen nach der zweimaligen AstraZeneca-Spritze. Das österreichische Nationale Impfgremium empfiehlt die Kreuz­impfung derzeit dagegen nicht ­explizit.

AstraZeneca schlecht vertragen?

Es bezeichnet sie allerdings als eine Möglichkeit für Personen, die die erste AstraZeneca-Spritze schlecht vertragen haben oder einen Wechsel des Impfstoffes wünschen. Unsere Kooperationspartner von ­medizin-transparent.at haben sich die wissenschaftliche Studienlage zur Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Kreuzimpfung genau angeschaut.

Schutzwirkung, Sicherheit, offene Fragen

Schutzwirkung

Zuerst AstraZeneca, dann Comirnaty: Dieses Impf-Schema dürfte einen höheren Schutz vor dem Coronavirus bieten als eine ausschließliche AstraZeneca-Impfung. Die Kreuzimpfung scheint ähnlich wirksam zu sein wie eine zweimalige Impfung mit dem Impfstoff Comirnaty.

Die kreuzgeimpften Personen bilden mindestens ebenso viele ­Antikörper und Immunzellen gegen das ­Coronavirus wie nach einer zweimaligen BioNTech/Pfizer-Impfung. Die umgekehrte Variante – also ­zuerst Comirnaty und dann den AstraZeneca- Impfstoff zu geben – scheint hingegen weniger gut zu schützen. Das sind die Ergebnisse aus sechs Studien mit insgesamt 1.181 teilnehmenden Personen.

Alle sechs Arbeiten kamen zu demselben Ergebnis. Allerdings handelt es sich um Laboruntersuchungen. Dabei wurde das Blut der Probandinnen und Probanden untersucht. Gemessen wurden dabei Art und ­Anzahl der Antikörper bzw. von bestimmten Immunzellen (T-Zellen), die nach der Impfung gegen das Coronavirus ­gebildet wurden.

Sicherheit

Die Kreuzimpfung scheint auch ebenso ­sicher zu sein wie die Impfung mit einem einzigen Impfstoff. In keiner der Studien wurden schwerwiegende Nebenwirkungen beobachtet. Wie hoch im Vergleich das Risiko für seltene Nebenwirkungen ist, lässt sich anhand der vorhandenen Daten jedoch nicht sagen.

Vorübergehende Impfreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit kamen in der aussagekräftigsten Studie bei Kreuzimpfungen etwas häufiger vor als bei der Impfung mit nur einem Impfstoff. An dieser größten der sechs Studien nahmen 426 Erwachsene teil. Sie waren über 50 Jahre alt und hatten ­keine oder nur leichte Vorerkrankungen wie etwa Diabetes, ­Bluthochdruck oder Nierenerkran­kungen.

Außerdem waren sie vorher nie positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Die Teilnehmenden wurden per ­Zufall in acht Gruppen unterteilt. Die Gruppen erhielten entweder zwei Spritzen mit dem AstraZeneca-Impfstoff, zwei Spritzen mit dem BioNTech/­Pfizer-Impfstoff, zuerst BioNTech/ Pfizer und danach AstraZeneca oder zuerst AstraZeneca und dann BioNTech/ Pfizer. Diese vier Impfschemata erfolgten ­jeweils im ­Abstand von 28 beziehungsweise 84 Tagen.

Offene Fragen

Die Studie ist wie erwähnt die aussagekräftigste, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von medizin-transparent.at finden konnten. Doch sie weist auch Mängel auf. Zwar wussten die Probandinnen und Probanden selbst nicht, welchem Impfschema sie zugeteilt waren, allerdings war das Studienpersonal eingeweiht, das die Nebenwirkungen abfragte. Dadurch entstandene Erwartungen könnten die Studienergebnisse verzerrt haben.

Zudem lagen zu Redak­tionsschluss nur Ergebnisse für jene vier Gruppen vor, die ihre beiden Spritzen im Abstand von 28 Tagen erhalten hatten. Ein Abstand von 28 Tagen wird für die Impfung mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer empfohlen.

Beim AstraZeneca-Impfstoff scheint das jedoch nicht optimal zu sein. Der Schutz ist vermutlich höher, wenn zwischen erster und zweiter Spritze 63 bis 84 Tage liegen. Die vorliegenden Ergebnisse können also nur zeigen, dass eine zweite Spritze mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff im Abstand von 28 Tagen wirksamer zu sein scheint als eine AstraZeneca-Spritze im selben Abstand.

Wie sich ein längerer Abstand auswirkt, ist unklar. Da es sich bei den vorliegenden ­Studien um reine Blutuntersuchungen handelt, ist zudem unklar, wie häufig kreuz­geimpfte Personen an COVID-19 erkranken.Dazu bräuchte es Untersuchungen an kreuzgeimpften Personen.

Aktuelle Informationen

Dieser Artikel gibt den Informationsstand zu Redaktionsschluss wieder (Anfang August 2021). Aktuelle Informationen und Empfehlungen zur Corona-Impfung finden Sie für Österreich auf der Homepage des Sozialministeriums, www.sozial­ministerium.at, für Deutschland auf der Seite des Robert-Koch-Instituts, www.rki.de, und für die Schweiz beim Bundesamt für Gesundheit, www.bag.admin.ch.

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