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Hypnose - Loslassen

, aktualisiert am

Hypnose ist als Diagnose- und Therapieverfahren zunehmend anerkannt.

Kein Hokuspokus

Den Begriff Hypnose assoziieren wir wohl eher mit David Copperfield als mit einer medizinischen Anwendung. Doch als Diagnose- und Therapieverfahren ist die sogenannte Hypnotherapie weit entfernt von Hokuspokus. Dass Menschen in einen Trancezustand versetzt werden und Heilungschancen sich dadurch erhöhen können, ist seit Langem bekannt. Bereits auf alten ägyptischen Papyrusrollen ist dokumentiert, wie die Ärzte aus dem Reich der Pharaonen mit Hypnose praktizierten. In Europa wurde die Methode im 19. Jahrhundert populär. Britische Ärzte setzten sie bei Operationen ein.

Keine wissenschaftliche Erklärung

Lange Zeit versuchte man, den hypnotischen Zustand rein wissenschaftlich zu erklären. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass es sich bei den unter Hypnose beobachteten Veränderungen um besondere Zustände des menschlichen Bewusstseins handelt. Der Verstand wird zurückgenommen, Logik und Vernunft werden zugunsten von Emotionalität zurückgedrängt und das Bewusstsein eingeengt. Aus dem Alltag kennen wir ähnliche Zustände – wenn etwas unsere Aufmerksamkeit so sehr fesselt, dass wir gar nicht mehr richtig wahrnehmen, was sich um uns herum abspielt.

Ungelöstes Rätsel

Wie Hypnose genau auf das Gehirn wirkt, warum unser kritisches Urteilsvermögen auf der Strecke bleibt und der Patient eine Fremdsuggestion durch den Hypnotiseur zulässt, ist nach wie vor ein ungelöstes Rätsel. Messbar sind dagegen die physiologischen Veränderungen im Organismus. Unter Hypnose verlangsamen sich Atmung, Pulsschlag und Stoffwechsel, der Blutdruck sinkt, die Aktivität der Nervenfasern nimmt ab.

Nicht bei jedem Patienten anwendbar

Bekannt ist auch, dass Hypnose nicht immer und bei jedem Menschen gleichermaßen funktioniert. Mancher fällt leicht in Trance, bei anderen müht sich der Hypnotiseur vergeblich. Blinde oder gehörlose Menschen gelten als nur bedingt hypnotisierbar. Patienten, die etwa unter Herzschwäche, deutlich zu niedrigem Blutdruck, schweren Persönlichkeitsstörungen, Epilepsie, Hysterie oder hirnorganischen Beeinträchtigungen leiden, dürfen nicht hypnotisiert werden. Wie gut jemand auf Hypnose anspricht, hängt auch stark davon ab, ob Therapeut und Patient miteinander harmonieren.

Erhebung der Krankengeschichte

Jeder Hypnotherapie muss eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte (gründliche körperliche und seelische Untersuchung des Patienten) vorausgehen. Die Hypnose erfolgt normalerweise in Einzelsitzungen, denen ein vertrauensvolles Gespräch zwischen Arzt und Patient und eine Aufklärung über die Wirkungsweise vorausgehen sollte. Die Behandlung wird in einer abgeschirmten und störungsfreien Umgebung durchgeführt.

Trancezustand erreicht

Zur Einleitung kann der Hypnotiseur mit ruhiger, gleichmäßiger Stimme sprechen, den Patienten auffordern, in ein Licht zu schauen, einen Gegenstand zu fixieren oder auf eine Bleistiftspitze am Rande seines Gesichtsfelds zu achten, die hin und her geführt wird. Um herauszufinden, ob der hypnotische Zustand erreicht ist, wird der Patient beispielsweise aufgefordert, einen Arm zu heben. Geschieht dies in typischer Weise ohne willentliche Anstrengung des Patienten, ist die Trance erreicht. Dann wird der Hypnotiseur das zu behandelnde Problem ansprechen und Fragen stellen, um die Ursachen der vorliegenden Symptome zu ergründen.

10 bis 20 Sitzungen

Eine Sitzung dauert meist zwischen 30 und 90 Minuten. Für den therapeutischen Einsatz werden üblicherweise 10 bis 20 Sitzungen, jeweils einmal wöchentlich, ausgeführt. Eine Besserung der Symptomatik kann unter Umständen bereits nach einer einzigen Behandlung eintreten.

Visualisierung hilft

Hypnose wird bei einer Reihe von körperlichen und psychischen Störungen angewendet. Das Verfahren kann sowohl unterstützend als auch zur alleinigen Therapie eingesetzt werden. Bei der Behandlung spielt die Visualisierung eine bedeutende Rolle. Bei Asthma beispielsweise ist es die Vorstellung, dass sich die Muskulatur glättet, die Schleimschicht sich abbaut und die Bronchien sich erweitern. Bei Durchblutungsstörungen kann die Vorstellung helfen, dass die Gefäße weit werden. Nach einem Schlaganfall werden Erinnerungen an früher beherrschte Bewegungsabläufe geweckt, die eine große Bedeutung für den Betroffenen haben.

Kombiniert: Hypnose und Verhaltenstherapie

Inzwischen existieren zahlreiche Publikationen und Studien zur Hypnotherapie, die auf eine Wirksamkeit des Verfahrens in vielen Bereichen hinweisen, etwa bei Schlafstörungen, Reizdarm, Reizmagen, Schmerzen während einer Entbindung und nach einer Operation sowie bei Tinnitus. Auch bei Abhängigkeiten konnte die Wirksamkeit der Hypnotherapie nachgewiesen werden. In Kombination mit einer Verhaltenstherapie ist Hypnose auch wirksam bei hohem Blutdruck, chronischen Krebsschmerzen, Übergewicht und Zwölffingerdarmgeschwüren. Nebenwirkungen treten bei einer richtig geführten Hypnose in der Regel nicht auf. Allerdings können im Rahmen einer Psychotherapie mit Hypnose dramatische Erinnerungen aufgefrischt werden.

Grenzen der Wirksamkeit

Zur alleinigen Behandlung von Übergewicht und kindlicher Migräne konnten mit Hypnose noch keine überzeugenden Behandlungserfolge erzielt werden. Bei akuten Schmerzen, Raucherentwöhnung und Schwangerschaftserbrechen konnte die Wirksamkeit bislang ebenfalls nicht ausreichend belegt werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Auf den Therapeuten kommt es an. Eine richtig und von einem gut ausgebildeten Therapeuten ausgeführte Hypnose ist gefahrlos; niemandem kann gegen seinen Willen etwas suggeriert werden. Allerdings können im Rahmen einer Psychotherapie mit Hypnose Erinnerungen an dramatische Erlebnisse aus der Vergangenheit geweckt werden, die dann mit Unterstützung des Therapeuten bewusst aufgearbeitet werden müssen. Da die Patienten nicht immer in der Lage sind, zwischen tatsächlich Erlebtem und Fantasiebildern zu unterscheiden, ist es Aufgabe des Therapeuten, diese Unterschiede deutlich zu machen. Wird eine Hypnose zu abrupt beendet, können vorübergehend Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit und Konzentrationsstörungen auftreten.

Gegenanzeigen. Patienten mit Psychosen können durch Hypnose in schwere Krisen geraten; sie sollten deshalb nicht hypnotisiert werden. Auch Persönlichkeitsstörungen oder Epilepsie schließen eine Hypnose aus. Hypnose ist bei Kindern etwa ab dem fünften Lebensjahr wirksam. Jüngere Kinder sollten nicht hypnotisiert werden, weil sie sich nicht im notwendigen Maße konzentrieren können und psychisch besonders verletzlich sind.

Was es zu beachten gilt. Bleibt nach einer Hypnose Müdigkeit bestehen, sollte man kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Hypnose am OP-Tisch

Heute wird Hypnose, etwa im Wiener Wilhelminenspital, bei unterschiedlichen Eingriffen eingesetzt. In einigen Fällen kann dabei sogar völlig auf die Gabe von Anästhetika verzichtet werden.

Der Erfolg hängt alleine vom Patienten ab

Bei welchen Indikationen kann Hypnose therapeutisch genutzt werden und was muss dabei beachtet werden. Antwort auf unsere Fragen gibt Dr. Herbert Sponring, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin an der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Wilhelminenspitals (WSP) in Wien, der seit Langem erfolgreich mit Hypnose praktiziert.

Konsument: Bei welchen Indikationen und seit wann praktizieren Sie mit Hypnotherapie beziehungsweise Hypnose?

Dr. Herbert Sponring: Ich praktiziere mit Hypnose seit 1999. Meine hauptsächlichen Indikationsgebiete sind Schmerztherapie, Raucherentwöhnung, Gewichtreduktion, Phobien, Angstzustände, Allergien, Asthma, Neurodermitis, Reizdarmsymptomatik, Morbus Parkinson, Sterbebegleitung. Im Prinzip ist Hypnose bei jeder Erkrankung und jedem Symptom einsetzbar!

Konsument: Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Vorteile bei einer Hypnotherapie?

Dr. Herbert Sponring: Der Patient ist selbst verantwortlich! Es handelt sich um ein Lernen zweiter Ordnung, das bedeutet, auch für andere Problemsituationen werden Verhaltensstrategien kreiert, die vom Patienten allein und unabhängig vom Arzt genutzt werden können. Außerdem sind Nebenwirkungen bei korrekter medizinischer Hypnose praktisch ausgeschlossen. Therapeut und Patient haben alles Nötige immer dabei.

Konsument: Wie gehen Sie bei einer Hypnose vor, also wie bereiten Sie den Patienten vor, wie leiten Sie die Hypnose ein?

Dr. Herbert Sponring: Um einen Patienten auf eine Hypnotherapie vorzubereiten, führe ich mit ihm ein Gespräch von zirka einer Stunde. Während dieses Gespräches gebe ich eine genaue Erklärung des Vorgehens und dessen, was passiert.

Konsument: Wie lange dauert eine Sitzung im Durchschnitt und wie „holen Sie den Patienten wieder zurück“?

Dr. Herbert Sponring: Eine Sitzung dauert im Durchschnitt eine Stunde. Das Ende einer Sitzung wird formelhaft über Standardsuggestionen eingeleitet, die den Patienten vom Trancezustand in den Wachzustand versetzen.

Konsument: Wie hoch ist die Erfolgsrate einer Behandlung und wie viele Sitzungen sind notwendig, bis sich ein Behandlungserfolg zeigt?

Dr. Herbert Sponring: Der Erfolg hängt alleine vom Patienten ab. Er muss hinter der Methode voll und ganz stehen und sie als für sich als richtig erkennen, das gilt im Übrigen für jede medizinische Therapie. Eine generelle Prognose über die Dauer einer Behandlung ist unseriös. Es können im Einzelfall jeweils nur Richtwerte genannt werden, mit denen der Patient rechnen muss, ohne eine Garantie für einen Behandlungserfolg geben zu können, wie bei jeder medizinischen Handlung. Der Mensch ist einfach keine Maschine!

Konsument: Nicht alle Patienten lassen sich hypnotisieren. Wie hoch ist der Anteil der Menschen, die gegen eine Hypnose „immun“ sind?

Dr. Herbert Sponring: Diejenigen die sich nach einem Vorgespräch dafür entscheiden, sind fast immer therapierbar. In meiner Ordination liegt der Anteil etwa bei 95 Prozent. In Not- und Ausnahmesituationen ergibt sich eine andere Situation. Patienten, die „nach jedem Strohhalm greifen“ sind generell hypnotisierbar.

Konsument: Sie setzen Hypnose auch zur Operationsvorbereitung ein. In welchen Fällen ist dies möglich?

Dr. Herbert Sponring: Die Technik der hypnotischen Kommunikation setze ich bei jedem Patienten tagtäglich um, wenn ich Vorbereitungsgespräche führe, über den Eingriff aufkläre oder auch perioperativ (über den gesamten mit der Operation verbundenen zeitlichen Verlauf, von der Operationsvorbereitung bis zum Aufwachraum). Es kann so sehr gut auf Ängste und Bedürfnisse eingegangen werden – im Übrigen findet jede Kontaktaufnahme, in der man versucht, sich in jemand anderen hineinzuversetzen, in einem Rahmen einer gemeinsamen „Trance“ statt. Jede OP eignet sich für die Hypnose, es ist nur nicht jeder Patient dafür geeignet, da ja wie bereits erwähnt die Eigenverantwortlichkeit wahrgenommen werden muss. Ich selbst habe einen Kollegen und einen meiner Söhne hypnotisch während eines Eingriffs begleitet und mich selbst zwei Mal einer OP mittels Hypnose unterzogen.

Konsument: Hat die Hypnose dabei auch eine anästhetisierende Wirkung und kann dadurch der Einsatz von Anästhetika reduziert beziehungsweise vollständig darauf verzichtet werden?

Dr. Herbert Sponring: Hypnose hat eindeutig eine anästhetisierende Wirkung. Sie kommt vor allem bei Vorbehalten gegenüber einer herkömmlichen Anästhesie und bei Patienten zum Einsatz, bei denen Unverträglichkeiten oder Allergien gegen Narkosemittel vorliegen.

Konsument: Wie muss man sich den Ablauf im Vorfeld einer OP vorstellen, wie lange dauert es, bis eine anästhetisierende Wirkung eintritt und wie lange kann der hypnotisierte Zustand überhaupt aufrechterhalten werden?

Dr. Herbert Sponring: Wie bereits erwähnt, steht am Anfang ein ausführliches Gespräch. Dabei werden die Bedürfnisse des Patienten abgeklärt, wenn dieser nur mit Hypnose behandelt werden will. Der Zustand der Hypnose ist prinzipiell beliebig lange aufrechtzuerhalten.

Konsument: Warum setzen vergleichsweise wenig Kliniken Hypnose bei Operationen ein, obwohl das Verfahren so erfolgreich ist?

Dr. Herbert Sponring: Leider ist die Möglichkeit einerseits bei der Bevölkerung zu wenig bekannt, andererseits trauen es sich nur wenige Kollegen und Kolleginnen, die es könnten, selber zu.

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