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Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Vom Schlag getroffen

, aktualisiert am

Nach einem Schlaganfall zählt jede Minute. Je rascher behandelt wird, desto geringer sind die Folgeschäden.

Wie ein Blitz aus heiterm Himmel

Bereits der Name signalisiert die Bedrohung: „Schlaganfall“ – er streckt äußerlich Gesunde nieder, wirft sie zu Boden, oft unvermutet, „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“. Der apoplektische Insult, wie ihn die Mediziner nennen, ist ein tiefer Einschnitt im Leben jedes Menschen. Etwa 20.000 Österreicher jährlich sind davon betroffen.

Blutgerinnsel blockiert

Fest verschlossen: Im Röntgen ist die Engstelle im inneren Ast der Halsschlagader deutlich zu erkennen.

Die überwiegende Zahl der Schlaganfälle – etwa 85 Prozent – geht darauf zurück, dass die Sauerstoffversorgung des Gehirns durch ein Blutgerinnsel blockiert wird. In der Folge ereignet sich dann ein Infarkt im Gehirn. Im günstigsten Fall erleiden die von diesen Adern versorgten Hirnareale nur einen vorübergehenden Sauerstoffmangel und können sich anschließend wieder regenerieren. Schlimmstenfalls gehen Nervenzellen unwiederbringlich zu Grunde.

Herz, Hals, Hirn

Für so einen durch Sauerstoffmangel bedingten Schlaganfall gibt es drei Hauptursachen: Blutgerinnsel aus dem Herzen, Engstellen und Verschlüsse in den Halsschlagadern sowie Engstellen und Verschlüsse in kleinen Hirnarterien. Die meisten dieser Schlaganfälle entstehen dadurch, dass Material von arteriosklerotisch veränderten Gefäßwänden abschilfert, mit dem Blut weitergeschwemmt wird und dann kleinere Arterien im Gehirn verstopft.

 

Zu hoher Blutdruck oder Arterienverkalkung

Bei einer Hirnblutung, die für 15 Prozent der Schlaganfälle verantwortlich ist, platzt eine Ader im Gehirn, und das austretende Blut schaltet wichtige Hirnbereiche aus. Solche Arterienrisse entstehen, wenn die Blutgefäße einem anhaltend hohen Blutdruck nicht mehr standhalten oder durch Arteriosklerose verhärtet und damit brüchig geworden sind.

Vorbeugen ist möglich

Unter den Faktoren, die die Entstehung eines Schlaganfalls begünstigen, steht der hohe Blutdruck an erster Stelle. Ungefähr 40 Prozent der Schlaganfälle sind darauf zurückzuführen. Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt sowie Diabetes gelten ebenfalls als Risikofaktoren.

Der wichtigste Schutz vor einem Schlaganfall ist, den Blutdruck regelmäßig kontrollieren zu lassen und bei Bedarf blutdrucksenkende Medikamente einzunehmen. Mindestens genauso wichtig ist die Reduktion von vorhandenem Übergewicht, mehr Bewegung oder der Verzicht auf den Glimmstängel. Sind Gefäße bereits verengt, können blutgerinnungshemmende Mittel angezeigt sein. Bei einer Verengung der Halsschlagader um mehr als 70 Prozent kann eine Operation zur Aufdehnung der Ader nötig werden.

Seh- und Sprachstörungen

Viele Schlaganfälle ereignen sich aus heiterem Himmel, ohne jede Vorankündigung. Vor allem eine Hirnblutung macht sich vorher so gut wie nie bemerkbar. 10 bis 20 Prozent der Hirninfarkte aber gehen typische Beschwerden wie Seh- und Sprachstörungen, Schwindel, Lähmungserscheinungen voraus (siehe Kasten „Alarmstufe rot“).

Viele Menschen nehmen solche Phänomene nicht ernst, erklären sie mit Arbeitsüberlastung, zu viel Stress, niedrigem oder hohem Blutdruck, Muskelverspannungen, Fehlstellungen der Wirbelsäule oder zu wenig Schlaf. Alle diese Symptome sind aber deutliche Zeichen einer akuten Mangeldurchblutung des Gehirns. Auch wenn sie wieder vorübergehen: Häufig ereignet sich innerhalb der nachfolgenden zwei bis drei Wochen ein Schlaganfall!

Rasches Handeln hilft

Es ist daher lebenswichtig, dass Sie diese Zeichen ernst nehmen und sofort die Rettung rufen beziehungsweise einen Neurologen aufsuchen! Denn in den ersten sechs Stunden nach dem Schlaganfall können noch viele Hirnfunktionen gerettet werden, die später unwiederbringlich verloren wären, weil die Zellen abgestorben sind. Die Chancen, die Krankheit ohne große Beeinträchtigungen zu überstehen, sinken mit jeder Stunde ohne angemessene Therapie! Für die Behandlung fachlich besonders gut ausgebildete und eingespielte Teams gibt es auf den so genannten Stroke-Units.

 

Folgen des Sauerstoffmangels mildern

Hat das Gehirn einen Sauerstoffmangel erlitten, so lässt sich das nicht mehr rückgängig machen. Die Ärzte und The- Ërapeuten können aber versuchen, die Folgen zu mildern und die Hirnfunktion so gut wie möglich zu erhalten. Zuallererst gilt es natürlich, die Blut- und damit die Sauerstoffversorgung des Gehirns möglichst wiederherzustellen. Anschließend ist eine gezielte Pflege und Überwachung des Patienten nötig, da durch die beeinträchtigten Körperfunktionen eine ganze Reihe von weiteren Erkrankungen ausgelöst werden kann.

Lungen- und Blasenentzündung

Bei Schluckstörungen kann Flüssigkeit in die Lunge geraten und dort eine Lungenentzündung hervorrufen. Jeder fünfte Todesfall nach einem Schlaganfall ist auf eine solche Lungenentzündung zurückzuführen. Ist ein Katheter nötig, kann es zu Blasenentzündungen kommen. Manchmal schwillt ein bis zwei Tage nach dem Schlaganfall das Gehirn an und lagert Flüssigkeit ein (Hirnödem). Bei langer Bettlägrigkeit besteht die Gefahr des Wundliegens, aber auch von Beinvenenthrombosen und Lungenembolien. Und je eher mit gezielter Logopädie, Krankengymnastik und Ergotherapie begonnen wird, also möglichst noch im Spital, desto besser sind die Erfolgschancen.

Erst ins Spital...

Ein Schlaganfall ist nicht nur im Leben des Patienten ein tiefer Einschnitt, auch Freunde und Angehörige stehen vor einer gänzlich veränderten Situation, auf die es sich erst einzustellen gilt. Die Hirnfunktionen können auf sehr verschiedene Weise beeinträchtigt sein. Treten Lähmungen oder Bewegungsstörungen auf der rechten Körperseite auf, ist die linke Hirnhälfte geschädigt und umgekehrt. Die Hirnhälften können zwar einige der Funktionen ihres Gegenparts übernehmen, aber nie so perfekt wie die ursprünglich zuständige.

Beeinträchtigte Sinne

Alle Fähigkeiten, alle Sinne können in unterschiedlichem Maß beeinträchtigt sein – Geruch, Geschmack, Gleichgewicht, Sehen, Sprechen, Lesen, Schreiben, Hören, Fühlen. Viele Patienten können sich nicht mehr richtig bewegen, haben Schwierigkeiten beim Essen und Trinken, können Urin und Stuhlgang nicht mehr kontrollieren. Ein Schlaganfall kann aber auch psychische Störungen hervorrufen: Fast die Hälfte der Patienten leidet zumindest vorübergehend an Depressionen, auch Konzentrationsschwäche und Angst treten häufig auf.

 

Kranke bekommen sehr viel mit

Wie aber nun mit dem Kranken umgehen? Sprechen Sie den Patienten immer von der betroffenen Körperseite aus an. Sie helfen ihm damit, diese Körperseite wahrzunehmen. Wenn Sie keine Worte finden, weil Ihre Verzweiflung, Trauer oder Ihr Schock über seine Veränderung so groß ist, dann setzen Sie sich einfach ruhig hin. Vielen Patienten hilft es schon, zu fühlen oder zu wissen, dass jemand bei ihnen ist, dass sie nicht allein sind. Denken Sie immer daran, dass die Kranken so manches wahrnehmen, auch wenn sie bewusstlos scheinen oder apathisch im Bett liegen. Viele bekommen detailliert mit, was an ihrem Bett gesprochen wird, fühlen Ablehnung und Zuneigung, Verzweiflung und Zuspruch. Die meisten können nur nicht reagieren auf das, was um sie herum vorgeht.

... dann zur Rehabilitation

Die Palette der möglichen Störungen nach einem Schlaganfall ist sehr umfangreich, je nachdem, welche Hirnareale von dem Infarkt betroffen waren. Aber ganz gleich, ob der Schlaganfall leicht oder schwer war, bei den meisten Patienten lässt sich mit gezielter Therapie vieles erheblich bessern. Leider gibt es immer noch zu wenig qualifizierte Angebote. Einerseits liegt das daran, dass Schlaganfälle vermehrt erst in höherem Alter auftreten, andererseits setzt sich nur langsam die Erkenntnis durch, dass mit rascher und gezielter Mobilisation auch bei älteren Menschen weit mehr erreicht werden kann als gemeinhin angenommen wurde – kurzzeitige intensive, teure Pflege kommt letztlich billiger als lebenslange Betreuung, wenn es gelingt, die Menschen dadurch wieder selbstständig zu machen.

Optimale Versorgung im Spital

Wieder durchlässig: Die Engstelle ist aufgedehnt, ein eingelegtes Drahtgeflecht (Stent) stützt die Ader ab

Welches Angebot zur Verfügung steht, hängt auch von der Schwere der Beeinträchtigungen und vom Alter der Patienten ab. Voraussetzung dafür, dass ein Patient in eine Rehabilitationseinrichtung aufgenommen wird, ist, dass zumindest noch ein Ansatz von Lernfähigkeit vorhanden ist. Ist dieser nicht erkennbar, gilt der Patient als Pflegefall. Das Tückische dabei ist jedoch: Je besser die Therapie bereits im Spital war, desto höher die Chancen, dass die Lernfähigkeit auch bei schweren Fällen wieder aktiviert wurde.

Bei der Pflege helfen

Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Angehörige oder Freunde bereits im Spital bei der Pflege helfen. Lassen Sie sich die wichtigsten Handgriffe zeigen, und kümmern Sie sich darum, dass der Patient zum Beispiel isst, ohne gehetzt zu werden und in Ruhe ausprobieren kann, welche Fähigkeiten er noch hat. Bei der Wiederherstellung der Fähigkeiten älterer Menschen kommt erschwerend hinzu, dass sie beim Lernen manchmal länger brauchen und dass sie häufig noch an anderen funktionellen Gebrechen leiden. Für diese Patientengruppe gibt es in manchen akutgeriatrischen Einrichtungen spezielle neurologische Pflegeabteilungen, die den Patienten mehr Zeit geben, manchmal im Wortsinn „wieder auf die Beine zu kommen“. Patienten mit weniger massiven Beeinträchtigungen kann oft auch in einer ambulanten Einrichtung geholfen werden.

Keine Panik

Ein Schlaganfall hinterlässt immer bleibende Schäden, körperliche und seelische. Doch sehr viele Behinderungen können sich unter einer angemessenen Therapie vollständig zurückbilden. Beileibe nicht jeder ist hilflos. Nur etwa 5 Prozent aller Schlaganfall-Patienten bleiben am Ende des ersten Jahres nach ihrer Krankheit voll pflegebedürftig! Etwa 15 Prozent brauchen Hilfe bei den alltäglichen Verrichtungen, jeder fünfte – das sind 20 Prozent – benötigt Unterstützung bei komplexen Vorgängen, die erfordern, dass er die Hände, Arme, Beine und Füße miteinander gut koordinieren kann. Etwa zwei Drittel aller Patienten kommen ohne weitere Hilfe aus.

Alarmstufe rot

Folgende Symptome gelten als Anzeichen eines Schlaganfalls. Treten sie auf, rufen Sie am besten unverzüglich die Rettung (Notruf 144).

  • Mimik: Die Mimik wirkt einseitig starr, häufig hängt ein Mundwinkel etwas herab.
  • Sprechen : Das Sprechen fällt schwer; die Worte sind zwar im Kopf, können aber nicht ausgesprochen werden.
  • Sprache : Die Sprache wird verwaschen und unverständlich.
  • Schwindel: Starker Schwindel mit oder ohne heftige Kopfschmerzen setzt ein, zusammen mit Doppelbildern und einer massiven Gangunsicherheit.
  • Bewegung: Hand, Arm oder Bein einer Körperseite können nicht mehr wunschgemäß bewegt werden und sind kraftlos, der Gang ist unsicher und wird häufig von unerklärlichem Stolpern begleitet.
  • Taubes Gefühl : Hand, Arm oder Bein einer Körperseite fühlen sich taub und pelzig an.
  • Sehrstörungen: Es treten Sehstörungen auf einem oder beiden Augen auf (Doppelbilder, Ausfall eines Teils des Gesichtsfelds).
  • Orientierung: Die Orientierung im Raum ist gestört.
  • Gedächtnis: Das Gedächtnis funktioniert nicht.

In manchen Fällen vergehen die Beschwerden von selbst wieder. In diesem Fall kann
es sich um eine TIA, eine transitorische ischämische Attacke, gehandelt haben.
Suchen Sie, auch wenn die Beschwerden nicht mehr akut sind, umgehend einen Neurologen auf!

Stichwort: Stroke Unit

Stroke Units sind Stationen, die auf die Akutbehandlung von Schlaganfällen ausgerichtet sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen neurologischen oder internen Abteilungen, bei denen die Verfügbarkeit von speziellem Gerät und speziell geschultem Personal von Spital zu Spital recht unterschiedlich sein kann, gibt es für die Stroke Units standardisierte Qualitätskriterien.

Standardisierte Behandlung

Spezialisten: Dies wirkt sich nicht nur in allen Therapien aus, die der Rettung des Hirngewebes dienen, sondern auch in der Vermeidung von Komplikationen, welche häufig nach einem Schlaganfall auftreten. Ein spezialisiertes und eingespieltes Team sorgt dafür, dass neben der fachkundigen Pflege auch spezielle Physio-, Ergotherapie und Logopädie zum Einsatz kommen, um die gestörten Funktionen der Patienten so früh als möglich wieder zu aktivieren.

Standorte: In Österreich gibt es derzeit an 18 Kliniken Stroke-Units.

Bis 2005 sollen es laut Krankenanstalten- und Großgeräteplan 37 Standorte sein. Ziel ist, dass dann jeder Österreicher im Notfall innerhalb von 90 Minuten in eine Stroke-Unit gebracht werden kann.

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