Heimsolarien - Künstliche Sonne mit Schattenseiten

  • Gesichts- und Oberkörperbräuner sind erschwinglich
  • Bequem, aber nicht ohne Risiko
  • Ein Übermaß lässt die Haut altern

Mit künstlicher Sonne nachhelfen

Käseweiße Haut zu haben ist für manche eine dermaßen schreckliche Situation, dass sie alle Warnungen von Hautärzten in den Wind schlagen und während der kalten Jahreszeit mit künstlicher Sonne nachhelfen. Für jene, die beim Bräunen gemütlich zu Hause auf der Couch sitzen möchten, werden Heimsolarien angeboten. Dafür muss man aber einiges investieren, denn Ganzkörperbräuner (Liegebetten) kosten zwischen 1000 und 5000 Euro. Wesentlich günstiger gibt es Geräte für Gesicht oder Oberkörper; die benötigen auch nicht so viel Platz. Wir haben uns eine Auswahl dieser Geräte angesehen.

Keine gesundheitlichen Vorteile

Gleich vorweg ist mit gängigen Irrtümern zum Thema Heimsolarium aufzuräumen. Eine Stärkung des Immunsystems, wie es auch von den Herstellern dieser Geräte behauptet wird, ist bisher nicht nachgewiesen worden. Das Gegenteil scheint der Fall – es gibt Hinweise, dass eine häufige Bestrahlung mit hoch dosiertem UV-A-Licht, wie es in Solarien verwendet wird, die Abwehrkräfte sogar schwächt. Eine weitere oftmals anzutreffende Meinung ist, dass man mit der Bestrahlung einen Mechanismus ankurbeln kann, durch den die Haut selbst einen Sonnenschutz entwickelt. Auch das stimmt nicht, denn das Strahlenspektrum der Heimsonne reicht nicht aus, um die so genannte Lichtschwiele (Verdickung der obersten Hautschicht) zu bilden. Auch durch intensive Bräunung können Hellhäutige lediglich eine Schutzwirkung erzielen, die einem Sonnenschutzfaktor 3 entspricht.

Keine Hilfe gegen Depression

Und wer schließlich dem Argument der Produzenten oder Vertreiber Glauben schenkt, dass die Bräunung mittels Heimsonne für den Vitamin-D-Stoffwechsel unerlässlich sei, ist ebenso auf dem Holzweg: Das von diesen Geräten abgegebene Strahlenspektrum ist dafür unzureichend. Wer sich ausgewogen ernährt und jeden Tag 20 Minuten an der frischen Luft bewegt, tut für seine Gesundheit ungleich mehr.

Auch zur Behandlung der Winterdepression sind Heimsolarien nicht geeignet. Dafür gibt es eigene Lichttherapiegeräte, die keine UV-Strahlen aussenden (siehe dazu: Weitere Artikel - „Lichttherapiegeräte"). Und wer Behaglichkeit und Wärme sucht, findet dies während der kalten Jahreszeit viel eher in einer Sauna als im Solarium.

Schwache Leistung

Die getesteten Heimsolarien sind strahlentechnisch einwandfrei. Darüber hinaus erbringen alle eine deutlich schwächere Leistung als die Geräte in den Sonnenstudios. Offensichtlich halten sich die Anbieter an die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission. So sollen die Risiken begrenzt werden, die durch Fehler beim Gebrauch entstehen könnten, denn man hat bei der Verwendung der Heimsonne keine Betreuung. Dass auch in den kommerziellen Studios gerade die Beratung eine Schwachstelle ist, zeigte unsere Erhebung in (siehe dazu: Weitere Artikel - „Sonnenstudios").

Bräunung funktioniert

Selbst wenn Heimsonnen vergleichsweise wenig Leistung erbringen, sie bräunen trotzdem. Deshalb ist es wichtig, sich strikt an die in der Gebrauchsanweisung empfohlenen Bestrahlungszeiten und -abstände zu halten. Wer sie missachtet, riskiert nicht nur Sonnenbrand oder Lichtdermatosen (z.B. Sonnenallergie), sondern auch die Spätfolgen eines Übermaßes an UV-Strahlung wie vorzeitige Hautalterung oder Hautkrebs. Die Gebrauchsanweisungen sind aber recht lückenhaft in diesem Punkt.

Ungenaue Angaben zur richtigen Distanz

Und auch über die richtige Distanz zum Gerät kommt von einigen Herstellern herzlich wenig: Zuweilen fehlt jeder Hinweis darauf; bei anderen wird nur vage von einem „möglichst geringen“ Abstand gesprochen. Bei den Gesichtsbräunern liegen die Angaben zwischen fünf und zehn Zentimetern: Man klebt sozusagen fast mit der Nase an der Bestrahlungsfläche, die oft nicht größer als ein A4-Blatt ist. Dass es auf diese Weise zu einer gleichmäßigen Bräunung kommen kann, darf bezweifelt werden. Bei den größeren Oberkörperbestrahlern ist das besser gelöst, denn da muss man mehr Abstand halten.

Auf Warnungen verzichtet

Generell fehlten in den Gebrauchsanweisungen Hinweise zu Personen, die sich aus medizinischen Gründen der künstlichen Sonne nicht aussetzen sollten. Dazu gehört der Hauttyp 1 mit äußerst hellem Teint, rötlichblonden Haaren und starker Neigung zu Sommersprossen. Gleiches gilt für Menschen, die in der Kindheit häufig Sonnenbrände hatten und/oder deren Haut bereits durch viele Sommersprossen oder Muttermale gezeichnet ist. Weiters sollten sich Jugendliche unter 18 Jahren nicht auf diese Weise bräunen lassen, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Es fehlt auch jeder Hinweis zur Häufigkeit von Sonnenbädern. 50 Mal pro Jahr ist genug. Dabei werden die „echten“ in der Natur und die „künstlichen“ in Sonnenstudio und Heimsolarium zusammengerechnet.

Wer vor der künstlichen Sonne sitzt, muss seine Augen schützen, damit es zu keiner Bindehautentzündung oder gar Linsentrübung (Grauer Star) kommt. Bei Heimsolarien werden UV-undurchlässige Schutzbrillen mitgeliefert. Diese sollten wirklich immer benützt werden. Nur die Augen zu schließen reicht keinesfalls. Nicht nur in den Gebrauchsanweisungen, auch auf den Geräten selbst sollten Sicherheits- und Warnhinweise zu finden sein. Doch entweder sind sie zu allgemein gehalten, oder sie fehlen völlig – zum Beispiel der Hinweis auf das Hautkrebsrisiko.

Im technischen Aufbau unterscheiden sich die geprüften Geräte vor allem durch die Art der Lichtquelle. Gesichtsbräuner arbeiten meist mit vier bis sechs Leuchtstofflampen. Oberkörperbräuner sind meist mit Hochdruckbrennern ausgestattet. Das sind kurze Glaskolben, die durch ein zusätzliches Filterglas gesichert sein müssen. Nur so ist der Benutzer vor kurzwelliger Strahlung geschützt. Die Hochdruckbrenner können mehr Leistung auf die zu bestrahlende Körperfläche konzentrieren. Diese Leistung will natürlich auch bezahlt werden; vom Preis her liegen Brennermodelle in der Spitzengruppe der Bräunungsgeräte. Der Austausch der Lampen ist aufwendiger als bei Röhrengeräten und darf nur vom Kundendienst durchgeführt werden. Alle Strahlungsquellen enthalten Quecksilber und müssen als Sondermüll entsorgt werden.

Heimsolarien

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Kompetent mit Konsument

  • Nicht übertreiben. Wer allzu oft in Solarien bräunt, riskiert Hautschäden wie vorzeitige Alterung, Faltenbildung, Verdünnung der Haut oder Pigmentverschiebungen.
  • Anders als Sonnenlicht. Die von Solarien verwendete Strahlung dringt tiefer ein als das Sonnenlicht und erhöht das Risiko krankhafter Hautreaktionen, die bis zur Entwicklung von Hautkrebs reichen können.
  • Richtiger Umgang. Ausreichende Distanz zum Gerät und Bestrahlungsdauer einhalten. Augenschutz tragen. Nicht mit Sonnenschutzmittel eincremen – verhindert Braunwerden.
  • Vorsicht bei Medikamenten. Es gibt Inhaltstoffe, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Mit dem behandelnden Arzt abklären. Gilt auch für manche Kosmetika.

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