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Haarwuchsmittel - Nur die Hoffnung sprießt

Mit der Haarpracht schwinden Schönheit und Jugend: Deshalb stehen Mittel gegen das Kahlwerden hoch im Kurs.

Das Kopfhaar ist Ausdruck von Eros und Kraft. Die schöne Lorelei verdrehte den Schiffern die Köpfe, wenn sie hoch oben auf dem Felsen ihr goldenes Haar kämmte. Kaiserin Sisi betrieb einen regelrechten Kult um ihr langes Haar, und noch heute geben Personalberater eher Bewerbern mit vollem Kopfhaar eine Chance als solchen mit schütterem Kopfschmuck.
Haarverlust ist deshalb für Männer wie Frauen eine große psychische Belastung.

Hilflos ausgeliefert

Es kränkt das Selbstbewusstsein, schütteres Haar zu haben – noch dazu, da man die Haare ohne eigenes Zutun verliert und dem Haarausfall hilflos ausgeliefert ist: Es ist ein natürlicher Alterungsvorgang, der von Erbfaktoren abhängt, von mütterlichen und väterlichen. Die Haarpracht ist sowohl eine persönliche als auch kulturelle Angelegenheit: Beginnende Glatzen am Haaransatz hießen einstmals „Ehestandsecken“, als der bürgerliche Mann erst mit gesicherten Einkünften im gesetzten Alter eine Familie gründen konnte. In der Zeit des Jugendkults wird eine frühe Glatze für den jungen Mann dagegen zum Problem – obwohl sie Zeichen besonderer Männlichkeit ist: Ein Zuviel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron im Verhältnis zu dem weiblichen Hormon Östrogen bewirkt den Haarverlust. Glatzenbildung ist ein „Privileg“ weißer Männer, jeder zweite Mann hier zu Lande ist davon betroffen. Schon im zwanzigsten Lebensjahr kann es beginnen: Vom Haaransatz her lichtet sich die Pracht, am Hinterkopf bildet sich eine kahle Stelle, die sich ausdehnt und rund um die vierzig allmählich mit der Stirnglatze zusammenwächst.

50 bis 80 Haare pro Tag sind normal

Bei Frauen gilt es als besonders weiblich, langes Haar zu tragen. Besorgt wird die Bürste oder der Polster beäugt, ob viele Haare daran hängen. Aber es ist normal, jeden Tag 50 bis 80 Haare zu verlieren. Erst wenn täglich 100 Haare verloren gehen, wird es kritisch. Nach den Wechseljahren verdünnt und lichtet sich – durch den veränderten Hormonhaushalt – das Haar. Für viele Frauen ein leidvoller Abschied von der Jugendlichkeit.

Vielfältige Ursachen

Haarausfall wird auch von zu viel Styling verursacht: Ein sehr fest gebundener „Pferdeschwanz“ kann so stark an den Haarwurzeln ziehen, dass Haare ausfallen. Manche aggressiven Haarkosmetika, die fürs Färben, Dauerwellen und Glätten verwendet werden, können die Haarwurzeln schädigen. Dann dauert es unter Umständen Monate, bis sich das Haar wieder regeneriert hat und nachwächst. Auch jahreszeitliche Schwankungen, Hungerkuren, unausgewogene Ernährung, Eisenmangelanämien, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Leberleiden, Hautentzündungen, Grippe und andere Infektionskrankheiten sowie die hormonelle Umstellung bei Absetzen der Antibabypille oder durch eine Schwangerschaft können das Haar vorübergehend schütter werden lassen. Eine Pilzerkrankung kann dazu führen, dass die Haare büschelweise ausfallen. Auch Medikamente können die Ursache vorübergehenden Haarverlustes sein: Krebsmittel, Betablocker gegen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Migräne,
Rheuma- und Gichtmittel, Medikamente gegen hohe Cholesterinwerte, Magenübersäuerung, Depression, Parkinson und Epilepsie; ebenso eine Überdosis Vitamin A.

Stress und Kummer

Oft sind Stress und Kummer schuld daran, dass man Haare lässt: eine Operation, der Verlust des Arbeitsplatzes, Tod eines Angehörigen oder der Schmerz über die Trennung von einem Partner kann sich im plötzlichen Verlust vieler Haare spiegeln. Zum Glück ist auch diese Art des Haarausfalls nur vorübergehend. Rätsel gibt nach wie vor der kreisrunde Haarausfall (Alopezia areata) auf, bei dem sich von einem Tag auf den anderen im Kopfhaar – bei Männern auch im Bart – an verschiedenen Stellen münzgroße Lichtungen bilden. Bei dieser Auto-Immunkrankheit, die häufig nach großem psychischem Stress auftritt, stoßen körpereigene Abwehrzellen die Haare ab, ihre Wurzeln bleiben aber bestehen. Deshalb kann die Krankheit erfolgreich behandelt werden – oder spontan vergehen.

Blutuntersuchung

Es ist wichtig, nicht zuzuwarten, sondern die Ursachen des Haarausfalls zu ermitteln. Zuständig ist der Hautarzt. Er wird Kopfhaut und Haare inspizieren, eventuell eine Blutuntersuchung anordnen und den Haarwurzelstatus erheben (Trichogramm).

Nur Minoxidil hilft wirklich

Auf eigene Faust herumdoktern mit Haarwässerchen und Wundermitteln bringt mehr Frust als Nutzen. Bei den diversen Angeboten in Zeitschriften, Internet und Versand bleibt häufig im Dunkeln, was drin ist in den Mitteln, dafür haben Haarkuren glänzende Preise: Bis zu 2000 Schilling (etwa 145 Euro) kostet die Verheißung. Mit dem Versandhandel versuchen Geschäftemacher, die Zulassung als Medikament zu umgehen. Aber sind denn die Mittel aus der Apotheke wirksam?

Nur neun Mittel zugelassen

In Österreich sind nur neun Mittel zugelassen, drei zum Auftragen auf die Kopfhaut, sechs zum Einnehmen. Nachweislich wirksam ist allein Minoxidil-Lösung zum Auftragen: in Regaine 2%-Lösung, Rogaine 5%-Lösung und Regaine Gel. Sie wird zweimal täglich in die Kopfhaut eingerieben.
Wieso dieses ursprüngliche Bluthochdruckmittel den Haarwuchs fördert, ist nicht bekannt. Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Anwender mit hormonbedingtem Haarsausfall kommt dieser jedenfalls zum Stillstand, bei etwa jedem zweiten wachsen die Haare – weniger oder stärker – nach. Der kosmetische Effekt ist relativ gering: Das Mittel wirkt nur am Hinterkopf, nicht im Bereich des Haaransatzes. Überdies muss man es lebenslang einmassieren. Das kommt im Monat auf 559 beziehungsweise 773,50 Schilling (etwa 41 bis 56 Euro).

Deutliche Nebenwirkungen

Nach Absetzen des Mittels beginnen die Haare wieder auszufallen – und das Haar kann sich dann unter Umständen stärker lichten als vorher. Weitere Nebenwirkungen sind Reizungen der Kopfhaut, verstärkter Haarwuchs an Armen, Beinen und Brust, Blutdruckabfall, Kopfschmerzen sowie erhöhtes Herzschlagvolumen. In Deutschland ist die fünfprozentige Minoxidillösung nur für dunkelhaarige Männer im Alter zwischen 18 und 49 zugelassen und gilt bei Frauen wegen vermehrter Körperbehaarung als nicht geeignet.
Aus den Studien zu Minoxidil weiß man, dass auch Placebos, also Arzneimittel ohne Wirkstoff, bei 40 Prozent der Anwender ein Nachwachsen der Haare bewirken. Möglicherweise liegt darin die berichtete „Wirksamkeit“ der Mittel, die man schlucken soll. Präparate mit Hirseextrakt (Priorin), Biotin (Bio-H-Tin, Curatin, Medobiotin) und die Aminosäure L-Cystein (Gelacet, Pantogar) wirken auf die Struktur verbliebener Haare, machen sie schöner und widerstandsfähiger. Absterbende Haarwurzeln aber können diese Mittel nicht mehr retten. Bei vorübergehendem Haarausfall wegen Stress oder einer Hormonumstellung nach der Schwangerschaft können sie möglicherweise positiv wirken.

Kuren von fünf bis zehn Monaten

Angeraten werden Kuren über fünf bis zehn Monate – und ein Besuch beim Arzt, „wenn der erwartete Erfolg nicht eintritt“, heißt es auf dem Beipackzettel von Bio-H-Tin und Curatin. Dann ist die Ausgabe – etwa 3000 Schilling (rund 218 Euro) – für die Katz gewesen und der Arztbesuch kommt vielleicht zu spät. Gelacet Kapseln enthalten unter anderem 1000 Einheiten Vitamin A. Bei längerer Einnahme kann es zur Überdosierung kommen, wenn zusätzlich noch Vitamin A eingenommen wird: Dann besteht die Gefahr, dass die Haare erst recht ausfallen. Ein Glück, dass rasierte Glatzköpfe derzeit im Trend liegen.

Vitamin A (Retinol) fördert Wachstum und Keratinisierung von Haut und Haar. Eine Überdosierung kann zu Haarausfall, in der Schwangerschaft beim heranwachsenden Kind zu Missbildungen führen. Gegen Glatzenbildung wirkt es nicht, ausgefallene Haare lässt es nicht wieder nachwachsen.

Biotin (Vitamin H, Vitamin B7, Coenzym R): Biotinmangel verursacht Haarausfall, ist in der Praxis aber äußerst selten. Eine Wirkung in Haut- und Haarpflegemitteln ist umstritten, gegen Glatzenbildung wirkt es nicht.

D-Pantothenate: Äußerlich angewendet beeinflussen diese Salze der Pantothensäure das Feuchthaltevermögen von Haut und Haar günstig. Ein Mangel an diesen Stoffen lässt bei Tieren Fell oder Federn ausfallen. Eine Glatze verbessern D-Panthotenate aber nicht.

Cystin: Diese Aminosäure ist im Keratin von Haut, Haaren und Nägeln enthalten. Cystin wird zur Behandlung von Eiweißmangelschäden und anderen Krankheiten eingesetzt. Gegen Glatzenbildung ist es nicht wirksam.
Gelatine ist denaturiertes tierisches Eiweiß und wird unter anderem bei Medikamenten als Hilfsstoff verwendet. Einen therapeutischen Nutzen hat sie nicht.

Gelatine ist denaturiertes tierisches Eiweiß und wird unter anderem bei Medikamenten als Hilfsstoff verwendet. Einen therapeutischen Nutzen hat sie nicht

Minoxidil: Mittel gegen Bluthochdruck. Äußerliche Anwendung ist bei Haarverlust durch erblich bedingten, androgenetischen Haarausfall wirksam, doch nur bei ununterbrochener Dauerbehandlung.

  • Nicht selbst herumdoktern. Bei Haarausfall rasch zum Hautarzt, um die Ursachen abzuklären.
  • Vielleicht ein Problem der Seele. Bei Leiden an ungeklärtem Haarausfall kann unter Umständen eine Psychotherapie helfen.
  • Versprechen halten nicht. Wundermittel gibt es nicht, sie versagen.

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