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Haarshampoos - Sparen beim Schäumen

Fast alle wirken so, wie sie sollen
Friseur-Shampoos sind teurer, aber nicht besser
Haarschäden werden nur oberflächlich repariert

Spezialshampoos gegen trockenes, strapaziertes Haar

Struppig, strohig, widerspenstig, schwer zu kämmen – mit trockenem, strapaziertem Haar sind oft heftige Kämpfe auszufechten, bis sich die Mähne so präsentiert, wie man es gerne hätte. Oder wenigstens annähernd so. Spezialshampoos sollen den störrischen Schopf wieder geschmeidig, glänzend, voll und gut kämmbar machen.

Zwei Produkte schnitten durchschnittlich ab

Viele Anforderungen also, denen die meisten Shampoos im Test aber gut gerecht wurden. Lediglich zwei Produkte, Clairol Herbal Essences und Goldwell kerasilk, schnitten mit durchschnittlichem Ergebnis etwas schlechter ab. Bei beiden Produkten war das Haar nach der Wäsche nur schwer zu entwirren und außerdem statisch aufgeladen.

Bei Clairol Herbal Essences ließen zudem Kämmbarkeit, Geschmeidigkeit und Griff zu wünschen übrig, bei Goldwell kerasilk bekam die Frisur zu wenig Volumen. Was Anwendung und Handhabung betrifft, gab es bei keinem Shampoo größere Beanstandungen.

 

230 Millionen Euro für Haarkosmetik

Gesundes und strapaziertes Haar (Foto: Stiftung Warentest)   
Links: Gesundes Haar mit eng anliegender Schuppenschicht. Rechts: Strapaziertes Haar. Die äußere Schuppenschicht spreizt sich ab (Foto: Stiftung Warentest) 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für einen gepflegten Kopf wird hier zu Lande tief in die Tasche gegriffen. Mehr als 230 Millionen Euro gaben die Österreicher zuletzt im Jahr für Haarkosmetik aus, also für Waschen, Kuren, Stylen, Färben. Das ist mehr als beispielsweise für Hautpflege, dekorative Kosmetik oder auch für Seife und Badezusätze.

Erhältlich in Drogeriemärkten

Die meisten getesteten Shampoos sind in Drogeriemärkten erhältlich. Gut und mit 42 Cent pro 100 Milliliter zudem besonders preiswert ist das Feuchtigkeits-Pflege Shampoo von Schauma. Doch es wird ausschließlich von der Drogerie Müller angeboten. Wer keine Filiale dieser Kette in der Nähe hat: Der Testsieger Protein Aufbau Shampoo von Nivea Hair Care um 1 Euro pro 100 Milliliter ist von sämtlichen guten Produkten am zweitgünstigsten.

 

Friseur und Billigware: kaum Unterschiede

Einige wenige Shampoos gibt es exklusiv bei Friseuren. Sie haben das Image des Besonderen. Die Beratung durch den Friseur und das spezielle Ambiente ausgewählter Salons sind Teil davon. Exklusiv ist freilich auch der Preis der Profi-Produkte: Pro 100 Milliliter sind zwischen 3,68 (Goldwell kerasilk) und 5,60 Euro (Kerastase Nutritive) zu bezahlen.

Normale Markenshampoos sind billiger

Da sind herkömmliche Markenshampoos aus dem Drogeriemarkt schon wesentlich billiger. Und dabei um nichts schlechter als die hochpreisigen Produkte vom Friseur. Überraschend ist das nicht: Denn in ihrer Zusammensetzung sind sich alle Shampoos sehr ähnlich. Sie bestehen zu rund 80 Prozent aus Wasser, dazu kommen noch waschaktive und pflegende Substanzen (Tenside und Konditionierungsmittel) sowie Duftstoffe. Falls Sie aber trotzdem einmal ein Profi-Shampoo probieren wollen: In Geschäften für Friseurbedarf gibt es sie oft billiger als beim Friseur.

Inhaltsstoffe nur schwer lesbar

Woraus Shampoos nun genau bestehen, ist vor allem für Allergiker und Hautärzte wichtig zu wissen. Doch um die Deklaration der Inhaltstoffe auf den Packungen entziffern zu können, braucht es meist eine Lupe. Eine besser lesbare Schriftgröße wäre dringend nötig!

Haarschäden sind meist selbst gemacht

Ob das Haar trocken, normal oder fett ist, ist Veranlagungssache. Ob und wie stark es geschädigt ist, hängt meistens davon ab, wie Sie es behandelt haben. Zu heißes Föhnen, ausgiebige Sonnenbäder, Salz- oder Chlorwasser, Färben, Bleichen, Dauerwellen, heftiges Bürsten und Rubbeln – all das nimmt die Mähne stark her.

Schäden unter dem Mikroskop sichtbar

Jedes einzelne Haar ist in eine schützende Schuppenschicht eingepackt. Bei gesundem Haar liegt diese wie Dachziegel eng und glatt an, bei strapaziertem Haar ist sie aufgeraut und spreizt sich ab: Das Haar verfilzt, lässt sich deshalb nur schwer kämmen und sieht strohig aus. Unter dem Mikroskop zeigt sich die Misere in Form von Löchern und Rissen.

Nur oberflächlich behandelt 

Spezialshampoos helfen in zweierlei Hinsicht: Einerseits reinigen sie schonend, andererseits glätten die enthaltenen Pflegesubstanzen die Schüppchen und überziehen die äußere Schicht mit einem schützenden Film. Das Haar glänzt wieder. Wie schon gesagt: All das funktioniert mit den meisten Produkten im Test gut. Trotzdem dürfen Sie sich von Shampoos grundsätzlich nicht zu viel erwarten, weil die pflegenden Wirkstoffe ja nur kurz im Haar bleiben, bevor Sie wieder ausgespült werden. Haarschäden werden daher nur oberflächlich „repariert“.

Haarkuren für intensivere Pflege

Für intensivere Pflege gibt es Haarkuren (siehe dazu: Weitere Artikel - "Haarkuren 1/2005"), bei denen die pflegenden Substanzen höher dosiert sind und länger im Haar bleiben. Strapazierte Mähnen vertragen wöchentlich eine Kur. Doch am besten ist es natürlich, wenn Sie Schäden erst gar nicht entstehen lassen und Ihr Haar schonend behandeln.

Hausmittel aus dem Küchenkasten

Sie wollen Ihrem Haar zwischendurch Gutes tun, haben aber keine Haarkur aus der Drogerie zur Hand? Es gibt da noch die alten Hausmittel – ihre Zutaten finden sich in jeder Küche. Eine Packung zur Pflege von strapaziertem Haar lässt sich beispielsweise aus einem Eidotter und einigen Tropfen Salatöl zusammenmischen. Gleichmäßig auf dem Kopf verteilen und etwa 20 Minuten einwirken lassen. Wenn Sie eine Frischhaltefolie oder ein Handtuch um den Kopf wickeln, ziehen die Wirkstoffe schneller aufs Haar auf. Danach gründlich mit Shampoo auswaschen.

Kaltgepresstes Olivenöl

Oder: Einige Esslöffel kaltgepresstes Olivenöl, angewärmt und sparsam ins Haar einmassiert, dann gründlich wieder ausgespült, sorgen für Geschmeidigkeit, Glanz und gute Kämmbarkeit. Allerdings wird so behandeltes Haar recht schnell fettig.

Nachteile von Hausmitteln

Hausmittel sind altbewährt und gut. Im Vergleich mit modernen Haarkuren haben sie aber einige Nachteile: Sie lassen sich meist schlechter auftragen und verteilen und können bei Kämmbarkeit und Glanz nicht mithalten. Zudem beschweren die Hausmittel die Haare oft zu sehr. Und wenn Ihr Schopf bereits stark strapaziert und geschädigt ist, sind Sie mit einer modernen Haarkur ebenfalls besser dran.

Weniger ist mehr: Tipps zur sanften Pflege

Bürsten und kämmen. Überprüfen Sie Bürste und Kamm. Falls Sie scharfe Kanten oder kratzige Borsten entdecken: ab damit in den Mistkübel.

Waschen und spülen. Waschen Sie Ihr Haar nicht zu heiß und verwenden Sie nur wenig Shampoo – ein haselnussgroßer Klecks genügt. Einmal Einschäumen reicht meistens. Vor allem, wenn Sie Ihr Haar oft waschen. Shampoo gründlich ausspülen (ungefähr fünfmal so lange wie Sie eingeschäumt haben).

Frottieren und entwirren. Feuchtigkeit sanft mit dem Handtuch ausdrücken. Haare nicht rubbeln. Anschließend mit einem grobzinkigen Kamm vorsichtig entwirren. Arbeiten Sie sich dabei stufenweise von unten nach oben vor.

Trocknen und föhnen. Lufttrocknen ist am sanftesten. Wenn schon föhnen, dann mit niedriger Temperaturstufe und nicht zu nahe am Haar.

Formen und färben. Elektrische Lockenwickler und Lockenstäbe nicht zu oft benutzen. Häufiges Dauerwellen strapaziert das Haar ebenfalls. Dasselbe gilt fürs Färben, wobei allerdings Tönungen oder Pflanzenfarben weniger aggressiv sind als Oxidationshaarfarben. Zwischen Haarfärben und einer neuen Dauerwelle mindestens zwei Wochen Zeit lassen.

Auch im Urlaub schonen. Am Ende des Badetages Salz- oder Chlorwasser gründlich mit Süßwasser ausspülen. Haar vor zu viel Sonne abschirmen.

Haarshampoos: Kompetent mit Konsument

  • Die Qualität passt. Fast alle Shampoos erzielten nach dem Waschen gute Ergebnisse für trockenes, strapaziertes Haar. Friseur-Shampoos wirken nicht besser als herkömmliche Markenprodukte.
  • Auf den Preis achten. Für 100 Milliliter des billigsten Shampoos (Schauma) zahlen Sie 42 Cent, für 100 Milliliter des teuersten Shampoos (Kerastase Nutritive) 5,60 Euro. Gut sind beide.
  • Keine Wirkung auf ewig. Der Pflegeeffekt der Shampoos ist begrenzt, Haarschäden werden nur vorübergehend ausgeglichen. Haarkuren pflegen intensiver.

Haarshampoos: So haben wir getestet

Im Test: 13 Haarshampoos für trockenes und strapaziertes Haar, davon 9 Handelsprodukte sowie 4 Shampoos, die exklusiv beim Friseur oder im Friseurhandel erhältlich sind.

Haarzustand nach dem Waschen. 24 Testpersonen – alle mit trockenem und strapaziertem Haar – wurden nach einer Vorwäsche mit einem konditionerarmen Standardshampoo an zwei Tagen im Halbseitentest mit den Prüfprodukten behandelt. Haare und Kopfhaut wurden vor und nach dem Waschen anhand folgender Kriterien bewertet: Entwirren der Haare, Kämmbarkeit, Geschmeidigkeit/Griff jeweils in nassem und trockenem Zustand, Glanz, Volumen und statische Aufladung. Zusätzlich zum Praxistest wurde auch im Labor die Kämmbarkeit als zentraler Prüfpunkt an definiert geschädigten (mediumblondierten) Naturhaarsträhnen beurteilt. Dabei misst eine Zugprüfmaschine den Widerstand, mit dem sich das nasse Haar durchkämmen lässt – vor und nach der Wäsche mit den Testshampoos.

Anwendung, Handhabung. Beurteilt wurden außerdem Verteilen, Schaum (Cremigkeit, Volumen) und Auswaschen der Shampoos sowie die Zweckmäßigkeit der Verpackung (Öffnen, Entnehmen und Verschließen) in nassem Zustand unter der Dusche. An je 5 Proben bestimmten wir Inhaltsmenge und Nutzinhalt, also den Anteil, der maximal aus dem Behälter entnommen werden kann. Ebenso beurteilt wurde die Möglichkeit, die Behälter standfest auf den Kopf zu stellen, um möglichst alle Shampooreste verbrauchen zu können.

Umwelteigenschaften. Zur Beurteilung des Verpackungsaufwands wurden Art, Menge und Kennzeichnung des Verpackungsmaterials ermittelt. Um eine mögliche Abwasserbelastung festzustellen, wurden das Abbauverhalten in Kläranlagen sowie die Giftigkeit gegenüber Wasserorganismen beurteilt.

Deklaration. Beurteilt wurde die Lesbarkeit der aufgeführten Inhaltstoffe auf Schriftgröße und Kontrast.

Abwertung. War das Urteil für den Haarzustand nach dem Waschen nur „durchschnittlich“, konnte das Testurteil nicht besser lauten.

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