DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.

Zum Inhalt

Cholesterinsenker im Test - Gut und böse

  • Medikamente sind nur unterstützende Maßnahme
  • Ernährung und Lebensstil entscheidend
  • CSE-Hemmer sind die am besten geeignete Präparate

Streicht man sich die Butter mal etwas dicker aufs Brot oder gönnt sich gar ein Ei am Morgen, heißt es gleich: „Pass bloß auf deinen Cholesterinspiegel auf.“ – „Lass dir dein Frühstück nicht vermiesen!“, möchte man derart gegängelten Zeitgenossen zurufen. Blutfette (Triglyceride und Cholesterin) sind zwar zu beachten, verteufeln darf man sie allerdings nicht.

Der Körper benötigt Fette

Die viel gescholtenen Verbindungen erfüllen im menschlichen Organismus wichtige Aufgaben. Die energiereichen Triglyceride sind Energiespeicher für den Organismus. Sie werden auch zur Polsterung innerer Organe benötigt, um eine effektive Wärmeisolierung auszubilden. Die Fette werden vom Körper nicht selbst hergestellt, sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

Lebensnotwendiges Cholesterin

Cholesterin ist für den Menschen ebenfalls essenziell. Es dient dem Organismus zur Synthese von Sexualhormonen, Cortisol, Vitamin D, Gallensäuren sowie zur Bildung der Zellmembran. Damit der Körper immer genug Cholesterin zur Verfügung hat, stellt er den Stoff selbst her. Hauptorgan der Synthese ist die Leber, darüber hinaus findet die Produktion auch in Darm und Haut statt.

 

Nicht wasserlöslich

Nicht wasserlöslich 

Cholesterin ist nicht wasserlöslich. Damit es dennoch im Blut transportiert werden kann, wird es von wasserlöslichen Proteinen umhüllt (man spricht daher von Lipoproteinen). Die wichtigsten Fraktionen sind LDL-Cholesterin (low density lipoprotein) und HDL-Cholesterin (high density lipoprotein).

LDL und HDL

LDL-Cholesterin, im Volksmund gerne als „böse“ bezeichnet, erhöht das Risiko für koronare Herzerkrankungen (KHK) und Arteriosklerose. Rund 60 Prozent des im Blut befindlichen Cholesterins liegen in dieser Form vor. Eine Steigerung des LDL Cholesterinspiegels um ein Prozent kann das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um ein bis zwei Prozent erhöhen.

Cholesterinsenker: rezeptfreie Mittel helfen bei hohem Colesterinspiegel wenig (Bild: VKI) 

Fehlernährung und andere Faktoren

HDL-Cholesterin macht rund 25 Prozent des Plasmacholesterins aus. Bereits ein geringfügiger Anstieg des „guten“ Cholesterins senkt das KHK-Risiko um einige Prozent. Der Gesamtcholesterinspiegel ist deshalb wenig aussagekräftig, wenn es um die Beurteilung des Gesundheitszustandes geht. Problematisch wird es erst, wenn die Blutfett- und Cholesterinwerte stark ansteigen, etwa aufgrund der genetischen Veranlagung oder aufgrund von Fehlernährung und anderen Faktoren, und sich damit langfristig das Risiko für KHK und Arteriosklerose erhöht.

Arteriosklerose

Arteriosklerose ist eigentlich ein natürlicher Alterungsvorgang. Gesunde Arterien sind elastisch und muskulös, sie passen sich unterschiedlichen Drucksituationen an, dehnen sich und ziehen sich zusammen. Bei hohem Blutdruck und hohem Cholesteringehalt im Blut können sich Lipide an der Gefäßinnenwand absetzen. LDLLagern sich auch andere Substanzen wie z.B. Calcium ab, führt dies zur Verhärtung der Arterienwände. Der Blutfluss wird behindert und das Körpergewebe zunehmend weniger mit Blut versorgt.

Komplikationen 

Neben Personen mit hohem Cholesterinspiegel sind Raucher, Diabetiker und Patienten, die an Nierenschwäche oder Bluthochdruck leiden, besonders gefährdet. Als häufige Komplikationen bei Arteriosklerose treten Durchblutungsstörungen der Extremitäten, Nierenversagen, Angina pectoris, Herzinfarkt und Folgeerkrankungen wie Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sowie Schlaganfall auf.

Keinerlei Symptome

Tückisch ist, dass die erhöhten Bluttfettwerte zunächst mit keinerlei Symptomen verbunden sind. Die Betroffenen merken lange Zeit nichts von ihren Problemen. Entdeckt wird die Erkrankung meist zufällig bei einer Blutuntersuchung im Labor. Erwachsene sollten ihre Blutfettwerte deshalb im Rahmen regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen kontrollieren lassen. Erste Wahl bei der Therapie ist eine Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten: ausgewogene (energiereduzierte) Mischkost mit hohem Gemüse- und Obstanteil, körperliche Bewegung, Verzicht auf Nikotin und Alkohol.

Getestete Präparate

Erst wenn sich da- durch keine Erfolge erzielen lassen, ist eine medikamentöse und ärztlich begleitete Therapie mit Lipidsenkern als zusätzliche Maßnahme unabdingbar. Die Zahl der in österreichischen Apotheken erhältlichen rezeptpflichtigen Präparate ist auf den ersten Blick kaum zu erfassen. In unserem Test haben wir 99 Mittel bewertet. Allerdings basieren alle Präparate auf insgesamt acht verschiedenen Wirkstoffen, die sich in drei Kategorien (Statine, Ezetimib und Fibrate) zusammenfassen lassen.

 

Statine, Ezetimib

Statine

CSE-Hemmer (Statine) verhindern die Bildung des zur Cholesterinsynthese erforderlichen Enzyms. Der Organismus kann selbst weniger Cholesterin produzieren, was die im Blut verfügbare Menge senkt. Der reduzierte Cholesteringehalt in den Leberzellen bewirkt zudem, dass die Zelloberflächen mehr freie Rezeptorstellen für LDL-Cholesterin aufweisen, sodass dem Blutkreislauf 20 bis 25 Prozent des „bösen“ LDL-Cholesterins entzogen werden können, gleichzeitig steigt der Anteil des guten HDL-Cholesterinspiegels um rund 10 Prozent.

Senken des Triglyceridspiegel  

Der Triglyceridspiegel wird in deutlich geringerem Ausmaß gesenkt, dieser kann aber durch diätetische Maßnahmen günstig beeinflusst werden. Für die in Österreich im Verkehr befindlichen CSE-Hemmer Lovastatin, Pravastatin, Simvastatin und Fluvastatin liegen Studien vor, die belegen, dass diese sowohl das Erstherzinfarkt- als auch das Folgeinfarktrisiko senken und die Lebenserwartung steigern.

Schwere Nebenwirkungen 

 Eine sehr hohe Dosierung von Statinen ermöglicht eine besonders effektive Senkung des Blutfettspiegels, dem stehen allerdings die Risiken schwerer Nebenwirkungen, etwa Schädigungen der Muskulatur, gegenüber. Zudem sind Wechselwirkungen mit Lebensmitteln zu berücksichtigen. Während einer Statintherapie sollte man etwa keine Grapefruits und keinen Grapefruitsaft konsumieren. Wir beurteilen sämtliche CSE-Hemmer im Test als geeignet zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte.

Ezetimib

Einen völlig anderen Therapieansatz verfolgen Ezetimib-Präparate. Diese hemmen die Aufnahme von Cholesterin und verwandten Pflanzenstoffen wie Phytosterinen aus der Nahrung im Dünndarm. Der LDL-Spiegel kann um etwa 20 Prozent reduziert werden. Der HDL-Spiegel wird dagegen nur sehr gering angehoben. Fettlösliche Vitamine sowie der Triglyceridspiegel werden von Ezetimib nicht beeinflusst.

Mögliche Nebenwirkungen 

Als mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Durchfall, Muskelschmerzen beschrieben. In seltenen Fällen kommt es zu gefährlichen Schwellungen des Unterhautbindegewebes im Gesicht und im Mund, die zu lebensbedrohlicher Atemnot sowie zu Erstickungsanfällen führen können. Wir beurteilen das Präparat Ezeterol sowie Ezetimib-Kombinationspräparate mit dem CSE-Hemmer Simvastatin (Inegy) als mit Einschränkung geeignet zur Senkung des Cholesterinspiegels. Die Präparate sind nur sinnvoll, wenn CSE-Hemmer nicht eingesetzt werden können.

 

Fibrate

Fibrate

Fibrate setzen in unterschiedlicher Weise an. Derartige Präparate sind vor allem dann geeignet, wenn der Triglyceridspiegel gesenkt werden soll und diätetische Maßnahmen alleine dazu nicht ausreichen. Die Mittel können die Triglyceridsynthese in der Leber reduzieren. Parallel dazu wird die Aufnahme von Cholesterin in der Leber erhöht, um dieses dann über Dünndarm und Galle auszuscheiden. Der „gute“ HDL-Cholesterinspiegel steigt, die Produktion von fetttransportierenden Proteinen hingegen wird gehemmt.

Nebenwirkungen 

Fibrate sollten nicht angewendet werden, wenn man an Muskelerkrankungen leidet, sowie bei bestimmten Organerkrankungen. Fibrate können zudem zur Erhöhung der Cholesterinkonzentration in der Gallenflüssigkeit führen, was wiederum die Bildung von Gallensteinen begünstigt. Sehr selten treten Leberschäden und Gelbsucht auf. Bei starker Übelkeit und Erbrechen sowie Verfärbungen von Harn und Stuhl sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Beurteilung 

Wir beurteilen die Präparate Bezafibrat (‚1A Pharma’, ‚Genericon’, ‚ratiopharm’), Bezalip, Bezastad, Fenolip, Lipcor und Lipsin als mit Einschränkung geeignet zur Senkung erhöhter Triglyceridwerte. Zur Senkung des Cholesterinspiegels sind die Mittel nur wenig geeignet, da wirksamere Präparate erhältlich sind. Positive Ausnahme unter den Fibraten ist Gemfibrozil (Gevilon). Dieses Mittel ist zur Senkung erhöhter Triglyceridwerte und mit Einschränkung zur Cholesterinsenkung geeignet, aber nur dann, wenn CSE-Hemmer nicht anwendbar sind.

Zweifelhafte Mittel

Ebenfalls in Apotheken erhältlich sind einige rezeptfreie Präparate, die angeblich den Cholesterinspiegel senken sollen, etwa das Medizinprodukt formoline L112. Studien zur Wirksamkeit fehlen jedoch. Wir beurteilen das Mittel als wenig geeignet. Gleiches gilt für andere pflanzliche Präparate, etwa Nivelip, das aus Artischockenblättern hergestellt wird, oder Lecithinpräparate. Auch Knoblauch soll u.a. eine positive Wirkung auf den Blutfettspiegel haben. Knoblauchpräparate füllen in Apotheken, Drogerien und Supermärkten ganze Regale.

Wirkung nicht bestätigt 

Eine Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt – egal ob man Knoblauch nun roh oder als Präparat zu sich nimmt. Genauso wenig darf man sich bei krankhaft erhöhten Blutfettwerten auf Lebensmittel verlassen, die mit diesbezüglich gesundheitsbezogenen Angaben ausgelobt werden. Die Behandlung gehört in ärztliche Hände.

Tabelle: Mittel bei erhöhten Blutfettwerten

Cholesterinwerte

Für Personen ohne weitere Risikofaktoren
(Nichtraucher, kein Übergewicht,
kein Bluthochdruck, kein Diabetes):

Für Personen mit Arteriosklerose-Risiko-
Faktoren (Raucher, Übergewicht, Diabetes
Bluthochdruch):
 
Gesamtcholesterin: <250 mg/dl (6,5 mmol/l) Gesamtcholesterin: <200 mg/dl (5,0 mmol/l) 
LDL: <160 mg/dl (4,0 mmol/l)LDL: <130 mg/dl (3,5 mmol/l) 
HDL: >40 mg/dl (1,0 mmol/l)HDL: >40 mg/dl (1,0 mmol/l) 
Quotient LDL/HDL: <4 Quotient LDL/HDL: <3 

Zusammenfassung

Cholesterinsenker: Kompetent mit "Konsument"
  • Therapieschritt 1: Bei zu hohen Cholesterinund Blutfettwerten sollte zunächst eine Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten erfolgen. Viel Gemüse und Obst essen, sich körperlich bewegen, nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen genießen.
  • Therapieschritt 2: Bringt die Änderung des Lebensstils keine Besserung, ist die Einnahme von rezeptpflichtigen Medikamenten unter ärztlicher Aufsicht unumgänglich. Am besten geeignet sind CSE-Hemmer (Statine).
  • Rezeptfreie Präparate: Phytopharmaka oder andere rezeptfreie Präparate sind zur Senkung des Blutfettspiegels wenig geeignet. Eine Selbstmedikation ohne ärztliche Begleitung ist grundsätzlich abzulehnen.

Testkriterien

Hinweise zur Bewertung

Grundlage dieses Tests ist das Handbuch „Medikamente“, für das ein Expertengremium der Stiftung Warentest Arzneimittel auf Basis von Literaturrecherchen beurteilte. Sie finden die Methoden unter dem Suchkriterium „Medikamententests“.

  • Geeignet sind Mittel (Standardtherapeutika), deren therapeutische Wirksamkeit ausreichend nachgewiesen ist. Ihre Nutzen-Risiko-Abwägung fällt positiv aus. „Geeignet“ sind auch Kombinationsmittel, deren Wirkstoffe sich sinnvoll ergänzen.
  • Auch geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit ebenfalls nachgewiesen ist, die aber Konservierungsmittel enthalten oder noch nicht lange genug erprobt sind.
  • Mit Einschränkung geeignet sind Mittel, die therapeutisch wirksam sind, aber im Vergleich zu Standardtherapeutika ein höheres oder nicht gut einschätzbares Risiko bergen.
  • Wenig geeignet sind Mittel, deren therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist, die nicht ausreichend dosiert sind, deren therapeutische Wirksamkeit im Verhältnis zu den Risiken zu gering ist sowie Mittel mit mehr als einem Wirkstoff, deren Wirkstoffe sich nicht sinnvoll ergänzen oder keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen aufweisen.

Keine Bewertung

Anthroposophische, homöopathische und traditionell angewendete Mittel lassen sich nach den Grundsätzen unseres Tests nicht bewerten.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail
Zum Seitenanfang