Blutzucker-<WBR>Messgeräte - Auf der sicheren Seite

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Viele Blutzuckermessgeräte bestechen durch Genauigkeit und bequeme Handhabung, dennoch sollte man sich bei einem Neugerät einschulen lassen. Hier finden Sie 7 Geräte im Produkt-Vergleich.

Für Diabetiker, die Insulin spritzen müssen, ist das Blutzuckermessgerät ein Alltags­utensil wie Kamm oder Zahnbürste. Die Selbst­messung ist wesentlicher Bestandteil der Behandlung. So kann die Insulindosis ­angepasst und damit die Therapie gesteuert werden.

Mehrere Messungen täglich

Um ausreichende Informationen über das eigene Glukoseprofil zu erhalten und die Insulindosis festzulegen, die gespritzt werden muss, sind mehrere Blutzuckermessungen am Tag nötig, etwa vor dem Essen, dem Schlafengehen oder dem Sport.

Selbstmessung

Immer wieder wird diskutiert , ob auch Personen mit Typ-2-Diabetes (Altersdiabetes), die kein Insulin anwenden, von einer Selbstmessung profitieren. Argumentiert wird, dass der Blutzuckerspiegel durch Ernährung oder Tabletten unmittelbar beeinflusst werden kann oder Betroffene motivierter sind, an einer Therapie mitzuarbeiten.

Eine Auswertung von Studien durch das Deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) konnte allerdings nicht eindeutig klären, ob die Selbstmessung positive oder negative Folgen für die Lebensqualität hat.

Blutzuckermessgeräte: Messgenauigkeit, Handhabung

Unsere Partnerorganisation Stiftung Warentest hat Blutzuckermessgeräte unter die ­Lupe genommen. Die Tester untersuchten Mess­genauigkeit, Handhabung und Kons­truktion.

Sechs von sieben sind gut

Sechs von sieben sind gut

Das Wichtigste vorweg: Sechs der sieben in Österreich erhältlichen Testmodelle bieten eine gute, eines (Freedom Lite von Freestyle) sogar eine sehr gute Messgenauigkeit. Lediglich das mit Abstand billigste Gerät im Test, der Medi Touch von Medisana, schwächelte diesbezüglich.

Da es im Alltag auch stark auf die Handhabung ankommt, ging dieses Kriterium mit 30 Prozent in die Bewertung ein. Sechs Diabetikerinnen und Diabetiker ­unterschiedlicher Altersklassen unterzogen die Geräte einem Praxistest. Erfreulich: Alle Modelle schnitten gut ab, sie lassen sich leicht bedienen, und keine Stechhilfe tut beim Piksen unnötig weh.

Werte werden gespeichert

Die Geräte im Test arbeiten alle ähnlich: Teststreifen einschieben, in den Finger piksen, Blutstropfen an den Streifen halten. Dann startet eine chemische Reaktion, und der Blutzucker wird berechnet. Nach wenigen Sekunden leuchtet der Wert dann im Display auf. Alle getesteten Modelle speichern die Werte automatisch mit Datum und Uhrzeit. Sie können als Einzel- oder als Durchschnittswerte abgerufen werden.

Wichtig ist, dass Nutzer markieren können, ob sie vor oder nach dem Essen gemessen haben. Die gemessenen Werte und die Umstände, unter denen sie genommen wurden, sind für den Arzt ein wichtiger Hinweis, um die Therapie an den Verlauf des Diabetes anzupassen.

Einschulen lassen

Einschulen lassen

Wer nun auf ein moderneres Gerät umsteigen möchte, sollte sich – dies gilt auch für erfahrene Diabetiker – in die Handhabung einweisen lassen. Trotz vereinfachter Handhabung kann beim Bedienen immer noch ­einiges schiefgehen. Verabreicht man sich aufgrund einer fehlerhaften Messung eine falsche Insulindosis, kann es gefährlich werden.

Einschulungen sind etwa in Diabetes­ambulanzen oder bei Selbsthilfegruppen möglich. Dort können teilweise auch verschiedene Geräte ausprobiert werden. Am besten erkundigen Sie sich direkt beim Arzt nach Schulungsmöglichkeiten in Ihrer Nähe.

Kontrolle ist besser

Vorsicht ist im Übrigen auch beim Anbruch einer neuen Packung Teststreifen angesagt oder wenn Verdacht auf einen Gerätefehler besteht. Dann sollten Sie sicherheitshalber vor dem Gebrauch die Messgenauigkeit mit einer im Handel erhältlichen Kontrolllösung überprüfen. Um eine einwandfreie Funktion zu gewährleisten, sollte man Gerät, Teststreifen und Kontrolllösung vor Hitze, Kälte und Feuchtigkeit geschützt lagern bzw. transportieren. Viele Geräte messen bei ­etwa 5 bis 35 Grad Celsius zuverlässig. Bad, Auto oder Kühlschrank sind deshalb tabu.

Regelmäßig zum Arzt

Regelmäßig zum Arzt

Unabhängig vom Selbermessen sollte sich jeder Diabetiker regelmäßig beim Arzt durchchecken lassen. Etwa alle 3 Monate sollte der Langzeitblutzucker (HbA1c) in der Ordination überwacht werden. Dort sollte auch regel­mäßig die Kontrolle von Blutdruck, Körper­gewicht und Blutfettwerten erfolgen. Auf Dauer kann hoher Blutzucker die Gefäße schwer schädigen, Folgen sind Herz­infarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung, Nervenleiden oder Amputationen.

Zur Rou­tine gehört deshalb einmal jährlich auch eine augenärztliche Untersuchung, die Inspektion der Füße sowie Kontrolle von Nierenwerten und Nerven. Je früher Diabetes erkannt und behandelt wird, desto grösser sind die Chancen, dass schwere ­Folgeschäden nicht eintreten. Da die Erkrankung lange unbemerkt bleiben kann, sollte man regelmäßig zur Vorsorgeunter­suchung gehen.

Krankenkassen bezahlen

Insulinpflichtige Diabetiker bekommen die Kosten für Messgerät und Teststreifen im Übrigen von der Krankenkasse finanziert. Jede Kasse hat dabei allerdings ihr eigenes Versorgungssystem eingerichtet und übernimmt nur für ganz bestimmte Geräte die Kosten. Möglicherweise ist auch ein Selbstbehalt zu zahlen. Bei einigen Kassen (z.B. Gebietskrankenkassen Wien, Steiermark oder Salzburg) sind die Informationen dazu auf der Homepage nachzulesen, oder man wendet sich an die jeweilige Bezirks­stelle.

Nichtinsulinpflichtige Patienten müssen zwar das Blutzuckermessgerät aus der eigenen Tasche bezahlen, erhalten jedoch oftmals den Folgebedarf (Teststreifen) ersetzt. Voraussetzung ist in jedem Fall eine ärztliche Verordnung, manchmal wird auch eine Schulungsbestätigung verlangt.

Testtabelle: Blutzuckermessgeräte

Tabelle öffnen

Blutzucker richtig messen

  • Legen Sie Messgerät, Stechhilfe, Lanzetten und Teststreifenröhrchen bereit.
  • Vor dem Blutzuckermessen sollten Hände mit Seife und warmem Wasser gewaschen und sorgfältig abgetrocknet werden. Das ­fördert die Durchblutung und entfernt Reste zuckerhältiger Lebens­mittel, die das Ergebnis verfälschen können.
  • Für jede Messung eine frische Lanzette benutzen. Stumpfe Lanzetten bedeuten mehr Schmerzen beim Stechen und bergen ein Infektionsrisiko.
  • Teststreifen entnehmen und in die vor­gesehene Stelle des Geräts stecken. Verschließen Sie das Röhrchen sofort wieder.
  • Fingerkuppe leicht seitlich, mit Sicherheitsabstand zum Nagel stechen. Optimal sind Mittel-, Ring- und kleiner Finger (am besten die Stelle jedes Mal variieren).
  • Blutprobe auftragen. Dazu die Einlaufstelle des Teststreifens direkt an das Bluts­tröpfchen halten. Die richtige Menge wird gewonnen, indem leicht auf die Fingerkuppe gedrückt wird. Blut nicht herausquetschen, da dies die Probe mit Gewebsflüssigkeit verdünnen und das Messergebnis verfälschen kann.
  • Wenn das Blut nicht reicht, an einer anderen Stelle mit größerer Einstichtiefe und neuem Teststreifen versuchen. Eventuell den Finger kurz massieren, um den Blutfluss anzuregen.

Diabetes-Typen

Beim Diabetes wird in verschiedenen Typen unterschieden. Am häufigsten kommen Typ-1 und Typ-2 vor.

Bei Typ-1-Diabetikern sind die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, das Hormon kann nicht mehr gebildet werden. Dies führt zu einem massiven Anstieg des Zuckers im Blut. Typ-1-Diabetes tritt meist schon in jüngeren Jahren auf, die Patienten sind insulinpflichtig.

Beim Typ-2-Diabetes, bildet die Bauchspeicheldrüse meist noch Insulin, aber die Zellen reagieren nicht mehr richtig darauf. Die Ursachen können genetisch bedingt sein, oft jedoch liegen sie im Lebensstil. Falsche Ernährung, wenig Bewegung und vor allem Übergewicht können zu Diabetes führen, man spricht deshalb vom sogenannten Altersdiabetes.

Meist bleibt die Erkrankung zunächst unentdeckt. Beschwerden, die auf hohen Blutzucker hindeuten, wie beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, vermehrtes Wasserlassen und gesteigerter Durst, gehäufte Infektionen (Harnwegsinfektionen, Pilzerkrankungen), Juckreiz, vor allem im Genitalbereich, schlechte Wundheilung, auch bei kleinen Wunden, Sehstörungen treten meist erst in einem spätem Stadium der Erkrankung auf.

Zusammenfassung

  • Blutzuckermessgeräte. Fast alle Blutzuckermessgeräte im Test messen genau und lassen sich einfach bedienen. Beim Gerätewechsel sollte man sich immer wieder neu einschulen lassen. Teststreifen vor Hitze, Kälte und Feuchtigkeit geschützt lagern.
  • Krankenkassen. Insulinpflichtige Diabetiker erhalten Kostenersatz von ihrer Krankenkasse. Welche Kassen welche Geräte finanzieren, kann bei jeder Bezirksstelle in Erfahrung gebracht werden.
  • Arztbesuch. Das Selbermessen des Blutzuckers ersetzt nicht den regel­mäßigen Arztbesuch. Diabetiker sollten sich alle drei Monate durchchecken lassen. Dabei sollte der Langzeitblutzucker (HbA1c) bestimmt sowie Blutdruck, Körpergewicht und Blutfettwerte kontrolliert werden.

Testkriterien

Die Stiftung Warentest hat sieben in Österreich erhältliche Blutzuckermessgeräte im Set zum Selbstmessen getestet.

Genauigkeit der Messung

Die Systemgenauigkeit der Blutzuckermessgeräte wurde in Anlehnung an DIN EN ISO 15197 (Mai 2004) mit 74 Probanden in Doppelmessungen überprüft. In zwei Messreihen von je acht Geräten in randomisierter Reihenfolge wurden von jedem Probanden zwei frische Kapillarblutproben hintereinander mit allen Geräten gemessen. Vor und nach jeder Reihe fanden mit zwei Labormethoden (Hexokinase-Methode mit Cobas-Analyzer und Glukoseoxidase-Methode mit YSI-Gerät) Referenzmessungen statt. Die Ergebnisse durften maximal 5 Prozent bzw. 0,83 mmol/l (15 mg/dl) bei Werten unter 4,16 mmol/l (75 mg/dl) voneinander abweichen. Proben mit einem Hämatokritwert unter 35 und über 50 Prozent wurden ausgeschlossen.

Nach Anwendung dieser Qualitätskriterien wurden 110 Proben von 59 Diabetikern in die Bewertung einbezogen. 8,2 Prozent der Proben lagen im Bereich bis 3,88 mmol/l (70 mg/dl), 22 Prozent im Bereich über 11,1 mmol/l (200 mg/dl), bezogen auf Blutplasma.

Bewertet wurden die Differenzen zu den Referenzmessungen, die Streuungen und die Häufigkeit der Messfehler nach der Error-Grid-Analyse. Sie bewertet die Messfehler hinsichtlich ihrer möglichen therapeutischen Konsequenzen. Für die Wiederholgenauigkeit wurden alle Geräte in vier Glukosebereichen nacheinander mit 10 identischen Proben venösen Blutes bestückt. An jedem Messtag wurde eine Qualitätskontrolle der Geräte mit Kontrolllösung gemäß den Angaben der Gebrauchsanleitung durchgeführt. Die Probennahme erfolgte durch medizinische Fachkräfte.

Handhabung

Sechs Diabetiker mehrerer Altersklassen prüften unter Aufsicht einer Fachkraft Gebrauchsanleitung, Inbetriebnahme, Messdurchführung.

Konstruktion

Falltest: Alle Geräte wurden zehn Mal aus 80 Zentimeter Höhe auf eine Hartholzplatte fallen gelassen. Anschließend wurden sie auf Schäden und Messgenauigkeit überprüft.

Verhalten bei schwacher Batterie: Mit Kontrolllösung wurde die Messgenauigkeit mit schwacher und voller Batterie geprüft.

Anbieter

Beurer: HTN Elektrogeräte-VertriebsgmbH
Polzing 12
A-4682 Geboltskirchen
07732 35 41-0
www.htn.at

FreeStyle: Abbott GmbH
Perfektastraße 84
A-1230 Wien
01 891 22
www.abbottdiagnostics.at

GlucoMen: A. Menarini GmbH
Pottendorfer Straße 25-27/3/1
A-1120 Wien
01 804 15 76-0
www.menarinidiagostics.at

Medisana AG
Paulahofsiedlungstraße E2/9
A-8600 Bruck/Mur
0720 98 18 78
www.medisana.at

mylife: Ypsomed GmbH
Ferrogasse 37
A-1180 Wien
0720 88 28 04
www.mylife-diabetescare.at

OneTouch: Johnson & Johnson Medical Product GmbH
Vorgartenstraße 206B
A-1020 Wien
0800 24 42 45
jnjmedicalaustria@its.jnj.com

Wellion: Med Trust HandelsgmbH
Gewerbepark 10
A-7221 Marz
02626 641 90
www.medtrust.at

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Korrektur Anbieteradresse

Das Gerät GlucoMen GM wird von der A. Menarini GmbH (www.menarinidiagostics.at), Pottendorfer Straße 25–27/3/1, A-1120 Wien, Telefon 01 804 15 76-0 vertrieben.

Die Redaktion
(aus KONSUMENT 11/2012)

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