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Antizeckenmittel im Test - Unzuverlässig

  • Auf die versprochene Schutzdauer ist kein Verlass
  • Antizeckenmittel wirken nicht bei jedem gleich
  • Auch natürliche Wirkstoffe können reizen

Auf Perlengröße angeschwollen

Man muss schon ganz genau hinschauen, um eine junge ungesättigte Zecke auf der Haut erkennen zu können. Denn vorerst ist sie lediglich millimetergroß. Vollgesogen ist sie kaum mehr zu übersehen. Erwachsene, satte Zecken sind nahezu auf Perlengröße angeschwollen.

Eine Blutmahlzeit pro Jahr

Zecken zählen zu den Spinnentieren und dort wiederum zu der Untergruppe der Milben. Damit sie sich entwickeln und fortpflanzen können, brauchen Zecken in der Regel einmal pro Jahr eine Blutmahlzeit. Das ist nicht oft, und so besteht ihr etwa drei Jahre dauerndes Leben großteils aus Warten. Zecken sind in der warmen Jahreszeit, vor allem von Mai bis Oktober, aktiv. Die bei uns am meisten verbreitete Zeckenart (der gemeine Holzbock) lauert vor allem im hohen Gras, im Gebüsch und im Unterholz auf Beute.

Von dort lässt sich die Zecke von ihrem Wirt in spe, zum Beispiel einem Wanderer, abstreifen und krabbelt dann an ihrer Beute empor. Bevorzugte Ziele sind Stellen, an denen die Haut möglichst dünn ist, wie zum Beispiel im Schambereich, der Achselhöhle, der Leistengegend, Ellenbeuge, Kniekehle, hinter den Ohren oder auch am Haaransatz. Dort angekommen, schneidet die Zecke mit ihren Mundwerkzeugen ein Loch in die Haut, senkt ein Saugrohr mit Widerhaken ins Blut, und – Mahlzeit! Von all dem spürt das Opfer nichts.

Potenzielle Krankheitsüberträger

Trotzdem sind die Stiche gefürchtet, weil Zecken Krankheiten übertragen können. Die durch Viren verursachte Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME) kann zu einer Erkrankung der Hirnhäute oder sogar des Gehirns führen und wird unmittelbar beim Biss übertragen. Eine Therapie der akuten FSME gibt es nicht. Doch man kann sich gegen FSME impfen lassen, was vor allem Bewohner von Risikogebieten in Erwägung ziehen sollten.

Gründlich absuchen

Gegen die durch Bakterien hervorgerufene Lyme-Borreliose gibt es zur Zeit keinen Impfschutz. Sie kann überall von Zecken übertragen werden. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass man durch eine Zecke, die sich noch nicht länger als 12 Stunden auf der Haut niedergelassen hat, mit Borrelien infiziert wird, ist gering. Körper und Kleidung sollten daher nach dem Aufenthalt im Grünen rasch und gründlich abgesucht und Zecken so schnell wie möglich entfernt werden. Schuhe ausbeuteln nicht vergessen.

Vorsicht, junge Zecken (Larven beziehungsweise Nymphen) sind sehr klein und werden leicht übersehen. Im Hinblick auf Infektionen sind sie daher besonders gefährlich. Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden. Je früher sie diagnostiziert wird, desto besser. Häufigstes Symptom ist ein roter Fleck an der Stichstelle beziehungsweise ein Bereich mit rotem Rand („Wander-Röte“), der oft erst ein bis zwei Wochen nach dem Stich sichtbar wird.

Mehr versprochen als gehalten

Antizeckenmittel (Repellents) sollen Zecken daran hindern, sich auf Menschen niederzulassen und sie in weiterer Folge zu infizieren. Wir haben gemeinsam mit der Stiftung Warentest untersucht, ob und wie lange solche Mittel Zecken tatsächlich abschrecken.

Die Prüfungsergebnisse sind ernüchternd:

  • Kürzer: Die getesteten Produkte schützen bei weitem nicht so lange, wie es die Hersteller versprechen. Statt bis zu vier oder bis zu sechs Stunden zu wirken, bieten die Mittel bestenfalls etwa drei Stunden Schutz (Anti Brumm Naturel, Hansaplast).
  • Individuell: Die Wirkdauer variiert je nach Nutzer. Bei Autan Active und Autan Family Care gab es beispielsweise im Individualfall Abweichungen von etwa zwei Stunden.
  • Junge: Da das Infektionsrisiko überwiegend von Zeckenjungtieren ausgeht, wurden die Mittel nur stichprobenartig mit erwachsenen Tieren geprüft. Dabei zeigte sich, dass Repellents bei erwachsenen Tieren oft schlechter wirken als bei jungen. Nur bei Autan Family Care war die Wirkung ähnlich.
  • Info: Die Nutzerinformationen sind oft zu wenig deutlich.

Natürliche Wirkstoffe: Mitunter reizend

Antizeckenmittel bestehen nicht nur aus chemisch synthetisierten, sondern zunehmend aus natürlichen Wirkstoffen. Toxikologen halten allerdings natürliche Wirkstoffe nicht für risikoärmer als synthetische. In vielen Produkten finden sich zum Beispiel ätherische Öle. Manche davon können die Haut reizen oder allergisierend wirken.

Allergierisiko durch Repellents

Der in mehreren Produkten enthaltene natürliche Wirkstoff Citriodiol etwa ist potenziell haut- und schleimhautreizend und zudem als Allergieauslöser bekannt. Kurios: Beim citriodiol-haltigen Anti Brumm Naturel steht auf der Packung sogar „Pflegt empfindliche Haut“, weil dem Antizeckenmittel Aloe Vera zugesetzt ist. Viele unterschiedliche Inhaltstoffe können ein zusätzliches Risiko mit sich bringen, da die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen nicht vorhersehbar ist.

Anwendungshinweise beachten

Dazu sowie zur Wirksamkeit von Naturstoffen beziehungsweise chemischen Substanzen Experte Jochen Süss (Nationales Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten, Friedrich-Loeffler-Institut, Jena): „Es gibt genügend Beispiele, dass Naturstoffe wie auch chemische Substanzen eher besser als auch schlechter funktionieren. Egal ob Naturstoffe oder künstliche Repellents verwendet werden, es sollten immer die Anwendungs- und Sicherheitshinweise beachtet werden.“

Auf Kleidung sprühen

Anwendungs- und Sicherheitshinweise sind beim Auftragen auf die Haut mit Lotionen im allgemeinen leichter zu befolgen als mit Sprays. Ein zusätzliches Aufbringen eines Antizeckenmittels auf Kleidung und Schuhe erhöht den Schutz. Zum Präparieren von Kleidung und Schuhe sind Sprays geeigneter.

Richtige Bekleidung wählen

Auf Antizeckenmittel alleine sollten Sie sich aber grundsätzlich nicht verlassen. Tragen Sie im Grünen feste Schuhe, lange Hosen (wenn möglich mit Bund an den Knöcheln) und langärmelige Shirts. Auf heller Kleidung sind Zecken eher zu erkennen als auf dunkler und können daher oft schon vor einem Stich entfernt werden. Tragen Sie auf exponierten Hautstellen (Hals, Händen, Fußknöcheln) ein Repellent auf und bleiben Sie beim Wandern auf Wegen. Hohes Gras, Farne und Unterholz sind von Zecken bevorzugte Stellen und daher zu meiden. Und um gleich beim Stichwort Gras zu bleiben: Gartenbesitzer sorgen besser auch daheim für kurzen Rasen.

Zecke rasch entfernen

Das Kontrollieren der Haut sollte in der warmen Jahreszeit Teil der täglichen Routine sein – insbesondere bei Kindern. Entfernen Sie entdeckte Zecken rasch, am besten mit einer spitzen Stahlpinzette oder mit den Fingernägeln. Fassen Sie die Zecke möglichst dicht über der Haut, und ziehen Sie sie vorsichtig heraus. Ob rechts oder links herum, ist egal. Sie können auch einen Vereisungsspray aufsprühen. Die Zecke wird dadurch sofort betäubt und lässt sich leichter entfernen.

Achtung: Das Auftragen von Öl oder Klebstoff, um die Zecke zu ersticken, ist kontraproduktiv. Denn in solchen Stresssituationen sondert die Zecke vermehrt Speichel ab, und das Infektionsrisiko steigt.

Antizeckenmittel: Sprays gegen Zecken 5/2008

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Antizeckenmittel: Sprays und Lotions gegen Zecken, Mücken u.A. 5/2008

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Antizeckenmittel: Anbieter

Anti Brumm: Jacoby Pharmazeutika AG,
Teichweg 2,
A-5400 Hallein,
06245 89 51-0,
www.jacoby.at

Autan: SC Johnson GmbH,
Renngasse 1,
A-1013 Wien,
0800 29 59 13,
www.autan.at

Effitan: APOFIT Handels GmbH,
Schörgstätt 6,
A-5162 Obertrum am See,
06219 204 24,
www.apofit.at

Hansaplast: Beiersdorf GesmbH,
Laxenburger Straße 151,
A-1100 Wien,
01 614 00-0,
www.hansaplast.com

Nobite: Lundwall Patrick jun., Dr. jur.,
Wiedner Hauptstaße 39/2,
A-1040 Wien,
01 503 65 43,
www.nobite.com

NoSkito: Aviva-Cosmetic GmbH,
Brüsseler Straße 2,
D-49124 Georgsmarienhütte,
0049 5401 89 67 47,
www.aviva-cosmetic.de

Smellwell GmbH,
Industriestraße 3,
D-6812 Meiningen,
05522 32 70 47-0,
www.smellwell.cc

Test Antizeckenmittel: kompetent mit „Konsument“

  • Kein Komplettschutz.  Repellents allein können keinen umfassenden Schutz bieten. Größtmögliche Sicherheit gibt es nur in Kombination mit weiteren Schutzmaßnahmen (Kontrolle von Haut und Kleidung, Zecken entfernen, gegebenenfalls FSME-Schutzimpfung).
  • Unterschiedliche Wirkung.  Je nach Anwender wirken Antizeckenmittel mitunter besser oder schlechter. Etliche Produkte halten zudem Jungtiere besser ab als erwachsene Zecken.
  • Öfters auftragen.  Verlassen Sie sich nicht auf die angegebene Wirkungsdauer und tragen Sie Antizeckenmittel auf Hals, Händen und Fußgelenken öfters auf. Schützen Sie sich durch entsprechende Kleidung und tragen Sie das Mittel auch an exponierten Kleidungsstellen (z.B. Hemdkragen, Sockenbereich, Hosenbein) auf.
  • Richtig sprayen.  Achten Sie, dass nichts ins Auge geht. Am leichtesten ist es, Sprays auf die Handfläche zu sprühen und sich damit einzureiben.
  • Zeckenentfernung.  Vereisungsspray leistet gute Dienste. Die Zecke wird sofort betäubt und kann am einfachsten mit einer leicht gebogenen Metallpinzette entfernt werden.

Test Antizeckenmittel: Testkriterien

Im Test: 9 Mittel gegen Zecken.

Wirksamkeit gegen Zecken. Je drei Frauen und drei Männer trugen das Produkt nach Herstellerangaben auf den Unterschenkel auf. Ein rundes Kupferplättchen (Durchmesser 3 cm) wurde mit Vaseline mittig auf der behandelten Hautfläche befestigt. Mit einer Schablone wurde ein Kreis von 13 cm Durchmesser um das Plättchen aufgezeichnet. Bei senkrecht gehaltenem Unterschenkel wurden 30 Minuten nach Auftragen des Mittels jeweils zwei hungrige junge Zecken (ein Jahr alte Nymphen) auf dem Kupferplättchen abgesetzt und maximal 5 Minuten beobachtet, ob sie die behandelte Haut betraten oder am Rand des Kupferblättchens zurückschreckten, ob sich Zecken vom Plättchen oder der Haut fallen ließen und ob sie eine Strecke von mindestens 5 cm auf der Haut zurücklegten. In 5-minütigen Abständen wurden jeweils zwei weitere Zecken aufgesetzt, je Durchgang insgesamt zwölf. Das Prozedere wurde in einstündigen Abständen mit neuen Zecken wiederholt, bis mindestens drei Zecken auf der behandelten Hautpartie eine Strecke von fünf Zentimetern zurückgelegt hatten. Die Personen wurden angewiesen, an den Versuchstagen kein Parfüm zu benutzen und während des Versuchs weder Kaffee noch Tee zu trinken.

Vor jeder Produktprüfung wurden an noch unbehandelten Beinen von jeder Testperson zwölf Zeckennymphen daraufhin überprüft, ob sie die unbehandelte Haut betreten und innerhalb von 5 Minuten die Kreismarkierung (5 cm) überqueren. Dieser Test diente dem Nachweis der Aktivität der Zecken am jeweiligen Versuchstag. Die quantitative Wirksamkeit und die ermittelte Varianz wurden bei allen Produkten für die ersten beiden Stunden erfasst und beurteilt. Die Wirksamkeit gegenüber adulten Zecken wurde mit jenen Produkten nach gleichem Prozedere geprüft, die in ersten Versuchen bereits eine mehrstündige Wirksamkeit gegenüber Nymphen gezeigt hatten.

Gesundheit und Umwelt. Beurteilt wurden die gesundheitlichen Risiken der Wirkstoffe, die Geruchsbelästigung, der Verpackungsaufwand.

Deklaration. Vergleich der angegebenen Wirksamkeitsdauer mit der ermittelten, Bewertung von Abweichungen. Fünf Personen prüften die Gebrauchsanleitungen auf Übersichtlichkeit, Lesbarkeit und Verständlichkeit. Beurteilt wurden die Angaben zum Anwendungsbereich, zur Wirksamkeitsdauer, zur sparsamen Dosierung, zu Lagerung und Haltbarkeit, Gesundheitsrisiken, Entfernbarkeit von der Haut oder der Kleidung, Sicherheit und Entsorgung.

Anwendung. Fünf Prüfpersonen bewerteten Entnehmen, Auftragen und das Hautgefühl.

Textilschonung. Auf drei weiße und drei farbige Gewebe (100 % Baumwolle bei 60 °C waschbar, 100 % Polyester, Mischung aus Polyamid und Polyurethan) wurde jeweils 1 Gramm aufgesprüht bzw. 1 ml der Repellents aufgebracht. Nach Lagerung über 24 Stunden wurden Verfleckungsintensität und Bleichwirkung visuell beurteilt. Die Gewebe wurden anschließend mit einem handelsüblichen Voll- oder Colorwaschmittel in einer Waschmaschine gewaschen und die Flecken wurden abermals beurteilt.

 

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