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Amalgam: Beratung im Ausland - Das tut weh

Intakte Amalgamfüllungen sollten ohne medizinische Indikation nicht getauscht werden. Wie gut ist man bei Zahnärzten in unseren östlichen Nachbarländern (Ungarn, Tschechien, Slowakei) beraten?

Die Qualitäten von Amalgam sind unbestritten. Kein Zahnfüllstoff lässt sich derart leicht verarbeiten, ist so haltbar und so günstig wie die aus Quecksilber und anderen Metallen bestehende Legierung. Amalgam ist erprobt, es wird in zahnärztlichen Ordinationen seit mehr als 100 Jahren verwendet. Vor allem in den 1990er-Jahren setzte allerdings eine breite Debatte über die gesundheitsbedrohliche Wirkung von Amalgam ein. In Studien konnte jedoch bis heute keine Gefährdung nach­gewiesen werden.

Viele Zahnärzte raten zu Kunststoff-, Gold- oder Keramikplomben

Die Quecksilberbelastung hält sich in Grenzen. Sie ist beim Legen und Entfernen der Füllungen am größten. Dennoch raten viele Zahnärzte zum Tausch der Amalgamplomben gegen Kunststoff, Gold oder Keramik, obwohl die Ersatzstoffe oft nicht länger halten und mitunter deutlich ­teurer sind. Zudem wird beim Eingriff auch immer gesunde Zahnsubstanz abgetragen. Ratsam ist ein Tausch alleine für Menschen, die sensibel oder gar allergisch auf das Quecksilber in der Zahnfüllung reagieren.

Sechs ausländische Zahnärzte im Test

Im vergangenen Jahr haben wir getestet, wie gut Zahnärzte zum Thema Amalgamtausch beziehungsweise Amalgamsanierung in Österreich beraten (Amalgamberatung - Konsument 4/2012). Das Ergebnis war durchwachsen: Knapp die Hälfte der Ärzte (7 von 15) machten ihre ­Sache gut, die anderen stellten fehlerhafte Diagnosen oder gaben haarsträubende Empfehlungen ab. Da sich viele Österreicher aus Kostengründen zur Behandlung ins grenz­nahe Ausland begeben – vor allem nach ­Ungarn, aber auch in die Slowakei und nach Tschechien –, haben wir im aktuellen Test die Beratungsleistung bei sechs Zahnärzten (vier Mal Ungarn, je ein Mal Slowakei und Tschechien) unter die Lupe genommen.

Enttäuschendes Ergebnis

Um es vorwegzunehmen: Das Ergebnis ist insgesamt ernüchternd. Fünf der sechs ge­testeten Zahnärzte fielen mehr oder weniger komplett durch und erhielten ein „weniger zufriedenstellend“ oder „nicht zufriedenstellend“. Nur die Schill Dental Clinic schaffte gerade noch eine durchschnittliche Bewertung. Die Untersuchungen und Beratungen waren bis auf eine Ausnahme kostenlos. Sie dauerten 3 bis 15 Minuten beim Amalgam­tausch, 11 bis 40 Minuten bei der Amalgamsanierung. 



  

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Tätigkeiten des Netzwerkes der Europäischen Verbraucherzentren (ECC-Net).


Weitere Artikel zum Thema und unser KONSUMENT-Buch finden Sie hier: Test: Amalgamberatung bei Zahnärzten 4/2012,  Zahnbehandlung in Ungarn 11/2009 und Ratgeber Zähne, 4. Auflage.

Amalgamsanierung und -tausch

Fall 1: Amalgamsanierung

Beim ersten Testszenario (Amalgamsanierung) gab unser Tester an, er habe gehört, Amalgam sei schädlich. Da ein Tausch sehr teuer sei, wolle er gerne einige Kostenvoranschläge einholen.

Unvollständige Diagnosen ...

Wie im vergangenen Jahr ließen wir auch heuer vor Testbeginn ein Gutachten zum Zahnstatus der Testperson anfertigen. Dabei wurde festgestellt, dass insgesamt acht ­Defekte vorliegen. Wie bereits bei unserem Test in Österreich waren auch in diesem Test die Diagnosen höchst unvollständig. Keiner der ausländischen Zahnärzte erkannte alle Sanierungsfälle. Einer meinte gar, dass alles in Ordnung sei, vier andere erkannten jeweils eine defekte Füllung. Interessanter­weise rieten drei der sechs Zahnärzte, obwohl sie Amalgam als nicht schädlich einstuften, zur Sanierung aller Plomben.

... und nicht nachvollziehbare Empfehlungen der Zahnärzte

In zwei Ordinationen erhielt unsere Testperson die verwirrende Information, dass die Amalgamfüllungen zwar nicht zwingend getauscht werden müssten, aber doch getauscht werden sollten. Ein anderer Zahnarzt riet aus ästhetischen Gründen zum Tausch. Die Empfehlungen waren für unseren Tester größtenteils nicht nachvollziehbar. So blieb in allen Fällen unklar, welche Füllungen unbedingt saniert werden müssen und welche auf Wunsch saniert werden könnten.

 

Fall 2: Amalgamtausch

Beim Testszenario Amalgamtausch gab ­unsere Testperson an, dass ihr Zahnarzt empfohlen habe, alle Füllungen zu tauschen, und sie eine Zweitmeinung dazu einholen wolle, was wirklich gemacht werden müsse und was das kosten würde.

Kunststoff und Keramik als Alternative

Laut Gutachter waren vier Zähne sanierungsbedürftig. Erkannt hat dies allerdings kein einziger der getesteten Zahnärzte. Vier Mal wurde gar diagnostiziert, dass alle ­Zähne in Ordnung seien. Zwei Zahnärzte erkannten jeweils einen Defekt. Zur Sanierung wurde Keramik und Kunststoff beziehungsweise nur Kunststoff empfohlen. Vor- und Nachteile der eingesetzten Materialien ­wurden nicht genannt, die Kosten zum Teil erst auf Nachfrage.


 
Keine Reaktionen der Anbieter

Wie üblich haben wir alle Anbieter, die im Test mit der Berwertung „nicht zufriedenstellend“ abgeschnitten haben, um eine Stellungnahme gebeten. Von den drei betroffenen Ordinationen lagen uns bis zum Redaktionsschluss keine Reaktionen vor.

Testtabelle: Amalgamberatung im Ausland

Steckbriefe

Schill Dental Clinic - durchschnittlich (42 Punkte)

Erkannte in beiden Fällen je einen Defekt. Gesundheitliche Probleme wurden mittels Frage­bogen erhoben. Erwähnte bei Testperson 1, dass die Sanierungen nicht akut erforderlich, allerdings ratsam für die Zukunft seien. Ein per E-Mail zugesandter detaillierter Kostenplan enthielt mehr Sanierungsvorschläge als zuvor besprochen. Erkannte, dass bei Testperson 2 ein Tausch aller Füllungen nicht nötig ist.

Karloveské rameno 8, SK-84104 Bratislava +421 2 546 474 17 www.schill.sk/de


Zahnpraxis Rubin Dental - weniger zufriedenstellend (34 Punkte)

Bei Tester 1 wurde weder das Röntgenbild betrachtet, noch wurden die Zähne mit Spiegel und Sonde untersucht. Eine Sanierung wurde aufgrund des Zustandes der Plomben und "wegen des schlechten Materials" empfohlen. Ein schriftlicher Kostenvoranschlag über 1.920 Euro wurde erstellt. Bei Testperson 2 würden lediglich die festgestellten Defekte mit Kunststoff-Füllungen saniert. Kosten wären nachzufragen.

Csaba Str. 34, HU-9200 Mosonmagyaróvár, +36 96 206 585 www.rubindental.hu/de


MED-HUN-DENT Zahnklinik - weniger zufriedenstellend (20 Punkte)

Empfahl, im sichtbaren Bereich aus ästhetischen Gründen eine Amalgamsanierung vorzunehmen. Auf Wunsch sei eine Generalsanierung möglich. Ein Kostenplan für eine Sanierung aller Füllungen sowie ein Zahn-Bleaching inklusive Mundhygiene wurde ausgestellt (1.910 bis 2.410 Euro). Bei Testperson 2 wurden keine Defekte festgestellt. Empfahl Kontrolle nach sechs Monaten.

Várkerület 1-3, HU-9400 Sopron +36 20 418 58 57, www.zahnkliniksopron.at/zahnarzt_ungarn


Zahnarzt in Excalibur City - nicht zufriedenstellend (14 Punkte)

Tester 1 wurde darüber informiert, dass Defekte vorlägen. Keine Beratung über mögliche Sanierung der Defekte und über die Kosten. Zahnarzt gab an, dass er kein Amalgam verwende. Testperson 2 erhielt die Diagnose, dass alles in Ordnung sei.

Chvalovice-Hate 182, CZ-66902 Znaim +420 515 206 702 www.excaliburcity.com/de


DRN Zahnarztpraxis - nicht zufriedenstellend (11 Punkte)

Arzt stellte bei einigen Zähnen Karies fest und dass die Amalgamfüllungen bald saniert werden sollten. Bei Testperson 2 wurden keinerlei Defekte festgestellt. Falls der Wunsch bestünde, könnte jedoch das Amalgam gegen Kunststoff-Füllungen getauscht werden.

Várkerület 48, HU-9400 Sopron +36 99 505 208 www.drn.hu


Gelb Dent - nicht zufriedenstellend (9 Punkte)

Bei keiner der beiden Testpersonen wurden irgendwelche Defekte festgestellt. Testperson 1 wurde darüber informiert, dass Amalgam das beste Füllmaterial sei. Aussagen zur Schädlichkeit von Amalgam seien pure Geschäftemacherei.

Magyarstr. 7, HU-9200 Mosonmagyaróvár 0800 281 211 www.gelb-dent.hu

Zusammenfassung

  • Tausch unnötig. Intakte Amalgam­füllungen müssen aus medizinischer Sicht nicht getauscht werden. Eine Queck­silberbelastung tritt vor allem beim Aufbohren und Legen der Füllungen auf. Beim Ausbohren wird gesunde Zahn­substanz entfernt.
  • Behandlung im Ausland. Eine Zahnbehandlung in den Nachbarländern ist nicht immer günstiger. Neben den Behandlungskosten müssen in jedem Fall noch Fahrt- und eventuell Nächtigungskosten einkalkuliert werden. Klären Sie ab, wie vorgegangen wird, falls nach der Behandlung Komplikationen auftreten.
  • Beratung und Kosten. Lassen Sie sich genau über die Vor- und Nachteile einer Sanierung und die verwendeten Mate­rialien beraten. Holen Sie eine Zweit­meinung ein, wenn der Zahnarzt zur Komplettsanierung rät. Informieren Sie sich genau über die anfallenden Kosten einer Sanierung, lassen Sie sich einen Kostenplan ausstellen.

Testkriterien

Zahnstatus vor Testbeginn erhoben

Bei beiden Testern wurde der Zahnstatus vor Test­beginn von einem Experten erhoben. Ein Panorama­röntgenbild wurde angefertigt. Es diente zur Vorlage beim besuchten Zahnarzt. Der erhobene Zahnstatus diente jeweils als Basis für die Bewertung der Diag­nose.

Tester füllten Fragebogen aus

Jeder Zahnarzt wurde von beiden Testpersonen unabhängig voneinander kontaktiert und eine Amalgamberatung bzw. Überprüfung des Gebisses wurde vereinbart. Unmittelbar nach Verlassen der Praxen wurde von den Testern der Besuch gemäß dem ­Szenario mit einem für alle Zahnärzte einheitlichen Erhebungsbogen dokumentiert, dieser wurde datiert und unterschrieben (Gedächtnisprotokoll).

Bewertung: Tester und Experte

Die Beurteilung der Einzelfragen erfolgte nach dem Schulnotenprinzip (1 bis 5). Alle Fragebögen wurden am Ende der Testserie auf Vollständigkeit und Verständlichkeit kontrolliert und ausgewertet. Nach erfolgter Eingabe wurden alle Daten mit den Originaldaten abgeglichen. Die von den Testern angeführten Kommentare dienten als Grundlage für die Bewertung der Diagnose und der Beratung bzw. des Behandlungsvorschlages. Die Bewertung erfolgte in Zusammen­arbeit mit einem Experten.

Buchtipp: "Zähne"

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Aus dem Inhalt

  • Mutter, Baby, Kind
  • Zahn- und Kieferregulierungen
  • Zahnfleisch
  • Zahnersatz
  • Kassen und Kosten
  • Probleme mit dem Zahnarzt

207 Seiten, 19,60 Euro (+ Versandspesen)

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