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Ärzte suchen - Hilfe, ich brauche einen Arzt!

An medizinische Betreuung und Begleitung werden hohe Ansprüche gestellt – schließlich vertraut man dem Arzt Gesundheit, Körper und oft auch das Innenleben an. Wer bei der Suche nach dem Hausarzt wählerisch ist, vermeidet spätere Probleme.

Die Qual der Wahl

Es ist nicht leicht, einen guten Hausarzt zu finden, und es gibt kein einfaches Rezept – aber Hinweise, worauf zu achten ist. Letztlich heißt es, sich die Frage zu stellen: Was sind meine Bedürfnisse? Denn das Vertrauen zum Arzt ist ein wichtiger Heilfaktor. Kann ich Intimes, Peinliches oder Problematisches besser mit einer Frau oder einem Mann besprechen? Wem bringe ich mehr Vertrauen entgegen: einem jungen Arzt, der auf dem neuesten Stand des Wissens ist, oder einem älteren, bei dem ich die langjährige Erfahrung schätze?

Rückerstattung bei Wahlärzten

Zum Haus- oder Zahnarzt geht man regelmäßig, da ist es wesentlich preiswerter, wenn er Vertragsarzt der eigenen Krankenkasse ist. Von der Rechnung eines Wahlarztes erstatten die Kassen nur 80 Prozent jenes Betrags, den ein Vertragsarzt für die gleiche Leistung erhielte.

Die Praxis

Im Krankheitsfall wird der Hausarzt als erster kontaktiert: Seine Praxis sollte mit Pkw und öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar sein, also auch dann, wenn Sie nicht mehr gut zu Fuß sind. Gibt es günstige Sprechzeiten, eventuell auch abends? Ist die Wartezeit angemessen? Können Sie in Akutsituationen einen raschen Termin bekommen? Stehen für das Entkleiden Wandschirm oder Kabinen zur Verfügung? Müssen Sie lange entkleidet warten, weil der Arzt zwischendurch andere Patienten untersucht?

Hausbesuche und Service

Vorteilhaft wäre, dass der Arzt im Notfall Hausbesuche macht. Günstig ist es, wenn die Praxis zusätzlichen Service anbietet, etwa Ernährungsberatung, Mutterberatung oder Kurse für Entspannungstechniken.

Ausstattung der Praxis

Eine luxuriöse Praxisausstattung ist kein Kriterium für einen guten Arzt. Wartezimmer und Ordinationsräume sollten aber hell und sauber, die Sitzgelegenheiten bequem sein. Gibt es für Kinder eine Spielecke oder Bilderbücher? Liegen auch Broschüren auf, die man mit nach Hause nehmen kann, um sich eingehender zu informieren? Übrigens: Hält sich der Arzt bei der Untersuchung an Grundsätze der Hygiene – trägt er z.B. Handschuhe, wenn er offene Wunden untersucht?

Angenehme Atmosphäre

Die Stimmung in der Praxis ist ein Indikator für das, was einen dort erwartet: Wie geht der Chef mit seinen Mitarbeitern um? Ist die Arzthelferin freundlich, ist die Atmosphäre unter den Mitarbeitern angenehm? Es sollte selbstverständlich sein, mit dem Arzt oder der Ärztin ungestört sprechen zu können, ohne dass die Praxishilfe hereinplatzt. Diagnosen sollten nicht so laut übermittelt werden, dass andere mithören können, und Karteiblätter nicht offen herumliegen.

Das Gespräch

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient beruht auf gegenseitigem Respekt. Hört er mir zu, wenn ich etwas schildere, und nimmt er mich ernst? Schaut er mir beim Gespräch in die Augen? Nimmt er Rücksicht auf mein Schamgefühl? Beantwortet er Fragen bereitwillig? Kann ich Informationen aus dem Internet ansprechen, ohne dass er abwiegelt? Ist es möglich, offen zu sagen, was ich will und was nicht? Ein guter Arzt hat Verständnis dafür, wenn man vor einer wichtigen Entscheidung eine zweite ärztliche Meinung einholt.

Die Diagnose

Um nicht nur „Schaltzentrale“ für Überweisungen an Fachärzte und Krankenhaus zu sein, sollte der Hausarzt über die Krankengeschichte seiner Patienten Bescheid wissen und die medizinische Grundversorgung, Beratung und Begleitung übernehmen. Dazu ist eine ausführliche Anamnese nötig: Fragen nach bisherigen Krankheiten – auch in der Familie – und Operationen, nach der Vorgeschichte einer Krankheit und den aktuellen Beschwerden, nach Lebens- und Arbeitsumständen sowie eine gründliche körperliche Untersuchung gehören dazu.

Gezielte Untersuchungen

Bei späteren Konsultationen ist dann nur die gezielte Untersuchung des geschilderten Problems nötig, etwa Abhorchen bei Husten und Fieber, Bewegen des Hüftgelenks, wenn es Beschwerden bereitet, bei Bauchschmerzen Abtasten des Bauchraums. Es muss kein schlechtes Zeichen sein, wenn der Arzt den Körper nicht untersucht. Oft ist nur die Kontrolle der Vitalfunktionen wie Puls, Blutdruck und Herzschlag wichtig. Manche Krankheiten (zum Beispiel Gelbsucht, Feuchtblattern, Gürtelrose) kann der erfahrene Arzt sogar auf einen Blick feststellen. Wer einer solchen Schnelldiagnose nicht traut, dem wird er es gerne erklären.

Zufriedenstellende Aufklärung

Der Patient sollte spüren, dass der Arzt daran interessiert ist, das Problem aufzudecken, verständlich zu machen und zu lösen. Nennt er die genaue Diagnose? Erklärt er, welche Ursachen die Krankheit hat und wie sie verläuft? Er sollte auch deutlich machen, was die Krankheit verschlechtert und was man selbst zur Besserung des Befindens beitragen kann. Nicht jede Krankheit kann der Hausarzt erkennen. Ist eine Überweisung zum Facharzt erforderlich, sollte er sie mit Verdachtsdiagnose begründen und erklären, warum er weitere Untersuchungen für notwendig hält.

Die Therapie

In die Entscheidung für eine Therapie sollte der Arzt mich einbeziehen – schließlich geht es um meine Gesundheit. Das ist nur möglich, wenn ich vorher eine umfassende Information erhalte: warum eine bestimmte Behandlung begonnen werden und wie diese ablaufen soll; welche Risiken die Therapie mit sich bringt, aber auch was geschieht, wenn die Behandlung nicht konsequent durchgeführt oder gar nicht behandelt wird; und ob es andere Therapiemöglichkeiten gibt. Ich sollte Bescheid wissen, welche Kontrollen im Lauf der Therapie wann notwendig sind.

Genaue Erklärungen wünschenswert

Ein guter Arzt informiert genau darüber, wann und wie die verordneten Medikamente einzunehmen sind, ob auf besondere Nebenwirkungen geachtet werden muss. Beim Hausarzt sollten alle Informationen über die Medikamente zusammenlaufen. Es ist wichtig, die Gefahr möglicher Wechselwirkungen mit anderen Mitteln abzuschätzen: Fragt der Arzt nach Medikamenten, die von anderen Ärzten bzw. dem Krankenhaus verschrieben wurden oder die ich sonst noch anwende? Eine Liste aller Präparate sollten Sie immer dabeihaben. Stellt der Arzt eigenmächtig Medikamente von Kollegen um, wäre das unter Umständen gefährlich. Rät er zu einer teuren Therapie, die von der Kasse nicht bezahlt wird, ist Nachfragen angebracht: Die Kassen erstatten in der Regel die Kosten für wirksame Behandlungen.

Der Arzt sollte von sich aus das Thema Vorbeugung und Vorsorge ansprechen, über Lebensstil und Ernährung sprechen und über notwendige Impfungen informieren.

Der Zeitfaktor

Zuletzt stellt sich die Frage: Ist der Arzt wirklich auf mich eingegangen und fühle ich mich gut versorgt? Eine neue Studie aus den USA liefert dazu interessante Erkenntnisse: Zufriedene Patienten überschätzen die Zeit, die sie beim Arzt verbracht haben, um zwei Minuten, unzufriedene empfinden sie um dieselbe Spanne geringer als sie tatsächlich war. Habe ich den Eindruck, zu kurz gekommen zu sein, kann es also auch daran liegen, dass andere Bedingungen für mich nicht stimmen.

Tipps für Spezialfälle

Hausarztwechsel. Mit Beginn eines neuen Versicherungszeitraumes kann man ohne Angabe von Gründen den Arzt wechseln. Strebt man einen früheren Wechsel an, können Beamte ohne Begründung wechseln. Nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz Versicherte müssen den Wechsel bei der Krankenkasse begründen und eine Genehmigung einholen.

Ambulanz. In bestimmten Fällen (Rheuma, Allergien, Diabetes ...) ist man in einer hoch spezialisierten Ambulanz oder einer Kassenambulanz gut aufgehoben. Dort werden vielfach auch Schulungen angeboten, zum Beispiel für den richtigen Umgang mit Diabetes. Eine ärztliche Überweisung ist in den meisten Fällen vorgeschrieben. Im Falle einer Verletzung können sich Betroffene selbst an eine Spitalsambulanz wenden. Dies gilt in Ausnahmefällen auch für Erkrankungen (zum Beispiel außerhalb der ärztlichen Praxisöffnungszeiten). Über die Notwendigkeit einer stationären Aufnahme wird in jedem Fall im Spital entschieden.

Facharzt. Für die Suche nach einem guten Facharzt gibt es weder offizielle Qualitätsdokumentationen noch ein Patenrezept. Am besten lässt man sich vom Hausarzt beraten oder erkundigt sich bei Freunden und Bekannten.

Zweite Facharztmeinung. Wer mit einer Facharztdiagnose unzufrieden ist, kann auch innerhalb eines Quartals eine zweite Facharztmeinung einholen. Um eine Freischaltung der e-card zu erreichen, müssen sich nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz Versicherte direkt an die Krankenkasse wenden. Die Kosten der Behandlung werden von der Kasse übernommen.

Spezialisten für komplizierte Eingriffe. Je schwieriger eine Operation, umso wichtiger ist es, dass der Chirurg sie häufig durchführt und das Spital darauf spezialisiert ist. Leider wird hier zu Lande nicht öffentlich gemacht, wie oft welche Operation in welchem Krankenhaus mit welchem Erfolg durchgeführt wird. Weiterhelfen können hier unter Umständen Selbsthilfegruppen, etwa bei Krebs die Krebshilfe ( www.krebshilfe.net ). Zu welchem Teil die Kasse Kosten für Eingriff und Spitalsaufenthalt übernimmt, sollte vor dem Eingriff mit Arzt und Krankenhaus geklärt werden.

Komplementärmedizinische Angebote. Wer beispielsweise einen Arzt sucht, der Akupunktur anbietet, wendet sich am besten an die entsprechende Fachgesellschaft - in diesem Fall die Österreichische Wissenschaftliche Ärztegesellschaft für Akupunktur ( www.akupunktur.org ), die Österreichische Gesellschaft für Akupunktur ( www.akupunktur.at ) oder die Akademie für Ganzheitsmedizin in Wien, www.gamed.or.at . Dort liegen Ärztelisten auf.

Patienten haben häufig das Gefühl, ihren Ärzten ausgeliefert zu sein. Doch wer krank ist, ist durchaus nicht schutzlos – vorausgesetzt, er kennt seine Rechte. Unser Buch zeigt anhand konkreter Beispiele, welche Rechte Patienten im Gesundheitsbetrieb haben und welche Möglichkeiten bestehen, diese durchzusetzen.

www.konsument.at/patient-recht

Aus dem Inhalt

  • Krankenkasse und freie Arztwahl
  • Welche Behandlung steht mir zu?
  • Das Recht auf Selbstbestimmung
  • Behandlungsfehler und Haftung des Arztes
  • Psychiatrie und Heimunterbringung
  • Gesundheitsakte, Krankengeschichte, Datenschutz

196 Seiten, 14,90 € + Versand

KONSUMENT-Buch: Mein Recht als Patient 

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