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Überziehungszinsen - Ein starkes Stück

Die Zinsen für das Überziehen des Kontos liegen enorm hoch: Sie betragen bis zu 13,75 Prozent. Unser Zins-Vergleich zeigt: Ein Bankwechsel kann sich lohnen.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Kontoüberziehung - keine Robin Hoods 4/2013

Bei den Privatkrediten sind die Zinsen schon vor geraumer Zeit ordentlich gesunken. Wer heute ein Darlehen fürs Auto oder die ­Wohnungseinrichtung braucht, ist ab zirka 5 Prozent dabei.

Überziehungszinsen im zweistelligen Bereich

Bei den Girokonten hin­gegen liegen die Zinssätze fürs Überziehen oft im zweistelligen Bereich, während für das Guthaben auf dem Konto meist nicht einmal ein Viertelprozent bezahlt wird. Eine Diskrepanz, die viele Kontonehmer empört, selbst dann, wenn sie ihr Konto nie überziehen. "Wie kann es sein, dass die Überziehungszinsen so hoch bleiben? Ist das überhaupt rechtens?", lauten immer häufiger die Anfragen von Betroffenen. Der Oberste Gerichtshof hält in einem Urteil – allerdings nicht gegen eine Bank – rund 12 Prozent Verzugszinsen in der heutigen Zinsenlandschaft für gröblich benachteiligend.

Geringe Guthabenzinsen

Die Überziehungszinsen für Gehaltskonten sind oft fix. Sie verharrten daher trotz sin­kender Marktzinsen auf dem hohen Niveau der Zeit vor der Krise. Die Guthabenzinsen wiederum waren für Kontoinhaber noch nie profitabel. Die Banken haben verständ­licherweise wenig Interesse daran, dieses System zu ändern. So kommt es, dass es bei mehr als der Hälfte der Kontomodelle, die wir uns jetzt angesehen haben, nach wie vor fixe Sollzinsen gibt.

Schlecht in Niedrigzinsphase

In Hochzinsphasen ist das auch für die ­Kunden ein gewisser Vorteil, weil dann der Überziehungszinssatz nicht in lichte Höhen schießt. In der derzeit andauernden Niedrigzinsphase fährt man damit aber schlecht, da die Sollzinsen des eigenen Kontos dann ­immer noch weit über dem liegen, was ak­tuell auf dem Kapitalmarkt für einen Kredit verlangt wird.

Deftiger Zins-Aufschlag

Zum Vergleich: Auf dem ­Interbankenmarkt steht der kurzfristige ­Euribor-Zinssatz (1-Woche-Euribor) bei 0,083 Prozent, und auch der gerne im Kreditgeschäft verwendete 3-Monats-Euribor ist mit 0,22 Prozent eine richtige Okkasion in Relation zu den beinahe zweistelligen Zinssätzen, die den Kunden oft verrechnet ­werden. Die genannten Geldmarktzinsen sind natürlich für den Handel der Banken untereinander ausgelegt und nicht 1 : 1 für Privatkunden zu haben. Aber selbst mit einem deftigen Aufschlag gerechnet sind sie ein mehr als deutlicher Hinweis darauf, dass es viel günstiger gehen könnte.

Aufschläge: wie es euch gefällt

Aufschläge: wie es euch gefällt

Bei den Aufschlägen zeigt sich die Intrans­parenz des Zinsensystems in ihrer ganzen Pracht. Die Banken richten sich bei den Zins­anpassungen nach bestimmten Referenzzinssätzen. Bei den von uns erhobenen Zins­sätzen wurden teilweise Formulierungen wie "marktkonform“ oder "indivi­duell“ für die Anpassungsmechanismen verwendet. Solche wol­kigen Umschreibungen für Zinssatzänderungen sind – wie viele unserer Musterprozesse gezeigt ­haben – gesetzeswidrig und daher unwirksam.

An Vergleichswert gekoppelt

Veränderbare, also variable Zinssätze müssen an einen für den Verbraucher nachvollziehbaren Referenzwert gekoppelt sein. Dies ist an sich schon schwer nachvollziehbar. Nach der Anpassung – an welchen Referenzzinssatz auch immer – kommen aber auch noch die Aufschläge der jeweiligen Bank dazu und machen aus den Kontopaketen richtige Überraschungseier.

3-Monats-Euribor

Ein Beispiel: Selbst wenn man den gleichen Referenzzinssatz (3-Monats-Euribor) ­zugrunde legt, verlangt die Volksbank Ried im Innkreis einen Aufschlag von 0,875 Prozent, während es bei direktanlage.at 7,25 Prozent sind. Weiteres Beispiel: Die Hypo Tirol hat auf ihren Referenzzinssatz (1-Monats-Euribor) ­einen Aufschlag von 11 Prozent fest­gelegt und für den Habenzinssatz 6 Prozent Abschlag. Das ergibt eine Spannweite von 17 Prozent für das Hereinnehmen und Aus­leihen von Einlagen mit gleicher Frist – wohl­gemerkt nur theoretisch, weil der 1-Monats-Euribor schon seit bald 15 Jahren nicht einmal mehr in die Nähe von 6 Prozent gekommen ist.

Teuer: BAWAG PSK, UniCredit Bank Austria

Kontowechsel oder Kredit

In der Praxis ergibt sich daraus eine klare Aufforderung zum Handeln: entweder zum Kontowechsel, da es sehr wohl Institute gibt, die faire Zinsen verrechnen; oder für jene, die ihr Konto eher überziehen, zum Aufnehmen eines Privatkredits. Kredite haben den Nachteil, dass sie mit zusätzlichen Kosten verbunden sind, daher sind sie erst ab Beträgen von mehreren Tausend Euro wirklich sinnvoll.

Daueraufträge, Ein- oder Auszahlungen umschreiben

Was immer geht und einfacher ist, als viele befürchten, ist der Kontowechsel. Üblicherweise nehmen die Banken ihren Neukunden den Großteil der Arbeit ab, indem sie Daueraufträge und andere laufende Ein- oder Auszahlungen umschreiben. Der schwierigste Part für den Kunden besteht darin, eine gute neue Bank zu finden. Wie wir bei unseren Recherchen feststellen mussten, sind viele Geldinstitute anscheinend überhaupt nicht an neuer Kundschaft interessiert. Jedenfalls erhielten wir vor allem von überregionalen Anbietern wie BAWAG PSK und UniCredit Bank Austria keine Rückmeldung.

Bawag und UniCredit verlangen 13,25%

Vielleicht liegt das auch daran, dass sie sich mit ihren Konditionen nicht gerade brüsten können. Denn zumindest via Homepage lassen sich sehr wohl Vergleiche ziehen, wenn auch nicht gerade auf die einfache Tour. Vor allem hinsichtlich der Sollzinsen ist es mit der Transparenz nicht weit her. UniCredit Bank Austria und Oberbank zum Beispiel verraten auf ihren Websites zwar ihre Kontopaketpreise, die aktuellen Zinskonditionen waren aber nur schwer herauszufinden. Dabei lag zum Beispiel der Sollzinssatz für das Erfolgskonto der UniCredit Bank Austria bei 13,25 Prozent, bei der KontoBox Basis der BAWAG beträgt er laut Homepage ebenfalls 13,25 Prozent.

Erste Bank: Sollzinssatz mit 9,5%

Das günstigste BAWAG-Angebot, die KontoBox Flex, liegt immer noch bei 8,5 Prozent; knapp darunter mit 8,25 Prozent das Oberbank Vorteils Konto (alle Angaben wurden per Internetrecherche erhoben). ­Lobend zu erwähnen ist die Erste Bank dafür, dass sie ihre Zinskonditionen von sich aus bekannt gab, allerdings ist der Sollzinssatz mit 9,5 Prozent auch nicht gerade ein Schnäppchen.

Fast drei Mal so hohe Zinsen

Fast dreimal so hohe Zinsen

Auskunftsfreudig zeigten sich vor allem ­regionale Anbieter, insbesondere viele Raiff­eisenbanken. Bei den kleineren Anbietern waren im Endeffekt auch die günstigsten Konditionen zu finden – aber auch die teu­ersten: Die Spannweite der Überziehungszinsen reichte von 4,625 Prozent bei der Volksbank Ried im Innkreis bis zu 13,75 Prozent bei der Volksbank Weiz und der Raika Korneuburg. Klein ist also nicht automatisch fein. Es kann sich aber lohnen, regionale ­Angebote in einen Vergleich mit einzubeziehen, denn mitunter liegt das Gute sehr nah.

Große Spannbreite bei Konto­paketen für Studenten

Große Spannbreiten finden sich auch bei ­andere Kontoformen wie etwa den Konto­paketen für Studenten. Dort reichten die ­Unterschiede von 3 Prozent (Raiffeisenbank Laa an der Thaya) bis zu 13 Prozent (Sparda-Bank Villach/Innsbruck). Wichtig ist natürlich, wenn Sie einen Wechsel beabsichtigen, nicht ausschließlich auf den Zinssatz zu ­achten. Girokonten sind heutzutage meist nur als fertige Kontopakete mit allerhand ­Zusatzleistungen zu haben (siehe "Die fünf Günstigsten und Teuersten“). Das erschwert Vergleiche zusätzlich. Aber selbst wenn das neue Konto nicht hundert­prozentig auf die eigenen Bedürfnisse zuge­schnitten ist, fahren Sie damit sicher besser, als wenn Sie unverschämt hohe Zinsen schicksals­ergeben hinnehmen.

Tabelle: Sollzinsen Lohn-Gehaltskonten

Tabelle: Sollzinsen Studentenkonten

Tabelle: Sollzinsen Girokonten ohne Eingänge

Kontoüberziehung: die 5 Günstigsten und Teuersten

Einige Institute haben es nicht für notwendig erachtet, ihre Konditionen bekannt zu geben. ­Aufgrund unserer Recherchen ist davon auszugehen, dass sie in einigen Fällen schlechter liegen würden als die hier angeführten Institute.


Von denen, die rückgemeldet haben, schnitten hinsichtlich der Überziehungszinsen folgende fünf am besten bzw. schlechtesten ab:

Die 5 Banken mit den niedrigsten Überziehungszinsen

Bank  Bezeichnung Sollzinsen Habenzinsen Fixkosten/
Quartal
Volksbank Ried im Innkreis Standardpaket 4,625 0,25 6,50
Hypo Alpe-Adria-Bank Hypo-Classic-Konto 6,7  0,15 26,00
Raika St. Anton/Arlberg Girokonto Standard 7  0,5 9,60
IMMO-BANK*) Standard Privatkonto 7,2  0,125 4,58
IMMO-BANK*) Inklusiv-Paket 7,2  0,125 13,74
Raika Waidhofen/Thaya Standardpaket 7,25  0,25 18,75
Raika Waidhofen/Thaya Komfortpaket 7,25  0,25 27,50
*) Immobilienfinanzierungsbank, Girokonto ist nur Zusatzprodukt       


Die 5 Banken mit den höchsten Überziehungszinsen

Bank Bezeichnung Sollzinsen Habenzinsen Fixkosten/
Quartal
Raika Laa/Thaya  Vorteilskonto  12,875 0,125 13,90
Volksbank Weiz  Gehalts-, Privatkonto  13,75 0,0625 5,50
Raika Korneuburg  Gehaltskonto  13,75 0,125 8,18
Raika Korneuburg  Pensionskonto  13,75 0,125 8,18 
Volksbank Weiz  Top-Konto  13,75 0,0625 20,00

Das richtige Konto finden

So etwas wie ein Girokonto "ohne nichts“ gibt es eigentlich fast nicht mehr. Selbst bei Basisprodukten ist üblicherweise zumindest eine Bank- oder Bankomatkarte dabei, um die Automaten in den Bankfoyers nutzen zu können. Oft gibt es außerdem eine Reihe von Zusatzleistungen, die man braucht oder auch nicht; z.B. eine gratis SMS-Kontostands­info einmal wöchentlich, oder „Services“ wie die Möglichkeit zum Internetbanking oder zum elektronischen Download von Kontoauszügen. 

Was ist für Sie sinnvoll?

Die Kosten der Kontopakete sind stark von den inkludierten Leistungen abhängig, daher müssen Sie genau überlegen, was davon überhaupt für Sie sinnvoll ist und worauf der Schwerpunkt liegen soll: Kontoüberzieher sollten vor allem auf die Sollzinsen achten, Vielreisende brauchen eine gute Kreditkarte, und wer vor allem ein günstiges Konto haben will, für den stehen gute Habenzinsen und geringe bis gar keine Kontoführungsgebühren an erster Stelle.

Spannbreite bei den ­Kontofixkosten

Die Spannbreite bei den ­Kontofixkosten reicht hier immerhin von 0 bis 45 Euro pro Quartal. Achten Sie vor allem bei Gratis-Girokonten auf mögliche Extrakosten. So fallen beispielsweise bei der Hypo Ober­österreich trotz Nulltarif 10,54 Euro pro Quartal für Bankomat- und Kreditkarte an.

Am Limit: Einkaufsreserve, Liquiditätspolster

Der Überziehungsrahmen wird oft auch als Einkaufsreserve oder Liquiditätspolster bezeichnet. Hier handelt es sich aber bereits um Schulden an die Bank.

"Kontolimit“ heißt, bis zu diesem Betrag gelten die Überziehungszinsen. Für Beträge, die über das Limit hinaus behoben werden, fallen zu den Überziehungszinsen noch weitere 2 bis 6 Prozent Zinsen an – die teuerste Lösung also, wenn man sich über das eigene Konto finanziert.

Erste Bank stellte Überziehungsrahmen ungefragt auf null

Überprüfen Sie Ihren Überziehungsrahmen regelmäßig. Wie wir haben bereits mehrmals von Bank­kunden erfahren haben, werden die Limits nicht selten von den Banken verändert. Wie etwa bei einem Kunden der Erste Bank, dessen Überziehungsrahmen ungefragt und ohne entsprechende Information auf null gestellt wurde. Argumentation der Bank: Ab einem reiferen Alter der Kunden müsse man sich gegen einen möglichen Verlust des Geldes durch Todesfall absichern.

Männer bevorzugt, Frauen benachteiligt

Abgesehen von der menschenverachtenden Haltung, die daraus spricht, scheinen die Limits allgemein völlig willkürlich festgesetzt zu werden. So erhielt zum Beispiel ein Paar, das seine Online-Girokonten gleichzeitig eröffnet hatte, bei identischen Ausgangsbedingungen völlig unterschiedliche Über­ziehungsrahmen: Dem Kontonehmer wurde ein Liquiditätspolster bis 4.000 Euro eingeräumt; seiner Partnerin wurde der Überziehungsrahmen ungefragt auf null gestellt und auch in den folgenden Jahren – trotz ununterbrochen positivem Saldo im vierstelligen Bereich – so belassen. Wenn Sie Ihr Konto nie überziehen, ist das kein Problem. Falls das aber öfter passiert, sollten Sie sich um eine ­entsprechende Einkaufsreserve kümmern, um die Kosten buchstäblich im Rahmen zu halten.

Zusammenfassung

  • Enorme Spannbreiten. Bei 1.000 Euro Kontoüberziehung liegt der Unterschied zwischen teurem und günstigem Konto bei rund 90 Euro im Jahr.
  • Fix oder variabel. Mehr als jedes zweite Kontomodell sieht nach wie vor fixe Überziehungszinsen vor. Sofern es sich nicht um einen ausgesprochen niedrigen Zinssatz handelt, besser eine variable Verzinsung wählen, die sich den Marktgegebenheiten anpasst.
  • Zinsanpassung oder nicht. Wie, wann und nach welchen Kriterien variable Zinsen angepasst werden, ist bei vielen Anbietern für die Kunden praktisch nicht nachvollziehbar. Dasselbe gilt für die Aufschläge auf Referenzzinssätze.
  • Kontowechsel oder Kredit. Hohe Überziehungszinsen sind kein Schicksal: Es gibt bessere, transparentere Angebote. Bei größeren Beträgen fahren Sie mit einem Privatkredit günstiger.

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