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Sparen: strukturierte Anlageprodukte - Garantiert undurchsichtig

, aktualisiert am

Seit der Finanzkrise sind Anlageprodukte gefragt, die mit Sicherheit werben. Eine nähere Analyse zeigt aber, dass der Ertrag oft zu wünschen übrig lässt.

Was haben uns die heimischen Finanzdienstleister versprochen, nachdem der Finanzmarkt in Übersee durch „die wirren Spekulationen dort“ den Bach hinunterging und unsere Waisenknaben mitzureißen drohte? Natürlich Besserung und jede Menge vertrauensbildende Maßnahmen.

Was versprechen sie uns heute, noch unter dem Eindruck der Krise stehend? Zum Beispiel „… mehr als 16 Prozent Gewinn“ (Wüstenrot) oder auch „ … eine Verzinsung von bis zu 7 %“ (Erste Bank, s-Versicherung, Wiener Städtische), und das bei voller Kapitalgarantie!

Keine Spur von Transparenz

Selbst völlig unbedarfte Sparer ahnen: Derart hohe Erträge bei maximaler Sicherheit – das gibt’s doch nicht! Und sie haben recht. Sieht man sich einige der Anlageprodukte an, die von den großen Anbietern hierzulande derzeit stark beworben werden, muss man feststellen, dass offenbar wie zuvor mit allen Mitteln Kundenfang betrieben wird. Von Transparenz und Vertrauensbildung keine Rede.

Bei den zufällig ausgewählten Angeboten handelt es sich mehrheitlich um kompliziert aufgebaute, ineinander verschachtelte Versicherungsund Wertpapierprodukte, bei denen oft nicht gewiss ist, ob auch nur ein Cent mehr herauskommt als das eingezahlte Kapital. Und da bei einigen nicht einmal so richtig klar ist, wer denn für die Kapitalgarantie geradesteht, sollte man sich auch darauf nicht zu hundert Prozent verlassen. Schließlich ist in den vergangenen Monaten so mancher große Finanzdienstleistungsanbieter ins Trudeln geraten.

„Sicher UND ertragreich“ gibt’s nicht

Sicherheit steht bei Anlegern verständlicherweise hoch im Kurs. Kapitalgarantien sind daher für viele ein entscheidendes Kriterium bei der Geldanlage. Sie bringen aber, selbst wenn man dem Garantiegeber vollständig vertraut, weitere Nachteile mit sich: Erstens geht Sicherheit immer auf Kosten des Ertrags. Die tatsächliche Nettorendite ist auch bei den Angeboten, die wir uns angesehen haben, zum Teil äußerst mickrig: zum Beispiel 0,87 Prozent beim Bank Austria S.M.I.L.E. Garant II oder 0,75 Prozent beim BAWAG Österreich Sparbuch.

Das, was in Aussicht gestellt wird, liegt natürlich deutlich darüber, ist jedoch nur unter günstigsten Marktbedingungen – in manchen Fällen aber gar nicht – zu erzielen.

Nichtssagende Infos

Klingende Namen, nichtssagende Infos

Bei den nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Anlageprodukten fiel auf den ersten Blick vor allem auf, dass die Verpackung (also die Produktbezeichnung) kaum Rückschlüsse auf den Inhalt zulässt. Umso höher daher unsere Erwartungen an die Produktunterlagen zu „Edition 150“, „Rocket V“ oder „Garant Plus“.

Aber auch hier häufig Fehlanzeige: Hervorgehoben werden in Prospekten, Foldern und auf Homepages zwar Garantie, Sicherheit und Ertrag; was der Anleger tatsächlich kauft oder zeichnet, bleibt aber weitgehend verborgen. Auch das Thema Risiko wird umgangen. Lediglich in einem einzigen Fall (Raiffeisen) fanden wir die Produktbeschreibung auf der Homepage. In allen anderen Fällen musste sie extra angefordert oder in einer Filiale abgeholt werden.

Versteckte Lebensversicherungen

Faktum ist: Hinter der Mehrzahl der aktuell angebotenen strukturierten Anlageprodukte verstecken sich indexgebundene Lebensversicherungen. Eine nicht unwichtige Information für die Anleger, denn Lebensversicherungen setzen in der Regel eine lange Anlagedauer voraus. So ist es auch bei den überprüften Angeboten: Unter zehn Jahren geht gar nichts, und wer vorher aussteigt, tut das mit Verlusten ( siehe „Was sind indexgebundene Lebensversicherungen?“).

„Lange Laufzeit – höhere Zinsen“ lautet eigentlich eine Grundregel im Veranlagungsgeschäft, vor allem, wenn man nicht vorzeitig aussteigen kann. So gesehen sind die hier garantierten Nettorenditen zwischen 0,87 und 3,2 Prozent nicht gerade ein Hit. Möglicherweise wird es ja durch die Koppelung mit Wertpapieren mehr – aber so sicher wie von den meisten Anbietern dargestellt ist das keineswegs. Beim Rocket V der Volksbank und der Edition 150 von Generali fällt dieser Unsicherheitsfaktor weg: Die Erträge sind fix, die garantierte Nettorendite liegt bei 3,65 bzw. 3,44 Prozent.

 

Wie eine russische Puppe

Wie eine russische Puppe

Nicht zu den indexgebundenen Lebensversicherungen zählen zwei weitere Werbehits, die ebenfalls mit einer Kapitalgarantie aufwarten: das BAWAG Österreich Sparbuch und der Wüstenrot Dynamic Bond.

Bei Ersterem suggeriert allein schon der Name Sicherheit, es unterliegt auch der Einlagensicherung. Es handelt sich aber nicht um ein herkömmliches Sparbuch, und der Österreich-Bezug hinkt ein wenig: Der mit 0,75 Prozent ziemlich magere Ertrag soll nämlich im Laufe von vier Jahren Bindung durch die Beteiligung an einem Aktienkorb aufgefettet werden. Darin enthalten sind mit Danone und General Elect­ric nicht nur heimische Aktien.

Auch der Wüstenrot Dynamic Bond präsentiert sich auf den ersten Blick als harmloses Sparprodukt. Erst in den Geschäfts­bedingungen, die den Prospekten nicht beiliegen und auch auf der Homepage nicht zu finden sind, entpuppt sich das ­Angebot als Unternehmensanleihe, die nicht der Einlagensicherung unterliegt. Das Risiko des Zahlungsausfalls trägt also der Anleger. Honoriert wird das zum Beispiel nach zwei Jahren durch 1,6 Prozent garantierten Ertrag, auf sechs Jahre werden 2,6 Prozent garantiert. Ein echtes Schnäppchen – für den Anbieter, der sich damit billiges Geld leiht!

Auswahlkriterium „Durchschaubarkeit“

Was bleibt als Alternative? Auf jeden Fall sollten es einfache, durchschaubare Produkte sein – ob nun biedere Sparbücher, Bausparverträge oder, wenn es eine Anlage auf dem Kapitalmarkt sein soll, die direkte Investition in bestimmte Anleihen, Aktien oder Fonds. Art und Risiko der Veranla-gung müssen durchschaubar bleiben. Und natürlich gilt wie immer: Risiken streuen, nicht alles auf ein Pferd setzen.

 

Anlegen im Babuschka-System

Für Otto Normalanleger ist kaum durchschaubar, wer bei den strukturierten Anlageprodukten wofür haftet, wie realistisch die Aussichten auf den versprochenen Ertrag sind und wo im Endeffekt die Rendite herkommen soll. Als Beispiel dafür, wie verschachtelt die angebotenen Garantieprodukte derzeit sind, haben wir den S.M.I.L.E. Garant der Bank Austria gewählt.

Bild: VKI
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Zusammenfassung

  • Verschachtelte Investments: Bei vielen der derzeit heftig beworbenen Anlageprodukte mit Kapitalgarantie handelt es sich um kompliziert aufgebaute, undurchschaubare Angebote mit ungewissem Ertrag.
  • Versteckte Versicherungen: Hinter den Kons­truktionen steckt oft eine Lebensversicherung, mit der man sich auf mindestens zehn Jahre ­bindet. Das wird aber verschwiegen. Ein vorzei­tiger Ausstieg kommt teuer.
  • Mickrige Renditen: Entgegen den vollmundigen Ankündigungen sind die Nettorenditen relativ gering, vor allem angesichts der langen Laufzeiten.

Was sind indexgebundene Lebensversicherungen?

Es handelt sich um eine Kombination aus Ab­lebensversicherung und Ansparen. Die Höhe der Gewinnbeteiligung hängt von der Kursentwicklung eines oder mehrerer Indizes, z.B. Aktien­indizes, ab. Dies bestimmt also darüber, wie viel die Lebensversicherung am Ende abwirft. Ziel ist natürlich eine möglichst hohe Rendite. Spielt der Kapitalmarkt aber nicht mit, kann sich auch eine geringere Rendite als etwa bei gebundenen Sparbüchern ergeben.

Die indexgebundene Lebensversicherung wird für eine bestimmte Zeit abgeschlossen. Ausbezahlt wird sie entweder im Versicherungsfall, also im Todesfall des Versicherten, oder nach Ablauf des Vertrags. Ein vorzeitiger Vertragsausstieg ist – wie immer bei Lebensversicherungen – mit Ver­lusten verbunden.

Beispiel Generali Edition 150: Bei einer Einzahlung von 10.000 Euro erhielte man bei einem vorzeitigen Ausstieg je nach Laufzeit nur zwischen 8.000 und 8.700 Euro zurück. Erst am Ende der Laufzeit, in diesem Fall nach zwölf Jahren, wäre die garantierte Summe von 15.000 Euro erreicht.

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