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Sparen: Inflation schlägt Ertrag - Gute Zinsen verzweifelt gesucht

Die Sparzinsen für kurzfristige Anlagen stagnieren auf niedrigem Niveau. Längere Bindungen bringen wenig mehr und sind wegen der ungewissen weiteren Entwicklung nicht zu empfehlen.

niedrige Sparzinsen (Illustration: Leszek Wisniewski) Ernst zu nehmende Prognosen, wie sich die Sparzinsen entwickeln werden, sind derzeit nicht möglich. Fix ist, dass es kaum noch weiter nach unten gehen kann. Wann die Zinsen wieder ansteigen könnten und in welchem Ausmaß, steht aber in den Sternen.

Auch zur Frage, welche Sparform am bes­ten gewählt werden soll, sind Empfehlungen nicht möglich. Allerdings raten wir eher davon ab, Spareinlagen auf lange Zeit zu binden. Alles, was über ein, zwei Jahren liegt, ist riskant. Denn wenn die Zinsen plötzlich zu steigen beginnen, können Sie sich bei einer Fünf- oder gar Zehn-Jahres-Bindung mit Niedrigzinsen nur ärgern, weil Sie anderswo höhere Zinsen lukrieren könnten.

Inflation schlägt Rendite

Die Inflation lag im Sommer, zum Zeitpunkt unserer ersten Erhebung, bei rund 2 Prozent. Daran kamen, wie unsere Bestbieter-Tabellen zeigen, selbst auf ein Jahr gebundene Fixzinseinlagen nicht immer heran; dabei ist hier noch nicht einmal die 25-prozentige KESt abgezogen!

Halbe Milliarde abgezogen

Da ist es keine Überraschung, dass den Österreichern das Sparen plötzlich keine rechte Freude mehr macht: Wie die Oesterreichische Nationalbank im Juli vermel­dete, haben private Haushalte im ersten Quartal dieses Jahres mehr als eine halbe Milliarde Euro von Sicht-, Termin- und Sparkonten abgezogen. Ein bisschen was davon floss wohl in Gold, ein bisschen was in Immobilien, ein Teil wurde für Anschaffungen verwendet – und vieles würde man wohl gern in einem sicheren, profitablen Hafen deponieren. Doch der ist derzeit nicht in Sicht.

Unternehmensanleihen

Höhere Zinsen als die meisten Sparbücher bieten jetzt Unternehmensanleihen, wie zum Beispiel sparanlage.at. Trotz des ­Namens ist das keine Form des Sparens, sondern eine Anleihe; im Grunde also ein Kredit, den die Anleger der Handelsfirma Spar gewähren. Das bedeutet: Für die einbezahlten Beträge gibt es keine Einlagen­sicherung!

Würde Spar in Zahlungsschwierigkeiten geraten oder pleitegehen, wäre unter Umständen das ganze einbezahlte Geld weg. Ähnliche Anleihen findet man im Internet öfter, wobei häufig nicht deutlich beschrieben wird, dass es sich nicht um Spareinlagen handelt.

Blitzer und Blender

In solchen Zeiten schlägt nur zu oft die Stunde der Blitzer und Blender, die mit scheinbar sicheren Toprenditen winken. Doch zu verschenken hat niemand etwas, und auch wenn die Banken die Kredit- und Überziehungszinsen ruhig etwas herunterfahren und bei den Guthabenzinsen etwas drauflegen könnten: Hohe Renditen sind derzeit mit sicheren Anlagen einfach nicht zu machen. Also muss es sich bei höheren Erträgen um riskantere Geschäfte handeln, bei denen im schlechten Fall eventuell auch das eingesetzte Kapital auf dem Spiel steht.

Investieren Sie daher bei zweifelhaften, aber auch bei äußerst überzeugenden Anlage-Angeboten immer nur dann, wenn alle wichtigen Fragen (siehe Checkliste) ausreichend beantwortet sind. Es versteht sich außerdem von selbst, dass man sich nur dann in solche Abenteuer stürzen sollte, wenn der Gutteil des eigenen Vermögens bereits sicher deponiert ist.

Kirschen in Nachbars Garten

In mageren Zeiten späht mancher auch gern über die Grenze, ob es dort nicht mehr zu holen gäbe. Das Internet hat ­Recherchen und Vergleiche deutlich erleichtert, an den seit Jahrhunderten gül­tigen Anlagegesetzen hat sich aber nichts geändert: höhere Rendite = mehr Risiko. Dazu kommen im Ausland andere rechtliche Bedingungen, eventuell eine andere Sprache und nicht zuletzt außerhalb der Euro-Zone das Währungs­risiko. Unter Umständen ist für einen Vertragsabschluss ein Wohnsitz im jeweiligen Land erforderlich oder eine Kontoeröffnung nur mit erheblichem Aufwand möglich. Auch die Versteuerung sollte gleich von Beginn an ins Kalkül gezogen werden.

Big Bank und Advanzia Bank

Zwei aktuelle Beispiele für Angebote von ausländischen Banken in Österreich: Da ist die Big Bank, eine estnische Internet-Bank, die für Festgeld mit Laufzeiten ­zwischen sechs Monaten und fünf Jahren etwas ­höhere Zinsen anbietet (derzeit zwischen 2,0 und 4,3 Prozent). Und da ist die Advanzia Bank aus Luxemburg, die mit guten Zinsen wirbt, aber eine Mindesteinlage von 5.000 Euro verlangt und eher ungewöhn­liche Vertragsbedingungen hat. Auch die Besteuerung kann umständlich werden.

Lohnt der Aufwand?

Niemandem soll der Blick über die Grenze vermiest werden; schließlich ist es vorteilhaft, dass man heute relativ einfach ver­gleichen kann. Dabei sollte aber immer abgewogen werden, ob sich das etwas ­höhere Risiko oder der größere Aufwand für ein paar Zehntelprozentpunkte lohnt. Wie schnell es selbst mit vermeintlich topsicheren Angeboten danebengehen kann, zeigte das Beispiel Kaupthing-Bank aus ­Island. Dabei kamen die meisten heimischen Anleger in diesem Fall sogar noch mit dem Schrecken davon!

Tabelle: Sparzinsen

Stand: 2.9.2010 - bei gleichem Zinssatz Reihenfolge alphabetisch

Bankinstitut Homepage Produkt Zinssatz in % Mindest-einlage
in Euro
Täglich fällige Einlagen    
Denizbank denizbank.at Online-Sparen
Tagesgeld
1,625 1.000
Autobank autobank.at Einlagekonto 1,57 -
Denzelbank denzelbank.at    Onlinesparen
1,55 -
Easybank easybank.at    easy-zinsmax 
1,55
-
Volksbank-Kufstein livebank.at  Online-Sparen   
1,55
-
Kremser-Bank sparendirekt.at
sparendirekt.at    
1,52
-
Porsche-Bank porschebank.at   
Direktsparen
flexibel   
1,50
1.000
Fixzinsprodukte 1 Jahr gebunden    
Autobank autobank.at Termineinlage
12 Monate
2,17 -
Denizbank denizbank.at   
Online-Sparen 
Festgeld
2,00
1.000
Porsche-Bank porschebank.at    Direktsparen fix
2,00
5.000
Generalibank generalibank.at 
Premiumkonto, 12 Monate   
1,875
1.000
Vakifbank vakifbank.at Fixzins-Vermögenssparbuch
1,875 -
Bankdirekt.at bankdirekt.at Fixzinskonto, 1 Jahr
1,75
1.000
Denizbank denizbank.at Sparbuch mit Fixzinsgarantie  
1,75
1.000
Ing-DiBa ing-diba.at Direkt-Festgeld
12 Monate   
1,75
50.000
Volksbank-Kufstein livebank.at Online-Festgeld
12 Monate   
1,70
10.000

Checkliste Geldanlage

Hände weg von einem Angebot, wenn auch nur eine der folgenden Fragen offen bleibt:

  • Woher, aus welchen Anlageformen, kommt der Ertrag der Veran­lagung?
  • Ist der Ertrag an irgendwelche Bedingungen oder Ereignisse ­gekoppelt?
  • Ist die Veranlagung jederzeit ohne Verlustrisiko verfügbar oder gibt es eine Laufzeitbindung? Zu welchen Bedingungen kann man ­vorzeitig über das Geld verfügen?
  • Unterliegt die Veranlagung der Einlagensicherung? Was passiert, wenn der Herausgeber der Anlage pleitegeht?

Was ist wirklich abgesichert?

100.000 Euro: Unter die Einlagensicherung in Österreich fallen alle Einlagen und Guthaben einschließlich ­Zinsen bei Banken, die ihren Hauptsitz in Österreich haben. Pro Person und Institut sind bis zu 100.000 Euro gesichert. Wer mehr anzulegen hat, sollte sein Geld daher auf mehrere Institute verteilen.

Ing-DiBa, Deniz, Vakif: Bei Zweigniederlassungen ausländischer Banken in Österreich gilt das Sicherungssystem des jeweiligen Heimatlandes (etwa bei der Ing-DiBa die deutsche Einlagensicherung). Denizbank und Vakifbank unterliegen der österreichischen Einlagensicherung.

Ausland: Bei ausländischen Banken sollte man sich erkundigen. Zumindest bei EU-Banken sollten aber bald europaweit bis zu 100.000 Euro abgesichert sein. Wer sein Zinsglück etwa im Nicht-EU-Land Schweiz sucht, muss sich mit einer geringeren Einlagensicherung zufriedengeben (100.000 Schweizer Franken).

Zusammenfassung

  • Zeit der Glücksritter: Bis zu einem Jahr Bindung ist derzeit kaum mehr drinnen als 2 Prozent. Wer deutlich mehr bietet, noch dazu garantiert, ist extrem genau unter die Lupe zu nehmen, eventuell mit Expertenhilfe.
  • Eher kurze Bindung: Längerfristig gebundene Sparprodukte sind nur geringfügig besser verzinst und bergen in Zeiten niedriger Zinsen das Risiko, dass man bei möglichen Zinssteigerungen noch auf Jahre hinaus an einen Niedrigzins gebunden ist.
  • Angebote aus dem Ausland: Es gelten die jeweiligen nationalen Konditionen und gesetzlichen Vorgaben. Das setzt deutlich umfangreichere Recherchen und Absicherungen als bei inländischen Angeboten voraus. Auf keinen Fall in einer Sprache abschließen, die Sie nicht verstehen!

Weiterführende Infos: www.konsument.at/sparzinsen

Unter www.konsument.at/Sparzinsen finden Sie Zins­angebote heimischer Banken für täglich fällige sowie für gebundene Einlagen, Sparcards und Sondersparformen. Wir aktualisieren unsere Übersicht laufend.

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