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Sparcards - Stark durchmischt

  • Klarer Testsieger Österreichische Verkehrskreditbank
  • Hohe Zinsen bei minimalen Gebühren möglich
  • Kostenfallen lauern vor allem bei Kleinbeträgen

Kein Schlange stehen

Sparcards für täglich fällige Gelder sind meist besser verzinst als herkömmliche Sparbücher ohne Bindefrist und Girokonten. Außerdem entspricht es wohl deutlich mehr dem Trend der Zeit, vor dem Automaten die Card zu zücken, als mit den verzopften Sparbüchern vor dem Schalter Schlange zu stehen. Kein Wunder also, dass diese Sparform steten Zulauf verzeichnet. Doch so einleuchtend die Wahl auch erscheinen mag – sie ist nicht immer klug, denn damit Sparcards tatsächlich mehr bringen als Omas Sparstrumpf, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu zählen vor allem drei Dinge.

  1. Selbstbedienung:  Sparcards sind als Selbstbedienungsprodukt ausgelegt und sollten auch so eingesetzt werden. Wer trotzdem immer wieder zum Schalter pilgert, muss bei manchen Anbietern mit geschmalzenen Spesen rechnen.
  2. Nicht für Kleinstbeträge:  Sparcards, bei denen jährliche Gebühren anfallen, eignen sich – auch wenn Sparcards grundsätzlich dafür prädestiniert erscheinen – meist nicht als Parkplatz für Kleinst- und Kleinbeträge, weil Spesen das Sparkapital anknabbern können.
  3. Kein Ersatz für Girokonten:  Sparcards sind Sparkonten und können nicht als Ersatz für ein Girokonto verwendet werden. Entweder sind Überweisungen, wie sie etwa bei einem Gehaltskonto gang und gäbe sind, gar nicht möglich oder nur auf ein Konto desselben Inhabers bei der gleichen Bank.

Spesen fressen Erträge

Wir holten bei 14 Anbietern von Sparcards offiziell Produktinformationen ein und eröffneten dann die Sparkonten in einer verdeckten Erhebung. Ein Teil der Raiffeisen-Produkte (am Ende unserer Tabelle angeführt) ist nur bedingt mit „klassischen“ Sparcards vergleichbar, daher erhielten sie kein Endurteil.

NÖ-Hypo: 25 € Spesen!

Die Sparcards in unserem Test sind eine täglich fällige Geldanlage. Daher sollten dort keine Riesenbeträge, sondern eher der Notgroschen geparkt werden, also eine Summe von zwei bis drei Monatsgehältern, die im Ernstfall rasch verfügbar ist. Dennoch kann bei geringem Sparkapital weniger herauskommen als angelegt wurde: nämlich dann, wenn Kontoführungsgebühren anfallen (auch eine Gebühr von 5 Euro jährlich muss über die Zinsen erst einmal wieder verdient werden) oder wenn Sie häufig am Schalter abheben oder wieder einzahlen; oder etwa, wenn die Kontoauflösung extra verrechnet wird.

Spitzenreiter bei Letzterem ist die Hypo NÖ mit satten 25 Euro, bei kleineren Sparbeträgen fallen aber auch die 15 Euro der Volksbank Salzburg, die 10 Euro der Volksbank Wien oder die 7,50 Euro bei der Raiffeisen NÖ-Wien durchaus ins Gewicht.

Gebühren schwer vergleichbar

Wenn Sie eine Sparcard wählen, gilt es also neben den angebotenen Zinsen besonders auf die Gebühren zu achten, was aber gar nicht so einfach ist. Die Höhe der jeweiligen Spesensätze variiert enorm, ebenso ihre Gestaltung: Einmal wird die Kontoführung verrechnet, ein andermal nur Barabhebungen oder auch Bareinzahlungen, und beim dritten Institut alles zusammen; oder es gibt bestimmte Freibeträge, und danach erst wird kassiert.

Es geht auch ohne Gebühren

Erschwerend kommt dazu, dass die Spesen auch in den Beratungsgesprächen, die unsere Erheber führten, manchmal unter den Tisch gefallen sind. Teilweise waren nicht einmal auf offiziellem Weg Spesenauflistungen zu erhalten. Nicht gerade fair gegenüber dem Kunden, denn wenn schon Gebühren anfallen, müssen die Sparer auch wissen, wann und wofür. Den richtigen Schritt haben jene Institute gesetzt, die in ihren Spesenlisten umfassend über mögliche und gebührenfreie Transaktionen informieren.

Spesenmeister Volksbank Salzburg

Eine Anregung für alle säumigen Banken sind detaillierte Spesenlisten wie etwa jene von BA-CA, Erste Bank, Hypo NÖ und Volksbank Wien. Fragen Sie jedenfalls vor Eröffnung einer Sparcard hartnäckig nach allen Kosten!

Spesenmeister in puncto Anzahl wurde die Volksbank Salzburg. Die Gebühren dort sind zwar vergleichsweise gering, fallen dafür aber praktisch für jeden Handgriff an – und sei er auch vom Kunden ausgeführt, weil am anderen Ende ohnehin der Computer sitzt.

Es geht auch ohne

Dabei geht es auch ganz ohne: Österreichische Verkehrskreditbank, Hypo Alpe-Adria, Bank für Tirol und Vorarlberg und Volksbank Wien verrechnen im laufenden Betrieb keinerlei Kosten. Und bei der Bank für Kärnten und Steiermark besteht zumindest die Garantie, dass Kontoführungsgebühren maximal in Höhe der Zinsen verrechnet werden, also nicht auf das Anlagekapital zugegriffen wird.

Maximalzins nur für Lottogewinner

Ähnlich große Unterschiede wie bei den Spesen gibt es auch bei den Zinsen: Von 0,25 bis 2,25 Prozent ist alles drin. Achtung bei „bis zu …“-Zinssätzen: Hier hängen die Zinsen vom Einlagebetrag ab oder werden individuell vereinbart.

Der angeführte Höchstzinssatz ist dann oft erst durch Einlagen erreichbar, die weit jenseits des üblichen Notgroschens liegen, der mit täglicher Fälligkeit angelegt wird – Beispiel: 2,25 Prozent ab 200.000(!) Euro bei der Volksbank Wien.

Bessere Zinsen angeboten

Erwähnenswert ist hier, dass unseren Testern bei den gestaffelten Zinssätzen in zwei Fällen bessere Zinsen als offiziell angeführt angeboten wurden. Bei der Sparkasse OÖ war es ein „Stammkundenbonus“, der den Zinssatz um fast ein Prozent anhob. Dabei war der Tester nie Kunde dieses Instituts gewesen und erwarb auch sonst keine Produkte dieser Bank. Bei der Bank für Kärnten und Steiermark wurde uns ohne Nachfrage nach dem Arbeitgeber eine weitaus besser verzinste Betriebssparcard angeboten.

Spitzenreiter mit kleinen Haken

Besser fährt man oft mit einer Sparcard, deren Verzinsung unabhängig vom vorhandenen Einlagebetrag ist. Auf den Spitzenplätzen in unserem Test finden sich nur derartige Produkte, weil dort bereits für geringe Sparbeträge attraktivere Zinssätze geboten werden.

Trotz „sehr guter“ Bewertung sind aber auch die drei Anbieter auf den Stockerlplätzen nicht für jeden Card-Sparer ideal: Das Manko des Testsiegers Verkehrskreditbank liegt darin, dass Behebungen nur in den Filialen möglich sind, und die gibt es mit Ausnahme von Wien nur in den Hauptbahnhöfen Linz, Salzburg, Innsbruck und Graz. Bei der Hypo Alpe-Adria konnte unser Tester sein Geld zwar am Schalter beheben, laut offizieller Auskunft ist das Sparcard-Kapital aber nur über die bankinternen Geldausgabeautomaten abhebbar.

Freie Behebungen klären

Wer also auf die Behebung am Schalter Wert legt, könnte enttäuscht werden. Bei der Hypo NÖ lauert die Falle, wie oben erwähnt, in der hohen Gebühr für die Kontoauflösung. Außerdem können dort unter bestimmten Umständen (mehr als drei Barbehebungen pro Quartal) doch Spesen anfallen.

Generell gilt: Sparcards können ein relativ profitables Zwischenlager für jederzeit verfügbare Reserven in Höhe von zirka zwei bis drei Nettomonatsgehältern sein – sofern Sie sich darüber im Klaren sind, wie die Karte gebührenschonend eingesetzt werden kann und ob beziehungsweise wann Gebühren anfallen.

Günstigere Konditionen für junge Leute

Sparcards sind „cooler“ als Sparbücher und sprechen daher vermehrt jüngere Menschen an, die auf diese Weise eine dauerhafte Bindung zu einem Bankinstitut aufbauen sollen. Damit ihnen das leichter fällt, werden für Kinder, Jugendliche und Studenten manchmal bessere Konditionen angeboten: seien es höhere Zinsen, kostenlose Kontoführung oder -schließung.

Beachten Sie in diesem Fall eventuelle Altersgrenzen, und wechseln Sie vor Ablauf Ihrer Frist gegebenenfalls zu einem auch danach noch günstigen Anbieter.

Kompetent mit Konsument

  • Mehr Ertrag. Sparcards sind meist besser verzinst als täglich fällige Sparbücher; bei Zinsstaffelungen werden die Zinsen aber oft erst ab höheren Einlagen attraktiv.
  • Große Spannbreite. Sowohl Zinssätze als auch Kosten fallen sehr unterschiedlich aus. Bessere Konditionen als offiziell angeführt waren vereinzelt möglich.
  • Günstige Spitzenreiter. Österreichische Verkehrskreditbank und Hypo Alpe-Adria bieten die aktuell besten Zinssätze bei null Spesen im laufenden Betrieb.
  • Eigenes Nutzverhalten analysieren. Sehen Sie sich genau an, welche Transaktionen Sie mit Ihrer Sparcard tätigen wollen und welche Spesen dabei anfallen.

So haben wir getestet

Getestet wurden Sparcards mit täglich fälligem Kapital von 14 österreichischen Banken. Dabei wurden die größten Institute jedes Sektors ausgewählt. Bawag/P.S.K. bieten keine Sparcards an und wurden deshalb nicht berücksichtigt. Zusätzlich wurde die Sparcard der Österreichischen Verkehrskreditbank bewertet, die im Internet beworben wird und überdurchschnittliche Konditionen bietet. Zuerst holten wir offiziell Produktinformationen ein. In einer verdeckten Erhebung eröffneten wir danach Sparkonten und führten Einzahlungen und Behebungen durch.

Beratungsgespräch Kontoeröffnung: Bewertet wurde, ob über die Ausgestaltung des Produktes Sparcard informiert wurde, die erhaltene Information über Spesen, der Erhalt von Unterlagen sowie das Umfeld der Beratung.

Spesen: Bewertet wurden die jährlich anfallenden Gebühren sowie die Kosten für Bareinzahlungen, Barbehebungen (Automaten/Schalter), Gutschriften und Überweisungen sowie für die Kontoschließung.

Mögliche Transaktionen: Bewertet wurde, welche Transaktionen mit der Sparcard möglich sind (Bareinzahlung am Schalter, Bareinzahlung an einem Automaten, Barauszahlung am Schalter, Barbehebung am Bankomat und Überweisung von der Sparcard). Weiters wurde berücksichtigt, ob der Zugriff auf die Sparcard via Onlinebanking oder Telefonbanking möglich ist und ob Barbehebungen am Automaten nur zeitlich beschränkt möglich sind.

Durchgeführte Transaktionen: Bewertet wurde die Dauer bis zur Wertstellung eines eingezahlten/ überwiesenen Betrages, die Durchführung einer Barbehebung und die Einsehbarkeit der Transaktionen und des Zinssatzes.

Ertrag: Der nominelle Zinssatz wurde bei Einlagebeträgen von 100, 300, 1000, 2500 und 5000 Euro bewertet. Weiters wurden drei Nutzermodelle (jeweils über ein Jahr) konstruiert.

Nutzermodell A sah eine Einmalzahlung von 3000 Euro ohne weitere Transaktionen vor.

Bei Modell B und C betrug die Einmalanlage am Jahresbeginn 2000 Euro, monatlich wurde mit einem Dauerauftrag ein Betrag von 100 Euro überwiesen.

Daneben wurden Behebungen und weitere (Einmal-)Einzahlungen simuliert, wobei diese bei Modell B ausschließlich in Selbstbedienung erfolgten, bei Modell C gab es auch Bartransaktionen am Schalter.

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Einen ausführlichen Vergleich der Sparzinsen - auch für Online-Sparen und Kleininstitute mit attraktiven Zinsen - finden Sie unter "Weitere Artikel" - [Service: "Ihr Geld"]

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