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Pensionsvorsorge - Fallen vermeiden

Zehn einfache Regeln dafür, wie Sie selbst einschätzen können, ob ein Finanzprodukt seriös und für Sie geeignet ist.

Pensionsvorsorge, Zusatzpension, Zukunftsvorsorge, Altersvorsorge ... die Zahl der Begriffe für die finanzielle Vorsorge im Alter ist groß. Die Palette an Produkten, die zur Pensionsvorsorge angeboten werden, auch. Darunter befinden sich auch solche, die auf den ersten Blick nicht wirklich leicht einzuordnen sind. - Auch wenn Sie kein Finanzexperte sind: Mit dem "gesunden Hausverstand" und ein wenig Hartnäckigkeit können Sie auch als Laie eine erste Auswahl für sich treffen.

Regel 1: Es gibt keine Geschenke

Im Alltag würden Sie es von anderen wohl niemals erwarten – in Finanzgeschäften mit hohen Zins- und Renditeversprechen erscheint es uns selbst von Fremden selbstverständlich. Viele der unseriösen Angebote wirken zuerst einmal wie ein Geschenk: hohe Rendite ohne Risiko; hohe Ertragschance mit Kapitalgarantie etc. Lassen Sie sich niemals von schönen Versprechen blenden, sondern handeln Sie in Geldgeschäften mindestens (!) so vorsichtig wie sonst im Leben.

Regel 2: Keine Chance ohne Risiko

Viele Angebote, insbesondere in den Kleinanzeigen von Zeitungen, bauen auf einem einfachen Prinzip auf: Es werden scheinbar sichere Kapitalanlagen (kein Börsekursrisiko) und hohe Gewinnchancen ohne Risiko geboten. Das ist unrealistisch. In der Finanzwelt gilt immer, dass eine höhere Chance mit einem höheren Risiko erkauft werden muss. Hohe Renditeversprechen unter Zusage von absoluter Sicherheit sind nur eines: unseriös!

Geschäfte verstehen

Regel 3: Verstehen ist Grundvoraussetzung

Vertrauen Sie niemals blind einem Verkäufer von Chancen oder einem (zukünftigen) Geschäftspartner. Dieser wird – da er nicht uneigennützig handeln wird – immer die Chancen betonen und die Risiken (sofern sie überhaupt erwähnt werden) kleinreden. Wichtig ist: Sie müssen die Wirkungszusammenhänge des Geschäfts und die Risiken vollständig verstehen und dann für sich entscheiden, ob Sie diese Risiken bewusst eingehen wollen. Ein Beispiel: In der Werbung finden Sie oft Angebote für hohe Zinsen, etwa 8 Prozent p.a. für ein halbes Jahr.

Bei genauerem Betrachten stellen Sie fest, dass es sich um Zinsen in der Währung "Südafrikanischer Rand" handelt, bei dem im Sommer 2010 auch tatsächlich diese Zinssätze üblich waren. Warum also nicht die Ersparnisse vom Sparbuch (ein Prozent Zinsen) in Rand anlegen? Durch geschicktes Nachfragen und Erkundigungen bei Freunden erfahren Sie, dass der Wechselkurs zwischen dem Euro und dem Rand stark schwankt – Sie haben also ein hohes Wechselkursrisiko. Des Weiteren erfahren Sie erst auf ausdrückliches Nachfragen, dass der Anbieter Ihnen für den Umtausch Ihrer Euro in Rand und später von Rand in Euro eine Umtauschgebühr von einem Prozent in Rechnung stellt. So sieht die Rechnung bei einem Ausgangsbetrag von 10.000 Euro dann wirklich aus:

Rechenbeispiel: Zinsberechnung bei Geldanlage in Südafrikanischem Rand

Für einen Gewinn von 250 Euro im halben Jahr, d.h. 5 Prozent Verzinsung auf das Jahr gerechnet, sollen Sie das Währungsrisiko – das niemand wirklich seriös beurteilen kann – eingehen? Wenn die Währung in diesem halben Jahr nur fünf Prozent verliert (in der Vergangenheit gab es größere Schwankungen!), verlieren Sie 500 Euro, also doppelt so viel wie Ihren scheinbaren Vorteil aus dem höheren Zinssatz. Dabei ist dieses Beispiel noch eher einfach. Oft wird aber auch von "Sicherungspapieren im internen Bankenhandel" usw. gesprochen. Hier können Sie normalerweise nicht einmal prüfen, ob es diese überhaupt gibt. Daher Finger weg, wenn Sie das Geschäft nicht lückenlos verstehen!

Interesse des Geschäftspartners

Regel 4: Interesse des Geschäftspartners verstehen

Gehen Sie prinzipiell davon aus, dass Ihr eventuell zukünftiger Geschäftspartner nicht (nur) Ihnen einen Gefallen tun möchte, sondern vor allem Eigeninteressen hat. Im Fall des obigen Beispiels können Sie dies aus der Berechnung leicht ersehen: Ihr Gegenüber erhält zwei Prozent der Anlagesumme für den Tausch der Währungen – ohne jegliches Risiko. Diese zwei Prozent beziehen sich natürlich auch nur auf ein halbes Jahr, sind auf das Jahr hochgerechnet also vier Prozent. Sie selbst sollen zwar eine Verzinsung von fünf Prozent nach Kosten erhalten, aber auch das Währungsrisiko alleine tragen.

Versuchen Sie prinzipiell, das Geschäftsmodell (die Interessen) Ihres Gegenübers zu verstehen. Fragen Sie sich und ihn, warum er das Geschäft nicht selbst macht! In unserem Beispiel könnte er ja auch Kredite günstig aufnehmen (in Euro ab 6 %; in YEN ab 1 %) und das Geld in Rand anlegen. Warum macht er das nicht selbst, wenn das Geschäft risikolos ist (wie er Ihnen immer wieder sagt)? Dieses Beispiel lässt sich einfach auf alle anderen Finanzfragen übertragen.

Frage: Warum bietet Ihnen die Bank bei komplexen Zinsanlagen die Chance auf extrem hohe Zinsen – höhere als die Bank bei einer normalen Anlage bezahlen müsste?
Antwort: Weil die Bank der Meinung ist, dass Ihre Chance (das Risiko der Bank) sehr klein oder gar nicht vorhanden ist.

Frage: Warum werden Ihnen von der Bank gerne Aktienfonds angeboten?
Antwort: Weil die Bank daran über das Agio der Fonds mehr verdient als bei Rentenfonds oder gemischten Fonds.

Frage: Warum gehören zu fast jeder Empfehlung von Vermögensberatern für die Pensionsvorsorge auch Erlebensversicherungen?
Antwort: Weil der Berater daran sehr gut verdient.

Versteckte Kosten, Geschäftsanbahnung

Regel 5: Angebot auf versteckte Kosten prüfen

Prüfen Sie jedes Angebot auf offene und verdeckte Kosten – schließlich müssen Sie diese von Ihrem Geld bezahlen. Bei einem offenen Fonds (Immobilien-, Renten- oder Geldmarktfonds: kein festes Fondskapital, jederzeitiger Ein- und Ausstieg möglich) wird z.B. das Agio (Aufgeld) als offene Kosten bezeichnet.

Wenn Sie sich den Verkaufsprospekt durchlesen (eine Pflichtlektüre), finden Sie häufig weitere jährliche Kosten wie die Managementvergütung von oft anderthalb bis zwei Prozent des Vermögens. Insbesondere diese Managementgebühr wird bei Dachfonds oft doppelt fällig: einmal für den Dachfonds und dann noch für die Fonds, in die der Dachfonds investiert. Hohe Kosten schmälern Ihre Chance, eine gute Rendite auf Ihr eingesetztes Kapital zu erhalten. Der Anreiz für den Anbieter liegt hier schwerpunktmäßig im (kurzfristigen) Verkauf und nicht im langfristigen Erfolg (was über eine Erfolgsprovision möglich wäre).

Regel 6: Geschäftsanbahnung kritisch sehen

Eine Kontaktaufnahme über Telefon ist hochgradig unseriös und verboten. Häufig haben Sie es mit geschulten Verkäufern zu tun, die Sie mit allen psychologischen Tricks zum Abschluss überreden wollen (bis hin zu wiederholten Telefonanrufen, Drohungen, wechselnden Anrufern etc.). Es ist schwer, einem ausgebufften Profi im Telefonverkauf etwas entgegenzusetzen. Tipp: Höflichkeit ist fehl am Platz, legen Sie einfach auf oder den Hörer neben das Telefon, dann erledigt sich die Sache von selbst.

Perönliche Haftung, Kleinanleger

Regel 7: Persönliche Haftung und Kapitalverlust vermeiden

Bei einer Veranlagung in Produkte zur Pensionsvorsorge kann man über die Höhe der Verzinsung und die Laufzeit unterschiedlicher Meinung sein. Unstrittig aber sollte sein, dass eine Veranlagung nicht zum teilweisen oder vollständigen Verlust des Kapitals führen darf. Und natürlich erst recht nicht zur persönlichen Haftung über das eingesetzte Kapital hinaus. In der Vergangenheit wurden mehrfach einfache Sparer darauf angesprochen, ob sie mit der Verzinsung des Sparbuchs zufrieden seien. Quasi als "Zinsersatz" erhielten sie "sichere" Geschäfte, die sich nachträglich als Zins- oder Devisentermingeschäfte, Devisenoptionen etc. entpuppten. Hier besteht eine Nachschusspflicht über das eingesetzte Kapital hinaus.

Termin- und Optionsgeschäfte erkennen Sie auch ohne genauere Produktkenntnis schon daran, dass Sie zum Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses Geld erhalten (z.B. 1,5 Prozent für eine Laufzeit von 3 Monaten). Zinsen werden niemals im Vorhinein, sondern immer im Nachhinein gezahlt! Zahlungen im Voraus sind immer Prämien oder Vergütungen für ein Risiko, das Sie während der Laufzeit tragen.

Regel 8: Angebote für "Kleinanleger" meiden

Häufig werden gerade Gering- und Mittelverdienern Beteiligungen angeboten. Damit sich hier auch wirklich jeder beteiligen kann, zeichnen sich solche Gesellschaften durch geringe Teilnahmesummen aus, z.B. Einmalzahlung ab 2.500 Euro oder "Sparplan" mit monatlichen Einzahlungen ab 50 Euro (oft mit langjähriger Verpflichtung). Hier sind bereits erste Zweifel angebracht: Viele Anleger mit kleinen Summen treiben die Verwaltungskosten nachvollziehbar in die Höhe. Die Gesellschaft müsste daher eigentlich an wenigen Anlegern mit hohen oder zumindest höheren Beteiligungsbeträgen (häufig: ab 25.000 Euro) interessiert sein. Warum also spricht man insbesondere Kleinanleger an?

Schneeballsysteme, einseitiges Risiko

Regel 9: keine Schneeballsysteme

Pyramidenspiele sind sittenwidrig und verboten – aber es gibt sie noch immer. Leider auch bei Geldveranlagungen, wie der riesige Betrugsfall in den USA Ende 2008 (Schaden 50 Mrd. US-Dollar durch Herrn Madoff) zeigt. Gewiss, gegen Betrügereien ist niemand gefeit, man kann jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen:

  • Leihen Sie nur demjenigen (einschließlich Banken, Unternehmen) Geld, den Sie schon vorher kannten.
  • Leihen Sie nur solchen Banken und Vermögensverwaltern Geld, die einer geregelten staatlichen Aufsicht unterliegen (z.B. Banken in Europa, nicht zwingend Banken auf den Bahamas).
  • Informieren Sie sich mittels Geschäftsberichten über die wirtschaftliche Lage.
  • Erkundigen Sie sich nach den Sicherungseinrichtungen.
  • Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen eine höhere als die übliche Marktrendite versprochen und möglicherweise für die Vergangenheit auch "belegt" wird. Eine dauerhafte Überrendite ist nicht möglich!

Regel 10: einseitige Bedingungen meiden

Einige der am Markt erhältlichen Produkte weisen einseitige Bedingungen auf, z.B. in Form eines Kündigungsrechts nur für den Emittenten. Diese einseitige Bedingung begrenzt Ihre Chancen (die Risiken des Anbieters), während Ihre eigenen Risiken (die Chancen des Anbieters) nicht begrenzt sind. Hier reicht eine gewisse höhere Rendite im ersten Jahr nicht aus, um Ihre Nachteile auszugleichen. Es gibt so viele Anbieter und Angebote für Zinsanlagen. Machen Sie nur Geschäfte "auf gleicher Augenhöhe", ohne die Bevorzugung Ihres Geschäftspartners.

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