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Pension: Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge - Außer Spesen ...

  • Informationen noch immer unzureichend
  • Hohe Kosten fressen gute Performance
  • Empfehlenswert: flexible Produkte, kurze Laufzeit

Fünf Jahre ist es her, seit die ersten Produkte der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge (PZV) ins Rennen gingen. Auch wenn sich der Ansturm inzwischen ein wenig gelegt hat, verkauft sich das Produkt noch immer sehr gut. Ein erstes Resümee nach zwei Jahren zeigte erfreuliche Ergebnisse. Allerdings blieb in der Mehrzahl der Fälle noch eine wichtige Frage offen, nämlich die nach der Höhe der Kosten. Diese können schließlich wesentliche Auswirkungen auf den Ertrag einer Anlage haben.

Informationsqualität

Bei den Fondsprodukten der Banken wurde von Beginn an ausreichend Information zu den Kosten bereitgestellt. Nicht so aber bei den viel häufiger verkauften Versicherungsprodukten. Seit 2007 müssen die Versicherer nun alle Gebühren und Spesen, die bei Produkten zur prämiengeförderten Zukunftsvorsorge anfallen, bekannt geben – und wir nahmen diese im Auftrag der Arbeiterkammer Wien gespannt in Augenschein. Außerdem wollten wir wissen, wie es die Anbieter nun mit der Information ihrer Kunden halten.

Performance wird aufgefressen

Um zu vergleichbaren Angaben zu kommen, baten wir alle Anbieter, von gleichen Rahmenbedingungen ausgehend (100 € Einzahlung pro Monat auf 10 bzw. 40 Jahre) die Kosten bekannt zu geben und die Wertentwicklung zu errechnen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die PZV-Produkte wiesen in den vergangenen fünf Jahren eine durchwegs gute Performance auf. Angesichts der guten Börsenjahre wäre aber deutlich mehr Ertrag zu erwarten gewesen.

 Lesen Sie auch unseren Kommentar: Zukunftsvorsorge: Trübe Aussichten 

 

Längere Laufzeit - höhere Kosten

Kosten: bis zu einem Fünftel

Woran das liegt? Die PZV-Produkte scheinen am Bandwurm-Syndrom zu leiden: Je mehr und je länger man (Kapital) reinsteckt, desto mehr wird (von den Kosten) weggefressen. Bis zu einem Fünftel des ein- gezahlten Kapitals geht bei 10 Jahren Laufzeit für die Kosten drauf, bei 40 Jahren Laufzeit noch mehr! Die Anbieter sind also gezwungen, hohe Veranlagungserträge einzufahren, um die Kosten zu decken, aber auch, um ihre Garantiegeber nicht zu belasten. Entschärfend könnte hier angeführt werden: Zu den Einzahlungen des Sparers kommt ja schließlich noch die staatliche Prämie hinzu. –

Bescheidene Prämie

Stimmt, aber mit aktuell maximal 205,64 Euro pro Jahr bei Ausschöpfung der höchstmöglichen Sparsumme von derzeit 2.165 Euro nimmt sich diese im Vergleich zu den Kosten sehr bescheiden aus: Bei 10 Jahren Laufzeit summiert sich die staatliche Förderung auf etwa 2.000 Euro, bei 40 Jahren auf 8.000 Euro. Immerhin sollte das eingezahlte Kapital plus staatliche Prämie garantiert sein (siehe dazu: Inhaltsverzeichnis - „Wie sicher ist die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge?“).

Mitteilungen noch lückenhaft

Jeder PZV-Anleger muss laut Gesetz jährlich eine Kontostandsmitteilung erhalten, in der er über die wichtigsten Kriterien seines Zukunftsvorsorgeprodukts informiert wird. Falls Sie keine Mitteilung erhalten, fordern Sie sie ein. Dasselbe gilt, wenn die Informationen darin zu dürftig sind, wie das aus unserer Sicht noch bei vielen Anbietern der Fall war. Orientieren Sie sich anhand des Formulars, das wir als Muster für eine Kontostandsmitteilung entworfen haben.

Hartnäckig sein

Und fallen Sie Ihrem Zukunftsvorsorger lästig, wenn er nicht von sich aus die gewünschten Informationen bereitstellt. Aus unserer Beratung wissen wir, dass Anleger, die insistieren, letztlich meist auch die gewünschten Informationen erhalten.

Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge: Testkriterien

Die Tabellen zeigen die beiden Testkriterien Informationsqualität der Kontostandsmitteilungen (welche uns von Konsumenten zur Verfügung gestellt wurden) sowie die tatsächliche Wertentwicklung per 30.6.2008. Die Kontostandsmitteilungen wurden mit dem vom VKI entworfenen Muster für eine Wertmitteilung verglichen. Die Rendite zeigt den jährlichen Wertzuwachs (errechnet als interner Zinsfuß) in Prozent auf Basis des von den Anbietern übermittelten tatsächlichen Wertes der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge per 30.6.2008.

So soll eine Wertmitteilung aussehen

Vertragsdaten

Tarif/Produktname
  • Vertragsbeginn
  • Vertragsende
  • Veranlagung (Fonds, ISIN, Deckungsstock etc.)
  • Wertentwicklung 2007

    • Guthaben am 31.12.2006
    • eingezahlte Prämien 2007
    • staatliche Förderung 2006
    • Abschluss- und Vertriebskosten bzw. Ausgabeaufschlag 2007
    • laufende Verwaltungskosten 2007
    • Erträge 2007
    • Guthaben am 31.12.2007

    Gesamte Wertentwicklung seit Vertragsbeginn bis zum 31.12.2007

    • eingezahlte Prämien
    • staatliche Förderung gesamt
    • Abschluss- und Vertriebskosten bzw. Ausgabeaufschlag
    • laufende Verwaltungskosten
    • Erträge
    • Rendite

    Garantieleistungen

    • garantiertes Kapital/garantierte Rente
    • Leistung bei Ableben

    Sonstiges

    • Fondsperformance
    • Fondsanteile
    • nähere Informationen zur Veranlagung (Aktienanteil, welche Titel etc.)

    Wie sicher ist die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge?

    Der Aktienanteil der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge ist mit mindestens 40 Prozent relativ hoch. Trotzdem handelt es sich wegen der Kapitalgarantie um ein relativ sicheres Produkt. Garantiert werden die eingezahlten Beträge plus staatliche Prämien. Für die Kapitalgarantie ist nicht der Anbieter zuständig, sondern ein externer Garantiegeber, meist eine große österreichische Bank.

    Falls Anbieter oder Garantiegeber pleitegehen, gilt das bisher angesparte Kapital als Sondervermögen und ist nicht vom Konkurs betroffen. Sollte der Wert des angesparten Kapitals infolge schlechter Anlageperformance aber niedriger sein als die geleisteten Einzahlungen, könnte es passieren, dass der Konsument nur diesen geringeren Betrag erhält, wenn der Garantiegeber keine Garantie mehr leisten kann. Auf dieses Risiko wird in den meisten Verträgen nicht hingewiesen

    Beispiele für die anfallenden Gesamtkosten

    Annahmen: Einzahlung 100 €/Monat über die gesamt Laufzeit (10 bzw. 40 Jahre), keine Wertsteigerung (= Performance 0 %), staatliche Prämie nicht berücksichtigt

    Beispiel Fondsprodukt

    Laufzeit 10 Jahre 40 Jahre
    Ausgabeaufschlag

    3 %  

    Managementgebühr

    1,5 % pro Jahr vom Fondswert  

    Depotgebühr (inkl. USt)

    0,12 % pro Jahr  

    Gesamtkosten in Höhe von ca. 1.300 € bei einer
    Gesamteinzahlung von 12.000 €

    14.000 € bei einer
    Gesamteinzahlung von 48.000 €

    Beispiel Versicherungsprodukt

    Laufzeit

    10 Jahre 40 Jahre
    Abschlusskosten

    90 % der Jahresprämie  

    Laufende Fondskosten pro Jahr

    2 % des Fondsguthabens  

    Verwaltungskosten pro Jahr

    3 % der Prämie + pro Jahr 0,155 % der Prämiensumme  

    Gesamtkosten in Höhe von ca. 2.500 € bei einer
    Gesamteinzahlung von 12.000 €
    17.000 € bei einer
    Gesamteinzahlung von 48.000 €

    Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge: Kompetent mit „Konsument“

    • Ertrag. Bei relativ guter Börsenentwicklung in den vergangenen fünf Jahren wurde viel von der Performance von den Kosten aufgefressen.
    • Informationspolitik. Bei vielen Anbietern unzureichend. Nachfragen und auf Informationen bestehen lohnt sich!
    • Kontostandsmitteilung. Ist jährlich bereitzustellen und vom Informationsgehalt her bei manchen Anbietern noch zu verbessern.
    • Laufzeiten . Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdauer von 10 Jahren genügt völlig. Bei Bedarf können Sie immer noch verlängern.

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