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Kauf von Investmentfonds - Beratung ohne Profil

  • Sie selbst müssen die Strategie bestimmen
  • Bedarfserhebung meist mangelhaft
  • Über Spesen verhandeln hilft sparen

Im Zuge der neu geschaffenen Pensionsinvestmentfonds (PIF) sind Investmentfonds generell wieder stark im Gespräch. Was es mit den PIF auf sich hat, war bereits in „Konsument“ 11/99 nachzulesen und wird in der nächsten Zeit noch öfter Platz in unserer Berichterstattung finden. Auch über die in Verkaufs- oder Beratungsgesprächen oft geschönten Anlegererträge von Investmentfonds haben wir bereits berichtet: Vor genau einem Jahr („Konsument“ 12/98) sahen wir uns Renten- und Aktienfonds genauer an und mussten feststellen, dass sie nicht immer der Hit sind, als der sie verkauft werden. Andererseits erkämpfen sie sich aber mit Hilfe der Werbung und wegen niedriger Sparbuchverzinsung doch eine immer festere Position als Anlagealternative. Daher stellt sich die Frage: Worauf ist beim Kauf eines Fonds zu achten, damit man doch das passende Anlageprodukt für sich findet?

Eckpunkte in Eigenregie festlegen

Wichtigster Punkt: Legen Sie fest, wie viel Geld Sie in einen Fonds stecken wollen und was dabei am Ende für Sie herausschauen soll. Zu wenig (unter 50.000 Schilling) rentiert sich wegen der Spesen nicht, das gesamte Vermögen auf einmal ist zu riskant, und der Notgroschen sollte es schon gar nicht sein, denn der muss jederzeit greifbar und vor allem bombensicher veranlagt sein.

Wie lange Sie den Fonds halten, hängt im Prinzip von Ihnen ab: Vorgegebene Laufzeiten gibt es nicht. Empfehlenswert ist aber, den Fonds umso länger zu halten, je höher die Ausgabespesen sind und je riskanter seine Zusammensetzung ist. Auf diese Weise gleichen sich die Schwankungen nach oben und unten im Laufe der Zeit aus, die Spesen verteilen sich über die Laufzeit.

Herrscht Klarheit darüber, wie viel für wie lange investiert werden soll, müssen Sie für sich entscheiden, was Ihnen wichtiger ist: ein vielleicht hoher oder ein sicherer Ertrag. Danach wird sich dann die Auswahl des Fonds richten, also ob er mehr Anleihen oder vielleicht doch mehr Aktien enthalten wird, ob der Schwerpunkt eher auf stabilen Regionen und Branchen liegt oder ob Sie sich doch für einen spekulativeren Fondsmix entscheiden, der unter günstigen Umständen mehr Ertrag bringt, unter ungünstigen Umständen aber auch zu einem schmerzlichen Verlust führen kann.

Ohne Anlegerprofil keine Anlageberatung

Nun wird es Zeit, sich an einen Profi zu wenden – sei es ein Vermögensberater oder der Mitarbeiter einer Bank: Er sollte Ihnen relativ genau sagen können, welcher Fonds aus seinem Angebot der geeignete für Ihr Anlageziel ist. Dazu muss er natürlich zuerst die selben Fragen stellen, die Sie bereits für sich beantwortet haben. Das so genannte Anlegerprofil – also die Erhebung, wie es bei dem Kunden hinsichtlich Risikobereitschaft, Veranlagungsdauer, finanzieller Kapazität und bisheriger Erfahrung mit Wertpapieren steht – ist ja nicht nur für den Kunden von Vorteil, sondern dient auch dem Anlageexperten als wichtiger Beratungsbehelf. Das Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG) schreibt Anbietern von Wertpapieren sogar vor, den Kundenwünschen auf den Zahn zu fühlen und dieses Gespräch schriftlich zu dokumentieren. Auf diese Weise sollen unerfahrene Anleger vor allzu riskanten Investments geschützt werden, während der Berater im Streitfall ein Beweismittel dafür hat, dass der Bedarf des Kunden eruiert wurde.

In der Praxis läuft die Sache allerdings weit weniger formvollendet ab. Als unsere Tester kürzlich zehn verschiedene Banken aufsuchten, um dort einen Fonds um 100.000 Schilling zu erwerben, wurde nur in der Hälfte der Fälle überhaupt nach den Erfahrungen, Zielen und finanziellen Rahmenbedingungen gefragt. Nur in zwei Fällen boten die Bankberater von sich aus die optimale Wertpapierberatung an: Nämlich gemeinsam mit dem Kunden ein schriftliches Anlegerprofil zu erstellen. Wenn das Anlegerprofil nicht überhaupt erst NACH der Kaufentscheidung ins Spiel gebracht wurde, dann geschah nicht viel mehr, als dass zu Vertragsabschluss noch rasch ein paar Formulare ausgefüllt und dem Anleger zur Unterschrift vorgelegt wurden. Kopien des Anlegerprofils gab es für den Kunden meist nicht. Die Risikobereitschaft des Kunden wurde kaum hinterfragt, lediglich die Behaltedauer war in den meisten Fällen zumindest kurz ein Thema. Auch wurde kaum erklärt, wie sich Veränderungen des Zinsniveaus zum Beispiel auf einen Rentenfonds auswirken.

Renditefresser

Auch die Kosten einer Fondsveranlagung wurden durchgehend erst auf Nachfrage erwähnt. Dabei können sich Ausgabezuschlag und Depotspesen als regelrechte Renditefresser entpuppen (siehe Grafik )!

Der Ausgabezuschlag beträgt von 0,5 Prozent des investierten Betrages aufwärts – bei reinen Aktienfonds oft sogar über 5 Prozent. Das heißt, bei einem Kapitaleinsatz von 100.000 Schilling und einem Ausgabezuschlag von 2 Prozent betragen die Anfangsspesen 2000 Schilling. Wer die Fondsanteile kurz danach wieder verkauft, wird um diesen Betrag umfallen, denn der Fonds müsste in der kurzen Zeit schon enorm an Wert zugelegt haben, damit noch etwas übrig bleibt.

Die Depotspesen wiederum werden in Prozent angegeben. Das soll wohl den Eindruck einer vernachlässigbaren Größe erwecken. Die Mindestspesen in Schillingbeträgen (bis zu 360 Schilling jährlich) wurden verschwiegen. Aber: Je kleiner der Anlagebetrag, desto stärker wirkt sich diese Mindestdepotgebühr auf die Rendite aus.

Verhandlungsbereit

Eine positive Erfahrung aus dem Test: Bei den Ausgabespesen zeigten sich die Bankberater verhandlungsbereit. Einmal wurde von 2,5 auf 2 Prozent reduziert, ein andermal von 3,5 auf 2,5 Prozent, was bei der Anlagesumme von 100.000 Schilling immerhin eine Ersparnis von 500 beziehungsweise 1000 Schilling bedeutete.

Was an den Fonds dran ist und was es mit den – teils phantasievollen – Aussagen der Bankberater zum jährlichen Nettoertrag auf sich hatte, werden wir übrigens im kommenden Jahr ganz genau wissen. Dann wird nämlich überprüft, wie sich die jeweils empfohlenen Fonds entwickelt haben.

Spesen sind Renditefresser

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Vorentscheidungen treffen. Denn die Unterstützung in der Bank lässt trotz gesetzlicher Beratungspflicht sehr zu wünschen übrig.

Ausgabespesen verhandelbar. Wer nicht fragt, schenkt Geld her – in unserem Test bis zu 1000 Schilling!

Blendwerk Performance. Die Vergangenheitsdaten geben keinen Aufschluss über die zukünftige Entwicklung.

Berater festnageln. Er soll mögliche Perspektiven grob berechnen: Wie steht es um den Fonds, wenn die Zinsen steigen/fallen; wenn die gewählte Schwerpunktbranche floriert/kränkelt; wenn die Börsen der gewählten Region boomen/ nach unten zeigen?

10 Banken wurden aufgesucht und pro Bank je 100.000 Schilling tatsächlich in einen angebotenen Investmentfonds veranlagt. Die 10 Fonds (Investmentzertifikate) wurden nach zwei definierten Anlegerprofilen eingeholt:

Anlegerprofil 1:

Wunsch nach einem sicheren Fonds mit einer (geplanten) Behaltedauer von 5 Jahren. Anlageziel: Ansparen für eine Anschaffung.

Anlegerprofil 2:

Wunsch nach einem ertragreicheren Fonds und einer höheren Risikobereitschaft mit einer (geplanten) Behaltedauer von 10 Jahren. Anlageziel: langfristiger Wertzuwachs. Bei beiden Profilen wurde nach einem thesaurierenden Fonds (das heißt einen nicht ausschüttenden Fonds) verlangt. Die Tester fragten aktiv nach Grundprinzipien der Fondsveranlagung, jährlichem Ertrag nach Abzug der Kosten, Risken und Kosten im Detail der Fondsveranlagung. Es wurden sechs „sichere“ Fonds und vier „ertragreichere“ Fonds erworben. Besonders positive und negative Punkte aus den jeweiligen Beratungsgesprächen wurden veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eine Momentaufnahme aus einem konkreten Beratungsgespräch.

Kaufort: Wien, im April/Mai 1999

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