DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.

Zum Inhalt

Investmentfonds - Aussitzen statt Nerven wegwerfen

  • Rentenfonds vor Aktienfonds
  • Überraschung: Das Sparbuch hält mit
  • Beratung nach wie vor im Argen

Selbst hartgesottene Anleger zeigen sich von den jüngsten Entwicklungen auf den Finanzmärkten beunruhigt. Die Börsen befinden sich in einem hartnäckigen Kurstief, und in den USA mehren sich die Anzeichen für einen Wirtschaftsabschwung. Die teilweise dramatischen Kursverluste vieler Aktien haben in abgeschwächter Form natürlich auch auf die Aktienfonds durchgeschlagen. Im Vorjahr erzielte Kurszuwächse wurden mehr als zunichte gemacht. Die Rentenfonds haben nach den jüngsten Zinssenkungen zwar aufgeholt, die Wertsteigerung bleibt im Zweijahresvergleich aber trotzdem mickrig. Renditen von vier bis sechs Prozent pro Jahr, wie sie in Beratungsgesprächen der Banken in Aussicht gestellt werden, sind derzeit jedenfalls in weiter Ferne.

Zur Erinnerung: Immer wieder werden wir in der Redaktion mit teilweise überzogenen Ertragsaussichten bei Fonds konfrontiert. Wir wollten daher wissen, wie viel Rendite welcher Fonds in der empfohlenen Behaltedauer wirklich bringt und berichten seit Mai 1999 regelmäßig über Kursentwicklung und Depotberatung von zehn Fonds (zuletzt in „Konsument“ 11/2000; siehe dazu Weitere Artikel -"Investmentfonds").

Aktien- und Mischfonds im Keller

Den „BAWAG Global Stock“ hat es als internationalen Aktienfonds besonders schwer getroffen. Mit einem aktuellen Vermögen von 76.958 Schilling muss sich der stolze Vorjahressieger derzeit mit dem letzten(!) Platz begnügen. Nicht ganz so schlecht schneidet der P.S.K. Euro Stock ab, liegt aber ebenfalls deutlich im Minus. Die investierten 100.000 Schilling waren im August nur mehr 90.975 Schilling wert. Ähnlich schlecht ist es auch um unsere Mischfonds bestellt (siehe dazu "Investmentfonds: Ernüchternde Bilanz (Vorgabe: Sichere Fonds)" und "Investmentfonds: Ernüchternde Bilanz (Vorgabe: Ertragreiche Fonds)").

Die Rentenfonds hingegen holen nach dem äußerst schlechten Start langsam auf. Sie profitieren von Kursgewinnen infolge der Zinsrücknahmen in den USA und Europa. Von den versprochenen Renditen können gutgläubige Anleger trotzdem nur träumen. Gerade einmal zwischen ein und zwei Prozent jährlicher Wertsteigerung sind bis dato zu verbuchen.

Mit einer Ausnahme: Der „Volksbank Interbond“, ein internationaler Anleihenfonds, war bereits im ersten Jahr als einziger Rentenfonds verlustfrei. Mittlerweile kletterte der Wert des Depots kontinuierlich auf 114.017 Schilling.

Vollkommen ernüchternd ist unsere Zwischenbilanz im Vergleich mit dem guten alten Sparbuch. Bei einem damals möglichen Zinssatz von 3,25 Prozent (fünfjährige Bindung) hätten sich immerhin 105.716 Schilling (Mai 1999 bis August 2001) angesammelt. Dies entspricht mehr Ertrag als bei neun unserer angeblich so rentablen Fonds! Allerdings könnten die Fonds in Zukunft das Sparbuch auch wieder abhängen.

Pauschalaussagen statt Fachberatung

Obwohl Fonds zu den Durchstartern bei den Anlageprodukten zählen, ist die Beratungsqualität nach wie vor unbefriedigend. Pauschalaussagen wie „der Markt ist international nach unten gegangen, der Fonds erholt sich aber wieder“ wirken für ein Bankinstitut nicht gerade kompetent. Die Fachberatung hinsichtlich der Entwicklung des investierten Fonds lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Auf die mangelnde Performance der Rentenfonds angesprochen, trösteten die Berater in Volksbank, P.S.K. und Bank Austria mit einem Fingerzeig auf die Aktienfonds, „die noch um einiges schlechter abgeschnitten hätten“.

Wenigstens sprachen sich alle Berater für ein Behalten der Fondsanteile aus. „Durchtauchen und abwarten“ ist derzeit die beste und einzig richtige Strategie. Einige Banken rieten wegen der derzeit sehr niedrigen Kurse zu einem Nachkauf. Ein Fondsberater der BAWAG empfahl uns hingegen noch weiter abzuwarten, „da die Kurse noch fallen können“.

Lückenhafte Informationen

Wir erkundigten uns nach den „Ausschüttungen“. Doch da wir thesaurierende Fonds gekauft hatten, wurden diese sofort wieder veranlagt. Wann und in welcher Höhe die Erträge aber wiederveranlagt wurden, das konnten nur zwei von zehn Beratern (P.S.K. und Hypo NÖ) sagen.

Positiv hervorzuheben ist, dass uns von mehreren Banken unaufgefordert so genannte Fondsreports mit Marktanalysen mitgegeben wurden. Bei Raiffeisen NÖ-Wien, Hypo NÖ sowie Schelhammer & Schattera erhielten wir zusätzlich aktuelle Informationsblätter über den konkreten Fonds.

Während es bei Erste-Bank und Allgemeiner Sparkasse OÖ überhaupt nicht möglich war, einen aktuellen Depotauszug zu bekommen, wiesen die Depotauszüge von BAWAG und Constantia sowohl den Einstiegskurs und den aktuellen Kurswert als auch den Gewinn beziehungsweise Verlust in absoluten Zahlen aus. Bei der Volksbank hingegen war das Datum des Kurswertes im Depotauszug schon eine Woche alt(!), obwohl die aktuellen Kurse in den Zeitungen nachzulesen sind. Dazu kommt, dass die Kontoauszüge und Jahresabrechnungen häufig sehr umständlich zu lesen sind. Ohne bestimmtes Fachwissen ist es für Einsteiger fast nicht nachvollziehbar, wie sich der Fonds im Abrechnungszeitraum entwickelt hat.

Wie wichtig die regelmäßige Kontrolle des Depotstandes ist, beweist folgendes Beispiel: Bei Schelhammer & Schattera wurden die jährlichen Ausschüttungserträge nicht wie vereinbart in einen weiteren Superior-2-Anteil (ein Mischfonds) gesteckt, sondern in einen Superior-1-Anteil (ein reiner Rentenfonds). Ein EDV-Fehler, so die Rechtfertigung der Bank, könnte Ursache für den falschen Fondskauf sein, der umgehend rückgängig gemacht wurde.

Bleiben Sie defensiv!

Erfahrene Anleger wissen: Aktienkurse gehen immer wieder einmal hinauf und hinab, meistens mit einem zeitlichen Vorlauf von konjunkturellen Auf- und Abschwungphasen der Wirtschaft. Trotzdem haben sich Investmentfonds für Sparer mit Disziplin und langem Atem in der Vergangenheit ausgezahlt. Bei unseren Fonds handelt es sich um „Klassiker“, also um keine sehr speziellen oder sehr riskanten Papiere. Wären wir in der Situation eines Anlegers, würden wir unsere Fondsanteile derzeit nicht verkaufen, weil die Preise niedrig sind. Niemand weiß, ob die Kurse noch weiter fallen werden oder bald nach oben gehen. Deshalb ist eines klar: Investmentfonds sind kein kurzfristiges Anlageprodukt. Das kann nicht oft genug gesagt werden. Für Aktienfonds wird eine Behaltedauer von mindestens fünf bis zehn Jahren empfohlen, bei Rentenfonds mindestens drei bis fünf Jahre. In dieser Zeit können Kursverluste längst wieder verdaut und Gewinne in Sicht sein.

Schon lange war die Verunsicherung auf den Finanzmärkten nicht mehr so groß. Die Internet-und Technologiebranche war Ende der Neunzigerjahre völlig überbewertet. Diese Spekulationsblase ist geplatzt. Doch die Aktienbörsen haben sich von den reinigenden Kurs(total)verlusten noch nicht erholt, auch die klassischen Wirtschaftsbereiche wurden mitgerissen. Aus den USA treffen täglich neue Hiobsbotschaften in Form schlechter Wirtschaftsdaten und Meldungen über Massenentlassungen und Konkurse ein. Schon geht die Angst von einer Rezession um, die auf Europa übergreifen könnte. Auch bei den Anleihen wagt derzeit niemand eine realistische Einschätzung, ob die Zinsen noch weiter sinken werden. Zu Redaktionsschluss war weder an den Börsen noch seitens der Wirtschaft für die nächste Zeit Erholung angesagt. Abwarten ist derzeit wahrscheinlich die beste Strategie.

Vorgabe: Sichere Fonds
(Angaben in öS)

Mai 1999

September 2000

August 2001

Austro Rent
(gekauft bei Allgemeine Sparkasse Oberösterreich)

100.000

97.373

102.710

Constantia Austro Bond
(gekauft bei Constantia Bank)

100.000

95.040

101.996

Mündel Rent
(gekauft bei Erste Bank)

100.000

95.166

105.306

Österreichischer Rentenfonds
(gekauft bei Bank Austria)

100.020

95.576

101.663

Raiffeisen-Wien-Fonds
(gekauft bei Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien)

100.038

95.258

103.957

Vorgabe: Ertragreiche Fonds
(Angaben in öS)

Mai 1999

September 2000

August 2001

BAWAG Global Stock
(gekauft bei BAWAG)

100.000

133.048

76.958

Hypo Invest
(gekauft bei NÖ Landesbank-Hypothekenbank AG)

100.203

95.864

83.149

P.S.K. Euro Stock
(gekauft bei P.S.K.)

100.000

132.548

90.975

Superior 2
(gekauft bei Bankhaus Schelhammer & Schattera)

99.429

114.588

89.624

Volksbank Interbond
(gekauft bei Volksbank Wien AG)

100.000

105.494

114.017

Depotstand abfragen.

Informieren Sie sich laufend über die aktuelle Kursentwicklung „Ihres“ Fonds. Fordern Sie Fachberatung anstelle von Pauschalaussagen ein.

Nerven bewahren.

Der Verkauf zu einem Kurs unter dem Einstiegskurs bringt Verlust. Wer sich traut, kann zu „billigen“ Kursen nachkaufen. Aber Achtung: Der Markt ist äußerst instabil und jede Prognose mit Vorsicht zu genießen.

Risiko streuen.

In unsicheren Zeiten nicht das gesamte Vermögen in nur einen Aktienfonds stecken, sondern auf mehrere Fondsarten (Geldmarktfonds, Rentenfonds, Mischfonds) verteilen. Das Risiko wird dadurch besser verteilt.

Fonds sind langfristige Anlage.

Wenn Sie Geld nur kurz veranlagen wollen, wählen Sie in der jetzigen Situation besser eine Anlageform mit niedrigerem, aber fixem Ertrag (Sparbuch, Anleihe).

Wir empfehlen auf konsument.at

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail
Zum Seitenanfang