Investmentfonds - Gemischte Gefühle

  • Reinfall mit Rentenfonds
  • Kaum Beratung
  • Informationsdefizite

Investmentfonds-Zertifikate sind die absoluten Durchstarter bei den langfristigen Anlageprodukten. Mitte 1999 waren in den Fonds heimischer Banken und Kapitalanlagegesellschaften bereits über 950 Milliarden Schilling geparkt. Vor allem Aktienfonds verzeichnen nach wie vor zweistellige Zuwachsraten. Im Vorjahr entstand in der Redaktion daher die Idee, verschiedene Investmentfonds einem Langzeittest zu unterziehen. Wir haben zu diesem Zweck im Vorjahr eine Million Schilling bei zehn Bankinstituten in verschiedene österreichische Investmentfonds investiert, und zwar jeweils 100.000 Schilling. Die Vorgabe war, fünf sichere und fünf ertragreiche Fonds zu kaufen. Über die Beratung beim Kauf und die Produktwahl haben wir in Ausgabe 12/1999 (siehe dazu: Weitere Artikel - "Kauf von Investmentfonds") berichtet.

Wenngleich Sieger und Verlierer erst nach Ablauf der geplanten (und für Rentenfonds zumindest empfohlenen) Behaltefrist von fünf Jahren gekürt werden, ist das Rennen bereits im ersten Jahr spannend. Ziemlich lang fallen die Gesichter bei den Inhabern von Rentenfonds aus; risikobereitere Anleger, die auf Aktienfonds setzten, haben bis jetzt Grund zum Feiern. Noch etwas zeigt diese Zwischenbilanz: Als kleiner Schalterkunde und Fondsanleger wird man wenig bis gar nicht beraten.

Vernachlässigte Kleinanleger

Alle sechs von uns gekauften Rentenfonds sind in ihrer Entwicklung einiges schuldig geblieben. Obwohl von den Beratern Renditen von vier bis sechs Prozent, in einem Fall sogar bis acht Prozent, vorhergesagt wurden, sind derzeit – wie bei festverzinslichen Wertpapieren – nur Kursverluste zu verbuchen.

Die Berater hätten darauf hinweisen müssen, dass sich auch ein Rentenfonds negativ entwickeln kann, wenn das allgemeine Zinsniveau stark ansteigt. Dies liegt daran, dass bei steigenden Zinsen alle schlechter verzinsten Anleihen sofort an Attraktivität verlieren und die Fondsmanager auf ihren kursschwachen Fondspapieren sitzen bleiben.

Gleich vorab: Dieses Basiswissen hat sich offenbar noch nicht bis zu den Wertpapierberatern in den Bankfilialen herumgesprochen. Die Enttäuschung unserer Testkunden war groß, als sie den aktuellen Kontoauszug in Händen hielten. Vor allem jene Rentenfonds, die in österreichische und europäische Anleihen investieren, wie der Mündel-Rent (Erste Bank), der Raiffeisen-Wien-Fonds, der Österreichische Rentenfonds (Bank Austria), der Constantia Euro Bond beziehungsweise der AustroRent (Allgemeine Sparkasse OÖ) konnten seit Mai 1999 keine Wertsteigerung erzielen.

Ganz im Gegenteil: Sie weisen Minusrenditen, sprich Verluste, zwischen –2 und –4 Prozent auf. Halbwegs erfreulich stellt sich dagegen die Situation beim Volksbank Interbond dar, der auch internationale Schuldtitel in seinem Portfolio führt.

Fazit: Rentenfonds sind in Bezug auf die Kursentwicklung zwar stabiler als Aktienfonds, doch in Zeiten steigender Kapitalmarktzinsen ist ein Kauf nicht anzuraten. Auf unsere Frage, warum denn vor allem die Rentenfonds seit dem Kauf im Mai 1999 eine derartig schlechte Entwicklung hatten, erhielten wir von den Beratern statt einer Erklärung über den Zusammenhang von Zinstrends und Rentenmarkt ein mehr oder weniger verständnisloses Achselzucken. Es kam durchwegs der tröstende Hinweis, es ginge sicher wieder nach oben. Wenigstens rieten die Berater davon ab, den Fonds zu verkaufen oder in andere Papiere zu wechseln (switchen). Ein Rat, dem wir uns nur dringend anschließen können. Ein Verkauf zu diesem relativ ungünstigen Zeitpunkt ist mit weiteren Kosten verbunden, und die Erträge verringern sich nochmals.

Unser Tipp: dieses Kurstief, wenn möglich, durchtauchen.

Respektable Steigerungen bei Aktien

Besitzer von Aktienfonds hingegen können aufatmen. Sie haben auf Risiko gesetzt und – zumindest im ersten Jahr – gewonnen. Die von uns gekauften Aktienfonds entwickelten sich alle positiv, was sich in saftigen Kursgewinnen niederschlägt. Der Grund dafür liegt in einem lang anhaltenden freundlichen Börsenklima ohne größere Turbulenzen, wie es im Fachjargon heißt. Respektabel ist die Wertsteigerung von annähernd 30 Prozent von BAWAG Global Stock und von P.S.K. Euro Stock. Auch im Vergleich zum Gesamtmarkt liegen diese beiden Fonds voll auf Kurs. Die gewählten Referenzwerte (Benchmarks), der MSCI-Welt für internationale Aktienfonds und der MSCI-Europa für europäische Aktienfonds, kletterten im Vergleichszeitraum ebenfalls um ungefähr 30 Prozent in die Höhe. Die Fondsmanager bei P.S.K. und BAWAG haben augenscheinlich auf die richtigen Aktien gesetzt und konnten voll an den Börsentrends partizipieren. Rückblickend betrachtet fiel die Gewinnprognose beim Kauf der Papiere geradezu bescheiden aus. Die BAWAG stellte eine durchschnittliche Performance von 12 Prozent pro Jahr in Aussicht. Der P.S.K.-Berater ließ die zukünftige Entwicklung gänzlich offen.

Eine recht unterschiedliche Bilanz lässt sich für die beiden gemischten Fonds ziehen. Der Superior 2 von Schelhammer & Schattera (immerhin rund 50 Prozent Aktien und Anleihen) erzielte ebenfalls eine gute Rendite von über 20 Prozent. Nicht überzeugen konnte hingegen der Hypo-Invest. Trotz Aktienanteils von zirka 40 Prozent liegt dieser Fonds mit einem aktuellen Depotwert von nicht ganz 96.000 Schilling sogar im Minus. Weiters ist es noch nicht möglich, die Ausschüttungen des Fonds automatisch wiederzuveranlagen. Unsere Testperson musste eigens eine Filiale der Hypo-Landesbank NÖ aufsuchen und die auf ihrem Verrechnungskonto angehäuften Zinsen persönlich wiederveranlagen.

Zu viel versprochen

Nur drei von zehn Kundenberatern wiesen beim Kauf der Investmentfonds-Anteile darauf hin, dass zukünftige Erträge und Renditen nicht vorhergesagt werden können. In den anderen Fällen scheinen die Renditeversprechen aus heutiger Sicht durchwegs überzogen. Vor allem die versprochenen Renditen bei den Rentenfonds von durchschnittlich vier bis acht Prozent pro Jahr sind angesichts der bisherigen realen Kursverluste aus Konsumentensicht inakzeptabel. Unserer Ansicht nach muss man von geschulten Bankmitarbeitern verlangen können, dass sie die Entwicklung von Wertpapieren realistisch einschätzen und darauf hinweisen, dass die Wertentwicklung nicht jedes Jahr gleich verlaufen muss. Aussagen wie „dieser Fonds bringt sicher mehr als ein Sparbuch, netto zirka fünf Prozent“ waren keine Seltenheit und sind wegen der damals schon absehbaren Zinsentwicklung falsch.

Auch in punkto Flexibilität und Abrechnung haben wir Handlungsbedarf festgestellt. Die Veranlagung der gesamten Summe von 100.000 Schilling war nur in sechs der zehn Fälle möglich. Es wurden zwar 100.000 Schilling (mitunter geringfügig mehr oder weniger) überwiesen, jedoch floss nicht der gesamte Betrag in die Fondsveranlagung, sondern wurde auf Verrechnungskonten, Sparbüchern oder Sparcards „zwischengeparkt“. Manche Banken rechnen nur ganze Stücke an Investmentfonds ab. Bei anderen Fonds kann man hingegen auch aliquote Anteile (zum Beispiel 1/10-, 1/100-Anteil) erwerben. Ein kleiner Unterschied mit schwerwiegenden Folgen: Da das Restkapital meist schlecht verzinst wird, sind die Erträge natürlich niedriger und dies oft über eine längere Periode. Auch hier hätten wir uns eine „renditefreundliche“ Beratung gewünscht.

So sind beispielsweise Anteile am Superior 2 (Schelhammer & Schattera) nur in ganzen Stücken erhältlich. Wegen des hohen Stückpreises für den Superior 2 konnten zunächst nur sechs Stück im Wert von 93.700 Schilling angekauft werden. Der Rest blieb ein Jahr lang auf einem Sparbuch liegen. Wenngleich die Verzinsung von anfänglich 1,625 Prozent auf Grund des steigenden Zinsniveaus freiwillig auf 2,625 Prozent pro Jahr angehoben wurde, hat sich dieses Zwischenparken auf einem mäßig verzinsten Sparbuch natürlich negativ auf die Gesamtrendite ausgewirkt. Anstatt 20 Prozent ergab sich für die volle Summe von 100.000 Schilling nur eine Gesamtrendite von 15 Prozent.

Mehr Transparenz wäre auch bei den Depotmitteilungen und Kontoauszügen wünschenswert. In zwei Fällen konnte nicht einmal festgestellt werden, zu welchem Kurs beziehungsweise wie viele Stücke gekauft wurden. Wer nicht selbst zur Zeitung greift und die Kursentwicklung mitverfolgt, erhält keine aktuelle Informationen über die Entwicklung „seines“ Fonds. In den meisten Fällen wird lediglich einmal pro Jahr ein Depotauszug über den aktuellen Kontostand zugesandt.

Einfach kompliziert

Wie umständlich der Umgang mit angeblich modernen und zeitgemäßen Finanzinstrumenten manchmal sein kann, beweist folgendes Beispiel. Zu Testzwecken wurde von uns ein Depotübertrag durchgeführt. Der Übertrag der Wertpapiere erfolgte noch ohne größere Probleme. Jedoch war das Auflösen der als Verrechnungskonto dienenden Sparcard höchst kompliziert.

Die Sparcard wies einen Endsaldo von 1726,37 Schilling auf. Davon sollten noch 150 Schilling an Auflösungsspesen abgezogen werden. Es wurden jedoch nicht einfach 1576,37 Schilling ausgezahlt, sondern der Berater bat unseren Tester, zunächst 1500 Schilling beim Bargeldautomaten abzuheben und anschließend dem Bankmitarbeiter die Sparcard auszuhändigen. Den Rest von 76,37 Schilling würde man überweisen.

Zu unserer Überraschung langten sogar 80 Schilling (!) auf dem Konto ein. Auf die Frage, warum dies so kompliziert sei, antwortete der Berater: „Bei der Auflösung der Sparcard kann nicht der gesamte Betrag behoben werden, weil der Automat nur 100er- oder 1000er-Scheine auszahlt.“ Man muss kein Nostalgiker sein, wenn man sich in solchen Momenten nach dem guten, alten Bankschalter sehnt.

Investmentfonds - Vorgabe:Sichere Fonds

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Investmentfonds - Vorgabe: Ertragreiche Fonds

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Kurswert jetzt überprüfen. Ein Aktienfonds, der im abgelaufenen Jahr keine Gewinne erzielt hat, wird auch in Zukunft keine gute Performance erreichen. Bei Rentenfonds: durchtauchen und die empfohlene Behaltedauer von mindestens fünf Jahren abwarten.

Ertrag optimieren. Bei fixen Anlagebeträgen ist Stückkauf ungünstig. Besser: aliquoter Erwerb von Fondsanteilen. Hier wird nicht das Restkapital zu schlechten Konditionen „zwischengeparkt“.

Lästig sein. Die Beratung ist oft unzureichend. Hinterfragen Sie die Aussagen Ihres Beraters. Lektüre von Fachliteratur ist hilfreich.

Vorsprung durch Information. Den Kurswert Ihres Fonds und allgemeine Zins- und Aktientrends erfahren Sie zum Beispiel in Tageszeitungen, übers Internet oder bei Ihrem Bankberater. Mehrmals jährlich Depotstand abfragen!

Es wurden zehn Banken aufgesucht und pro Bank je 100.000 Schilling in einen angebotenen Investmentfonds veranlagt. Die 10 Fonds (Investmentzertifikate) wurden nach zwei definierten Anlegerprofilen eingeholt:

Anlegerprofil 1: Wunsch nach einem „sicheren“ Fonds mit einer (geplanten) Behaltedauer von fünf Jahren. Anlageziel: Ansparen für eine Anschaffung.

Anlegerprofil 2: Wunsch nach einem „ertragreicheren“ Fonds und höhere Risikobereitschaft mit einer (geplanten) Behaltedauer von zehn Jahren. Anlageziel: langfristiger Wertzuwachs.

Bei beiden Profilen wurde nach einem thesaurierenden (das heißt, einem nicht ausschüttenden) Fonds verlangt. Die Tester fragten aktiv nach Grundprinzipien der Fondsveranlagung, jährlichem Ertrag nach Abzug der Kosten, Risiken und Kosten der Fondsveranlagung. Es wurden sechs „sichere“ Fonds und vier „ertragreichere“ Fonds angeboten und auch erworben. Gekauft wurden die Fonds bei Banken in Wien im Mai 1999.

Im September 2000 wurden nochmals die Berater aufgesucht, um den aktuellen Depotstand, die Entwicklung der Fonds beziehungsweise den Grund der jeweiligen Entwicklung und die weitere Vorgehensweise abzufragen. Die Ergebnisse dieser Beratung gibt unser Testurteil wieder.

Die Grafiken zeigen die Entwicklung der gekauften Fonds anhand der errechneten Werte, das ist jener Kurs, der sich aus dem Fondsvermögen, dividiert durch die Gesamtanzahl der in Umlauf befindlichen Zertifikate, ergibt.

Erhebungszeitraum:
Mai 1999 bis September 2000.

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