Haushaltsversicherungen (Marktübersicht) - So wird´s günstiger!

  • Hohe Prämie heißt nicht bester Schutz
  • Sparen: Glasbruch raus, Selbstbehalt rein
  • Versicherungssumme regelmäßig überprüfen

Was die Haushaltsversicherung umfasst

Jeder kennt sie, fast jeder hat sie, und das nicht zu Unrecht, deckt die Haushaltsversicherung doch gleich zwei existenzbedrohende Risiken ab: einerseits den Verlust von allem, was einem in den eigenen vier Wänden lieb und teuer ist (Hausrat), und andererseits Schäden, die man unabsichtlich verursacht und die Schulden bis ans Lebensende nach sich ziehen können (private Haftpflicht).

Feuer, Blitz, Sturm und Wasser

"Konsument" hat im Auftrag der Arbeiterkammer Haushaltsversicherungen unter die Lupe genommen. Eine Haushaltsversicherung umfasst alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Entstehen Schäden durch Feuer, Blitzschlag, Sturm und Leitungswasser, durch Einbrecher oder ungeschicktes Hantieren mit Glas, durch Hagel, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag oder Erdrutsch, so kann Ersatz durch die Haushaltsversicherung eingefordert werden. Im Gegensatz dazu deckt die Eigenheimversicherung Schäden am Gebäude selbst.  In der Privathaftpflicht mitversichert sind Partner und Kinder, aber auch Kleintiere wie zum Beispiel Katzen oder Vögel; Hunde sind bei manchen Anbietern inkludiert, bei anderen extra zu versichern.

Polizze aktualisieren

Wichtig bei der Haftpflichtversicherung ist, dass die Versicherungssumme stimmt. Vor allem bei länger bestehenden Verträgen liegt sie manchmal sehr niedrig (200.000 Euro oder noch weniger). Empfehlenswert sind aber mindestens 750.000 Euro. Falls Sie eine noch nicht aktualisierte Polizze haben, sollten Sie sie – meist gegen eine geringe Mehrprämie – auf diesen Stand bringen lassen.

Risiko immer neu bewerten

Generell sollte man seine Haushaltsversicherungspolizze regelmäßig, etwa alle zwei Jahre und am besten mithilfe eines Maklers, überprüfen. Denn wie sich bei unserem Polizzencheck („Konsument“ 10/2007) zeigte, sind viele Österreicher nicht richtig versichert. Entweder wird die Versicherungssumme von Beginn an falsch gewählt oder Haushaltsversicherungen laufen über viele Jahre, in denen sich das sogenannte versicherte Risiko oft beträchtlich ändert.

Und es wird vergessen, die Polizze an Risikoerhöhungen (etwa durch Um- und Zubauten oder durch Neuanschaffungen) oder Risikominderungen (z.B. durch den Einbau von Sicherheitstüren oder Alarmanlagen) anzupassen. Dann kommt es entweder zu einer Unterversicherung (und im Schadensfall auch zu einer entsprechend geringeren Entschädigungssumme) oder man zahlt zu viel Prämie (und erhält im Schadensfall trotzdem nur eine dem tatsächlichen Wert entsprechende Entschädigung).

Große Differenzen

Wer sich erstmals eine Haushaltsversicherung zulegt oder vor einem Wechsel zu einem anderen Anbieter steht, sollte sich vor allem überlegen, welche Gefahren aufgrund der eigenen Wohnsituation abgedeckt sein sollen. Das sind in einer Stadt sicher andere als auf dem Land und in einer Wohnung im Erdgeschoß andere als im 5. Stock.

Weitere Kriterien sind der Ausstattungsgrad der Wohnung, Sonderausstattungen, Wertgegenstände oder Sonstiges, das Ihnen (finanziell) schützenswert erscheint. Ziehen Sie eventuell einen unabhängigen Versicherungsmakler zu Rate, um das Risiko richtig einschätzen zu können. Der kann Ihnen auch gleich helfen, sich durch die Polizzenvarianten zu kämpfen, denn die Unterschiede bei den Prämien und Leistungen sind groß.

Niedrige Versicherungssumme - geringe Prämie?

Die Versicherungssumme für unsere Modellwohnung reicht von rund 70.000 Euro (Raiffeisen) bis 108.000 Euro (Basler) oder ist wie im Fall von Call Direct unbegrenzt. Trotzdem zahlen Sie bei der Raiffeisen nicht in jedem Fall am wenigsten Prämie, wie bei einer derart niedrigen Versicherungssumme zu erwarten gewesen wäre. Umgekehrt muss eine hohe Versicherungssumme nicht mit einer hohen Prämie einhergehen. Ein passendes und gleichzeitig günstiges Angebot zu finden, kann also anstrengend sein.

Unzureichend beraten

Vor allem die Höhe der Versicherungssumme stellt ein Problem dar: So mancher ist unterversichert und würde im Schadensfall auf einem Teil seiner Kosten sitzen bleiben. Doch wie kommt man überhaupt zu einer passenden Versicherungssumme?

Vom Beratungsgespräch vor Vertragsabschluss darf man sich nicht allzu viel erwarten. Im Zuge der Erhebung sahen wir uns in der Praxis an, was die Versicherer einer Normalverbraucherin „mit 90-Quadratmeter-Wohnung und wenig  Vorwissen zu Haushaltspolizzen“ anzubieten haben. Und das ist zumindest hinsichtlich Beratung eher dürftig: einmal weitschweifige, eher verwirrende Ausführungen, ein andermal keine oder spärliche Bedarfserhebung, kein Hinweis auf Möglichkeiten zur Prämienreduktion, die Versicherungsbedingungen wurden nicht ausgehändigt, und ganz nebenbei wollten zwei Berater auch noch jeweils eine Lebensversicherung anbringen. Was die Produkte betrifft, so werden mit Vorliebe die teuren, mit vielen Zusatzleistungen ausgestatteten Modelle angeboten.

Gute Beratung bei Helvetia und Uniqa

Ein wirklich gutes Beratungsgespräch wie es eigentlich sein sollte gab es nur von Helvetia und Uniqa: Beide Berater ermittelten den Versicherungsbedarf sehr genau, legten mögliche Varianten vor, erklärten die Unterschiede der Produkte und zeigten Möglichkeiten auf, die Prämie zu senken.

Teurer Glasbruch

Zu diesen Möglichkeiten zählt vorneweg, nur das versichern zu lassen, was notwendig ist, also möglichst wenige Extras und Zusatzleistungen aufzunehmen – es sei denn, Sie haben genau daran Bedarf. So können Sie beispielsweise die Sparte „Glasbruch“ aus dem Vertrag streichen lassen. Die Glasversicherung ist relativ teuer, weil sie den häufigsten Schadensfall im Haushalt abdecken muss. Bei Verzicht darauf kann die Prämie um bis zu ein Drittel reduziert werden.

Kleinschäden selbst bezahlen

Eine andere Möglichkeit ist die Vereinbarung von Selbstbehalten, die in neueren Verträgen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Der Grundgedanke dahinter: Wenn die Versicherten nicht mehr jeden Kleinschaden beim Versicherer melden, reduzieren sich dessen Aufwand und Verwaltungskosten und die Prämien könnten längerfristig für die gesamte Versichertengemeinschaft wieder reduziert werden. Ein guter Ansatz, dessen Umsetzung wir im Auge behalten werden!

Marktübersicht Haushaltsversicherungen: Auf Ausschlüsse achten

Glasbruch: kann bei einigen Anbietern komplett ausgeschlossen werden und spart Prämie. Wenn inkludiert, ist trotzdem etliches nicht versichert, etwa Schäden an Hohlgläsern, Glasgeschirr, Lampen und Spots, an Handspiegeln und optischen Gläsern (wie Brillen) oder wenn „nur“ eine Kerbe, eine Verschrammung oder ein Sprung entstanden ist.

Einbruchdiebstahl: ist dann nicht gedeckt, wenn der Täter mit einem (z.B. gestohlenen) Originalschlüssel in die Wohnung gelangte oder die Wohnung nicht abgesperrt war.

 

Vandalismusschäden bei Einbruch: nicht immer automatisch mitversichert, Verwüstungen können aber hohe Kosten verursachen, daher auf Einschluss achten.

Katastrophenschäden: meist nicht oder nur mit ein paar Tausend Euro versichert. Falls Sie aufgrund Ihrer Wohnlage speziellen Versicherungsbedarf haben, unbedingt zusätzlich vereinbaren!

Sturmschäden: ausgeschlossen, wenn der Wind mit weniger als 60 km/h blies.

Haushaltsversicherungen: Lexikon

Wichtige Begriffe aus der Haushaltsversicherungspolizze

Assistance-/Zusatzleistungen wie Handwerkersofortservice, Kühlgutversicherung, Notebook-Versicherung stehen in der Beratung oft im Vordergrund, werden aber kaum erklärt und lenken von den wirklich wichtigen Deckungen ab. Sie sollten nicht vertragsentscheidend sein. Hinterfragen Sie den tatsächlichen Nutzen. Beim Handwerkersofortservice sind oft nur Vermittlung und Organisation kostenlos, nicht aber die Leistung selbst. Aus unserer Beratung wissen wir, dass solche Leistungen automatisch in den Vertrag eingeschlossen werden, obwohl der Versicherte sie gar nicht braucht.

Selbstbehalts-/Selbstbeteiligungstarif: Bedeutet, dass Kleinschäden bis zur vereinbarten Selbstbehaltshöhe aus eigener Kasse bezahlt werden. Durch Selbstbehalte von 50 bis 500 Euro lassen sich 10 bis 50 Prozent der Prämie einsparen. Die Höhe des Selbstbehalts und der dafür gewährte Nachlass sind unterschiedlich, meist werden mindestens zwei Varianten pro Versicherer angeboten.Unterversicherungsverzicht: Gewährleistet in Kombination mit einer pauschalierten Versicherungssumme, dass der Versicherer im Schadensfall keinen Einwand auf Unterversicherung erhebt.

Wertanpassungs-/Wertsicherungklausel: Automatische Anpassung der Prämie und Versicherungssumme entsprechend dem von der Statistik Austria veröffentlichten Verbraucherpreisindex. Wird die Prämie nicht automatisch angepasst, wird im Schadensfall nur der entsprechende Teil der Kosten ersetzt.

Haushaltsversicherungen: Pauschal oder individuell?

Die Versicherungssumme kann auf zwei Arten festgelegt werden: Üblich ist die pauschale Festlegung der Versicherungssumme nach der Wohnungsgröße und dem Ausstattungsstandard (z.B. „zweckmäßig“, „wohnlich“, „gediegen“). Dabei wird pro Quadratmeter Wohnfläche eine bestimmte Versicherungssumme angenommen. Zur Vermeidung einer Unterversicherung für die folgenden Jahre wird meist eine Wertsicherungsklausel inkludiert.

Bei der zweiten Art gehen Sie Zimmer für Zimmer durch und erstellen gemeinsam mit Ihrem Versicherungsbetreuer oder Gutachter eine Inventarliste des eigenen Besitzes mit entsprechendem Wiederbeschaffungswert. Dies lohnt sich nur bei sehr hochwertig ausgestatteten Wohnungen.

Haushaltsversicherungen: Kompetent mit "Konsument "

  • Große Unterschiede. Hohe Prämie heißt nicht unbedingt sehr guter Versicherungsschutz. Neben dem Basisschutz werden verschiedene erweiterte Deckungsvarianten angeboten. Überprüfen Sie, was davon Sie wirklich brauchen.
  • Einsparungspotenzial . Deutlich niedrigere Prämien sind ohne Glasbruchversicherung und mit Selbstbeteiligung möglich.
  • Passende Versicherungssumme. Sonst zahlen Sie unnötig viel Prämie (Überversicherung) oder erhalten im Schadensfall nur einen Teil ersetzt (Unterversicherung).
  • Polizzencheck alle paar Jahre. Entweder selbst oder durch einen Makler. Gewährleistet einen günstigen, optimalen Versicherungsschutz.

Haushaltsversicherungen: Erhebungskriterien

Wohnung: 90 m2 in Wien, durchschnittliche/wohnliche Ausstattung, kein Balkon oder Terrasse, größte Glasfläche 2 m2, keine besonderen Wertgegenstände, keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen.

Die Versicherungsprodukte müssen zumindest folgende für uns wichtige Leistungsbestandteile beinhalten: Feuergefahren, indirekter Blitzschlag, Elementargefahren (Sturm, Hagel, Schneedruck, Felssturz/ Steinschlag, Erdrutsch), Leitungswasser, Einbruchdiebstahl, einfacher Diebstahl, Vandalismus, Neuwertersatz, Unterversicherungsverzicht, Privathaftpflicht mit einer Mindestversicherungssumme von 500.000 Euro.

Mindestens diese Bestandteile müssen im jeweiligen Modell vorkommen. Erfüllen bei einem Versicherer mehrere Varianten diese Mindestvorgaben, wurde die günstigste ausgewählt. Darüber hinausgehende (Zusatz-)Leistungen wurden bei der Auswahl nicht berücksichtigt.

In der Tabelle werden nur Pauschal-Varianten (d.h. die Versicherungssumme wird pauschal aufgrund der Wohnungsgröße und -ausstattung festgelegt) berücksichtigt. Die Darstellung erfolgt für Ausstattungskategorie „wohnlich“.

Es wurden alle Versicherer, die in Österreich Haushaltsversicherungen anbieten, per E-Mail befragt. Folgende Versicherer wollten am Vergleich nicht teilnehmen: Niederösterreichische LV, SOVAG, s-Versicherung, Tiroler LV, Victoria Volksbanken, Vorarlberger LV.

Polizzen-Check Nehmen Sie sich vor Vertragsabschluss, aber auch danach regelmäßig Zeit, Ihre Polizzen anhand unseres Buches "Polizzen-Check" zu kontrollieren.

Ersparnisse von mehreren Hundert Euro pro Jahr sind durchaus drinnen – und erspartes Geld ist schließlich immer noch das am leichtesten verdiente!

Aus dem Inhalt:

  • Welche Versicherungen wirklich notwendig sind
  • Was an Mindestschutz sinnvoll ist
  • Wie Sie bestehende Polizzen optimieren
  • Spartipps für alle Versicherungssparten
  • Achtung! Fallen im Kleingedruckten

136 Seiten, € 14,90 (+ Versand)

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