Geldanlage - Rendite nach Maß

Sie möchten etwas anlegen, hätten aber gerne „mehr als Sparbuchzinsen“? Dann steht Ihnen ein Beratungsgespräch bevor, auf das Sie sich vorbereiten sollten.
Wer nicht gerade ein Anlageprofi ist und sein mühsam Erspartes auf die Bank trägt, möchte wohl wissen, welches der zahlreichen Finanzprodukte zwischen Sparbuch und Aktie am besten geeignet ist, sein Vermögen zu mehren. Doch anstelle der erhofften Informationen erwartet den Kunden erst einmal eine Reihe von Fragen. Während solche Kundengespräche für die Berater in der Bank zumeist Routinesache sind, stellen sie für viele Kunden eine Stresssituation dar. Erster Tipp: Wenn Sie bei der Beratung mit Fragen „gelöchert“ werden, ist das schon einmal ein gutes Zeichen. Es kann also durchaus hilfreich sein, sich bereits vor dem Gang zur Bank in Ruhe ein paar Punkte zu überlegen und die Antworten auf die wichtigsten Fragen des Bankberaters vorzubereiten.

Kleiner Kunde – großer Kunde

Die klassischen Einstiegsfragen beziehen sich auf die Höhe des zu veranlagenden Kapitals und die Veranlagungsdauer. Bei Beträgen unter 50.000 Schilling ist etwa eine Veranlagung in Wertpapieren im Normalfall meist auszuscheiden: Die üblicherweise verrechneten Mindestdepotgebühren würden in diesem Fall den Großteil der Rendite aufzehren. Auch sind manche Anleihen oder Fonds überhaupt nur in Anteilen von beispielsweise 5000 oder 10.000 Euro zu haben. Leider hat die Frage nach dem zu veranlagenden Kapital in der Praxis oft auch Einfluss auf die Beratungsqualität: Die bestausgebildeten Berater werden häufig erst bei vermögenderen Kunden, ab etwa 500.000 Schilling, zugezogen.

Großzügiger Veranlagungszeitraum

Die Veranlagungsdauer wird in manchen Fällen durch gesetzliche oder vertragliche Vorschriften bestimmt, wie etwa bei Bauspar- oder Versicherungsverträgen. Bei Aktien und aktienlastigen Fonds wiederum sprechen zumeist wirtschaftliche Überlegungen dafür, eine bestimmte Veranlagungsdauer einzuplanen. Ein Grund dafür sind die Ankaufsspesen, die üblicherweise so hoch sind, dass es – durchschnittlich günstigen Kursverlauf vorausgesetzt – zumindest eine dreijährige Behaltefrist braucht, um im Schnitt trotzdem einen attraktiven Ertrag zu erzielen. Gängige Empfehlung ist sogar, für diese Papiere einen Veranlagungszeitraum von zehn Jahren einzuplanen. So soll vermieden werden, dass der Besitzer bei dringendem Geldbedarf gezwungen ist, diese Anlagen, die oft großen Wertschwankungen unterliegen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen zu müssen.

Persönliche Anlagedauer

Beim Thema Anlagedauer ist Ihre persönliche Lage von größter Bedeutung. Ist Nachwuchs geplant, ziehen die Kinder bald aus oder droht gar Scheidung? Stehen größere Reparaturen (Wohnungs- oder Haussanierung) oder größere Neuanschaffungen (zum Beispiel Auto) an? Wie sicher ist Ihr derzeitiges Einkommen, das anderer Haushaltsmitglieder?

Sie bestimmen das Risiko

Im nächsten Schritt wird versucht, die Risikofreudigkeit des Anlegers auszuloten. Faustregel: Höhere Erträge sind auch mit höherem Risiko verbunden. Dabei sollten Sie sich auch überlegen, wie Sie damit umgehen können, wenn sich Investitionen eine Zeit lang weniger rosig entwickeln. Haben Sie die Nerven, schlechte Zeiten durchzustehen, oder wäre Ihre Ruhe nachhaltig beeinträchtigt? Salopp ausgedrückt: Auch der sorgenfreie Schlaf hat schließlich seinen Wert.

Zweck der Veranlagung?

Bereits zur Feinabstimmung gehört die Frage, was Sie als Kunde mit Ihrer Veranlagung überhaupt erreichen wollen. Die Altersversorgung sichern? Für die Kinder etwas auf die Seite legen? In diesem Falle sind Anlageformen empfehlenswert, bei denen allfällige Erträge reinvestiert (im Fachjargon: thesauriert) werden. Wer lieber regelmäßig etwas aufs Konto bekommt, erkauft dies mit einer geringeren Wertsteigerung. Bei den meisten Anleihen, Versicherungen und Fonds besteht die Wahl zwischen thesaurierenden Varianten und solchen mit periodischer Ausschüttung.

Hilfreiche Liste

Im Idealfall ergänzen einander risikoreichere und risikoärmere Anlageformen, solche mit längerer und mit kürzerer Bindungsdauer. In einem wirklich guten Beratungsgespräch werden jetzt auch bereits bestehende Anlagen zur Sprache kommen. Eine zu Hause vorbereitete Liste, in der allfällige Sparbücher, Versicherungen, Bausparverträge, Immobilien und Wertpapiere erfasst sind, ist dabei in jedem Fall nützlich. Sie verschafft nämlich auch dem Anleger selber – oft erstmals – einen geordneten Überblick über seine Vermögensverhältnisse.

Wichtige Fragen

An dieser Stelle sollte Ihnen der Berater die ersten konkreten Vorschläge machen. Das ist der Moment, wo Sie wichtige Fragen stellen sollten: Etwa, welchen Einfluss Währungsschwankungen auf die Investition haben könnten, welche Ereignisse den speziellen Markt bedrohen könnten, oder unter welchen Bedingungen und an wen die Anlage wieder verkauft werden kann. Auch ein genaues Hinterfragen möglicher Nebenkosten wie etwa An- und Verkaufsspesen, Kontoführungs-, Verwaltungs- oder Manipulationsgebühren, Depotspesen, Mindestgebühren, Devisenprovisionen oder Steuern verhilft oft zu einer im Verhältnis zum ersten Eindruck recht veränderten Sichtweise auf so manchen Anlagevorschlag. Sie werden merken: Da verliert so manche ursprünglich genannte Rendite an Glanz.

„Ich möchte 200.000 Schilling mit eher weniger Risiko für die nächsten zehn Jahre so anlegen, dass ich deutlich mehr Zinsen als am Sparbuch habe.“

Mit diesem Anlagewunsch suchten wir Wiener Filialen sieben verschiedener Bank- und Sparkasseninstitute auf. So einheitlich sich die Banken an das Grundgerüst des Beratungsgespräches hielten, so unterschiedlich waren im Endeffekt die Empfehlungen. In vier Fällen wurden unserer Testkundin als erstes Kapitalversicherungen angeboten. Das garantierte Ablösekapital lag zwischen knapp 246.000 beim Angebot der Bank Austria und fast 253.000 Schilling bei jenem der Erste Bank. Dafür zeigte sich die Bank Austria bei der – nicht garantierten – Gewinnbeteiligung mit über 92.000 Schilling besonders optimistisch, während die BAWAG mit rund 69.000 Schilling eher vorsichtig kalkulierte. An Wertpapieren wurden in der Hauptsache Fonds der jeweils eigenen Kapitalanlagegesellschaften vorgelegt. Das Spektrum reichte dabei von reinen Rentenfonds bis zu solchen mit einem Aktienanteil von 75 Prozent.

Von BAWAG, Raiffeisen und der Vorarlberger Landeshypobank wurden auch verschiedene Anleihen angeboten, darunter die Raiffeisen „Kunstanleihe“. Deren Besonderheit liegt nicht nur in der Gestaltung, sondern man kann sie auch, im Unterschied zu den meisten anderen Wertpapieren, physisch mit heimnehmen. Neben dem Einsparen der Depotgebühr ist so bis zu einem Betrag von 200.000 Schilling auch die Wahrung der Anonymität des Inhabers möglich.

Angeboten wurde auch die BAWAG Wohnbaubank-Wandelanleihe; wie bei allen Wohnbauanleihen sind die ersten vier Prozent des Ertrages KESt-frei.

Die Beratung erlebte unsere Testkundin als sehr „prospektorientiert“, genauere Fragen zu den Angaben in den überreichten Unterlagen lösten oft beträchtliche Unsicherheiten aus. Gerade ein Berater ließ deutlich jenes umfassendere Verständnis für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge erkennen, das wichtige Entscheidungshilfen erst ermöglicht. Denn wie sich eine Investition unter verschiedenen wirtschaftlichen Szenarien entwickeln könnte, worauf es aufzupassen gilt, um im Notfall rechtzeitig auszusteigen – das steht in keinem Prospekt.

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