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Fremdwährungskredite - FAQ - Wetten auf Haus und Hof

Achtung! Der Vorteil niedriger Zinsen kann durch Kursschwankungen und versteckte Kosten rasch weg sein. Antworten auf die häufigsten Fragen.

Soll ich für mein Eigenheim einen Fremdwährungskredit in Erwägung ziehen?

Nur dann, wenn Sie sich auch einen Euro-Kredit in gleicher Höhe leisten könnten und über Reserven verfügen. Möglicherweise müssen Sie erhebliche Verluste wegstecken können. Lassen Sie sich vorrechnen, wie der Kredit sich entwickelt, wenn Zinsen und Wechselkurs steigen. Denn dann steigt auch Ihre Verschuldung. Und wenn Ihre Sicherheiten nicht ausreichen, stellt die Bank möglicherweise den Kredit sofort fällig, Ihr Haus kann versteigert werden. Weiters müssen Sie die Entwicklung von Kursen und Zinsen ständig beobachten, möglicherweise rasch über einen Währungswechsel entscheiden und günstige Konditionen aushandeln. Das Ganze ist ziemlich riskant und auch kompliziert.

 

Was ist noch so kompliziert?

Üblicherweise ist ein Fremdwährungskredit endfällig. Die Rückzahlung geht in eine möglichst lukrative Geldanlage, den so genannten Tilgungsträger. Aus dessen Erträgen wird am Ende der Laufzeit die Schuld beglichen. Wenn das nicht klappt, müssen Sie nachträglich für die Differenz aufkommen. Manchmal wird auch vorgeschlagen, dass man mehr Geld aufnimmt als man braucht und das überschüssige Geld gleich investiert. Das bietet keinen Vorteil. Nur die Kosten steigen – und natürlich die Provision des Vertreters.

Warum soll das nicht funktionieren?

Wenn etwa mit unrealistisch hohen Renditen des Tilgungsträgers kalkuliert wurde oder wenn dabei viele Spesen anfallen. Das kommt beispielsweise bei fondsgebundenen Lebensversicherungen vor, die in Dachfonds investieren. Die Rendite des Tilgungsträgers sollten Sie realistisch einschätzen, also maximal 5 bis 6 Prozent jährlich nach Abzug aller Spesen. Versprochen werden aber oft 8 bis 10 Prozent. Das kann eng werden.

Aber der Schweizer Franken ist doch stabil?

Nein, auch beim Schweizer Franken schwankt der Kurs. Beim Yen kann sich der Kurs im Verlauf eines Tages um bis zu 4 Prozent ändern. Auch gibt es keine amtlichen Wechselkurse mehr, die Banken setzen den Kurs fest. Die Bank kann beim Wechseln daher prinzipiell irgendeinen Kurs nennen. Daher sollte man die Wechselkurse im Internet oder in Zeitungen verfolgen und bei größeren Abweichungen reklamieren. Beim Yen sollte man sogar eine Uhrzeit für das Wechseln festlegen, um Gewissheit über den Kurs zu haben: 4 Prozent Schwankung am Tag machen bei 100.000 Euro Kreditsumme immerhin 4000 Euro aus.

 

Mir wurde versichert, man könnte in Euro wechseln, wenn der Kurs der Fremdwährung steigt?

Die Sache hat mehrere Haken: Manche Verträge sehen nur die Rückwechslung in den Euro vor. So ein Passus ist jedenfalls sehr ungünstig, weil Fremdwährungskredite in mehreren Währungen angeboten werden. Nicht immer können Sie genau dann wechseln, wenn’s brenzlig wird. Sehr oft darf man dies nur zu den Ablaufterminen der Fremdwährungstranchen (Roll-Over-Periode) unter Einhaltung einer Kündigungsfrist (bis zu 6 Monate!). Die BAWAG zum Beispiel erlaubt einen Wechsel nur an zwei oder vier Terminen im Jahr und verlangt bei Nichteinhaltung ein Pönale. Eine Bank, die den Wechsel jederzeit in jede frei konvertierbare Währung zulässt, ist etwa die BA-CA. Vereinbaren Sie, wie die Bank im Fall steigender Kurse vorgehen darf, also ab welchem Schwellenwert zusätzliche Sicherheiten verlangt werden. Sollten Sie diese nicht erbringen können, wird der Kredit zwangsweise in Euro konvertiert. Dann fällt Ihnen der Kursverlust voll auf den Kopf. Und die Verzinsung des Euro-Kredits kann nach der Umstellung deutlich ungünstiger sein als bei einem Kredit, der gleich in Euro aufgenommen wurde. Beim Währungswechsel gibt es außerdem zahlreiche  Kosten, die nicht immer klar ersichtlich sind.

Aber ich dachte, da gibt es Vorschriften, wie viel die Bank verlangen darf?

Nein. Die Vertragsgestaltung kann frei vereinbart werden. Sie können aber einiges wegverhandeln:
Die Devisenprovision (Devisencourtage, Devisenkommission) fällt immer wieder an: bei Kreditaufnahme, Ratenzahlung, Währungswechsel, Kredittilgung… Sie beträgt meist 0,275 Prozent, wenn man nicht darüber verhandelt. Vorsicht vor Mindestspesensätzen!
Manche Banken rechnen beim Wechsel zwischen zwei Fremdwährungen über den Euro und lukrieren damit doppelte Devisenprovision. Das fällt meist nicht auf, weil der Betrag ja nicht direkt ausgewiesen wird. Bestehen Sie darauf, dass über „Crossrates“ berechnet wird, also direkt von einer Währung in die andere.
Manche Banken verlangen beim Währungswechsel zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr. Achten Sie auf Mindestgebühren oder hohe einmalige pauschale Bearbeitungsgebühren. Wenn diese Gebühr überhaupt verlangt wird, sollte die Bank wenigstens kundenfreundlich (über die erwähnten Crossrates) umrechnen. Und: Der Kredit wird zum niedrigeren Ankaufskurs aufgenommen,  zurückgezahlt wird er aber zum höheren Verkaufskurs. Auch diese Spanne ist verhandelbar.

Sind das schon alle Spesen?

Nein. Sie müssen zwei Konten führen, ein Euro- und ein Fremdwährungskonto, letzteres oft mit geschmalzenen Kosten: Die BAWAG verrechnet zusätzlich zur normalen Kontoführungsgebühr ein so genanntes „Gestionsentgelt“ von 20 Euro pro Quartal. Möglicherweise kommen auch Zahlungsverkehrsspesen zum Tragen, die auf einlangende oder ausgehende Zahlungen aufgeschlagen werden. Auch wenn Sie die Sicherheiten oder den Tilgungsträger wechseln, müssen Sie höchstwahrscheinlich eine Extra-Gebühr zahlen.
Die amtliche Gebühr für die Eintragung ins Grundbuch ist ebenfalls höher. Sie richtet sich nämlich nach dem Wert des Pfandrechtes, dieser liegt jedoch höher als bei vergleichbaren Eurokrediten. So sichert sich die Bank gegen das Zins- und Währungsrisiko ab.

 

Kann ich einen Fremdwährungskredit problemlos vorzeitig zurückzahlen?

Dafür ist oft ein Pönale vorgesehen. Auch hier können Sie verhandeln.

Wenn es so viele Probleme gibt, warum nehmen dennoch so viele Leute einen Fremdwährungskredit auf?

Viele Konsumenten sehen nur die niedrigen Zinsen. Aber sie ignorieren das Währungsrisiko und kümmern sich nicht um die internationale Entwicklung von Kursen und Zinsen. Und sie denken nicht daran, dass sie bei Spesen und Konditionen handeln können. Hier haben die Banken die Möglichkeit, den Kunden viele versteckte Kosten unterzujubeln. Auch deshalb werden Fremdwäh-
rungskredite so stark propagiert.

  • Sinnvoll nur mit Spielraum. Mit Verlusten ist zu rechnen – das kann bis zur Zwangsversteigerung führen! Hände weg vom Fremdwährungskredit, wenn Sie sich keinen Euro-Kredit in gleicher Höhe leisten können. Belastung durch steigende Zinsen und steigenden Wechselkurs durchrechnen lassen.
  • Höchstmaß an Eigenverantwortung. Sie müssen die komplizierte Konstruktion durchschauen, die Entwicklung von Wechselkursen und Zinsen ständig beobachten, möglicherweise rasch über einen Währungswechsel entscheiden und günstige Konditionen aushandeln.
  • Crash bei Rückzahlung vermeiden. Wenn der Tilgungsträger weniger abwirft als geplant, müssen Sie am Schluss die Differenz zahlen. Rendite daher realistisch einschätzen (maximal 5 bis 6 Prozent netto jährlich).
  • Keine überhöhte Kreditsumme. Es bietet keinen Vorteil, wenn Sie Geld leihen, um es in den Tilgungsträger zu investieren. Nur Ihre Kosten steigen.

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