DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.

Zum Inhalt

Bitcoins & Co - Währung aus dem Nichts

Bitcoins: Nach dem beispiellosem Boom 2013 ist die Begeisterung für die alternative Währung nach zwei Flops stark zurückgegangen.

Anfang 2013 konnte man eine Einheit der elektronischen Währung um rund 10 US-Dollar kaufen, gegen Ende des Jahres erreichte der Kurs fast 1300 Dollar. Doch zu Beginn des Jahres 2014 mussten gleich zwei Handelsplattformen für Bitcoins zusperren, nachdem sie von Hackern "ausgeraubt" worden waren. Seither zeigt der Kurs eher einen Abwärtstrend – Mitte April 2014 betrug er rund 500 Dollar.

Haben die Skeptiker recht behalten, die schon frühzeitig prophezeit hatten, dass die "Blase schnell platzen wird“? Nun, das tägliche Handelsvolumen erreicht immer noch 100 Millionen US-Dollar. Und angeblich kann man schon in 28.000 Einzelhandelsgeschäften des United Kingdom mit Bitcoins bezahlen.

Geld, das man nicht sehen kann

Der Bitcoin ist eine durch Verschlüsselungstechniken (Kryptographie) von Computern errechnete Währung mit einer Marktkapitalisierung (= Handelswert in Geld) von mehr als 10 Milliarden US-Dollar (Stand Anfang 2014). Bitcoins kann man an Internet-„Börsen“ und bei Internet-„Wechselstuben“ kaufen und verkaufen, sie im persönlichen Kontakt von einem „Bitcoiner“ erwerben und/oder damit in manchen Onlineshops und Geschäften bezahlen. Dabei hat der Bitcoin zwei Funktionen: Er dient sowohl als Zahlungsmittel wie auch als Spekulationsobjekt. Gesehen hat ihn aber noch keiner.

Zahlenwerte und Zahlungsmittel

Denn Bitcoins sind eben keine Münzen (engl. coins), sondern sie bestehen aus Bits (kleinste Recheneinheit des Computers), die in elektronischen Geldbörsen verwahrt und zwischen Computern transferiert werden. Sehr, sehr vereinfacht kann man sie sich als komplexe Zahlenwerte vorstellen, die von der bei Bitcoin-Nutzern am PC und auf dafür spezialisierten Rechnern installierten Software (den Clients) im gemeinsamen Netz errechnet werden und mathematisch streng definierten Ansprüchen genügen müssen, um zum akzeptieren Bitcoin-Zahlungsmittel zu werden.

Die Schlüssel zum Glück?

Als Bitcoin-„Konto“inhaber besitzt man einen öffentlichen Schlüssel (vergleichbar der herkömmlichen Kontonummer) und einen privaten, gleichfalls vom System berechneten Schlüssel (vergleichbar einer TAN). Bei einer Transaktion wird die Zusammengehörigkeit dieser Zahlenschlüssel im Netzwerk geprüft – und bestätigt, wenn alles seine Ordnung hat; die Übertragung der Bitcoins von einer elektronischen Geldbörse (engl. „wallet“) in die andere findet in Sekundenschnelle statt.

"Sei Deine eigene Bank!“

Eine oder mehrere solcher Geldbörsen kann sich jeder in Sekundenschnelle bei einem Online-Wallet-Dienst oder – etwas langwieriger – per Clientsoftware auf seinem PC anlegen. Verwaltet werden sie per Smartphone, Tablet oder Heimcomputer, über die auch alle Zahlungsein- und -ausgänge abgewickelt werden. Die Vorgänge sind anonym oder teilanonym („pseudonym“) und können von Dritten nicht beeinflusst oder kontrolliert werden.

"Sei Deine eigene Bank! ...“

…, lautet folgerichtig denn auch einer der Bitcoin-Slogans. Denn während herkömmliche Zahlungsdienstleister von Käufer und/oder Verkäufer Gebühren verlangen, die vor allem bei kleineren Beträgen schnell bis zu zweistellige Prozentwerte der transferierten Summe erreichen können, sind Bitcoin-Transaktionen kostenlos oder werden mit Spenden von meist 0,0005 Bitcoins (derzeit rund 25 Euro-Cent) abgegolten. Diese fließen als „Belohnung“ für die Bitcoin-Erzeugung und die für die Prüfung der Transaktionen benötigte Rechnerleistung wieder in die Netzwerk-Community zurück.

Kontosperre? Gibt es nicht.

Während Zahldienste jederzeit Konten sperren können, auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass den Kontoinhaber keine Schuld an aufgetretenen Unklarheiten trifft (häufiges Problem für Onlineshops), geht das bei Bitcoins nicht. Weil es für eine Sperre oder sonstige wie immer geartete Eingriffe gar keine geeignete Stelle gibt.

Viele Vorteile, aber …

Dezentrale Geldschöpfung, keine bis geringe Transaktionskosten, von Dritten unbeeinflussbare Verfügungsgewalt über das eigene Guthaben, weitestgehende Anonymität sowie Fälschungssicherheit sind denn auch die Hauptargumente, die Bitcoiner ins Treffen führen. In einer kürzlich abgegebenen Stellungnahme zum Thema wies aber die deutsche Bankenaufsicht BaFin auf die andere Seite dieser Medaille hin: „Eine zentrale staatliche Aufsicht oder Regulierung ist für das dezentrale (Bitcoin-)Netzwerk nicht möglich", hieß es darin. "Jeder Nutzer muss daher selbst die Verantwortung übernehmen."

Festplatte kaputt, Bitcoins weg

Was liegt, das pickt

So sind Bitcoin-Transaktionen beispielsweise irreversibel, können also nicht rückgängig gemacht werden. Wer an einen unseriösen Onlinehändler gerät und diesen vor Erhalt der Ware bezahlt, hat Pech gehabt. Er kann bei keinem Zahlungsdienstleister in der Hoffnung reklamieren, sein Geld rückgebucht zu erhalten.

Festplatte kaputt, Geld weg

Verlust bzw. Diebstahl ist – wie bei einer echten Geldbörse – die zweite Gefahr. Hat man die Bitcoin-Geldbörse auf dem eigenen Computer oder Smartphone angelegt und nicht entsprechend doppelt und dreifach gesichert, ist sie bei Diebstahl, oder wenn die Festplatte des PC kaputt wird, weg. Auch wenn man sich für die Online-Geldbörsen-Variante entscheidet, ist ein Verlust bzw. Diebstahl nicht hundertprozentig auszuschließen – wie auch das Knacken eines Bankschließfaches oder des Tresors daheim nicht. Beim Bitcoin gibt es aber (noch) keine Versicherungen gegen diese Gefahren, auch keine Einlagensicherung; und die Betreiber haften schon gar nicht – das können sie auch nicht, weil sie gar nicht wissen, wer wie viele Bitcoins besitzt bzw. besessen hat. Das ist die Kehrseite der Anonymität. Und entspricht somit weitgehend dem dereinstigen "anonymen Sparbuch" (ohne Ausweispflicht), bei dem auch Pech hatte, wer es verlor oder wem es gestohlen wurde.

Skepsis ist erlaubt

Man sieht: So komplett anders, so exotisch ist die Kryptowährung vielleicht gar nicht. "Aber“, mag der wache Konsument hier einwerfen, "ein von irgendwelchen Computern errechneter Zahlenwert soll so vertrauenswürdig sein wie echtes Geld? Den Euro hat man schließlich in der Hand, so ein Bitcoin hingegen schwirrt nur irgendwo virtuell im Netz herum und wurde irgendwann und irgendwo von irgendwelchen Freaks erzeugt, die keiner kennt! Was soll so etwas wert sein?"

Die Antwort ist einfach: Genauso viel wie unser gewohntes Geld – nämlich an sich gar nichts.

Kein Geld ist "etwas wert“

Kein Geld ist „etwas wert“

Auch wenn das der Alltagserfahrung zu widersprechen scheint: Geld hat prinzipiell keinen eigenen, ihm innewohnenden (intrinsischen) Wert. Das meinte wohl auch Voltaire als er sagte: „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – null.“ Dennoch – oder gerade deshalb – kann es beliebig „erzeugt“ werden. Im Wesentlichen durch die Europäische Zentralbank (EZB), die ihr mittlerweile nachgeordnete Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und (in Form des Buch- oder Giralgeldes) auch durch das Bankinstitut Ihres Vertrauens.

Zig Milliarden per Federstrich

Zur Geld-Erzeugung müssen keine "Sicherungen“ (wie Gold) vorhanden sein und es müssen noch nicht einmal die Druckerpressen angeworfen werden. Vielmehr genügen entsprechende Unterschriften in den höchsten Gremien der EZB – schon ist Geld "aus dem Nichts“ entstanden. Man spricht deshalb im Finanzjargon und in den Wirtschaftswissenschaften vom "Fiat money“. "Fiat“ kommt aus dem Lateinischen und heißt etwa "es geschehe, es werde“. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel hieß es: "Fiat lux.“ ("Es werde Licht.“), in der Schöpfungsgeschichte der EZB: "Fiat money.“ - "Es werde Geld.“

"Und wo findet sich dieses Geld dann?", fragt unser wacher Konsument. Auch auf diese Frage ist die Antwort einfach: Wenn es nicht gerade zur Neuausgabe von Scheinen und Münzen benötigt wird (ein nur kleiner Teil) genau dort, wo sich auch Kryptowährungen befinden – als Bits und Bytes in den Computern …

Wo liegt der Unterschied

Unser gewohntes Geld kann, wie wir gesehen haben, denkbar einfach durch Beschluss der EZB "erzeugt“ werden. Bitcoins hingegen werden sozusagen öffentlich auf den Computern aller Teilnehmer errechnet, ihre Entstehungs- und Verwendungsgeschichte ist für jeden nachvollziehbar.

"Herkömmliches Geld kann theoretisch unbegrenzt erzeugt werden, es ist somit "inflationär“ (lat. „sich aufblasend“). Bitcoins sind das Gegenteil davon (deflationär). Die Bitcoin-Geldmenge ist systembedingt auf maximal 21 Millionen Stück begrenzt; rund 11 Millionen sind derzeit berechnet. Aufgrund der – gewollt – immer schwieriger werdenden Berechnung kann nur etwa alle 10 Minuten ein neuer Bitcoin das Licht der virtuellen Welt erblicken.

Darf jeder sein eigenes Geld machen?

Darf sich somit jeder sein eigenes Geld machen? Ja. Jeder Bürger ist frei darin, sich seine eigene Währung zu schaffen. Er ist nur verpflichtet, das gesetzliche Zahlungsmittel (den Euro) als solches anzunehmen und darf dieses nicht nachmachen, fälschen. Findet er aber genug Gleichgesinnte, die die alten Turnschlapfen der Kinder aus der vorigen Klasse als Zahlungsmittel akzeptieren, kann er diese ungestraft als solches verwenden – wie die Bitcoins auch.

Was macht Geld zu Geld?

Was macht Geld zu Geld?

Das ist nur eines: Vertrauen. Es müssen genügend Menschen nachhaltig davon überzeugt sein, dass sie den mit der Ausgabe des Geldes verbundenen Versprechungen trauen können. Ob dieses Vertrauen auf Wissen und Erkenntnis oder auf Dummheit und Gutgläubigkeit basiert, ist für die Sache ebenso unerheblich wie die Frage, ob die Währung Euro, Bitcoin oder Turnschlapfen heißt.

Vertrauen macht Geld zur Währung

Dieses Vertrauen dürfte bei den meisten Menschen gegenüber Kryptowährungen wie dem Bitcoin wohl deutlich weniger ausgeprägt sein als gegenüber der herkömmlichen Währung. Allenfalls sehr betagte Österreicher, welche sich an die Geldentwertung vor 90 Jahren erinnern, mögen selbst staatlichen Versprechungen mit Distanz gegenüberstehen. Sie führten dazu, dass beachtliche Spareinlagen eines ganzen Volkes von mehr als 2,3 Milliarden Kronen über Nacht zu lächerlichen 0,5 Millionen Schilling schrumpften. Das kann dem Bitcoin auch passieren (prinzipiell natürlich auch dem Euro und jeder anderen Währung).

Extrem riskantes Spekulationsobjekt

Vertrauen ist somit das, was die Kryptowährung am Leben erhält, wachsen oder sterben lässt. Setzt sie sich als alternatives Zahlungsmittel durch, könnte sie durchaus Bestand haben. Bis dahin aber bleibt sie nahezu ausschließlich ein extrem riskantes Spekulationsobjekt, an das nur denken sollte, wer entsprechende Verluste schmerzlos verkraften kann sowie über solide Kenntnisse im Finanzmarkt und in Fragen der Computersicherheit verfügt. Wer hingegen "Virenschutz“ für eine Impfaktion gegen Grippe hält und einen "Keylogger“ für den Aufsperrdienst, muss auf jeden Fall die Finger davon lassen.

Das Erzeugen von Bitcoins im Alleingang am heimischen PC lohnt heute nicht mehr. Es würde voraussichtlich mehrere Jahre dauern und höhere Stromkosten verursachen, als das Erzeugnis wert ist. Leider.

Neues Geld, alte Probleme

Neues System, alte Probleme

Man sollte dabei auch nicht vergessen, dass es sich um ein eher neues System handelt. Naturgemäß sind neue Systeme noch nicht vollständig ausgereift und auch die Sicherheits- bzw. Marktregulierungsmaßnahmen müssen sich noch herausbilden. Dies zeigt auch die unterschiedliche Beurteilung der Finanzbehörden, inwieweit solche Systeme als Geld- oder Zahlungssysteme zu werten sind.

Neue, noch nicht endgültig ausgereifte Systeme ziehen auch immer wieder Spekulanten, Glücksritter und leider auch eher dubiose oder euphorische Menschen an, die damit ihr Glück machen wollen. Dies kann zu Vorkommnissen führen, wie sie zuletzt bei den Tauschbörsen passiert sind: Verschwinden von Bitcoins, wirtschaftlicher Untergang von Handelsplattformen.

Ohne staatliche Aufsicht

Eine Regulierung oder auch nur eine staatliche Aufsicht sucht man in diesem Bereich eher vergebens. Was auch der Intention der Bitcoin-Gemeinschaft eher wiedersprechen dürfte. Allerdings auch mit der Konsequenz, dass es hier kaum Schutzmechanismen außerhalb des Systems gegen den Missbrauch des Systems gibt oder gar einen Schutz des Verbrauchers.

Was braucht man für Bitcoins?

Man braucht neben Computer, Smartphone oder Tablet und entsprechenden Kenntnissen im Umgang damit:

  • Geld zum Ankauf. Dieser kann von Handy zu Handy bei einem persönlichen Treffen mit einem Verkäufer erfolgen (Kauf- und Verkaufswillige in mehr als 5.000 Städten findet man auf www.localbitcoins.com) oder über einen der Bitcoin-Marktplätze wie www.bitcoin.de bzw. www.bitstamp.net (Großbritannien). Handelt man dort mit Bitcoins, ist naturgemäß die Angabe eines Kontos erforderlich, welches auch verifiziert wird; der Handel selbst erfolgt aber anonymisiert. Je nach Börse fallen unterschiedliche Kosten an, welche sich Käufer und Verkäufer teilen. Bei bitcoin.de beispielsweise liegen sie derzeit bei 1 % vom gehandelten Betrag. Depotgebühren etc. gibt es nicht.
  • Eine Bitcoin-Geldbörse zum Empfangen und Versenden von Bitcoins, etwa www.blockchain.info/wallet (Online-Wallet) oder multibit.org (Desktop-Wallet). Gratis, E-Mail-Adresse sinnvoll, keine weitere Identifikation erforderlich.

Zusammenfassung

  • Zahlungsmittel. Als Zahlungsmittel sind Bitcoins praktikabel, unterliegen aber enormen Kursschwankungen. Preise in Shops müssen also rasch mit dem Euro-Kurs verglichen werden.
  • Hohes Risiko. Auch wenn Sie damit nur bezahlen wollen: Als Spekulationsobjekt sind Bitcoins hochriskant, bis hin zum Totalverlust. Fachausdruck: Sehr hohe tägliche Volatilität.
  • Legal. Bitcoins sind kein Pyramidenspiel, da auf keiner uns bekannten Website ein Gewinnversprechen abgegeben wird.
  • Nur für Erfahrene. Der Umgang mit Bitcoins ist nur für computeraffine und finanzmarkterfahrene Nutzer geeignet. Sich intensiv in die Materie einzuarbeiten ist unabdingbare Voraussetzung.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail
Zum Seitenanfang